Ein mitreißender wie nachdenklich stimmender Roman über die Fragen, die mit den Jahren immer drängender werden
Jettes Großmutter hat mal gesagt, es gebe »zwei Sorten von Menschen auf der die, die zu zweit sind, und die, die allein sind«. Im Roman prallen sie Jette hat sich mit Anfang 40 in ihrem kinderlosen Singleleben eingerichtet und hält sich mit prekären Jobs über Wasser. Eva und Lukas hingegen sind seit zwanzig Jahren ein Paar, sie haben zwei kleine Kinder, eine Eigentumswohnung, und Berufe, die sie ausfüllen.
Als Jette auf das Leben der beiden stößt, beginnt sie ihre eigenen Entscheidungen in Frage zu stellen. Aber auch Lukas und Eva zweifeln mit den Jahren zunehmend am eigenen Lebensentwurf – ob ein anderer besser passt, wird sich herausstellen.
»Aus kleinen Momentaufnahmen setzt Janna Steenfatt drei ganze Leben zusammen und hält uns einen Spiegel vor. Was wir in diesem Roman erkennen, ist uns die Sehnsucht, alles möge sich ändern. Oder doch so bleiben.« Mareike Fallwickl
Als Jette, die sich in ihrem Singledasein eingerichtet hat, auf Eva und Lukas trifft, die seit vielen Jahren zusammen sind, Kinder haben und ein geregeltes Leben führen, prallen verschiedene Lebenswege aufeinander und alle drei fragen sich, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie an irgendeiner Stelle anders abgebogen wären.
Dieses Buch zeichnet sich aus durch die vielschichtigen Zwischentöne und die unaufgeregte Erzählweise. Durch die Blickwinkel der drei Protagonisten stellt die Autorin die verschiedenen Perspektiven vor, ohne diese moralisch zu werten oder zu hierarchisieren. Der Verlauf der Erzählung ist auf eine ruhige Weise unvorhersehbar, denn man hat das Gefühl, ganz alltägliche Personen in ihrem Leben zu begleiten. Das Hinterfragen des eigenen Lebensentwurfes in den 40ern ist durchaus normal und jeder der drei geht anders damit um. Dabei regt der offene Stil der Autorin dazu an, sich selbst Gedanken zu machen, da sie nicht den einen Weg vorgibt, sondern außerhalb der heteronormativen Strukturen denkt.
Ein toller Roman, der von den verschiedenen Lebensansichten der Protagonisten lebt und in deren Unsicherheiten und Gedankengängen man sich wiederfinden kann.
Nach längerer Zeit als Single fragt sich Jette, ob sie das besonders zufriedenstellt. Sie hat keinen Partner und auch sonst wenig Sicherheit. Ihre Jobs sind nicht unbedingt lukrativ. In einer Kneipe trifft sie Lukas, der einen ganz anderen Lebensentwurf hat. Mit seiner Frau Eva hat er zwei Kinder und sie sind schon seit Ewigkeiten zusammen. Vielleicht ist es dieser Gegensatz, der sie ins Gespräch kommen lässt. Und vielleicht ist auch ein wenig mehr drin. Jette jedenfalls kommt ins Nachdenken. Lukas will keine Affäre anfangen, aber er will einfach nicht immer in Familie machen.
Drei Menschen, die in Beziehung miteinander treten. Sie sind in ihren besten Jahren und wirken doch nicht ganz zufrieden. Da läuft es jobmäßig etwas mau, die Beziehung plätschert so dahin, selbst die Kinder nerven manchmal Jedoch will man ausbrechen? Das wäre wohl ein herber Einschnitt. Mehr als Stress würde es nicht bringen, oder? Jette, die am wenigsten zu verlieren hat, würde schon gerne was Ernsthafteres mit Lukas anfangen. Der allerdings erweckt nicht den Eindruck, als wolle er seine Bequemlichkeit aufgeben. Ein wenig naschen ja. Und was ist mit Eva? Auch sie hängt irgendwie fest. Unklar, ob sie die Kraft für eine Entscheidung aufbringt oder aufbringen will.
Familienromane können es in sich haben. Die Frage, was sich aus dieser Dreierkonstellation ergeben kann, erscheint spannend und interessant. Doch dann mäandert die Handlung so vor sich hin. Dieser in einzelne Szenen aufgespaltene Fortgang, muss eben den Geschmack des Lesers treffen. Für die anderen wechseln längere Passagen ohne Absätze mit durchaus berührenden Momenten. Einen glücklichen Moment gibt es. Leider erscheint es schwierig, Sympathien zu vergeben. Vielleicht sind manchmal auch die Erwartungen der Leserin an sich selbst zu hoch, denn eigentlich mag sie solche Romane. Vielleicht hätte das schön gestaltete Cover einen Hinweis geben können, denn dort schauen alle in unterschiedliche Richtungen und so scheint auch die Entwicklung zu laufen. Ein Roman, der etwas verloren stimmen kann.
Bevor ich mein Lob über diesen genialen Roman ausschütte, muss ich doch einfach mal vom Cover schwärmen. Die Künstlerin ist Xenia Hausner - die Tochter des Phantastischen Realisten Rudolf Hausner - ihre Bilder sind einfach großartig. Generell gehören Bücher aus dem Hause "Nagel und Kimche" für mich zu den derzeit am ansprechendsten aufgemachten.
Aber nun zum Wesentlichen - der Inhalt, und dieser ist mehr als empfehlenswert. Es geht um Lebensmodelle, die in Frage gestellt werden in diesem Fall von drei Personen: ein Ehepaar mit Kindern und eine Singlefrau. Sie leben in Leipzig und ihre Wege kreuzen sich auf unterschiedliche Art. Janna Steenfatt schreibt abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten und skizziert deren Alltag in ruhigem Tempo und sehr authentisch. Ihr Schreibstil ist toll und mitreissend, ihre Protagonisten (nicht durchwegs immer sympathisch, was sie umso glaubwürdiger macht) haben etwas sehr Anziehendes, dem man sich kaum entziehen kann. Ich konnte mich in bestimmten Szenen und Gedankengängen immer wieder identifizieren, mal mit der einen Person, dann wieder mit der anderen. Steenfatt ist eine einfühlsame Beobachterin, egal ob Personen, deren Beziehungen zueinander, oder auch einfach Kleinigkeiten im Alltag; alles wirkt natürlich und ungekünstelt. Obwohl ich mir so meine Gedanken über den Ausgang gemacht habe, das Ende hat mich dann doch überrascht. Toll, ich mag noch mehr von dieser Autorin lesen!
"Wie gut es wäre, wenn man verschiedene Leben ausprobieren könnte, Ebro man sich für eines entschied, dachte Eva. Wenn man ein Leben, von dem man einmal dachte, es würde einem gut stehen, einfach umtauschen könnte und ein anderes dafür bekäme, eines, das einem besser stand. Falls sich so eines fände." (S. 85)
"Mit den Jahren" ist die Geschichte von Jette, Lukas und Eva, die, abgesehen davon, dass sie in Leipzig wohnen, auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Jette lebt alleine, arbeitet in einer Videothek und schreibt an einem Buch. Lukas und Eva hingegen haben zwei kleine Kinder, Ada und Leo. Sie wohnen in einer großen Altbauwohnung mit Einbauküche und haben einen Garten gepachtet. Was alle drei Protagonist:innen miteinander verbindet, sind ihre Zweifel am eigenen Lebensentwurf. Es sind vor allem die Frauen, die mit dem Leben der jeweils anderen liebäugeln.
Janna Steenfatt gelingt es aus Erinnerungen und Situationen das Mosaik dreier Leben zu zeichnen. Es fällt leicht, sich auf die verschiedenen Perspektiven einzulassen und man erkennt, dass nichts wirklich so ist, wie es scheint. Dass die Leben der anderen oft nichts weiter als die Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Vorstellungen sind.
"Mit den Jahren" ist ein durch und durch gutes Buch. Der einzige Kritikpunkt, der im Grunde genommen ein Kompliment an die Autorin ist, ist, dass der Roman zu schnell endet. Ich hätte die drei gerne noch länger begleitet. Trotzdem, oder genau deswegen, kann ich das Buch jeder:m ans Herz legen.
Jette ist Single und hat sich in einem Leben mit Gelegenheitsjobs eingerichtet. Eines Abends trifft sie in einer Kneipe auf Lukas und beginnt eine Affäre mit ihm – und das, obwohl sie doch bisher nur an Frauen interessiert war. Lukas ist Künstler, in einer Schaffenskrise und eigentlich mit Eva verheiratet, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat. Die ist zwar mit ihrem Beruf als Lehrerin ganz zufrieden, fragt sich aber im Privaten, ob das Leben mit ihrem Ehemann noch das ist, was sie sich einmal darunter vorgestellt hat.
„Mit den Jahren“ ist der zweite Roman der Autorin Janna Steenfatt. Die Handlung springt stets zwischen den Perspektiven der drei Charaktere Jette, Eva und Lukas hin und her – mal erleben wir sie einzeln, mal in den verschiedensten Kombinationen. Lange Zeit wird hauptsächlich der Alltag der drei szenenhaft wiedergegeben: Jettes Verhältnis mit Lukas und ihre Arbeit in der Videothek, Lukas Ringen mit seinem neusten Gemälde und seine Versuche, sich in die eigene Familie einzufinden sowie Evas wachsende Frustration mit seiner ständigen Abwesenheit.
An einem gewissen Punkt geschieht plötzlich alles auf einmal: Eva bricht aus der Familiensituation aus und trifft nur durch Zufall auf Jette, die ihr sofort sympathisch ist. Es scheint beinahe so, als hätten alle Beteiligten die Plätze getauscht. Lukas ist nun viel stärker in die Betreuung seiner Kinder eingebunden, Eva führt zum ersten Mal seit vielen Jahren so etwas wie ein Singleleben und Jette kann nun mehr Zeit mit Lukas verbringen. Aber ist es das, was alle drei tatsächlich wollen?
Janna Steenfatt ist ein interessantes Porträt dreier Menschen gelungen, die zur gleichen Zeit Zweifel bekommen, ob das von ihnen gewählte Leben noch zu ihnen passt. Von Beginn an ist klar, dass sich hier ein Beziehungsdreieck entwickeln wird und ich muss zugeben, ich hätte mir das Dreieck als Linie gewünscht. Nicht, weil ich spießig bin, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass zwei Personen ohne die dritte vielleicht glücklicher wären – was gleichzeitig auch bedeutet, dass ich einen anderen Schluss für den Roman vorgezogen hätte.
Janna Stenfatt erzählt in “Mit den Jahren“ die Geschichten von Lukas, Eva und Jette. Lukas ist Künstler und Familienvater und der Ehemann von Eva. Eva ist Lehrerin und liebt ihre beiden Kinder über alles. Jette schreibt gerade an ihrem ersten Roman und arbeitet nebenher in einer Videothek. In einer Kneipe in der Nähe der Videothek läuft sie schließlich Lukas über den Weg, die beiden kommen ins Gespräch und enden schließlich in seinem Atelier. Jette hatte bisher ausschließlich Beziehungen mit Frauen und ist unsicher, was diese neue Entwicklung bedeuten könnte. Eva bemerkt natürlich, dass Lukas abends immer öfter nochmal ins Atelier verschwindet und nach Alkohol riecht, wenn er sich später zu ihr ins Bett schleicht. Als er eines Tages erst zum Frühstück zurückkehrt, zieht sie einen Schlussstrich. Zurück bleiben Jette, Lukas und Eva als Einzelpersonen, die sich mit den grundlegenden und fundamentalen Fragen des Lebens beschäftigen müssen. Die Covergestaltung hat mich neugierig gemacht und passt auch gut zur künstlerischen Ader von Lukas, die im Roman eine wiederkehrende Rolle spielt. Allerdings hat das Cover eine gewisse Erwartung in mir geweckt, die nicht wirklich erfüllt wurde. Ich hatte eine feinsinnige Erzählung erwartet, die aus Kunst und Worten Emotionen entwickelt. Tatsächlich ist der Roman eher derb, Alkohol und Sex sind wie ein roter Faden, der sich durch die gesamte Erzählung zieht. Das ist nicht unbedingt schlecht, war aber nicht, was ich aufgrund des Covers erwartet hatte. Das Thema der Geschichte finde ich trotzdem sehr gut umgesetzt, da der Schreibstil der Autorin authentisch wirkt, und die Leben, die sie skizziert, gleichermaßen alltäglich und bemerkenswert erscheinen. Ich fand die handelnden Personen interessant, konnte mich allerdings nicht immer mit ihnen identifizieren, was auch daran liegt, dass die drei Hauptfiguren deutlich älter sind als ich. Das habe ich jedoch nicht negativ empfunden, sondern eher als Herausforderung, mich auch in deren Lebensrealität hineinzuversetzen. Insgesamt war das Buch für mich ein willkommener Kontrast zu den Geschichten aus dem Bereich Young Adult, die ich sonst lese.
„Wie gut es wäre, wenn man verschiedene Leben ausprobieren könnte, bevor man sich für eins entscheidet…“
Drei Leben, die durch Zufälle miteinander verbunden werden und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Eva und Lukas, schon lange zusammen, obwohl sie doch aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen, leben gemeinsam mit ihren zwei Kindern. Doch das gemeinsam ist mit den Jahren mehr ein nebeneinander, statt ein miteinander Leben geworden. Lukas verbringt mehr Zeit in seinem Atelier und hardert mit dem permanenten Freiheitsdrang, den er verspürt. Eva kämpft indes mit den immer gleichen Tagesabläufen und dem intellektuellen Unterfordertsein der Elternschaft. Und dann ist da noch Jette, die die Sinnhaftigkeit ihres Lebens hinterfragt und gefangen ist in ihrer Einsamkeit. Als Jette und Lukas aufeinandertreffen, fragen sie sich, ob nicht doch ein anderes Leben das richtige für sie gewesen wäre.
Was an sich viel Potential für eine grandiose und sozialkritische Geschichte geboten hätte, kam für mich leider sehr flach daher. Nicht nur die Geschichte tröpfelte sehr träge vor sich hin, es wurden mir persönlich auch zu viele Klischees bedient. Der jammernde weiße Künstler, der nur Künstler sein kann, weil seine reichen Eltern ihn seit jeher finanzieren, die traurige Mittvierzigerin, die nur traurig und einsam ist, weil sie keine Kinder hat und die Frau, die zu Hause mit den Kindern sitzt und sich selbst über dieser Aufgabe vergisst. Selbst in der zweiten Hälfte des Buches, als es dann tatsächlich so etwas wie einen Spannungsmoment gab, habe ich mich nach wenigen Seiten nur kopfschüttelnd über die viel zu offensichtlichen „Zufälle" vorgefunden. Wäre das alles mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und Witz daher gekommen, hätte sich das Buch für mich sehr viel besser lesen lassen. So war es für mich einfach nicht das richtige Buch.
Der Roman handelt von Jette, Eva und Lukas. Eva und Lukas sind verheiratet und haben zwei Kinder und Jette arbeitet in einer Videothek. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Jette, Eva und Lukas erzählt. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte.
Mir hat der Roman wirklich gut gefallen, auch wenn ich das Ende doch als monogame Entscheidung gelesen habe. Die Figuren haben alle ihre eigene Stimme und sind sehr rund und lebendig gestaltet. Ich mag alle drei Figuren gleich gerne und das ist ja schon mal was.
Das Ende hätte ich mir eindeutiger gewünscht, also dass die drei eine Beziehung miteinander haben und so eine moderne Form der Auflösung von diesen Dreiecksgeschichten entsteht, leider war hier irgendjemand wohl nicht mutig genug den Lesenden ein modernes Ende zuzutrauen.
Das Cover finde ich wirklich toll und auch super passend für die Geschichte und den Handlungsort! Der Roman handelt von Jette, Eva und Lukas. Eva und Lukas sind verheiratet und haben zwei Kinder und Jette arbeitet in einer Videothek. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Jette, Eva und Lukas erzählt. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte.
Mir hat der Roman wirklich gut gefallen, auch wenn ich das Ende doch als monogame Entscheidung gelesen habe. Die Figuren haben alle ihre eigene Stimme und sind sehr rund und lebendig gestaltet. Ich mag alle drei Figuren gleich gerne und das ist ja schon mal was.
Das Ende hätte ich mir eindeutiger gewünscht, also dass die drei eine Beziehung miteinander haben und so eine moderne Form der Auflösung von diesen Dreiecksgeschichten entsteht, leider war hier irgendjemand wohl nicht mutig genug den Lesenden ein modernes Ende zuzutrauen.
Das Cover finde ich wirklich toll und auch super passend für die Geschichte und den Handlungsort!
Im Roman „Mit den Jahren“ von Janna Steenfatt begegnen wir den drei Personen: Jette, die als Single in einer Videothek arbeitet, Eva, einer Gymnasiallehrerin, und ihrem Ehemann Lukas, der als Maler tätig ist. Eva und Lukas sind seit vielen Jahren zusammen und haben zwei kleine Kinder. Doch Eva fühlt sich in ihrer Ehe zunehmend unwohl und beginnt, ihre Lebenssituation zu hinterfragen. Jette trifft Lukas in einer Kneipe und obwohl sie bisher nur an Frauen interessiert war, beginnen die beiden eine Affäre. Als Jette schließlich auch auf Eva trifft, beginnt auch sie, ihre Lebensweise in Frage zu stellen.
Das Buch hat mich zunächst durch sein Cover angesprochen. Darauf sind drei Menschen abgebildet, die wie in einem Gemälde dargestellt sind und vermutlich die Hauptprotagonisten zeigen. Sie alle sehen traurig aus, schauen in unterschiedliche Richtungen und vermitteln so einen ersten Eindruck ihrer inneren Gefühlswelt.
Die Geschichte wird aus den wechselnden Perspektiven von Jette, Eva und Lukas erzählt. Besonders gefallen hat mir dabei, wie gut ich mich in jede einzelne Person hineinversetzen konnte. Die Authentizität der Charaktere macht es leicht, sich mit ihnen zu identifizieren. Sie wirken echt und nahbar, und ihre Gedanken und Gefühle sind sehr nachvollziehbar geschildert.
Ein Highlight für mich war, dass die Handlung in Leipzig spielt. Viele der beschriebenen Orte und Plätze kenne ich selbst, wodurch ich mich noch besser in die Geschichte hineinversetzen konnte.
Obwohl die Story eher ruhig verläuft, schafft es der wunderschöne Schreibstil von Janna Steenfatt, die Spannung bis zum Schluss zu halten, sodass die Erzählung nie langweilig wird.
„Mit den Jahren“ ist ein einfühlsam geschriebenes Buch, das die Vielschichtigkeit menschlicher Beziehungen mit großer Feinfühligkeit beleuchtet.
Auf der Suche in der Mitte des Lebens Dies war der erste Roman, den ich von Janna Steenfatt gelesen habe und es hat mich umgehauen! Was ein gutes Buch! Wer keine 20 Jahre alt mehr ist, weiß mit der Zeit, dass das Leben nicht Schwarzweiß ist, viele Schattierungen haben kann und die Suche nach dem eigenen Platz nie so recht endet, ist man doch auch Veränderung ausgesetzt wie das Jahr den Jahreszeiten. In diesem guten Roman ‚Mit den Jahren‘ lernen wir drei Personen besonders intensiv kennen und jeder erzählt aus einer ureigenen Perspektive. Dreh- und Angelpunkt ist Lukas. Ein Künstler, Vater und mit Eva verheiratet. Hat aber eben auch eine Affäre mit Jette. Die ist Schriftstellerin und Single, was mit den Jahren immer mehr zum Bequemlichkeitsfaktor wurde. Und nun ergibt sich hier eine besondere Dynamik zwischen den Dreien, den auch Eva und Jette treffen aufeinander. Schauplatz ist Leipzig und das spürte ich beim Lesen besonders. Die Stadt ist auch eine Protagonistin, ein elementarer Bestandteil des Romans. Obwohl die Geschichte sehr offensichtlich ist, nahm sie mich mit durch den tollen Schreibstil von Janna Steenfatt und hatte auch einen guten Spannungsbogen. Hinterfragend, gut geschrieben. Vielleicht hat mich das Buch auch so abgeholt, weil ich genau in dem Alter der drei Protagonisten bin. Fazit: Was ist die eigene Lebensform und wenn man die Mitte seines Lebens erreicht hat: Ist es die Form die es beibehalten soll?
"Mit den Jahren" von Janna Steenfatt ist ein Roman, der sich mit den alltäglichen Lebensfragen auseinandersetzt, die wohl jeder von uns kennt. Die Gestaltung des Covers deutet bereits auf das zentrale Thema hin: eine Dreiecksbeziehung der besonderen Art. Es verspricht eine gewisse Vorhersehbarkeit, die sich beim Lesen des Romans bestätigt, jedoch in Kombination mit dem sehr guten Schreibstil der Autorin zu einem hohen Zugehörigkeitsgefühl und Wiedererkennungswert führt.
Die Geschichte dreht sich um Lukas, Eva und Jette, drei Charaktere, die sich nicht nur miteinander, sondern auch mit sich selbst auseinandersetzen. Sie stellen sich Fragen nach dem "Was wäre, wenn..." und reflektieren über die Dinge im Leben, die sie bereuen. Diese Fragen sind universell und schaffen eine Verbindung zwischen den Charakteren und dem*der Lerser*in. Der*Die Leser*in folgt gerne den individuellen Lebensverläufen der Protagonisten und kann sich in vielen Situationen wiederfinden. Obwohl das Ende weniger vorhersehbar ist als gedacht, bleibt am Ende ein Gefühl der Unvollständigkeit zurück. Es scheint, als ob die Geschichte schnell zu Ende gebracht werden musste. Trotz des etwas abrupten Endes ist es eine lohnende Lektüre jede Person, der sich für zwischenmenschliche Beziehungen und die Herausforderungen des Lebens interessiert.
Lukas und Eva sind um die 40 und leben das „Standardmodell“ - sie sind seit vielen Jahren verheiratet, haben zwei Kinder und sind finanziell gut abgesichert. Jette, in einem ähnlichen Alter, ist neu in der Stadt. Sie ist alleinstehend und kinderlos, arbeitet in einer Videothek und schreibt ein Buch. Alle drei Figuren sind an einem Punkt, an dem sie viel über ihr Leben und die eingeschlagenen Wege und Möglichkeiten nachdenken. Als sich ihre Wege kreuzen, bleibt das nicht ohne Folgen.
Ich fand diese Ausgangslage ganz interessant und mochte auch die Leseprobe. Erzählt wird das Ganze eher langsam, die Autorin nimmt sich Zeit für das Innenleben der Figuren. Wir begleiten alle drei in ihrem täglichen Leben. Und eigentlich mag ich solche introspektiven Erzählungen voller Alltagsbeobachtungen und Gedanken, die man so oder so ähnlich vielleicht auch schon hatte. Aber um ehrlich zu sein habe ich mich sehr gelangweilt. Dabei kann die Autorin wirklich gut schreiben. Doch für meinen Geschmack hätte nicht jede Überlegung derart feingliedrig ausformuliert werden müssen. Vor allem mit Felix’ männlich geprägter Perspektive und seinen Problemen konnte ich wenig anfangen. Es dauerte lange, bis die Handlung in Gang kam. Das Zusammentreffen der Figuren brachte zwar ein wenig mehr Spannung mit sich, die Art der Begegnung und die Entwicklungen bis zum Ende fand ich aber teilweise wirklich absurd. Wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich das Buch ehrlich gesagt auch schon spätestens nach 100 Seiten abgebrochen. Schade, aber einfach nicht meine Geschichte.
Im Leipzig unserer Tage begegnen sich durch Zufall (so spricht eine der Hauptfiguren) oder auch Schicksal (dafür plädiert die andere) drei Menschen in der Mitte ihres Lebens, die angesichts ihres Zusammentreffens von ihrem Innenleben zu einem Resumee von ihrem bisherigen Lebensentwurf und dessen Erfolg genötigt werden. Da ist Jette, die alleine durch ihr Leben geht und sich so recht auch nicht mehr die permanente Anwesenheit eines zweiten Wesens vorstellen kann. Auf der anderen Seite stehen Eva und Lukas, verheiratet und verantwortlich für zwei kleine Kinder, als menschliche Einheit, in der einzelne nur noch als "Teil von" zu funktionieren scheint. Als sich aus dem eingefleischten Single und dem langjährigen Paar immer neue Schnittmengen à 2 Personen ergeben, werden beide Konzepte gehörig in Frage gestellt.
Das Buch besticht durch sein intensives Eintauchen in die Seelen seiner ProtagonistInnen und betrachtet detailliert die verschiedensten Aspekte ihrer Lebensentwürfe und Unterschiede. Neben dem Single, der sich von der klassischen Kernfamilie abgrenzt, spielen auch Ost-West-Befindlichkeiten eine Rolle, sowie konservative Berufsbilder im Kontrast zur Kunstwelt und dem ziellosen Jobben. Insbesondere die Darstellung von Jette hat mich überzeugt - lernt man doch Singles und ihre Lebenswelt in Büchern oft nur im Stile von Bridget Jones & Co. kennen.
In dem Roman 'Mit den Jahren' von Janna Steenfatt geht es um drei Menschen die durch ihre Unzufriedenheit mit ihrem momentanen Leben auf eine prekäre Dreiecksbeziehung zusteuern. Lukas ist Künstler und hat mit seiner Frau Eva zwei entzückende Kinder und im Grunde verläuft ihr Leben in angenehm 'normalen' Bahnen. Aber ist das wirklich alles, ist es das was einen erfüllt und glücklich macht? Lukas nimmt sich immer öfter eine Auszeit aus dem Familienleben und verbringt lange Abende alkoholisiert in Bars. Dort lernt er Jette kennen und die führt ein ganz anderes Leben. Singel, frei und ungebunden, selbstbestimmt. Es entspinnt sich das was nicht passieren sollte. Als dann noch Lukas Ehefrau Eva anfängt auszubrechen ist das Beziehungschaos perfekt. Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen und empfand den Schreibstil als angenehm. Die Erzählung an sich konnte mich allerdings nicht so ganz für sich gewinnen. Ich kann gar nicht wirklich sagen was mich gestört hat...Es hat mich einfach nicht gepackt und ich habe mich dabei erwischt das ich einiges überflogen habe. Da die Sprache aber wirklich angenehm ist und ich schon einige begeisterte Stimmen zu dem Buch gelesen habe, empfehle ich das sich hier jeder seine eigene Meinung bilden sollte.
Wow, ich bin ganz satt und zufrieden nach diesem tollen Buch, auch wenn noch einiges nachschwingt. Lukas, Jette und Eva - 3 Menschen Ende 30, Anfang 40 - treffen in Leipzig aufeinander, ringen um Beziehung und Partnerschaft. Lukas, Maler, trinkt zuviel Alkohol und es zieht ihn immer weniger nach Hause. Dessen Frau Eva, Lehrerin, versorgt derweil die beiden gemeinsamen Kinder und erlebt im Alltag kaum noch Freiräume für sich selber. Jette schreibt an einem Buch, erlebt die Ambivalenz zwischen der Freiheit des Alleinseins und dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Verbundenheit. Unglaublich gut beobachtet beschreibt Janna Steenfatt deren Erleben und deren Ängste. Es gelingt ihr ganz wunderbar, dieses in einer feinen Sprache wiederzugeben bzw. lässt genug Raum zwischen den Zeilen zum Spüren und Erahnen. Für mich hat das Buch nochmal neue Perspektiven auf Partnerschaft und menschliche Beziehungen eröffnet. Mich hat es nachdenklich gestimmt - wie entsteht und bewahrt man Vertrautheit und Verbundenheit- gleichzeitig liegt aber auch etwas Annehmendes und Tröstliches in dem Buch, was ich mit etwas Abstand sicherlich noch mal lesen werde.
Drei Protagonist*innen, drei Leben. Janna Steenfatt lässt die Lesenden intensiv am Alltag, den Träumen, Wünschen, Problemen, verpassten und ergriffenen Möglichkeiten von Jette, Lukas und Eva teilnehmen. In aneinander gereihten und untereinander verwobenen Momentaufnahmen folgen wir der Geschichte der Autorin Jette, dem Künstler Lukas und der Lehrerin Eva.
Janna Steenfatt schreibt intensiv nah dran am Leben und so kommen mir die Figuren irgendwie vertraut vor. Nicht mehr ganz jung und in ihrem Alltag festgelegt, stellen sie sich die Fragen, die sich wohl fast jede*r mit den Jahren stellt: Ist dies das Leben, das ich mir vorgestellt habe? Wie kam ich zu diesem Leben und welche Ursachen und Zufälle haben dazu geführt? Oder hätte auch alles ganz anders verlaufen können? Warum habe ich von all den möglichen Leben dieses gewählt? Was brauche ich zum glücklich sein?
Ich bin den Höhen und Tiefen der Personen gern gefolgt, habe Situationen, Entscheidungen und Fragen mit reflektiert, ganz so, als ob es Freunde wären und war dann doch vom Ende überrascht.
„Mit den Jahren“ ist ein sehr sanfter Roman, der ein wenig melancholisch, nachdenklich und klug von drei Menschen erzählt, deren Leben auf besondere Weise miteinander verbunden sind.
Alle Charaktere habe ihre Ecken und Kanten, und sind dabei so echt, was mir bei Büchern mittlerweile wichtiger ist als der außergewöhnlichste Plot. Einen solchen darf man hier auch nicht erwarten, trotzdem fand ich das Buch an keiner Stelle langweilig oder uninteressant.
Das lag neben den Figuren vor allem an der Sprache des Buches, die ich als fast schon poetisch beschreiben würde. Der Schreibstil hat mir von der ersten Seite an direkt richtig gut gefallen und viele Stellen wurden auch angestrichen.
Wer nach einer Geschichte sucht, die klug und sprachgewandt vom Leben selbst mit all seinen Auf und Abs erzählt, sollte sich diesen Roman unbedingt auf die Leseliste setzen. „Mit den Jahren“ ist ein echter Glücksgriff und bekommt von mir daher eine absolute Leseempfehlung!
Der Roman "Mit den Jahren" von Janna Steenfatt hat mich sehr positiv überrascht. Das Werk ist eine spannende und faszinierende Studie der Leben dreier Menschen, die in Momemntaufnahmen beschrieben wird. Der Roman handelt von dem Ehepaar Lukas und Eva, die auf unterschiedliche Art und Weise beide Jette kennenlernen und dem Einfluss, die diese Begegnungen auf sie alle drei hat. Die Handlung hat ab der Mitte des Romans an Spannung zugenommen und mich sehr in seinen Bann gezogen. Die Autorin befasst sich mit ihren Hauptfiguren mit der wichtigen Frage der Lebensgestaltung: einem Rückblick und gleichzeitig Vorrausblick, ob man den Verlauf seines Lebens gerne ändern würde oder doch so zufrieden ist, wie es sich entwickelt hat. Hierbei geht es auch viel um die Frage des Alleinseins und das Lebens als Paar und welche Konsequenzen diese Lebensformen auf die Individuen haben. Ein spannendes Leseereignis!
"Mit den Jahren" ist ein Roman über das "normale" Leben. Die Hauptprotagonist*innen Jette, Lukas und Eva sind weder perfekt noch fehlerlos, was dazu führt, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Jette ist eine ungebundene, alleine lebende Frau. Lukas und Eva sind verheiratet mit Kindern. Durch eine Begegnung in einer Bar fangen ihre Leben an sich miteinander zu verweben. Auch wird deutlich, dass kein Lebenskonzept an sich vollständig erfüllend ist. Es kommt viel mehr darauf an, was man daraus macht. Der Roman hat eine sehr angenehme Erzählweise, die einen sehr guten Lesefluss ermöglicht. Es kommt immer wieder zu unerwarteten Wendungen, sodass obwohl die Geschichte banal beginnt, man den Verlauf nicht hätte voraussagen können. Insgesamt ein guter Schmökerroman für nebenbei. Extrem mitreißende Momente gab es allerdings eher wenige.
Schreibstil war eigentlich ganz nice, aber leider war der einzige Charakter, der ansatzweise tolerabel war, Eva. Betrügen ist okay, Scheidung schlecht und Lesben sind nicht wirklich Lesben. (Fluide Sexualitsrepräsentation ist gut und wichtig, aber nicht, wenn du das einzige, was du damit erreichst, ist, Lesben zu fetischisieren). Du kannst auch über – spoiler alert – Polyamorie schreiben, ohne Betrügen feinzureden. Lukas war gottlos nervig und ich wollte ihm eigentlich permanent in die Fresse hauen. Divorce, kids, divorce!
Ein interessantes Porträt dreier Menschen Das Cover zeigt drei in sich gekehrte, dösende, müde Personen als Gemälde – ein Mann und zwei Frauen, eindeutig auf den Buchinhalt passend hinweisend. Dieser leicht erotische Roman spielt in Leipzig und Hamburg, spiegelt das damalige Familienleben in Ost- und Westdeutschland wieder. Die drei Hauptfiguren werden in ihrer charakterlichen Eigenart gut porträtiert: Lukas Rademacher aus Hamburg, Maler – Eva, seine Ehefrau aus Leipzig, Gymnasiallehrerin und Jette aus Hamburg, Single, arbeitet in Leipzig in einer Videothek mit Café. Alle drei sind um die 40 Jahre, suchen nach langer Ehe mit zwei Kindern bzw. kinderlosem Singleleben neue Impulse im sehr privaten Bereich. Viele Momentaufnahmen im Leben dieser Personen spiegeln starke, tiefgehende Sehnsüchte wieder, die entweder im Laufe der Jahre bisher unerfüllt geblieben bzw. in der langjährigen Ehe leider verloren gegangen sind – vielleicht auch durch den Familienzuwachs, durch die noch kleinen Kinder Ada und Leo. Das Alltagsleben mit seinen Routinen wird realistisch mit passenden Bildern gut beschrieben ebenso wie die jeweiligen Kindheitserinnerungen in Ost- bzw. Westdeutschland mit Eltern und Geschwistern. In einigen Sequenzen erkennt sich der Leser vielleicht wieder mit seinen Sehnsüchten nach Veränderung oder doch auch nach der bisheriger schönen Vertrautheit im Zusammenleben, die hier schließlich in einem neuen Arrangement aus drei Lebenskrisen erwächst. Dieses Beziehungsdreieck ist sprachlich einfühlsam mit klarem, rotem Faden aufgebaut. Ein Roman zum Nachdenken!
Verschiedene Lebenswege: In "mit den Jahren" werden drei Perspektiven aufgezeigt, alle im mittleren Alter und an einem Wendepunkt. Es geht um ein Paar mit zwei Kindern, das sich auseinander gelebt hat - sehr eindrücklich und lebensnah wird der Frust beschrieben, der sich so häufig in langjährige Beziehungen einschleichen kann. Dazu kommt eine dritte Perspektive, die von Jette, die alleinstehend ist und ein ganz ungebundenes Leben führt. Im Laufe des Buches kreuzen sich die Wege drei drei Protagonisten teilweise auf überraschende Weise. Was mir besonders gut gefallen ist, wie empathisch alle drei Perspektiven gezeichnet wurden und wie alle Charaktere sich über das Buch hinweg weiter entwickeln dürfen. Ich mochte in dem Rahmen auch das Ende sehr gerne, ich fand es versöhnlich und nicht schwarz-weiß. Nicht zuletzt hat mir die Schreibweise der Autorin sehr gut gefallen. Eine ruhige, lebensnahe Erzählung!