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Parabolis Virtualis: Neue, queere Lyrik #03

Parabolis Virtualis 3: Neue, queere Lyrik

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Parabolis Virtualis, die queere Lyrikanthologie, geht nach zwei erfolgreichen Ausgaben in den dritten Band. In der neuen Ausgabe haben sich Noah Anderson und Kevin Junk für die Herausgabe zusammengetan. Die Herausgebenden setzen diesmal einen klaren Fokus: Sie zeigen eine kuratierte Auswahl von afro-diasporischen, Schwarzen, queeren Lyriker*innen. Neben eingeladenen Autor*innen wurde der Band wieder von einem Open Call begleitet. Dabei herausgekommen ist eine vielschichtige und vielstimmige Bestandsaufnahme aktueller Textproduktion aus der Schwarzen Community. Die Texte werden mit Illustrationen von Ford Kelly ausgestaltet.

94 pages, Paperback

First published September 11, 2023

8 people want to read

About the author

Kevin Junk

16 books3 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for leynes.
1,336 reviews3,778 followers
December 30, 2023
Ein schmaler Gedichtband zum Fest. Und dann auch noch gefüllt mit queeren Schwarzen Autor*innen. Hach, ist das fein. Eigentlich vermeide ich es, dass mir Familie & Bekannte Bücher schenken. Zu oft wurde ich mit Titeln beschenkt, die ich entweder bereits las oder an denen ich kein Interesse hatte. Mittlerweile klappt es auch ganz gut, wenn ich meine Wunschliste teile oder sich gleich für ein Gutschein entschieden wird. Meine Schwester ist so ziemlich der letzte trooper, der immer noch eigenständig die Titel auswählt. In den vergangenen Jahren hat sie wenig Treffer gelandet, da die Bücher vor allem in die erste Kategorie (=ich besitze sie bereits) fielen. Dieses Jahr hat sie ihre Taktik (=Bücher Schwarzer Frauen) abgeändert und zwei Volltreffer gelandet: Parabolis Virtualis 3 und Behindert und Stolz. Zwei Titel, die ich vorher nicht kannte, die beide aber unheimlich spannend klingen.

Nach meiner Lektüre von Seelen im November habe ich mich komplett in einer Leseflaute verfangen. Den ganzen Dezember über habe ich lesetechnisch nicht wirklich was gebacken bekommen. Daher kam mir dieser schmale Gedichtband mit nur 94 Seiten sehr gelegen. Er ließ sich in einem Rutsch weglesen und brachte mir viel Freude.

Parabolis Virtualis ist eine queere Lyrikanthologie, in der jede Ausgabe einen anderen Fokus hat. Im dritten Band findet sich eine Auswahl von afro-diasporischen, Schwarzen, queeren Lyriker*innen. Mit dabei: Savanna Morgan, Tessa Hart, Nele Müller, Lisa Tracy Michalik, Jena Samura, Chantal-Fleur Sandjon, Erica Badu, Mo Seugue Njofang, Kameron Locke, Stefanie-Lahya Aukongo und Melanelle B. C. Hémêfa.

Bis auf Chantal-Fleur Sandjon (Autorin von Die Sonne, so strahlend und schwarz) und Stefanie-Lahya Aukongo (Autorin von Buchstabengefühle) war mir keine der Lyriker*innen bekannt. Ich liebe es Neues zu entdecken und so hielt auch diese Anthologie viele Überraschungen bereit.

Savanna Morgan, eine Poetin aus Ost-Texas, schreibt in "Therapie" über Waffengewalt & Rassismus: "Die Mündung fühlt sich nur zu Hause, / wenn sie in den Gewehrlauf / einer schwarzen Seele starrt." Ein Thema, welches in den USA nochmal relevanter ist als hier in Deutschland. Es ist ein unglaublich bedrückendes Gedicht. In "Fette Mädchen, in einer Kultur die Fette hasst" schreibt sie über den Sex mit einer Liebhaberin, sehr explizit: "Ich wusste, dass sie fett war, als sie mir danach die Finger abschleckte."

Tessa Hart (they/she) spielt mit den Worten. Tessas Worte erinnern an May Ayim: "Offiziell gestört. / Weil störend und nicht systemkonform. / Erwartungshaltung: uniform. / Tatsächlichkeit: unform." Nele Müller, eine afro-karibisch/deutsche Autor*in, widmet ihr Gedicht der afro-deutschen Ikone. "Die Zeit danach II" ist vom Aufbau und den Worten ganz explizit einem Gedicht Ayims, das MLK gewidmet ist, nachempfunden. Während Ayim MLK als "Bruder" anspricht, wählt Nele die Ansprache "Schwester" für Ayim.

Jena Samura fragt in ihrem Gedicht "Alles gesagt": "Wer hat gesprochen? / Wurdest du gehört? / Denn ich bin mir sicher, ich nicht" – Worte, die viele marginalisierte Menschen nachempfinden können. Worte, die nachhallen. Das Gefühl, an den Rand gedrängt zu werden, überhört zu werden, übersehen zu werden. Samura fasst dieses Gefühl in Worte.

Chantal-Fleur Sandjons Gedichte sind Auszüge aus ihrem Jugendroman in Versen "Die Sonne, so strahlend so schwarz" – und es ist wohl mein liebster Abschnitt der ganzen Anthologie. Ich war am Anfang, trotz vieler positiver Rezensionen, sehr skeptisch und zögerlich, ob so ein Versroman auf Deutsch funktionieren würde, aber jetzt bin ich mir sicher und er steht ganz oben auf meiner Wunschliste für 2024.

Kameron Locke, der einzige Mann unter den 11 versammelten Poet*innen, hat mich mit seinem Gedicht "Fünfzehn", in dem er sein schmerzvolles und gewaltvolles Coming Out in seiner afro-amerikanischen Familie beschreibt, umgehauen. Da potentiell triggernd, will ich seine Worte hier nicht wiedergeben, aber sie haben eine krasse Schlagkraft entwickelt. Das Gedicht wird mich für einige Zeit nicht loslassen.

Parabolis Virtualis 3 ist eine interessante Zusammenstellung unterschiedlicher Lyriker*innen der Schnittstellen Schwarz- und Queersein. Ein guter Einstieg in moderne Lyrik. Ein schmaler Band, der sich gut in der Hand halten lässt und den man einfach mal runterlesen kann. Jeder Abschnitt ist wird zudem mit einer wunderschönen Skizze von Ford Kelly eingeleitet. Für mich definitiv immer wieder ein Highlight während der Lektüre: ganz unterschiedliche, ungewöhnliche Motive, die Kelly hier gewählt hat. Insgesamt gibt's eine Empfehlung von mir!
Profile Image for Annica Rauch.
10 reviews
September 19, 2025
Mal witzig oft schmerzhaft, in jedem Fall bewegend, gibt queeren poc Lyriker*innen eine Stimme die sie vielseitig nutzen; me myself bin ich manchmal ein wenig zu oldschool für modern poetry
Profile Image for Francesco Iorianni.
264 reviews4 followers
November 8, 2023
Eine Anthologie an Gegenwartslyrik für Zwischendurch. Hat mir sehr gefallen und besonders der Fokus auf die Intersektion zwischen Queerness und Blackness kam durch manche poetische Bilder besonders ausdrucksstark zum Vorschein.
Profile Image for Mia.
295 reviews1 follower
February 7, 2024
Wunderschön geschrieben, berührend und schmerzhaft. Und in jeglicher Hinsicht so inspirierend.
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