Giorgia Meloni in Italien, Donald Trump in den USA, die FPÖ in Österreich und nun auch die AfD in Der Aufstieg des Populismus scheint unaufhaltsam – und die bisherigen Gegenstrategien gescheitert. Was also tun?
Seit vielen Jahren nimmt die Zahl der Menschen zu, die populistisch wählen, doch bislang reagieren Politik und Zivilgesellschaft hilflos. Der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky erklärt das damit, dass ein wesentlicher Aspekt bislang kaum beachtet Viele Wähler sind nicht deshalb so schwer zu gewinnen, weil sie die Demokratie ablehnen, sondern weil sie sich selbst für die wahren Demokraten halten – alle anderen jedoch für Feinde der Demokratie.
Der Autor erklärt diesen Konflikt mit der Ideologie und den Methoden des Rechtspopulismus. Populisten erheben ihre Anhänger zur »schweigenden Mehrheit«, geißeln die Eliten und zeichnen das Bild einer Demokratie in der permanenten Krise. Sie versprechen ihren Wählern »echte« Wo sie regieren, soll das Volk ungehindert herrschen.
Ausgehend von dieser Analyse skizziert das Buch Gegenstrategien, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Klar, anschaulich und mit vielen Beispielen aus dem In- und Ausland, zeigt »Was Populisten wollen«, wie man der großen populistischen Welle begegnen kann.
Vielen lieben Dank an den Kiwi-Verlag, dass ihr mir ein Rezensionsexemplar dieses sehr gut recherchierten Sachbuchs habt zukommen lassen!💕
Schauen wir auf die letzten Europawahlen oder auf unsere Nachbarn in Italien, den Niederlanden, Frankreich oder schlicht nach Ostdeutschland wird sichtbar: Rechtspopulisten sind politisch und gesellschaftlich auf dem Vormarsch. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die AfD in den anstehenden Landtagswahlen ihren Aufwärtstrend bestätigen wird.
Dass es rechtspopulistische Parteien gibt, ist noch lange kein Grund sie zu wählen, das aktuelle gesellschaftliche und politische Klima bietet ihnen jedoch den perfekten Nährboden für ihre Ideologie. Rechtspopulisten behaupten, für das „wahre Volk“ zu sprechen, die Verteidiger der „Demokratie“ zu sein, die keine liberale Demokratie wäre, wenn sie sie wirklich gestalten würden; sie konstruieren in öffentlichen Debatten einen Scheinkonsens, der ihrer Meinung nach die Legitimation für ihr Handeln und ihre rechtspopulistischen Aussagen ist - immerhin wird das „wahre Volk“ schlicht einfach zu wenig gehört. Und die Zivilgesellschaft sowie die demokratischen Parteien? Die haben bisher keine Antworten gefunden, Rechtspopulisten wirksam und nachhaltig entgegenzutreten.
Marcel Lewandowsky hat es mit „Was Populisten wollen“ geschafft, die Ideologie von Rechtspopulisten zu analysieren und auch deren Wählergruppen und die Gründe für ihre Wahlentscheidungen darzustellen. Dabei ordnet er rechtspopulistische Aussagen kritisch ein, widerlegt Vorurteile und bietet zu vielen ihrer typischen Haltungen zur Migration, Sozialpolitik, Armut und Sexismus sowohl Hintergrundwissen als auch argumentative Gegenstrategien an.
Besonders beeindruckt hat mich beim Lesen des Buches wiederholt die Verknüpfung zur liberalen Demokratie sowie dem Demokratieverständnis der Rechtspopulisten. Natürlich weiß man, dass Rechtspopulisten ein anderes Verständnis von Demokratie haben, gleichsam zeigt der Autor auf, dass im Verstehen der Instrumente und Institutionen der liberalen Demokratie auch der Schlüssel liegen kann, Rechtspopulisten argumentativ zu entwaffnen. Dies ist jedoch der Bereich, den demokratische Parteien und auch die Zivilgesellschaft derzeit schlicht nicht genug besetzen. Wähler von Rechtspopulisten werden nicht aufhören diese zu wählen, weil demokratische Parteien ihre Aussagen übernehmen, sondern demokratische Parteien müssen für ihre Themen und die Demokratie mit Konsequenz und Ideenreichtum stehen, um sich von rechtspopulistischen Ideologien klar abzugrenzen.
Ich bin nun wirklich kein Fan von Sachbüchern, habe für mich selbst aus diesem Buch jedoch viele Erkenntnisse ziehen können. Spannend empfand ich die Einordnung vom Männlichkeitsverständnis der Rechtspopulisten und dass Einsamkeit Männer empfänglicher für rechte Ideologien macht - ich denke, dass hier dennoch weiterhin eine große Forschungslücke ist. Deutlich wurde für mich aber auch, dass ich in emotionalisierten Gesprächen mit Familie und Freund*innen den Fokus im Kontext der AfD nicht mehr auf das „Umstimmen“ legen sollte, sondern auf die Angebote von demokratischen Parteien; dorthin, wo sie sich deutlich abgrenzen und demokratische Werte sichtbar machen, welche sich eben auch deutlich von den Rechtspopulisten abgrenzen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass zum Lesen des Buches nicht viel Vorwissen nötig ist. Lewandowsky bringt aktuelle und zurückliegende politische Beispiele aus den USA und europäischen Ländern ein, um seine Analyse zu untermauern. Das macht es sehr leicht seinen Thesen zu folgen, ebenso ist die Vielzahl von Quellenbelegen wahrlich eine Wohltat! Ich würde mich dennoch freuen, wenn Teile dieses Buches auch in leichter Sprache zugänglich gemacht werden würden.
Abschließend kann ich sagen, dass ich dieses Buch nicht nur hilfreich dafür finde, um Rechtspopulismus zu verstehen und Gegenstrategien kennenzulernen, es ist auch gut darin, die eigene Selbstreflexion anzuregen.
Marcel Lewandowsky hat mit „Was Populisten wollen - Wie sie die Gesellschaft herausfordern - und wie man ihnen begegnen sollte“ ein Sachbuch zum Thema Populismus vorgelegt. Erschienen ist das Buch im Mai 2024 bei Kiepenheuer & Witsch.
Populismus, insbesondere der Rechtspopulismus, scheinen unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein. Giorgia Meloni in Italien, Donald Trump in den USA oder auch Victor Orban in Ungarn sind nur einige Namen. Bisherige Gegenstrategien scheinen kaum Wirkung zu zeigen. Marcel Lewandowsky ist Politikwissenschaftler und befasst sich in diesem Buch ausführlich mit dem Thema. Er klärt über die Grundlagen der Ideologie auf, zeigt die Methoden der Rechtspopulisten und analysiert wer die Wähler dieser Parteien sind. Im abschließenden Kapitel geht der Autor auf Gegenstrategien ein, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Auch Beispiele aus dem In- und Ausland werden genannt.
Auf Marcel Lewandosky wurde ich aufmerksam durch Twitch. Dort war er im Format „nachsitzen“ auf dem Kanal von WildMics zu sehen. Seitdem folge ich ihm und bin so dann auch auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dies ist nicht mein erstes Sachbuch zum Thema Populismus und Demokratie. Ich besitze daher schon ein gewisses Vorwissen. Ich empfand dieses Buch allerdings grundsätzlich als recht ausführlich, von daher kann es denke ich durchaus auch als Einstieg genutzt werden. Ich würde allerdings vermuten, dass man sich danach noch weiter mit bestimmten Aspekten im Buch auseinandersetzen möchte. Marcel Lewandowski behandelt unterschiedliche Aspekte von Populismus und fängt hier mit dem Demokratieverständnis der Populisten an. Dabei werden auch grundsätzliche Begriffe erklärt und die kleinen Nuancen, die etwas populistisch werden lassen. Das hat mir gut gefallen, denn ich empfinde den Grat manchmal als recht klein und das wurde hier gut erfasst. Auch die Spannungsfelder, die unsere Demokratie aushalten muss, werden gut erklärt. In den weiteren Kapiteln geht es um den Begriff des Volkes, die Inszenierung des Populismus, wie Populisten das System verändern, wenn sie an der Macht sind und wer die Wähler*innen sind. Durch das gesamte Buch ziehen sich konkrete Beispiele und ich merke schon jetzt, dass ich Populismus noch besser erkenne. Dies empfinde ich als eine große Stärke des Buches. Durch diese Beispiele habe ich auch viel über Populismus in anderen Ländern gelernt. Das Hauptaugenmerk lag auf Rechtspopulismus, aber auch Linkspopulismus wird kurz erklärt. Es waren da viele interessante Fakten dabei, die ich vorher so nicht wusste. Die USA werden viel herangezogen, aber auch Großbritannien, Ungarn, Schweden, Spanien und Griechenland. Insgesamt hat mich das Buch viel zum Nachdenken gebracht. Es hat vieles bestätigt, was ich vorher schon wusste, an manchen Stellen hat es mir Dinge noch deutlicher begreiflich gemacht oder einen Zusammenhang hergestellt, wo ich vorher keinen gesehen habe. Wahrscheinlich wird das Buch auch noch längere Zeit in mir arbeiten. Bei einem Sachbuch kommt es noch mehr vor als bei historischen Romanen, dass ich zu bestimmten Dingen im Internet recherchiere. In Sachbüchern gibt es grundsätzlich deutlich mehr Quellenangaben und Fußnoten. Zu einigen der genannten Beispiele habe ich selber ein wenig recherchiert oder mir eben auch die Quellen angeschaut. Das hilft mir auch nochmal dabei das Gelesene zu verarbeiten und besser einzuordnen. Vom letzten Kapitel, wie man denn nun Populisten begegnen sollte, hatte ich mir ein bisschen mehr erwartet. Ich hatte gehofft, dass da vielleicht etwas bahnbrechend Neues dabei ist. Ich konnte Vieles nachvollziehen, es war aber eben mehr auf Medien und Politik bezogen. Wahrscheinlich kann ich Beiträge in den Medien oder in den sozialen Medien besser einordnen, aber die Erkenntnis bleibt, dass es sehr schwer ist, dem Populismus beizukommen und dass es dafür eben auch langfristige Strategien braucht.
Fazit: Ein gutes Sachbuch zur Ideologie und den Strategien des Populismus. Es zeigt gut den schmalen Grat, ab wann etwas populistisch wird. Es sind viele Beispiele aus den letzten Jahren und anderen Ländern dabei, die die Thesen des Buches unterstützen. Es ist gut verständlich und gibt einen guten Überblick zum Thema.
Marcel Lewandowskys "Was Populisten wollen" ist ein fundiertes Sachbuch, das die Methoden, Strategien und Erfolgsfaktoren des Populismus analysiert. Mit klaren Beispielen aus der internationalen Politik erklärt Lewandowsky den Aufstieg populistischer Bewegungen und bietet wertvolle Einblicke in ihre Ideologien. Der Autor, ein erfahrener Politikwissenschaftler, bringt seine langjährige Forschung zu Demokratie und Populismus in dieses Buch ein. Es ist Teil der essayistischen übermorgen-Reihe, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt und Diskussionen über die Zukunft anstößt.
Worum geht's?
In sechs logisch aufgebauten Kapiteln geht Marcel Lewandowsky auf die wesentlichen Aspekte des Populismus ein. Er beschreibt, wie Populist:innen ihre Anhänger:innen zur "schweigenden Mehrheit" stilisieren, die Eliten als Feindbild nutzen und die Demokratie als permanent gefährdet darstellen. Populisten bieten ihren Wählern das Versprechen einer "wahren" Demokratie, in der das Volk direkt und ungehindert herrscht. Anhand von Beispielen wie Giorgia Meloni in Italien, Donald Trump in den USA oder der AfD in Deutschland zeigt Lewandowsky, wie Populist:innen Identitäten konstruieren, sich als Widerstandsbewegung inszenieren und das politische System verändern. Ein zentrales Thema des Buches ist auch, wer die Wähler:innenschaft der Populist:innen ist und warum diese Menschen sich als die "wahren Demokraten" sehen. Abschließend bietet Lewandowsky Gegenstrategien, um der populistischen Welle zu begegnen und Pluralismus zu verteidigen.
Meine Meinung
Das Buch beschäftigt sich mit einem Thema, das viele gerne umgehen würden, aber in der heutigen Zeit einfach zu wichtig ist, um ignoriert zu werden. "Was Populisten wollen" richtet sich sowohl an Einsteiger:innen als auch an Leser:innen, die sich bereits mit dem Thema Populismus auseinandergesetzt haben. Ich schätze besonders, dass Lewandowsky nicht nur die Hintergründe des Populismus darstellt, sondern auch Taktiken und Strategien beschreibt, die zum Erfolg der Populisten beigetragen haben. Er illustriert dies mit mehreren konkreten Fallbeispielen aus unterschiedlichen Ländern, was dem Buch eine internationale Dimension verleiht und zeigt, dass der Populismus kein rein nationales Phänomen ist.
Der Aufbau des Buches ist sehr strukturiert und nachvollziehbar. Die sechs großen Kapitel behandeln wichtige Aspekte wie das Demokratieverständnis der Populisten, ihre Inszenierungsstrategien und die Frage, wer sie wählt. Besonders hilfreich finde ich, dass Lewandowsky die Unterschiede zwischen Populismus und Faschismus klar herausarbeitet – eine Unterscheidung, die oft verschwimmt. Die Kapitel bauen logisch aufeinander auf und machen es leicht, dem Argumentationsverlauf zu folgen.
Lewandowskys wissenschaftlicher Hintergrund ist im Buch stets spürbar, aber er bleibt dabei immer zugänglich. Sein Stil ist eingängig und anschaulich, ohne an Tiefe zu verlieren. Gerade für ein Thema wie Populismus, das oft emotional aufgeladen ist, empfinde ich seine nüchterne, aber trotzdem lebendige Analyse als sehr wohltuend. Trotz des theoretischen Inhalts wird das Buch nie trocken oder langweilig, weil Lewandowsky es schafft, den Leser:innen durch Beispiele und klar strukturierte Argumente ein verständliches Bild zu vermitteln.
Dennoch hätte ich mir an manchen Stellen noch tiefere Einblicke gewünscht. Auch wenn die Analyse überzeugend ist, fehlte mir teilweise der Fokus auf konkrete Handlungsmöglichkeiten, wie man im Alltag gegen die populistischen Tendenzen vorgehen kann.
Fazit
"Was Populisten wollen" bietet eine gut strukturierte und verständliche Analyse eines der drängendsten politischen Themen unserer Zeit. Marcel Lewandowsky schafft es, die komplexen Mechanismen des Populismus zu entschlüsseln und bietet dabei nützliche Ansätze für den Umgang mit diesem Phänomen. Einige vertiefende Ansätze hätten das Buch noch wertvoller gemacht, dennoch empfehle ich es als wichtige Lektüre für alle, die sich mit der politischen Landschaft auseinandersetzen wollen. 4 von 5 Sternen.
Die wichtige Frage ist hier: Wer ist die Zielgruppe dieses Buchs?
Dieses Buch richtet sich an Laien, welche sich bislang nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Es schafft einen guten Überblick zu gängigen Ideen in der Forschung und ist dabei gut zugänglich.
Leider finden sich wenige neue Erkenntnisse im Buch - dort, wo eigene Forschung aufgegriffen wird, dient es nur zur Veranschaulichung und wird in 1 - 2 Sätzen abgefrühstückt. Auch muss man sagen, dass der Forschungsstand teils etwas einseitig abgebildet wird: Die Meinung von Dr. Lewandowsky ist durchaus präsent - andere Forscher würden bei einigen Thesen wohl widersprechen.
Insgesamt empfehlenswert. Wer nicht zu Populismus forscht oder dazu studiert, dem werden die inhaltlichen Einschränkungen nicht auffallen.
Besonders gut ist mMn. das letzte Kapitel: Wer wählt Populisten? Hier formuliert der Autor sogar einige gute Handlungsempfehlungen für Parteien - etwas, wovor andere Autoren oft eher zurückschrecken in diesem Themenfeld.