Wenn man das schmale Bändchen in die Hand nimmt, Prousts Porträt auf dem Einband sieht - nicht zu vergessen den Titel "Marcel Proust" - , könnte man mit einiger Berechtigung eine Biographie erwarten. Ich bin im positiven Sinne enttäuscht worden, weil Shattuck eine Analyse der "Suche nach der verlorenen Zeit" vorgelegt hat. Zwar bezieht er Prousts Leben und seine Verbindungen zum Werk mit ein, das Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf, einen theoretischen Zugang zum Roman zu schaffen. Shattucks These ist präzise formuliert, nachvollziehbar belegt und bildet so einen wirklichen Anreiz, sich intensiver mit der Lektüre auseinanderzusetzen. Mir persönlich hat die Untersuchungen von Prousts Humor am besten gefallen, weil sie eine für mich ungewöhnliche Lesereaktion (häufiges Schmunzeln, manchmal lautes Lachen) erklärt hat. Trotz der wissenschaftlichen Sprache und des hohen Alters von nun 40 Jahren ist der Band immer noch zu empfehlen. Warnung für diejenigen, die Spoiler fürchten: Das Werk wird vom Ende her erklärt!