Denkanstöße 2025: ... aus Gesellschaft, Philosophie und Wissenschaft | Große Gedanken in einem Band versammelt: mit Stefan Aust, Alexander Kluge, ... Daniela Schwarzer u. v. m.
Kluge Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit
In einem Band versammelt liefern die Denkanstöße 2025 aufschlussreiche Gedanken und Erkenntnisse eines ganzen Jahres. So greift der Philosoph Julian Nida-Rümelin die hitzige Debatte um die soganannte »Cancel Culture« auf und beschreibt die Gefährdungen der Demokratie. Die Politologin Daniela Schwarzer analysiert die innen- und außenpolitischen Krisen, die unser Land erschüttern und mutiges Handeln erfordern. Die großen Publizisten Stefan Aust und Alexander Kluge beleuchten die Wirkmacht der Medien und untersuchen das Konstrukt der Öffentlichkeit. Ein wichtiges Buch, übersichtlich und kompakt, zum Mitdenken und Mitreden!
Den Beitrag von Ronen Steinke zum Verfassungsschutz fand ich spannend. Ich wusste nicht, wie aktiv und wie viel Rechte der Verfassungsschutz in Deutschland hat. Und das dieser auch einfache Jugendliche, die nichts Strafbares machen (außer skeptisch gegenüber Noten zu sein und in der linken Politik aktiv zu sein), beobachtet (Niema Movassat).
Ansonsten empfand ich einige Beiträge als einseitig.
"Nach der Gründung des Staates Israel gesellte sich zum bestehenden Antisemitismus in Deutschland eine neue Variante der Judenfeindschaft: ein israelbezögener Antisemitismus, der heute mehr denn je gesellschaftsfähig geworden ist.Beschimpft wird der jüdische Staat, gemeint sind die Juden überall." S.85 Das ist eine undifferenzierte Meinung, die zeigt, dass der Autor kein Wissen über die Geschehnisse in Israel/Palästina hat. Diese Aussage finde ich sehr simplizierend und menschenverachtend gegenüber unterdrückten Palästinensern in Israel und Palästina.
Die Gleichsetzung von Kritik an Israels Politik mit Antisemitismus verkennt, was Historiker wie Ilan Pappé oder Norman Finkelstein betonen: dass legitime Kritik an Besatzung, Vertreibung und Menschenrechtsverletzungen nicht judenfeindlich ist, sondern auf universellen moralischen Prinzipien beruht. Eine universalistische Haltung, wie sie beide Autoren fordern, bedeutet, Gewalt und Unterdrückung unabhängig von ihrer Herkunft zu verurteilen – gerade um antisemitische wie koloniale Strukturen gleichermaßen zu überwinden. Wer jede Kritik an Israel als antisemitisch abtut, schützt nicht Juden, sondern immunisiert staatliches Handeln gegen Verantwortung.
Menschen ohne Reflxionsvermögen setzen Juden und die israelische Regierung gleich. Ich finde diese Gleichsetzung entsetzlich. Es gibt genug Juden weltweit, die gegen den Genozid in Gaza und das Apartheidssystem in Israel sind.
Aber Kritik am Genozid ist wichtig und berechtigt und sollte nicht stumm gemacht werden mit der Logik "jede Kritik an der israelischen Regierung wäre antisemitisch". Diese Logik instrumentalisiert den Holocaust und verschleiert die systematischen Kriegsverbrechen und Unterdrückungsstrukturen, die von der israelischen Regierung ausgehen.
Die Beiträge von Natasha Kelly, Julian Nida-Rümelin und Thomas Metzinger fand ich auch spannend.