Breaking Bad in Berlin: Zum Druckausgleich liefert die Pharmakologin Vanessa Glücksmittel an Politiker, Ex-Soldaten oder Ärzte. Deniz ist Streifenpolizist. Er fährt Doppelschicht und pflegt seinen Vater. Als die beiden aufeinandertreffen, wird der harte Beat weicher, wird zu einem Song von Rio Reiser. Ihre Begegnung öffnet den Himmel über einer pulsierenden Stadt. »Südstern« ist der große Comeback-Roman von Tim Staffel. Mit Vanessa und Deniz hat er ein neues Traumpaar der deutschen Gegenwartsliteratur geschaffen. Er erzählt unsere Zeit, wie sie ist. Messerscharf, dämonisch, sehnsüchtig.
Longlisted for the German Book Prize 2023 In this novel about societal pressures and how to deal with them, a drug dealer falls in love with a policeman who, in his sparse spare time, cares for his father who suffers from Parkinson. In classic Großstadtroman (urban novel) manner, Staffel opens up a panorama of characters who are supposed to illustrate current big city life and different personal trials and tribulations that affect people from various walks of life.
An urban novel with a topical center? Yes, this was done way, way, way better by Thorsten Nagelschmidt who, in his latest effort Arbeit, conveys current-day Berlin through the eyes of people who work in the city at night. Staffel, on the other hand, relies on tropes, he shows less narrative discipline, the pacing is often off, and his female main character, dealer Vanessa, remains implausible and a projection surface. Deniz, the half-Turkish policeman, is expertly rendered though.
Vanessa arbeitet als Apothekenlieferantin, in einer Bar und zusammen mit dem Besitzer dieser Andreas "Der Bär" macht sie einen Drogendeals. Der Bär besorgt den Stoff in den Niederlanden und sie liefert ihn auf ihren Touren aus. Es bleibt individuell und sie verkaufen nicht an jeden. Unter dem Radar bleiben und nicht auffallen. Vanessas Freund ist in der Politik und dort Fachperson für Drogenkonsum und macht Lobbyarbeit für eine lockere, offenere Drogenpolitik. Vom Nebenverdienst seiner Freundin weiß er nichts. Deniz ist Streifenpolizist und kümmert sich nebenher noch um seinen verwitterten Vater Markus, der an Parkinson leidet. Sie müssen jeden Cent umdrehen, er hat wenig Zeit und bekommt Hilfe von einem Pflegedienst, versucht krampfhaft eine bessere Pflegeunterstützung zu bekommen, aber die Kassen machen da nicht mit. Seine Kollegin Jovanna ist immer gereizt, streng und hat gleichzeitig eine Angststörung, die sie in ihrem Job einschränkt. Das Ganze spielt im Kiez in Berlin, es ist heiß, die Mülllabfuhr und Straßenreinigung funktioniert nicht. Es gibt viele kleine Geschäfte, die gerade so laufen. Viel Grillen im Park, Beschwerden usw. Berlin als Moloch, aber auch Partyhochburg, Lebensraum und Mittelpunkt. Vanessa und Deniz kennen sich und kommen sich nahe, viele Schicksale interagieren und führen zu einem Roman, der sich gut in einem weglesen lässt. Er ist ohne direkte Rede geschrieben, also viel Fließtext mit wechselnden Perspektiven. Hat was von Trainspotting und den anderen Drogenfilmen der 90er/2000er Lammbock etc. Kiezroman, Drogen, Gegensätze, abgefucktes Berlin, Krankheit, Tod und dazwischen die Liebe. Was mich etwas stört sich die türkischen Spracheinschübe, die nicht immer übersetzt sind. Und nach Seite 190 folgen ca. 20 Seiten die sich wie eine Vision/Fiebertraum lesen. Das sind aber ganz kleine Minuspunkte. Insgesamt ein sehr gutes Buch und mein Hightlight der Longlist bisher.
Nach der Lektüre dieses Buches musste ich mich erst mal beruhigen. Tief durchatmen und alles sacken lassen, die Begeisterung, die Erregung, die Rührung, das Mitgefühl- ich bin so aufgewühlt weil so ein Highlight wie dieses kommt mir nicht alle Tage unter.
Schauplatz Berlin, Südstern, das Revier von Deniz und seiner Kollegin Jovanna, einem berufsbedingten Paar im Streifenwagen 2-0-5. Ihre Begeisterung für einander ist „so mittel“ und der Spruch „was sich neckt das liebt sich“ trifft hier gar nicht zu. Deniz dessen türkischstämmige Mutter nicht mehr, lebt, wohnt mit seinem Vater zusammen, Mr. Parkinson, wie Vanessa ihn nennt. Vanessa, gelernte Pharmakologin, arbeitet als getarnte Apothekenkurierin mit einem lukrativen Haupterwerb, auf der dunklen Seite der Macht. Sie vertickt als rettender Engel kleine Helferlein an Bedürftige. Ihr Lebensabschnittsgefährte Olli ist politisch unterwegs, hauptamtlich quasi als Abgeordneter mit Thema Drogenproblematik. Keine gute Kombination, wie man sich denken. als ich ihre Wege kreuzen, verlieben Sie sich, Vanessa in Deniz und Deniz in Vanessa, und können voneinander nicht lassen. Nun ist ein Polizist dem Drogenverkauf gegenüber nicht aufgeschlossener als ein Politiker. Also hält Vanessa verständlicherweise hinterm Berg. Aber dann kommt etwas dazwischen: Das Leben!
In diesem Roman steckt nicht nur eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, sondern eine geballte Ladung Großstadtproblematik. Wir erleben den realistischen Arbeitsalltag eines Polizisten in all seiner Hilflosigkeit, Erniedrigungen und Gefahren included. Das Leben mit einem pflegebedürftigen Menschen, die Tücken des Alltags und den Stress, der dadurch auf allen Seiten allgegenwärtig ist, wird genauso thematisiert wie der Zusammenhalt der Clans und die Zerrissenheit zwischen dem Verlangen, ein ehrliches Leben führen zu wollen und den Verlockungen des Reichtums (nicht) widerstehen zu können. In einem wunderbaren Panoptikum lernen wir Menschen des Kiez kennen und SO sind sie und nicht anders!
Das Personal dieses Romans ist mir sehr ans Herz gewachsen. Deniz ist ein so liebenswerter Protagonist, mit dem ich mit gelitten und mit gegrübelt habe (Und in den ich mich ein bisschen verliebt hab🫠). Vanessas, mir manchmal ein bisschen unverständliche, Persönlichkeit hat oft das Verlangen geweckt, sie in den Arm zu nehmen und zu sagen, „Mensch Engel, denk doch mal nach“ aber das wäre vielleicht etwas übergriffig. Sie ist ja erwachsen…oder doch nicht? 🤔😉 Markus und Felix und Bär und Fish, Katrin und Tobi und Oma Zuppe sind alles tolle Figuren, die das Buch lebendig und nahbar erscheinen lassen. Dabei finde ich besonders die Darstellung von Markus intensiv und sehr gelungen. Parkinson ist ein A*loch! Und dann die Liebe, so zart und so nah und so tief. Es wird viel gevögelt zwischen diesen Seiten, beiläufig und immer richtig schön, wie aus dem Leben. Dieses Buch ist quasi buchpreisverdächtiger Longlist „New Adult“ vom literarisch Allerfeinsten, was Deutschland zu bieten hat. Am Ende hatte ich “Pippi inne Augen“, ob vor Trauer, Verzweiflung oder vor Rührung müsst ihr selber rausfinden.
Tim Staffel erzählt die Geschichte so dicht und atmosphärisch, dass man sich als Teil dieses Plots fühlt. Der AusDRUCK ist nicht gerade „easy peasy“ . Schlägt man das Buch auf wird man mit Blocksatz konfrontiert. Ohne Absätze, wörtliche Rede nicht gekennzeichnet. Kein Doppelpunkt keine Anführungszeichen!!!! So weiß man oft gar nicht wer gerade redet. Aber ich habe schnell gelernt, damit umzugehen und das verdanke ich der Fähigkeit des Autoren alltägliche Geschichten so zu fabulieren, dass Action nicht reißerisch und Liebe nicht kitschig wirkt. Stürzt man sich einmal kopfüber ins Getümmel merkt man schnell, dass man diesem Sog nicht entkommen kann. In kurzen, prägnanten Sätzen nehmen wir teil am anstrengenden Berliner Alltag in deren Zentrum sich Deniz und Vanessa kleine Oasen des Glücks schaffen. Und das Buch mutiert zum Pageturner. Ein ans Herz gehender Roman über die vielen Hürden des Lebens, die großen und die kleinen, über Abwege und Irrwege und darüber, dass gegen große Liebe keine Pille hilft. Für mich war es eine Offenbarung
Leider hat mir das Ganze nicht so sehr zugesagt. Zwar spannend geschrieben, so ganz anders, als das Meiste, was ich bisher so gelesen habe. Erfrischend. Aber diese ganzen Schicksale, von denen hier berichtet wurde. Es sind ja erstmal wirklich nur schlimme Sachen passiert. Für niemanden ist es so richtig gut ausgegangen (außer natürlich für unseren Engel Vanessa). Für mich war die Darstellung weniger ehrlich, als aufgebauscht (auch aufgrund der Häufung). Zuweilen hat es sich für mich komisch angefühlt, dass Tim Staffel so über die Lebensrealitäten von Menschen(Gruppen) schreibt, mit denen er nicht unbedingt was zu tun hat. Teilweise fand ich es überigriffig, auch wenn ich nicht denke, dass er das per se nicht darf. Schwierig. Das seltsamste an diesem Buch war für mich jedoch die Beziehung zwischen Deniz und Vanessa. Die haben sich gesehen und waren plötzlich einfach ein Ding, ohne dass man echte Verbundenheit, Verständnis, auch nur irgendetwas, was eine Liebesbeziehung ausmacht, mitbekommen hat. Fast schon so, als ginge es bloß darum, einen weiteren skandalösen Sachverhalt reinzubringen. Eine Dealerin ist nicht nur mit einem Politiker und Drogenbeauftragten, sondern auch mit einem Polizisten zusammen.
Berlin, du bist so wunderbar!? Tim Staffels Roman „Südstern" wirft einen kritischen Blick auf Berlin und thematisiert sowohl die Schattenseiten als auch die faszinierenden Aspekte dieser Stadt. Trotzdem ist es auch eine Liebeserklärung an das chaotische und multikulturelle Berlin. Der Roman spart nicht mit Gesellschaftskritik, indem er zeigt, dass alle dargestellten Menschen - Politiker, Sportler, Krankenschwestern, Gefängniswärter - mit den Anforderungen ihres Alltags überfordert sind. Alle benötigen Vanessa, die Pharmakologin. Sie hat Zugang zu den begehrten Substanzen und kann Empfehlungen geben, welches „Medikament" das Richtige sein könnte. Sie versorgt praktisch die halbe Stadt, sie ist einfach ein Engel, aber Engel gibt es nicht, oder? Dann begegnet sie Deniz, der als Polizist und Pfleger seines parkinsonkranken Vaters alles gibt. Habt ihre Liebe eine Chance? Zu Beginn überrascht „Südstern" mit einem eigenwilligen Schreibstil, der fast ausschließlich aus Hauptsätzen besteht. Durch diese fast expressionistische Simultantechnik gelingt es dem Autor, die vielfältigen Facetten der Stadt darzustellen. Als Leser ist man gefordert, die Verbindungen herzustellen. Später zeigt der Autor jedoch, dass er auch anders schreiben kann, wenn stark umgangssprachliche Abschnitte oder auch fast lyrisch-fantastische Passagen folgen. Der Roman ist spannend, humorvoll, herzzerreißend und aufwühlend. Er zeigt Berlin als einen Kulminationspunkt und Spiegel der deutschen Gesellschaft in einer zugespitzten Form, wie es auch in anderen Werken bereits dargestellt wurde.
Eine wunderbar verrückte Geschichte rund um eine engelsgleiche Vanessa, die ihre Drogendealerei (hauptsächlich Pulver, ein wenig Cannabis, und Marihuana) als Hilfsangebot an gestresste und um das Überleben in der Großstadt kämpfende Menschen versteht, Denis, einen türkischstämmigen Polizisten, der sich liebevoll um seinen pflegebedürftigen parkinsonkranken Vater kümmert, Andreas, einen schwulen älteren Barbesitzer, der als Drogendealer eine etwas im Dunkeln liegende Vergangenheit hat und den aufstrebenden Politiker Olli, der ohne um ihre verruchte Tätigkeit zu wissen in Vanessa, seine Wohnungskollegin, verknallt ist. Tim Staffel versteht es, alle diese unterschiedlichen Personen, und noch viele andere im Berliner Großstadtdschungel gestrandete Typen liebevoll zu zeichnen, sodass man niemandem wirklich böse sein kann, für alle Empathie empfindet, auch wenn sie sich noch so in die unmöglichsten Taten verstricken. Es sind die abhängenden Barbesucher, die ADHL-Junkies, die vom Sozialsystem unzulänglich unterstützten Alten und Kranken, die sich irgendwie über Wasser halten, aber auch die von den Berufsanforderungen und der Personalnot ausgelaugten Polizisten. Berlin ist der Ort, an dem sich das alles abspielt und Tim Staffel zeigt uns eine in Auflösung befindliche städtische Gesellschaft, die informelle Bande noch zusammenhalten. Man hilft sich, wenn, dann gegenseitig, staatliche Hilfe ist nicht erwartet und die staatliche Gewalt in Gestalt der Polizei wird kaum ernst genommen. Mitten drin also die Liebesgeschichte zwischen Vanessa und Denis, eine romantisch erblühende zarte Beziehung und nach 280 Seiten ein überraschender witziger Schluss. Ich habe einige Zeit auf dieses, auf der Longlist zum deutschen Buchpreis 2023 befindliche Buch warten müssen (scheinbar Lieferschwierigkeiten zu meiner Buchhändlerin, aber das Warten hat sich absolut gelohnt. Ich denke, da werde ich sicher mal ein anderes Buch des Autors lesen.
Bin sehr conflicted: dieses Buch ist zwar - zumindest anfangs - ein Pageturner, was nicht zuletzt natürlich dem Umstand geschuldet ist, dass das Ganze in Berlin, meist in Kreuzberg, spielt. Lesen macht Spaß, gut zum Weglesen abends nach dem Malochen. Aber ich muss schon sagen, es stößt mir irgendwie sauer auf. Der Lokalkolorit, die Darstellung der struggelnden Berliner:innen aller Gesellschaftsschichten hat etwas Kitschiges. Und was mich sehr beschäftigt: die Protagonistin trägt für mich starke Züge einer sexistischen Fantasie. Als unwiderstehlicher, verträumter und unendlich emphatischer Engel der vom Großstadtleben gepeinigten Existenzen streift sie durch die Lande, verbreitet überall Entzücken und Lechzen. Versteht die Lebenssituationen aller Menschen, denen sie begegnet, ohne ein Wort mit ihnen gewechselt zu haben. Ist stets latent horny und verzaubert alle Männer. Klarer Fall von Manic Pixie Dream Girl, „a character who exists solely in the fevered imaginations of sensitive writer-directors to teach broodingly soulful young men to embrace life and its infinite mysteries and adventures“ (Film Critic Nathan Rabin, Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu Manic Pixie Dream Girl).
Vanessa verdient sich als Drogenkurierin ihr Geld und Deniz als Streifenpolizist. “Südstern” ist ein Roman mit zwei Protagonisten, die aus der Ich-Perspektive ihren Alltag wiedergeben. Sie leben in unterschiedlichen Welten, und doch kreuzen sich ihre Wege. Die Machart ist besonders, ist doch nicht gekennzeichnet, wem der nächste Abschnitt gewidmet ist. Es handelt sich mitnichten um einen sturen Wechsel zwischen A und B. Manchmal werden einer Figur mehrere Kapitel gewidmet, manchmal nur ein Satz. “Wir packen all das Unausgesprochene und Übergangene ein, nehmen es mit, warten auf eine nächste Gelegenheit, jeder für sich.” Die authentische Darstellung vom Leben in Berlin und den durch die Tätigkeiten durchaus ungewöhnlichen Situationen entwickelt schnell einen Sog, der mich bis zur letzten Seite nicht mehr losließ. Neben dem harten Leben auf der Straße ist Familie das zentrale Thema. Dabei geht es im Speziellen um die Unterstützung von Familienmitgliedern bei Altersschwäche und Depression, aber auch um Herkunft im Allgemeinen. All die schwierigen Situationen werden aufgewogen durch Menschlichkeit. War ich mir anfänglich unsicher, ob dies ein Buch für mich sei, kann ich abschließend nur noch meine große Begeisterung ausdrücken. Die sensible Darstellung, die detailreichen Beobachtungen, das Tempo, der Figurenwechsel, die Sprache und der Handlungsverlauf gefielen mir außerordentlich gut.
Ein rasender Rhythmus, kein kitschiger Liebesroman, sondern eine Geschichte der Liebe. Ich hab das Buch so schnell verschlungen und seine Wirkung hallt immer noch nach!!
"Südstern" von Tim Staffel musste ich schon deshalb lesen, weil ich geborene Berlinerin bin und "Südstern" - mich sofort zu meinen Erinnerungen an dem Platz in Berlin bringt. Ja, der Südstern ... Wenn man in Berlin groß geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass man alle Teile von Berlin kennt. Jeder Stadtteil hat eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Vibe. Sogar Kreuzberg war vor der Reform der Postleitzahlen noch 36 oder 61 und das war ein großer Unterschied.
Was ich hier sagen möchte, gleich am Anfang: Dieser Roman ist ein besonderer Genuss für Menschen, die Berlin kennen. Ich musste an den Film "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders denken, der auch so viel mehr Atmosphäre als Handlung hat und neben allem anderen eine Hommage an Berlin ist.
Ein Roman wie ein Song von Rio Reiser. Südstern ist der große Comeback-Roman von Tim Staffel. Mit Vanessa und Deniz hat er ein neues Traumpaar der deutschen Gegenwartsliteratur geschaffen. Er erzählt unsere Zeit, wie sie ist. Messerscharf, dämonisch, sehnsüchtig. (Kanon Verlag)
So wirbt der Kanon Verlag für den Roman. Ganz klar ist Berlin hier die Hauptdarstellerin, das Großstadtgefühl, die Menschen in dieser Stadt.
Vanessa ist Pharmakologin. Sie liefert Substanzen, die für Erfolg und Glück sorgen. Ihre Kunden sind Sportler, Krankenpflegerinnen und Politiker. Deniz ist Streifenpolizist. Er fährt Doppelschicht und pflegt seinen parkinsonkranken Vater. Jeden Tag suchen Vanessa und Deniz verlorene Menschen auf, doch dann treffen sie sich. Ein zarter, starker Großstadtroman, der danach fragt: Wie halten wir dem Druck stand? Wie wollen wir leben, und wie können wir lieben?– (Inhalt-Kanonverlag)
Die Handlung
Ich bin eine ungeduldige Leserin, ich will schnell wissen, worum es geht, um wen es geht. Mir ist der Einstieg in den Roman nicht sehr leicht gefallen. Den Sog, den andere spüren, konnte ich nicht nachempfinden, das Tempo - war mir zu langsam. Ich musste erst einmal umschalten auf eine Geschichte, die dann doch sehr ausführlich, mit vielen Details und liebevoll beobachtenden Szenen erzählt wird.
Dazu kommen viele, viele Personen, die mich am Anfang haben fragen lassen: Um wen geht es eigentlich? Um was geht es eigentlich?
"Ich heiße Vanessa und bin ein Engel. Alle aus meiner Gemeinde warten darauf, dass etwas passiert. Ich dimme das Licht. Ein Paar sitzt am runden Tisch neben dem Durchgang zum Raucherzimmer. Noch sind sie kein Paar. " (Erste Sätze von Tims Staffels "Südstern" Einführung von Vanessa))
Vanessa, der Eingel, am Anfang dachte ich tatsächlich, sie ist nicht real (und wieder die Assoziation zu "Der Himmel über Berlin"). Engel Vanessa schaut viel, was andere machen, in der Kneipe, im Leben. Dieser Frauentyp ist mir immer etwas fremd und ich war froh, als ich Deniz kennengelernt habe, den Polizisten und die zweite ICH-Stimme im Buch. Wobei es wieder - für mich viel zu lange - gedauert hat, bis Deniz endlich bei sich war, von sich erzählt hat. Auch er ist immer in Beobachtung des Alltags anderer Menschen. Ein Polizist, der sich um den kranken Vater kümmert, der etwas anders ist, mehr bei anderen als bei sich.
Charaktere
Beide Hauptfiguren von Staffels Roman sind Menschen, die sich um andere kümmern, sich verantwortlich fühlen. Das allein ist eindrucksvoll, besonders wenn man die Großstadt/Berlin kennt, wo jeder sich um sich selbst kümmern - muss. Die Penner unter der Brücke oder die Betrunkenen vor der Kneipe - am besten sieht man weg oder weicht ihnen aus. Vanessa und Deniz tun das nicht, sie schauen genau hin und lassen uns Leser:innen darin teilhaben, lassen uns auch genau hinsehen. Das ist manchmal ein wenig didaktisch und hat mich aus dem Lesefluss und Genuss gerissen.
So viel realistisches Großstadtleben muss man mögen, zumal es im Roman eher um die Verlorenen, die Alleingelassenen, die Verlierer der Großstadt geht. Egal, ob reich oder arm, eigentlich sind alle Charaktere in Staffels Buch kurz vor ihrem Breakpoint.
Soziales Engagement
Zu recht stand Staffels Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2023, weil es sozial(kritische) Romane nicht mehr so richtig gibt und sie eigentlich immer aktuell sein sollten. Dem Kanon Verlag ist hier wirklich zu danken, weil er sich Themen und Autor:innen annimmt, deren Stärke es ist, uns in die verschiedenen Lebenswelten mitzunehmen. Es geht weniger um Unterhaltung als um Erfahrung. Lesen ersetzt das Erleben nicht, aber es schärft das Auge für Situationen und Menschen, macht (hoffentlich) toleranter und offen für fremde Welten.
Schreibstil
Staffels Schreibstil ist nüchtern und an vielen Stellen habe ich einen emphatischeren Blick auf die Welt vermisst. Es wird viel bemerkt und beschrieben, aber nicht immer war mir klar, wie die Protagonisten zu dem Gesehenen und Geschehen emotional stehen. Hier ist viel Spielraum für die Leser:in, ich hätte mir mehr Subjektivität gewünscht, die die ICH-Erzählung anbietet.
"Am Kottbusser Tor wohnen sie unter der Hochbahn, heute haben sie Gäste, die hängen Transparente auf und halten Schilder hoch. Tauben flattern, sehen zu. Am Rande des Kreisels parken vergitterte Mnnschaftswagen der Polizei, jeweils zu sechst stehen die Beamten in voller Montur davor, gucken herum, durch alles hindurch." (Kapital 2 - Einführung von Deniz)
Ich kenne das Kottbusser Tor und die Situation dort, ich kann mir alles vorstellen und frage mich, wie es anderen geht, die nicht wissen, dass es eine der sozial schwierigsten Orte in Berlin ist, wie ranzig es dort aussieht, die kalten 70er Jahre Betonbauten nicht kennen, wie ungemütlich es dort ist. Ich liebe Berlin, sogar diese Orte - irgendwie - aber wie geht es Denis? Bis ich verstanden habe, dass er uns dieses Situation beschreibt, musste ich drei Seiten lesen, ich dachte erst, es ging noch um Vanessa.
Anders gesagt: Mir fehlen in diesem Roman Subjektivität und Emotionalität der Hauptfiguren. Vielleicht auch, weil ich Berlin zu gut kenne und an vielen Stellen des Buches für mich nichts Neues erzählt wird. Ich hätte mir gewünscht zu erfahren, wie Deniz zu der Situation am Kotti steht, wie er das einschätzt. Doch er geht weiter, Richtung Glogauer (hier habe ich einmal gewohnt), bestellt Käsekuchen, betrachtet die nächste Situation. Die Sätze sind knapp und klar, etwas, was ich durchaus mag, doch oft ist mir der Schreibstil zu nüchtern gewesen.
Der Autor
Der Kanon-Verlag nennt es den Comeback-Roman von Tim Staffel, der Hörspiele, Theaterstücke und Romane schreibt und auch schon Regie geführt hat. Der letzte Roman ist von 2008. Seinen Kommentar in einem Interview zu diesem Lebensverlauf mag ich sehr gerne:
„Ich habe gemerkt, dass mir das, was das Schreiben mal ausgemacht hat – eine gewisse Dringlichkeit oder Leidenschaft –, abhandengekommen ist. Ich wollte herausfinden, ob ich dann noch etwas mache, wenn ich nicht mehr davon leben muss.“ Er begab sich auf Jobsuche. Nebenher schrieb er den Roman. „Weil ich dachte, ich muss noch etwas raushauen, für mich selber.“ (Frankfurter Rundschau)
Solche Autor:innen sind schon deshalb wertvoll, weil sie nicht für das Überleben schreiben müssen und sich ihre kreative Freiheit bewahren.
Fazit
Nicht für mich, aber mit der dringenden Empfehlung zu prüfen, ob es nicht dein Roman ist. Denn wenn ein Buch dich trifft und berührt, dann wird es lange mit dir leben. Ich wünsche Tim Staffel viele Leser:innen und dem Kanon Verlag weiterhin ein so gutes Händchen bei der Auswahl der Romanstoffe und Autorinnen.
Puh, ein Review für „Südstern“ von Tim Staffel fällt mir etwas schwer. Zu Beginn hat es mich etwas abgeschreckt, denn durch den nüchternen Schreibstil ist es schwer reinzukommen. Ich war sogar nach wenigen Kapitel kurz davor es abzubrechen, weil mich der Schreibstil davon abhielt so richtig in einen Lesefluss zu kommen. Das änderte sich im Verlaufe des Buches auch nicht mehr. Einzig allein Vanessa und Deniz als Hauptfiguren haben mich irgendwann gecatcht und eine emotionale Bindung erzeugt. Wahrscheinlich habe ich es vor allem deshalb durchgezogen (und das Buch ist zum Glück auch nicht allzu lang, sodass man das Ende schnell in Sicht hatte). Zum Ende hin wollte man dann natürlich auch wissen, wie es mit den beiden zu Ende geht - auch wenn es teilweise vorhersehbar war. Klingt jetzt alles vor allem negativ, alles in allem gibt’s aber trotzdem 3/5 Sternen, da mich die Hauptcharaktere berührt haben.
„Wir packen all das Unausgesprochene und Übergangene ein, nehmen es mit, warten auf eine nächste Gelegenheit, jeder für sich.“ (Zitat Pos. 1639)
Inhalt Eines Tages hat die Pharmakologin Vanessa Paschke eine Geschäftsidee, die sie auch umsetzt. Denn sie hat beides, das erforderliche Fachwissen und die notwendigen Verbindungen. Als Kurierdienst ist sie mit ihrem mobilen Apothekenwagen unterwegs und liefert an ihre Kunden alles aus, was diese brauchen, um den Anforderungen ihres täglichen Lebens nicht nur standzuhalten, sondern diese auch erfolgreich zu meistern. Der Berliner Streifenpolizist Deniz Aziz fährt Streife in einem turbulenten Berliner Alltag abseits der Touristenströme, bedingt durch den Personalmangel in mehreren Schichten, immer bemüht, Konflikte zu lösen, und kümmert sich gleichzeitig auch um seinen kranken, alten Vater. Als sie einander treffen, prallen zwei gegenteilige Welten aufeinander, was Vanessa erst ahnt, als sie Deniz plötzlich in seiner Polizeiuniform sieht.
Themen und Genre Dieser Roman spricht alle brisanten Themen unserer Zeit an, von den fehlenden Arbeitskräften in allen wichtigen Bereichen, vom Großstadtleben auf den Straßen und in den Lokalen und Bars, die Außenseitern eine zweite Heimat sind, von den Krankheiten im Alter, bis zu den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Freundschaft und verständnislosem Schweigen.
Charaktere „Ich heiße Vanessa und bin ein Engel.“ (Zitat Pos. 48) Mit diesem ersten Satz beginnt der Roman. So sehen sie ihre Kunden, so sieht auch sie selbst ihre Tätigkeit, als Botin, die ihre Kunden mit Substanzen für Glücksgefühle und Leistungssteigerung versorgt. Deniz, sein deutscher Vater Markus, seine Streifenkollegin Jovanna Coric, Vanessas Freund Olli, ein Politiker, ihr Bruder Felix, ihr väterlicher Freund Andreas „Bär“, sie alle stehen für eines der Konfliktthemen dieses Romans und in diesem Kontext kennen wir sie, ihr Alltagsleben, ihre Probleme, ihr Schicksal, ihr Verhalten. Weitere Figuren tauchen auf, sobald ein weiteres Thema angeschnitten wird, verschwinden wieder.
Erzählform und Sprache Die Geschichte wird abwechselnd von Vanessa und Deniz erzählt, jeweils in der ersten Person, sodass wir in diesen Abschnitten mehr über die beiden Figuren erfahren, was treibt sie an, ihre Wünsche, Gedanken, ihr Verhalten und Handeln. Ihre Beobachtungen schließen die anderen Figuren mit ein, sodass wir auch über diese mehr erfahren. Der Schwerpunkt dieses Autors liegt im Erzählen von Ereignissen, Situationen, und seine Sprache ist ebenso rasant, kurz, präzise. Für Beschreibungen und Schilderungen nimmt er sich keine Zeit. Dafür taucht plötzlich ein surreal-metaphorisches Kapitel auf. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass der Autor zu jenen Schriftstellern gehört, die nicht zuvor die gesamte Handlung und ihre Figuren plotten, sondern dass er seine Figuren einfach losgeschickt hat und dann jeweils neue Ideen hatte, welche brisanten Konflikte unserer Zeit, die ihm ein Anliegen sind, er noch in die Handlung einbauen könnte. Ein Roman aus aneinandergereihten Episoden, welche durch die Hauptfiguren verbunden sind.
Fazit Eine Sprache, direkt und frontal, ohne Atemholen und Innehalten. Ein Roman wie ein Polizeibericht auf einer der Substanzen, die Vanessa mit ihrem speziellen Kurierdienst ausliefert. Dennoch, oder gerade deshalb, eine sehr interessante Leseerfahrung.
Die Pharmakologin Vanessa lebt in Berlin mit dem Bundestagsabgeordneten Olli zusammen und jobbt in einer Kneipe. Als ihr die Aufgabe eines Kurierdienstes für besondere Substanzen samt Dienstfahrzeug angeboten wird, sind ihre Kunden Personen, ohne die unser Alltag nicht funktionieren würde. Sie alle vereint ein hohes Risiko, durch Schichtdienste und das tägliche Großstadt-Elend früh auszubrennen. Vanessa liefert, was Schmerzen, Angst und Müdigkeit dämpft – und süchtig macht. Makaber wirkt in diesem Netz, dass der Medikamentenmissbrauch häufig eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie fortsetzt.
Deniz, der als Polizist nicht selten drei Schichten nacheinander arbeitet und theoretisch seinen parkinsonkranken Vater nicht allein lassen sollte, seine Partnerin im Streifendienst, der Neurologe Tobi, Vanessas Bruder Felix, der nach Jahren als Berufssoldat in Wüstenstaaten im Justizvollzugsdienst arbeitet, Oma Zuppe, die Vanessa und Felix praktisch aufgezogen hat, Fritz, der 12-Stunden-Schichten arbeitende System-Admin der Polizeibehörde, wie auch ein Politikerkollege von Olli - sie benötigen Vanessas Dienste.
Die Figuren stehen in Beziehung zueinander, ahnen jedoch nicht, dass sie fast alle Kunden von Vanessas Spezialservice sind. Deniz reibt sich zwischen Beruf und Pflege auf, aber „das System“ hat ihm und Baba nicht mehr zu geben als stundenweise eine Pflegerin - auch sie opfert sich auf. Als Deniz und Vanessa sich ineinander verlieben, stellt sich die Frage, welche Zukunft diese Beziehung haben kann - und wer am Ende die Verlierer sein werden.
Der Einstieg in den Roman wirkt durch kurze, lakonische Aussagesätze und wechselnde Icherzähler zunächst ruppig. Die Erzählerstimmen wechseln von Absatz zu Absatz, später legen sie Tempo zu und geben den Staffelstab von Satz zu Satz weiter.
Mit der Wahl der Figuren legt Tim Staffel in seinem Großstadtroman den Finger in die Wunde sozialer Probleme, die uns längst bewusst sind und dennoch ungelöst im Labyrinth von Politik und Verwaltung abgelegt werden. Vom Großstadt-Stress über die Verteilung und Anerkennung von Care-Arbeit bis zur mangelnden Fürsorge für ausgebrannte Helfer wird alles geboten, das auf den Nägeln brennt.
Aber von vorne: Vanessa ist gelernte Pharmakologin, die in einer Bar arbeitet und getarnt als Apothekenkurierin Drogen ausliefert. Ihr Freund Olli, der davon nichts weiß und mit dem sie eine ziemlich distanzierte Beziehung führt, arbeitet als Politiker und setzt sich für eine sichere Drogenpolitik ein. Dann lernt Vanessa Deniz kennen, der halb-Türke ist, als Polizist arbeitet und nebenbei seinen verwitweten Vater pflegt, der an Parkinson erkrankt ist. Die beiden kommen nur schwer über die Runden, Deniz hat nicht mal ein eigenes Zimmer, sondern schläft auf dem Sofa und arbeitet Doppel- bis Dreifach-Schichten, um deren Leben überhaupt finanzieren zu können. Deniz und Vanessa verlieben sich schnell und heftig ineinander und machen sich gegenseitig das Leben ein bisschen leichter und schöner. Als Leser:in verfolgt man in wechselnder Perspektive Vanessas und Deniz Leben. Man lernt z.B. Vanessas Bruder Felix kennen, der früher Soldat war und seitdem traumatisiert ist, und erfährt, wem sie alles Drogen verkauft und teilweise auch warum. Viele ihrer Kund:innen sind überarbeitet, wollen noch mehr schaffen oder nebenbei trotzdem leben können. Von Deniz erfährt man von seinen Einsätzen, mit wie viel Gewalt, Drohungen und Hass er zu kämpfen hat und von der enormen Belastung, die durch die Pflege seines Vaters entsteht.
Insgesamt zeichnet Tim Staffel in diesem Roman ein Bild von Berlin und den Menschen dort, das besonders die dunklen Seiten Berlins beleuchtet: Drogen, Gewalt, Hass, Armut, (psychische und physische) Krankheit, Rassismus, Obdachlosigkeit…. Gleichzeitig geht es aber auch viel um gegenseitige Unterstützung und um eine unkonventionelle, starke Liebesgeschichte, die alles ein bisschen leichter erscheinen lässt.
Durch die unregelmäßig wechselnde Perspektive und das nicht Vorhanden sein von wörtlicher Rede, ist dieses Buch auch sprachlich besonders. Es hat mich gepackt und obwohl ich mir die ganze Zeit nicht so sicher war (und es auch immer noch nicht bin) ob ich das Buch mag, wollte ich immer weiterlesen.
Schauplatz dieses Romans ist Berlin Kreuzberg. Hier verlieben sich Vanessa Paschke und Deniz Aziz, beide Mitte zwanzig, ineinander. Das interessante und spannende daran: Vanessa betreibt einen finanziell lukrativen Kurierdienst für pharmazeutische Drogen aller Art, nicht auf Rezept sondern illegal, die sie u.a. in Clubs, an gestresste Abgeordnete, an Ärzte, und hilfsbedürftige Senioren verkauft.
Diese Dealerin trifft nun auf den Polizisten Deniz, dessen beruflicher Alltag u.a. darin besteht, Drogenkriminalität in seinem Bezirk Kreuzberg zu bekämpfen. Sein Alltag als Polizist auf Streife ist geprägt von Gewalt, der Bekämpfung von Drogenkonsum und Drogenhandel, Hass gegen Ausländer, Verelendung, Kriminalität jeder Art und spielt sich hauptsächlich in prekären sozialen Verhältnissen ab. Der Leser taucht ein in die Welt des finstersten Berliner Kiezes.
Der Roman lässt an Serien wie "4 Blocks" denken. Der Schreibstil, kurze Sätze, nüchterne Sprache, erinnert stellenweise an Polizeiberichte. Durchbrochen wird diese Art des Berichtens durch surrealistisch anmutende Szenen in der Mitte und am Ende des Romans. Dennoch ist es eine Liebesgeschichte, die hier erzählt wird. Diese entwickelt sich rasant und spannend, weil dem Polizisten Deniz lange nicht klar ist, wovon Vanessa eigentlich lebt, nämlich vom Dealen.
Überhaupt spielen Drogen eine Hauptrolle in diesem Roman. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass die Welt, in der die Protagonisten des Romans leben, ihr Dasein ohne den Konsum von Drogen aller Art nur schwer ertragen und bewältigen können. Mir hat die Lektüre gefallen. Die Liebesgeschichte zwischen Vanessa und Deniz wird authentisch, unsentimental und trotzdem mitreißend erzählt. Ein die Probleme unserer Gesellschaft reflektierender Roman, der der Trostlosigkeit und Härte des Großstadtlebens menschliche Wärme und damit Hoffnung gegenüberstellt, ohne ins klischeehafte abzudriften. Ich gebe eine Leseempfehlung und 4 Sterne.
Ein Buch, das mir gut gefallen hat. Schön erzählt, interessante Charaktere.
In Südstern von Tim Staffel begleiten wir die beiden Hauptfiguren Vanessa und Deniz durch ihr Leben in Berlin. Lernen ihren Alltag, ihr Umfeld und ihre Probleme kennen. Dabei geht es um Themen wie Liebe, Leben und Druck in einer Großstadt. Als Person, die selbst mal in Berlin gelebt hat und fast alle Handlungsorte und ihren Charme aber auch ihre Probleme selbst gut kennt, ist es mir sehr leicht gefallen, mir das geschriebene bildlich vorzustellen und selbst mitzuempfinden. Staffel schafft es meiner Meinung nach ganz gut, die Realität vieler Handlungsplätze darzustellen, auch wenn mir manchmal ein Blick auf die schönen Seiten der Stadt fehlt. Das gesamte Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Ob Deniz oder Vanessa gerade erzählen, wechselt immer wieder. Zum Anfang, als mir die Personen aus den jeweiligen Umfeldern noch nicht so bekannt waren, ist es mir etwas schwer gefallen, die Erzählung der richtigen Person zuzuordnen. Ist aber sehr viel einfacher geworden, sobald ich ein bisschen drin war. Der Schreibstil ist wahrscheinlich gut für Diskussionen. Staffel verzichtet in dem gesamten Buch auf Kennzeichnungen direkter Rede, wodurch er manchmal nicht den klassischen Regeln der Zeichensetzung folgt. Mir persönlich hat das gut gefallen, weil es dem Buch eine etwas anderen Rhythmus gibt. War aber gewöhnungsbedürftig.
Der Roman Südstern handelt von einem Vorort Berlins, nämlich Friedrichshain – Kreuzberg, handelt von alltäglichen Problemen fernab von der Wohlfühlidylle dieser Hauptstadt. Die Hauptfiguren Vanessa Paschke, Mitte 20, ausgebildete Pharmakologin, aber tätig vor allem als Drogenkurierin und Deniz Aziz, Streifenpolizist in einem turbulenten multikulturellen Viertel, versorgt seinen dementen Vater - beide berichten als Ich-Erzähler von ihrem stressigen Alltag. Der in mehrerer Hinsicht nun doch ungewöhnliche Schreibstil lässt die Zeichensetzung wörtlicher Rede vermissen. Kurze, emotionslose Sätze, wenige Dialoge, eingeflochtene türkische Wörter, der unangekündigte Wechsel des Ich-Erzählers zügeln den Lesegenuss. Die knallharte Realität mit eindeutiger Überforderung auch einiger Nebenfiguren trifft auf ein wenig Romantik zwischen Vanessa und Deniz. In diesem sozialkritischen Roman erfährt man viel über großstädtische Probleme: häusliche Gewalt, Übergriffe in der Justizanstalt, Geldmangel, Ausländerhass, Mangel an Pflegekräften, Überstunden bis zu drei Schichten hintereinander im Polizeidienst und in der Psychiatrie etc.. Die vielen Schattenseiten Berlins wirken sehr bedrückend und chaotisch.
Es ist keine leichtgängige Lektüre, die jedem Leser gefallen mag.
Den Anfang von "Südstern" fand ich interessant und ich war gespannt wie sich die Geschichte entfalten wird. Leider hielt die Spannung nicht lang, das Buch fühlte sich zwar nicht träge an, aber die Balance zwischen den Charakteren hat nicht gestimmt. Jetzt im Nachhinein erinnere ich mich viel stärker an die Szenen mit Deniz, aber alles andere verblasst leider dahinter.
Die Geschichte spielt in Berlin und als Hauptakteure sehen wir Vanessa und Deniz, die sich immer wieder zusammenfinden und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich fand den Charakter Vanessa leider schwach im Gegensatz zu Deniz. Deniz war als Charakter viel durchdringender, 3-dimensional und hat mit seiner Lebensgeschichte überzeugen können. Zu Vanessa selbst konnte ich meine Bindung aufbauen, obwohl ich ihr Umfeld (z.B. Felix) sehr abwechslungsreich fand. Wir befinden uns mit der Geschichte am Randgebiet einer Gesellschaft und die einzelnen Schicksale werden aufgezeigt. Auch wenn es zum Teil klischeehaft und etwas oberflächlich wirkte, war das Gesamtpaket ok. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass Vanessa als Charaktere besser ausgearbeitet ist, der Roman an sich hätte Potential etwas großes zu erzählen.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Der Titel hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht, auch die Gestaltung des Covers finde ich sehr ansprechend. Die Farben sind sehr intensiv und der Mond auf dem Cover ist gut dargestellt, die Haptik des Hardcover Buches und das Papier sind sehr hochwertig.
Dieser Großstadtroman spielt in Berlin, die Hauptcharakter sind Deniz, ein junger Polizist und Vanessa, Pharmakologin und Drogendealerin. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein und doch führt sie das Schicksal zusammen. Auf eine poetische Art und Weise schafft es der Autor Tim Staffel eine fesselnde und emotional berührende Geschichte zu erschaffen. Deniz pflegt seinen an Parkinson erkrankten Vater, eine Erhöhung der Pflegestufe wird nicht zugestimmt, die Verzweiflung darüber kommt sehr gut rüber. Vanessa schafft es mir ihren Drogen im Kiez für Freude und Leichtigkeit zu sorgen, Engel. - so wird sie genannt, sie möchte die Menschen einfach nur glücklich machen.
Die Geschichte wird aus jeweils aus der Perspektive des einen erzählt, für mich war die Geschichte sehr intensiv zu lesen, die Dialoge waren fesselnd. Ein modernen und gefühlvoller Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.
Wenn man als Berliner die gut beschriebenen Orte kennt, liest es sich schnell und durchaus unterhaltsam weg. Die Story selbst ist gewollt zeitgeistig, so ähnlich schon in vielen anderen Büchern und Serien über Berlin gesehen. Eine scheinbar übermächtige Heldin, die sofort alle Menschen lesen kann. Ja, auch sie macht mal Fehler, aber am Ende kommen sie kaum zum tragen. Das Namedropping von Orten, Marken, Clubs etc erinnert an Leif Rand. Mir hat das Buch gerade in der ersten Hälfte trotzdem gut gefallen, es fehlt aber eine wirkliche Richtigung in die sich die Geschichte entwickelt. Bzw. die Richtung, die es nimmt, ist allzu erwartbar.
In diesem Buch passiert nicht sehr viel und die Sätze sind sehr lang. Es ist sehr „no plot just vibes“, hat mir aber sehr gefallen. Das Lesen machte Spass, der Autor erzeugt sehr reale Charaktere und beschreibt gute Szenen.
Die Handlung dreht sich um eine langsame Liebesgeschichte zwischen Vanessa, die Pharmakologin, die als Engel Substanzen liefert und Deniz, ein Streifenpolizist. Vanessa hat da auch noch einen Freund Olli, einen Bruder Felix, eine Vater Figur Andreas und einen guten Freund Fisch. Deniz hat eine Mitarbeiterin namens Jovanna und seinen Vater Baba. Alle Charakter sind sehr lebendig und gut geschlifen.
Engel fliegen hoch und Engel fallen tief. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages gelesen. Der Schreibstil ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Durch Anreihung von Hauptsatz an Hauptsatz an Hauptsatz an Hauptsatz ist das schnelle Lesetempo vorprogrammiert. Zwischendurch erschien mir das in Südstern gezeichnete Berlin wie eine Dystopie, dargestellte Alltagsszenarien werden messerscharf beschrieben aber wirken gleichzeitig postapokalyptisch. Südstern wird als zeitgemäß beschrieben, dem stimme ich zu. Meiner Meinung nach wird die Geschichte in 5 Jahren leider nicht mehr zum Zeitgeist passen.
Rasant erzählt Staffel die Liebesgeschichte zwischen Deniz, dem Polizisten und Vanessa, die viel Kohle macht, indem sie Drogen und Medikamente dealt. Auch wenn beide spüren, dass ihre Beziehung problematisch ist, können sie nicht voneinander lassen. Liebevoll kümmern sie sich um Markus, Deniz Vater, der an Parkinson erkrankt ist. Staffel beschönigt nichts, hat aber dennoch einen zärtlichen Blick auf seine Figuren.
Kam so schwer rein, einzig die Orte, an denen das Buch spielt, hielten mich als Berlinerin bei der Stange. Die Story von Vanessa & Deniz ist Kitsch pur - im positivsten Sinne.
Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen und bin nun gespannt auf die anderen Romane von Tim Staffel.
Storby roman satt i Berlin (mest i Kreuzberg). Ekstra gøy om man kjenner til byen litt, da vil man oppdage mange steder man kjenner i boka! Jeg likte boken godt, noen deler syntes jeg var litt slitsomme. Vanessa var for meg dels litt vanskelig å plassere, Deniz likte jeg veldig godt.