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Das Gedächtnis der Töchter: Roman

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Eine Kleinstadt in Sibirien, 1969. Eisige Kälte. Die elfjährige Vera wird von ihren Mitschülern auf einer menschenleeren Straße angegriffen und als Faschistin beschimpft. Tief gedemütigt begibt das Mädchen sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Als ihre Mutter Anna sie in die Familiengeschichte einweiht, beginnt für Vera eine Reise in die Vergangenheit. Ihre Vorfahren, strenggläubige Mennoniten, sind Anfang des 19. Jahrhunderts aus Westpreußen nach Russland ausgewandert, in das Gebiet der heutigen Ostukraine. Vera erfährt die Geschichte ihrer Familie über sechs Generationen, packende Lebenswege, die sich durch die Jahrhunderte bis in die Jetztzeit vom bescheidenen Wohlstand der frommen Kolonisten in der Zarenzeit über unmenschliche Entbehrungen, existenzielle Not und Diskriminierung in der Sowjetdiktatur bis hin zu den idyllischen Sommern an der Küste Georgiens in den Siebzigerjahren.

Das Gedächtnis der Töchter ist die mitreißende Chronik einer deutschen Familie, die versucht, im krisengebeutelten Russland Wurzeln zu schlagen. Virtuos erklettert Irene Langemann die Ranken des Stammbaums, folgt wilden Verästelungen und lässt dabei ein eng gewobenes Geflecht aus Vergangenheit und Zukunft entstehen. Ein tiefbewegender Roman über das Suchen nach Identität in der Fremde, über die vielen Facetten von Einsamkeit und die immer neu zu schöpfende Kraft, sie zu überwinden.

477 pages, Kindle Edition

Published August 31, 2023

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Irene Langemann

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22 reviews
April 23, 2025
Spannende Geschichten und für mich einer der ersten intensiveren Einblicke in die sowjetische Geschichte und das Leben von Mennoniten. Es war ein sehr langes Buch und da es um viele Geschichten aus verschiedenen Zeiten ging, war es auch etwas kompliziert.
Profile Image for Frank.
644 reviews129 followers
June 18, 2025
Nicht schon wieder, dachte ich, als mir klar wurde, dass die Mennoniten- Geschichte, die eingangs erzählt wird, nur den Vorspann zur Schilderung eines tragischen Familienschicksals Russland- Deutscher (eigentlich Ukraine- Deutscher, da die Familie in der Nähe von Zaporizhzhia siedelte) bildet. Damit wird ein Thema behandelt, das mir im Sinne von "Literatur über die stalinistischen Verfolgungen" oder "Lagerliteratur" nur allzu bekannt ist. Was konnte es hier Neues geben?

Nicht unbedingt neu, aber in seiner Eindringlichkeit so doch noch nicht dagewesen, sind die Schilderungen der langsam sich herausbildenden antideutschen Ressentiments und des wachsenden Assimilationsdrucks. Dabei gelingt es der Autorin, die Mühen der Siedlungsgeschichte wie auch die aus reformiertem Glauben entspringende Motivation und Arbeitsmoral der Mennoniten aus dem Danziger Weichseldelta anschaulich zu machen. Anfangs ob ihrer Agrikulturleistungen bewundert, geraten die pazifistischen Strenggläubigen schon bald unter Druck. Zunächst gelingt es ihnen, dem Wehrdienst durch freiwillige Wehrersatzleistungen zu entgehen, aber das endet mit dem Ersten Weltkrieg.

Bis dahin wird der Spannungsbogen durch die Retrospektive aus der erzählten Gegenwart der 70er Jahre in der Sowjetunion aufrecht erhalten. Dann gelingt Langemann mit der Einführung von Texten aus dem Tagebuch der Mutter der jugendlichen Erzählerin ein Kunstgriff, der den weiteren Fortgang der Geschichte authentischer wirken lässt und literarisch überzeugt. Das ist gut gemacht. Kaleidoskopartig fügen sich Episoden aus der Revolutions- und Bürgerkriegszeit zu einem Bild sinnloser Gräueltaten und großer Hoffnungslosigkeit. Dennoch gelingt es der Autorin auch hier überzeugend den Übergang zu einem sich trotz allem ausbildenden sowjetischen Patriotismus zu schildern. Mit dem Überfall Deutschlands beginnt die Deportationsgeschichte der Familie, die für Mutter und Tochter der Elterngeneration, also Großmutter und Mutter der Erzählerin, im Lager endet.

Die Situation in der "Trudarmia" in Sibirien liest sich wie woanders schon mal nachgelesen, was allerdings nicht der Autorin anzulasten, sondern dem Umstand geschuldet ist, dass es eben war, wie es gewesen ist, und man nichts Besonderes hinzuzufügen hat. Eine bittere Geschichte. Von der Haft der Großmutter erfährt der Leser nichts, da sie - im Gegensatz zu ihrem tragischen Tod kurz nach der Entlassung - nicht dokumentiert ist. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bald ein bisschen zu versöhnlich, da die Mutter der Erzählerin doch noch Kinderärztin werden, heiraten und Kinder bekommen kann. Allerdings bezeugen die nun geschilderten Todesfälle die "Mühen der Ebene" im Alltag Sowjet- Sibiriens. Jedenfalls gelingt es dem Vater nicht mehr, ins Land seiner Vorfahren auszureisen. Das wird erst der Autorin möglich, die darüber allerdings nichts mehr schreibt. Die Geschichte endet in der Sowjetunion.

Alles in allem also eine bereichernde und empfehlenswerte Lektüre. Schade, dass die deutschen Schicksale nicht zu denen anderer Volksgruppen oder auch der Russen in eine nähere Beziehung gesetzt werden. So könnte, wenn jemand es so lesen will, der Eindruck entstehen, die Deutschen seien nur Opfer (einzige Ausnahme das Denunziantentum auch unter den Siedlern) und die Russen bzw. Kommunisten alle die alleinigen Täter gewesen. Was soll's? Der Fokus liegt nun einmal auf der Familiengeschichte der Deutsch und es handelt sich nicht um einen Roman, der die Sowjet- Gesellschaft im Zentrum hätte. Damit bleibt das Buch eine empfehlenswerte Lektüre für alle diejenigen, die sich mit der Geschichte deutscher Siedlung im Osten jenseits larmoyanter Vertriebenenliteratur auseinandersetzen oder einfach ein gutes Buch lesen wollen.
Profile Image for Dara Kossok-Spieß.
176 reviews3 followers
December 11, 2023
Die Saga einer russlanddeutschen Familie - als würde man die eigene Familiengeschichte lesen
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