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Der eiserne Marquis: Roman

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Wien, im Jahr des Herrn 1753. Ein junger Bursche aus der Provinz tritt als Lehrling in die Dienste des Uhrmachers Servasius Weisz. Er ist überaus begabt, aber seit der Kindheit ein Sonderling. All sein Streben zielt darauf ab, Welt und Leben zu fassen und neu zu erschaffen nach den Gesetzen der Mechanik. Als er sich in die Grafentochter Amalia verliebt, kommt es zu einer furchtbaren Tragödie, die ihn zur Flucht aus Wien zwingt. Er tritt in das Heer des preußischen Königs ein und zieht unter neuem Namen als Jacob Kainer in den Krieg. Im Lazarett macht er die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Marquis, der beeindruckt ist von seinen handwerklichen Fähigkeiten. Der Marquis nimmt Jacob mit nach Paris, wo er ihm im Kampf gegen seine fortschreitende Krankheit beistehen soll. Gemeinsam suchen sie in den Schriften der Gelehrten und mit den Mitteln des Experiments nach der Triebfeder des menschlichen Leibes. Doch als ihre wissenschaftlichen Anstrengungen keinen Sieg über die Vergänglichkeit bringen, verschreibt sich der Marquis dunkleren Künsten – und das Schicksal nimmt seinen unerbittlichen Lauf.
In seinem lang erwarteten neuen Roman erzählt Thomas Willmann eine packende Geschichte über das Gelingen und Scheitern, Gottes Schöpfung zu rekonstruieren. »Der eiserne Marquis« ist ein außergewöhnliches, kunstvoll erzähltes Epos, das unserer Gegenwart einen Spiegel vorhält, indem es eine längst vergangene Welt zum Leben erweckt.

919 pages, Hardcover

Published September 11, 2023

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About the author

Thomas Willmann

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Michael Milde.
75 reviews3 followers
March 21, 2024
Deutsche Provinz, Wien, preußische Schlachtfelder, Paris, 18. Jahrhundert. Der Ich-Erzähler spricht mit den Ratten. Im Prolog erfahren wir, dass er in der Pariser Salpêtrière einsitzt. Zwei Morde hat er begangen: den ersten direkt an seiner Mutter, die bei seiner Geburt im Jahre 1760 stirbt. Diese Anfangsseiten sind genial: das Raumgreifende des Fötus im Mutterleib, den ersten Blick auf das Metall beim Kaiserschnitt, die Liebe dann zur Standuhr. Er sind schon die Wurzeln seiner Leidenschaft für das Metall und alles Mechanische angelegt. Großartig das Aneignen der Welt durch Sprache (S. 22f.). Er wird alleine vom Vater erzogen. Dieser ist Schulmeister und wünscht denselben Beruf auch für seinen Sohn. Dieser ist aber der Mechanik von Uhren verfallen und schleicht sich in die Werkstätten von Uhrmachern. Schließlich darf er sogar -mit Überredungskünsten des Onkels- Lehrling werden. Dies aber stellt sich als Unterforderung und Enttäuschung dar. Der Onkel erkennt sein großes Talent und er darf in die Lehre nach Wien zu Servasius Weisz. In Begleitung seines Meisters besucht er ein herrschaftliches Haus, um eine reparierte Uhr zurückzubringen. Bei dieser Gelegenheit trifft ihn der Blick der jüngsten Tochter Amalia. Fortan suchen beide Gelegenheiten, sich zu sehen. Parallel arbeitet der Protagonist an einem Automaten, der einen Menschen und dessen Sprache täuschend echt imitieren kann. Über fast 159 Seiten verfolgt man die Annäherung an Amalia, die sich dann aber letztendlich aufgrund des Standesunterschieds verweigert (großartiges Kapitel 21 im ersten Teil!). Zum Bruch kommt es dann, als sie ihm gesteht, dass sie nun einen Mann vom gleichen Stand heiraten müsse, den sie aber nicht liebe und ab dann aber frei sei für ihn. Das ganze ist eingebettet in unglaublich fesselnde Beschreibungen des Hetztheaters (Kap. 22f.). Der Ich - Erzähler dringt von Eifersucht getrieben in das Sommerschloss und sieht Amalia mit künftigem Ehemann. Nach kurzem Wortgefecht, sterben beide Adligen und der Erzähler flieht aus Wien.
Im Zwischenkapitel „Intermezzo militare“ schlägt sich der Erzähler wie ein Tier durch, landet in einer Wolfshöhle, aus der er sich erst eines gewaltigen Gewitters wegen retten kann, wird dann von einem Eremiten gepflegt und flieht dann über die Grenze nach Preußen. Hier lässt er sich unter falschem Namen (Jacob Kainer) für die Armee anwerben, kommt nach Berlin (großartige Schilderung der kalten aufgemotzten Hauptstadt) und zieht als Tambour in den Krieg. Die Beschreibungen des Soldatenlebens und der Schlacht sind unglaublich gelungen in ihrer Detailversessenheit und Ungeschöntheit. Ganz große Kunst!
Im zweiten großen Kapitel „Mein zweites Leben“ kommt die Titelfigur ins Spiel. Dieser besucht das Kloster, in dem der Ich-Erzähler als Verwundeter liegt. Er zieht die Aufmerksamkeit des Marquis auf sich auf Grund der Silbernen Rose, die er -einst als Geschenk für Amalia gedacht und als Andenken an sie im letzten Moment mitgeführt - weiterhin bei sich trägt. Wir erfahren, dass der weit gereiste Marquis einen verstümmelten rechten Arm hat, den er mittels Metall kaschiert und sich verspricht, dass der Uhrmacher ihm zukünftig Hilfe bieten wird bei weiterem Fortschreiten der Verstümmelung. Der Marquis stattet dem Erzähler eine vollständige Uhrmacherwerkstatt aus, während er selbst an lebenden Objekten experimentiert, um dem Ideal des Sich-Erneuerns von Echsen und Hydren auf die Spur zu kommen.
Nach vielerlei Versuchen u.a. mit Pferden gelingt es dann endlich, eine Prothese für den Marquis herzustellen.
Auf einem Ball stürzt der Erzähler beim Tanzen, weil er sich Amalia gegenüber zu stehen glaubt. Der Marquis nimmt sein Leiden wahr und macht die maskierte Frau ausfindig. Es handelt sich um Arianne, die als Maîtresse das Herz des Erzählers erobert.
Arianne wird in alle Geheimnisse des Marquis eingeweiht, nimmt teil an den Experimenten, begeistert sich für das Forschen nach Elektrizität. In einem riesigen Bottich werden Zitteraale angeliefert, wovon man sich tiefere Einsichten verspricht.
Eine ganz großartige Szene beschreibt das missglückte Feuerwerk zu Ehren des neuen Königspaars (Louis16&MA). Nach eindrucksvollem Start misslingt der als Höhepunkt geplante Abschluss. Menschen sterben, Panik bricht aus, die dichtgedrängte Masse erdrückt sich gegenseitig, Fluchtwege sind versperrt. Den dreien (Erzähler, Marquis, Arianne) gelingt es, nahezu unbeschadet nach Hause zu kommen. Einen älteren Mann, den man im letzten Moment in der Kutsche mitnimmt und der eigentlich schon vom Tod gekennzeichnet ist, setzt man einen Kehlkopfschnitt zu und versorgt ihn mit einer Pumpe, um sein Leben zu retten. Letztendlich stirbt dieser aber, nachdem er sich selbst aus den Fesseln befreit hat und nunmehr nicht mehr mit einer Pumpe verbunden ist.
Nach diesem Ereignis schlägt die Stimmung des Marquis um, in längeren Phasen scheint diesen der Lebensmut abhanden gekommen zu sein.
Der Ich-Erzähler leidet zunehmend unter Eifersucht und entdeckt schließlich Arianne mit dem Marquis in (jedoch keiner sexuellen) Zweisamkeit. Der entsetzte Erzähler wird mittels einer geheimen Tinktur betäubt und weit außerhalb Paris aufs Land gebracht. Er erhält Abschiedsbriefe von den beiden Gefährten. Arianne schreibt, dass sie ihn weiterhin liebe, aber sehr krank sei und fürchte, bald nicht mehr dem Bild entsprechen zu können, das er sich von ihr gemacht habe. Der Erzähler kehrt voller Wut nach Paris zurück, findet beide aber nicht mehr im Wohnhaus wieder. Nach einigem Suchen folgt er dem stummen Mael - dem Diener des Marquis. Der Marquis lebt nun in den Katakomben. In diesem Totenreich schafft der Marquis ein gewaltiges Reich an Körpern, die zusammengefügt werden und dazu verdammt sind, nicht zu sterben. Oberstes Ziel ist, die kranke Arianne nicht sterben zu lassen. Zu diesem Zweck wird versucht, eine Doppelgängerin zu kreieren, aber die Organe der anderen lassen sich nicht leichter Hand transplantieren.
Das Buch endet damit, dass die ‚Weltmaschine‘ Feuer fängt. Das Feuer reißt alles mit sich. Arianne könnte gerettet werden, aber im letzten Moment lässt er sie sterben, weil negative Gefühle in ihm hochkommen und sie auch nicht mehr seinem Bild, seinem Ideal entspricht.
Der Erzähler wird in den Trümmern gerettet und für schwachsinnig gehalten in die Irrenanstalt eingeliefert.

Der Erzähler bedient sich einer Kunstsprache, angenähert an die Sprache des 18. Jahrhunderts. Das erinnert in seiner bewundernswerten Kunstfertigkeit und detailverliebten Beobachtungsgabe an den „Erwählten“ von Thomas Mann. Kritik: manches wird eingeführt, aber im Weiteren nicht entwickelt, das betrifft z.B. den Vater des Erzählers, über den wir in seinen Wiener Jahren nicht weiter erfahren. Ein anderer Aspekt: im zweiten Teil wird von der großen Liebe zur Oper von Seiten des Erzählers und des Marquis‘ geschrieben: dieser Strang wird auch nicht fortgeführt. Im zweiten Teil kommt es etwas zu Längen, sogar eine Binnenerzählung wird noch eingeschoben über das Leben Ariannes. 🥹
Schon im ersten Teil verliert sich das Grundmotiv zur großen Leidenschaft des Uhrenbaus: die Wiener Werkstatt bleibt lediglich Kulisse und wird nicht weiter ausgestaltet, da der Fokus deutlich auf der Liebe zu Amalia liegt. Paris spielt im zweiten Teil nur eine geringe Rolle, gewinnt als Schauplatz wenig Format.
Insgesamt begeistert aber die Fabulierlust und die Fähigkeit, packend höchstkomplexe Szenen wiederzugeben. Zuweilen erkennt man den Musikkenner. Die Szenen mit Amalia in der Kirche erinnern an Stolzing und Eva zu Beginn der „Meistersinger“, der ‚Weltenbrand‘ zum Schluss an die „Götterdämmerung“.
Profile Image for Julie.
316 reviews24 followers
December 21, 2024
Dieses Buch! Ich gebe zu der Schreibstil ist anspruchsvoll, aber jede Minute die man hier verbringt ist ein Geschenk.
Große Liebe!

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