"Die Wände des Schreibens sind die dünnsten Wände der Welt, dünner als ein Blatt Papier."
"Krieg bei uns am Tisch ist wie ein Blutsverwandter: wir sind vereint durch die Bande des Blutes das wir vergießen"
Dieses Buch hat 192 Seiten. Ein kleines Buch mit einer riesigen Wirkung. Ich bin normalerweise kein Fan von Lyrik, aber Serenkos Lyrik gepaart mit ihren Erfahrungsberichten und Erzählungen aus dem totalitären Russland haben einfach die gewünschte Wirkung auf mich gehabt. Absolut lesenwert.
Ich wollte mal was anderes lesen aus und über Russland: Dieses Buch ist ermutigend, erhellend und der Mut der Autorin tröstlich. Der Stil eigenartig leuchtend. Da schreibt jemand mit dem Körper. Das ist zunächst irritierend, anders, dann entsteht eine Art flirrender aber nicht unangemessener Intimität mit der Autorin. Das Private ist politisch. Krass auch zu lesen, wie Leute als "Agenten des Auslands" abgestempelt werden, einfach so, weil politisch unbequem. Da zeichnet sich die Psychopathologie einer Diktatur ab. Was machen die aber, wenn der Stempel (alle, die zu Agenten erklärt wurden, müssen sich bei jeder öffentlichen Äußerung als solche abstempeln) mal zum Qualitätssiegel wird?
PS: Wieso muss ich eigentlich das Buch einer jungen Russin lesen, um etwas über die Widerstandskämpfer_in Elise und Otto Hampel zu erfahren? Während die konservative und antisemitische Gruppe 20. Juli jährlich ausgiebig gedacht wird. . .
Schreibweise in die ich mich erst einlesen musste, die aber auch den Reiz beim Lesen ausmacht. Verfügte bisher über zu wenig Vor- bzw. Hintergrundwissen, das Buch regt mich zu einer näheren Beschäftigung an.