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Er stößt dabei das traditionelle Schliemann-Bild vom Sockel und zeigt einen Menschen, der ganze Passagen seiner Lebensgeschichte einfach frei erfunden hat. Heinrich Schliemann hat mehr als 60.000 Briefe, 18 Tagebücher und 10 Bücher, darunter eine Selbstbiografie hinterlassen. Keine leichte Aufgabe für einen Biografen, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Vandenberg weist jedoch schlüssig nach, dass Heinrich Schliemann in seiner Korrespondenz vor allem sich selbst darstellte und seine Briefe damals schon im Hinblick auf eine spätere Veröffentlichung angelegt hat. Er zeichnet den nur 157 cm kleinen Schliemann als einen Mann, der von einer Idee besessen war und hierfür wahrhaftig Berge versetzte. Ein Workaholic, der zehn Leben zu leben versuchte, aber immer ein Sonderling und Einzelgänger blieb.
Interessant bei der Lektüre ist, dass der Autor den Außenseiter Schliemann in einem Spannungsbogen zwischen höchster Bewunderung und tiefster Verachtung schildert, zum Genuss des Lesers. --Manuela Haselberger
472 pages, Hardcover
First published January 1, 1995