In »Mauerpfeffer« befasst sich Nataša Kramberger mit ihrem eigenen Landwirtschaften im Rahmen des Klimawandels und der damit einhergehenden Widrigkeiten für die Natur wie für den Menschen, der vom Landanbau lebt. Ihr Text ist ein Plädoyer für die ökologische Landwirtschaft, weil diese für das globale ökologische Gleichgewicht unabdingbar ist. Mit großer Lesefreude folgt man Krambergers persönlichen Gedanken, Beobachtungen und ihrem Engagement in einer poetischen Sprache und begreift das ganze Ausmaß der Bedeutung der Kultivierung der Natur, des Klimawandels und der Abhängigkeit des Menschen. »Einst, denke ich, wurden so Sagen geboren, Sprichwörter und der Blues. Heute – aus einem schrecklichen Mangel an besseren Alternativen – wird so eine Betrachtung, ein Essay über das Landwirtschaften in Zeiten des Klimawandels geboren.«
Dieses Essay war für mich ein Jahreshighlight. Kramberger hat auf so wenigen Seiten intensiv über die Landwirtschaft, die Natur und den Klimawandel geschrieben, dass ich sofort in den Bann davon gezogen wurde. Sie öffnet mit ihrem eigenen kleinen Kosmos auf ihrem Biohof ein Fenster zum großen Ganzen. Für mich eine absolute Leseempfehlung. Denn sie spricht für mich neben Hirn und Herz auch das Bauchgefühl und Urvertrauen an. Urvertrauen in eine Urmacht…. unsere Natur. Extrem gut geschrieben 🤩.
Auch in diesem Jahr jagte eine Naturkatastrophe, die andere. In Europa grassierten Brände, Überflutungen, Orkane und Hagelmassen. Wir alle müssen die Natur anders lesen, als bisher.
Das hat auch Nataša Kramberger lernen müssen. Sie bewirtschaftet einen kleinen Hof in Slowenien und legt großen Wert auf Biodiversität und ökologische Landwirtschaft. Natürlich wird sie von alteingesessenen Landwirten belächelt und auch ihr Vater spart nicht mit Ratschlägen und lernt doch durch seine Tochter neue Wege anzunehmen. Die Slowenin kämpft mit Disteln und Wühlmäusen, mit trockenen Frühlingen und nassen Sommern. Weder Saatgutkalender noch jahrhundertealte Weisheiten greifen mehr und können dem Klimawandel trotzen. Die Natur kreischt kratzt und wütet und ein fallender Walnussbaum wird mit einem kollektiven Klagelied in seinem Sterben begleitet. Die Autorin arbeitet mit eindrücklich Bildern, die mir teilweise das Blut in den Adern gefrieren ließen. Man spürt den Schweiß, die Verzweiflung aber auch den eisernen Willen es zu schaffen und allen Widrigkeiten zu trotzen. Sprachlich ist dieser Essay sehr besonders. Poesie steht als Kontrapunkt zu den archaischenNaturkatastrophen. Aufzählungen prägen den Rhythmus des Textes genauso, wie die wenigen, aber aufschlussreichen Dialoge. Ein Text der Vergnügen bereitet und gleichzeitig bangen lässt. Ich hab ihn in einem Rutsch gefesselt und gebannt weg gelesen.
Eine Naturkatastrophe jagd die nächste: Waldbrände, Trockenheit, Orkane und Überflutungen sind an der Tagesordnung. Der Klimawandel ist allgegenwärtig.
Nataša Kramberger hat ihren Hof in Slowenien von ihrer Mutter geerbt. Bereits seit acht Jahren bestellt sie das Land und betreibt ökologische Landwirtschaft. Doch wie kann man von einem Hof-Ertrag leben, wenn man keine Pestizide spritzt und sich nicht mehr auf die Jahreszeiten verlassen kann? Im Winter ist es zu warm, im Sommer zu heiß oder zu nass und lange nach den Eisheiligen friert es noch einmal. Felder werden zu Seen und Wühlmäuse zerstören den Rest der Ernte. Der Industrie und der Bevölkerung ist das egal, die wollen nur „das Essen auf unseren Tellern ist, daher hat die Sorge um die Natur in der Landwirtschaft, die zählt, keinen Platz.“ (S. 97)
In viele kleine Essays, verbunden in einer Geschichte, erzählt uns die Autorin von ihrem Leben. Einige Geschichten fand ich sehr gut, andere weniger, aber dennoch ist es ein wichtiges Buch. Ein Plädoyer für die Umwelt - an uns alle gerichtet. Eindringlich in einer schönen Sprache erzählt.
„Pflanzt man eine Korkeiche, braucht man zwölf Jahre, bevor ihr eine Borke wächst. Und noch einmal zwölf Jahre, bevor man die Borke zum ersten Mal abschälen kann. Aber erst nach zwölf weiteren Jahren bildet die Eiche eine Borke, die für Kähne, Häuser oder Weinkorken verwendet werden kann.“ (S. 10) Wusstet ihr das? 4/ 5
„Leute! Mein ökologisches Feld ist nicht mickrig! Es gab mir Brot für drei Jahre! [...] Leute! Das Feld meines Nachbarn gab siebenmal mehr als meins! Nicht genug für des Nachbarn täglich Brot!“
Nataša Krambergers „Mauerpfeffer“ war ganz anders, als ich erwartet habe. Kramberger schreibt über ihre ersten Jahre auf dem (später eigenen) Hof und die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr tägliches Leben.
Eindrucksvoll beschreibt sie, was es bedeutet, einen ökologischen Hof zu betreiben und welchen Stress unvorhersehbares Wetter in ihr auslöst. Während ich das kleine Büchlein gelesen habe, hatte ich gehofft, dass es ein optimistisches Ende hat. Doch diese Hoffnung wurde im Keim erstickt - denn an unserer aktuellen ökologischen Lage kann man einfach nichts beschönigen: immer längere und heißere Hitzeperioden, plötzlicher Starkregen und Hagel, die Nutzung von „effektiveren“ Spritz- und Düngemitteln um die Ernte dennoch ertragreich zu halten - all diese Faktoren fasst Kramberger zusammen und verknüpft sie mit ihren persönlichen Erlebnissen. Sie schafft dabei ein beängstigendes, aber ehrliches Bild der aktuellen Zeit.
An manchen Stellen war mir der Schreibstil zu sprunghaft und obwohl sie ihre Erlebnisse chronologisch anhand ihrer erlebten Saisons auf dem Hof erzählt, hat mir an ihren Erzählungen etwas gefehlt. Ich hatte das Gefühl, man tritt auf der Stelle und kommt nicht „voran“. Kramberger schafft es aber ausgezeichnet, ihre Leidenschaft für ihren Hof und die Natur zu beschreiben und die Dringlichkeit des Umdenkens in der Agrarindustrie herauszuarbeiten.
Nataša ist Landwirtin und betreibt einen Hof in Slowenien. Schon als Kind hat sie gelernt, wie man sich perfekt auf plötzliche Wetterumschwünge einstellt und welche Mittel gegen welche ungebetenen Gäste und Gelegenheiten helfen. Besonders in diesen Zeiten, in denen eine Naturkatastrophe die nächste Jagd und die Auswirkungen des Klimawandels spürbarer sind als je zuvor, ist es der Autorin des Essays ein ganz persönliches Anliegen, für die nachhaltige und ökologische Landwirtschaft zu plädieren.
Diesen kurzen aber sehr starken Essay habe ich von den lieben Menschen des @verbrecherverlag zur Programmvorstellung erhalten und ich bin ehrlich, von allein hätte ich wohl nicht zu dem Buch gegriffen. Das liegt zum einen an der Thematik und zum anderen an der Textform, da ich doch eher Team Romane bin. Doch „Mauerpfeffer“ konnte mich sehr von meiner Haltung abbringen. Nataša Kramberger, übersetzt von Liza Linde, schreibt mit einer Dringlichkeit und humorvollen Ehrlichkeit über ein Thema, das uns alle betrifft, auch wenn wir es nicht täglich spüren. Mir konnte das Buch neue Sichtweisen geben und ich hoffe sehr, dass es vielen von euch ähnlich gehen wird. Eine Empfehlung geht raus! 💚