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Der Sommer, in dem alles begann

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Hélène, Marguerite und Odette – drei Frauen aus drei Generationen, deren Wege sich in einem bretonischen Dorf kreuzen und alles verä

Hélène ist sechzehn und lebt in einem kleinen Dorf im felsigen Finistère. Sie liebt ihre raue Heimat, ihren Freund Yannick und das friedliche Dorfleben. Doch die Ankunft Marguerites, der neuen eleganten Französischlehrerin aus Paris, und ihres Mannes Raymond, einem charmanten Schriftsteller mit Schreibblockade, wirbelt alles auf. Hélène fühlt sich von Raymond angezogen, während Marguerite heimlich nach ihrer Mutter sucht, die aus dieser Gegend stammen soll.

Und dann ist da Odette, Witwe und Dorfladenbesitzerin, deren Vater während der deutschen Besatzung ermordet wurde. Sie wurde in den 1940ern nach Paris geschickt, wo sie als Hausmädchen vergewaltigt wurde, das Kind abgeben musste und erst Jahre später in ihr Heimatdorf zurückkehrte. Die Lebenswege dieser drei Frauen sind eng miteinander verwoben und führen zu den Wurzeln der bretonischen Geschichte.

232 pages, Kindle Edition

Published April 1, 2024

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About the author

Claire Léost

8 books4 followers

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5 stars
20 (11%)
4 stars
45 (25%)
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2 stars
21 (12%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 33 reviews
Profile Image for the reading cat.
137 reviews114 followers
July 11, 2025
Wieder ein Roman, den ich in der Bretagne gelesen habe und der so gut hierher passt. Vor ein paar Tagen sind wir zum ersten Mal ins Landesinnere gefahren, um den Wald von Huelgoat zu entdecken, der in diesem Roman eine Hauptrolle spielt. Ich liebe das ja, Bücher passend zum Urlaubsort zu lesen! Man erkennt so Vieles wieder und dieser Roman ist voller kleiner Details über das Leben und Denken der Bretonen im Landesinneren - erzählt über die Geschichte dreier Frauen aus drei Generationen. Ich habe es sehr genossen, das Buch zu lesen.. auch wenn die Geschichten sehr hart waren
Profile Image for Ellinor.
771 reviews365 followers
April 24, 2024
Der Sommer, in dem alles begann spielt auf mehreren Zeitebenen. Zunächst lernen wir Hélène und Marguerite kennen. Erstere ist eine sechzehnjährige Schülerin in einem kleinen Dorf in der Bretagne, Marguerite ihre aus Paris hergezogene Lehrerin. Hélène fühlt sich zu größerem berufen, möchte das Dorf verlassen, ihre Lehrerin ermutigt sie. Yannick, der Freund des Mädchens, ist dagegen sehr heimatverbunden und will seine bretonischen Wurzeln nicht vernachlässigen.
Fünfzig Jahre zuvor wurde Odette, eine junge Frau aus dem selben Dorf, nach Paris geschickt, um dort als Dienstmädchen zu arbeiten. Nun kreuzen sich die Wege all dieser Personen wieder.
Das Buch lässt mich leider ein wenig ratlos zurück. Ein Großteil der Handlung aber auch der Personen wirken äußerst klischeehaft. Einzig Hélène wirkt nicht überzeichnet. Marguerite mochte ich eigentlich zu Beginn, doch dann kam ein paar Seiten später die Geschichte mit dem Behindertenparkplatz, die sie mir recht unsympathisch machte.
Ein Großteil der Handlung war auch vorhersehbar. Viele Themen wurden angesprochen, z.B. das Streben nach mehr bretonischen Traditionen und evtl. nach bretonischer Unabhängigkeit. Hier war ich aber oftmals nicht sicher, was die Autorin nun eigentlich ausdrücken möchte. Sie ist selbst Bretonin, lebt seit einigen Jahren in Paris. Mit ziemlicher Sicherheit steht sie Unabhängigkeitsbestrebungen kritisch gegenüber. Dies ist aber noch lange kein Grund, diese fast ins Lächerliche zu ziehen, wie etwa durch das missglückte Versteck.
Ich fand das alles etwas schade, denn man hätte aus der Handlung deutlich mehr machen können. Vieles blieb zu oberflächlich, ich hätte lieber noch mehr über die Bretagne erfahren.
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
April 14, 2024
»Wieso zieht uns, wo ein friedliches Glück uns einladend die Hand hinstreckt, so oft das Abgründige, Seltsame, Schwierige an?« Hélène 💭💔 (S. 102)

»Der Sommer, in dem alles begann« von Claire Léost, übersetzt aus dem Französischen von Stefanie Jacobs & Jan Schönherr, ist ein Roman über das Leben in der Bretagne und das Schicksal von drei Frauen: Odette, Marguerite und Hélène.

Die früh verwitwete Odette betreibt in dem kleinen Ort in der Bretagne einen Krämerladen und hat die junge Hélène aufwachsen sehen. Als die junge Schülerin 1994 eine neue Lehrerin aus der Hauptstadt bekommt, wird durch diese das Interesse von Hélène an Literatur unterstützt. Diese Lehrerin wiederum — die Pariserin Marguerite — sucht an diesem kleinen Ort nicht nur nach dem gemeinsamen Familienglück mit ihrem Schriftsteller Ehemann und Adoptivtochter Lilly, sondern vor allem nach Spuren ihrer unbekannten Mutter.

»Hélène spürt, wie der Riss zwischen ihnen zur Kluft wird. Er hat überhaupt kein Interesse daran, die Welt zu entdecken. Trotz des Unterrichts bei Marguerite, trotz all der Bücher und der Philosophie, wird er die Apotheke übernehmen, und sein Leben wird unbeirrbar in seiner Bahn bleiben wie der Rivière d'Argent in seinem Flussbett. Sie denkt an ihren Vater, der oft sagt: »Geh unbedingt arbeiten, verdiene deine Brötchen selbst, wie deine Großmutter und deine Mutter, und mach dich vor allem nie abhängig von einem Mann.«« (S. 100)

In einer sehr nüchternen, zeitweise schönen, melancholischen Sprache erzählt der Roman auf verschiedenen Zeitebenen von den drei Protagonistinnen, die alle ihr eigenes Päckchen im Leben zu tragen haben. Trotz schönen Stils, der geschichtlichen Hintergründe und der authentischen Beschreibung der Bretagne der 1990er Jahre springt für mich der französische Vibe nicht über und der Roman erreicht mich emotional leider nicht. Es werden wirklich einige und auch wichtige Themen (u. a. Vergewaltigung, Fremdenfeindlichkeit, Paris - Bretagne - Unterschiede, Bretonische Kultur & Druiden, Hirntumor, Tod, Lokalpatriotismus und und und) in diesem Roman aufgegriffen, aber aus meiner Perspektive viel zu oberflächlich behandelt. Gerade dies hätte dem Roman viel Tiefe und Einfühlungsvermögen geben können, aber dieses Potential konnte aus meiner Sicht leider nicht genutzt werden. Alles in allem ein interessante Lektüre, die wichtige Themen streift, aber zu oberflächlich bleibt.

Wer sich mit diesen wichtigen, aber sicherlich nicht einfachen Themen vor dem Setting der schönen Bretagne auseinandersetzen möchte, für diese Personen wird dies sehr passend sein.
_______________________

2.5/5 ★
Profile Image for kristinaliest.
657 reviews9 followers
May 23, 2024
Ich dachte wir hätten hier einen historischen tiefgründigen Roman, der im wunderschönen Frankreich spielt.
Die Geschichte war mir persönlich leider viel zu oberflächlich und hatte daher auch keinen Tiefgang.
Leider wurde ich auch mit den Protagonistinnen überhaupt nicht warm. Ich hatte mich aufgrund der Thematik auf einen emotionalen Roman gefreut, aber für mich war es leider gar nichts.
Es war mir insgesamt zu distanziert und auch zu kurz gehalten und hätte viel mehr in die Tiefe gehen können. Ich glaube aus der Geschichte könnte man viel mehr rausholen.
Sehr schade, dass es für mich nichts war.
Profile Image for Laetitia Mars.
121 reviews32 followers
October 12, 2022
C'était doux et tragique, comme le sont parfois les civilisations anciennes nimbées de coutumes et de traditions honorées jalousement. C'était un peu magique, comme peut l'être la Bretagne, avec ses rituels païens et ses légendes celtes. C'était cruel, comme le destin qui n'épargne personne, malgré tous nos efforts pour le façonner. C'était beau, comme un long poème retraçant l'histoire des villages .

(TW cependant : relation mineur/adulte, même si c'est plutôt joliment abordé, ça n'en reste pas moins gênant)
Profile Image for Kathrin Olzog.
231 reviews17 followers
May 31, 2024
Die Geschichte hatte an sich Potenzial, aber es hat nicht funktioniert, die Geschichte der drei Frauen zu erzählen. Schade
Note: 3-
26 reviews
November 1, 2025
Kurzweiliges Buch über drei Frauen und ihre Verbundenheit in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Lediglich der Schluss war unerwartet kurz abgehandelt und plötzlich.
Profile Image for Alina_liest07.
132 reviews6 followers
April 16, 2024
Sehr atmosphärisch
Hélène, Marguerite und Odette sind drei sehr unterschiedlichen Frauen aus drei unterschiedlichen Generationen – und doch sind ihre Leben auf eigen- und einzigartige Art und Weise miteinander verbunden.

Das Leben in einem kleinen Dorf in der Bretagne, Eifersucht, Vorurteile, tiefsitzende Ressentiments und der Wunsch nach Bildung und Selbstbestimmung– all das sind Themen und Motive in „Der Sommer, in dem alles begann“.
Durch wechselnde Perspektiven und Zeitebenen, bis zurück zur Zeit der Besatzung durch die Nationalsozialisten, erzählt Claire Léost die Geschichte der drei Frauen aber auch die des kleinen Dorfs in der rauen Bretagne.
Dabei erschafft sie eine atmosphärische und durchaus düstere Stimmung, die hervorragend zu der Geschichte passt und mich sehr gefesselt hat.

Die Charaktere, vor allem ihre Verbindungen und Interaktionen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen - ich wollte unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, wie ihre Geschichte ausgeht. Trotz der vielen schweren Themen lässt sich der Roman gut und schnell lesen.

Fazit: Ein atmosphärischer und fesselnder Roman, der uns in die raue Bretagne und eine
Spannende und tragische Geschichte eintauchen lässt!
Profile Image for Helena.
159 reviews11 followers
May 8, 2024
Hélène ist sechzehn Jahre alt und lebt in der Bretagne: „Ihre Heimat, das ist nicht die anmutige Bretagne mit Meer und Möwen, den Gezeiten und dem Stechginster, der Salz und Sonne trotzt, nicht die Bretagne der Touristen und Segeljachten. Ihre Heimat, das ist das Landesinnere, die Bretagne der Kalvarienberge und Kapellen, mit moosbewachsenen Steinen, Farnkraut und Laubteppichen unter den Bäumen. Die Bretagne, in der man nicht Urlaub macht.“ Hélène ist zufrieden mit ihrem Leben und sie träumt nicht von der großen weiten Welt. Erst als die elegante und anmutige Literaturprofessorin aus Paris, Marguerite, als Lehrerin in die Bretagne kommt, stellt sie nicht nur Hélènes Welt auf den Kopf, sondern rüttelt das ganze Dorf auf – ganz besonders der Witwe Tanguy ist sie ein Dorn im Auge und so beschließt diese jener einen Denkzettel zu verpassen. Es brodelt auch in anderer Hinsicht unter der Oberfläche, denn Marguerites Ehemann Raymond bringt Hélènes Innenleben zunehmend durcheinander und ihr bretonischer Freund Yannik, der Hélènes innerliche Veränderung wahrnimmt, fühlt sich zu den rebellischen Kräften der Bretagne hingezogen. Eine Katastrophe ist vorprogrammiert. Gleichzeitig lernen wir das tragische Schicksal von Odette kennen, die während des zweiten Weltkrieges ihre Eltern verliert und nach Paris geht, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Wie ihr Schicksal mit dem von Hélène und Marguerite zusammenhängt, erfahren wir im Laufe des Romans.

Claire Léost ist eine Meisterin der leisen, intensiven Töne und der bittersüß tragischen Komponenten. Die Autorin hat einen wunderbaren, intensiven und mitreißenden Roman geschrieben, der tatsächlich die perfekte Sommerlektüre ist – denn wenn die Tage lang sind, kann man bis spät in die Nacht lesen. Ich konnte mich von Hélène, Marguerite und Odette und ihren tragischen Schicksalen nicht losreißen. Ich habe die Geschichte um diese drei Frauen an einem Tag und einer Nacht gelesen, bis mir die Augen brannten. Losreißen konnte ich mich nicht. Weswegen ich bei all dem Lobgesang nicht ganze fünf Sterne vergebe? Das hat zwei Gründe: Zum einen fand ich das erste Kapitel, in dem zwei Beerdigungen geschildert werden, äußerst verwirrend. Alle vorkommenden Figuren werden mit Namen genannt und die Szene wird sehr reduziert beschrieben. Ich konnte verständlicherweise nicht nachvollziehen, wer wer ist, und was es mit den einzelnen Personen auf sich hat. Als ich im Roman weiter fortgeschritten war, bin ich zu der Beerdigungsszene zurückgekehrt und habe sie im Nachhinein besser verstanden. Entweder hätte man die Szene anders schreiben oder chronologisch passend in den Roman einfügen sollen. Mein zweiter Kritikpunkt betrifft die Figur der Odette, deren Entwicklung ich im Laufe des Romans nicht recht überzeugend fand. Abgesehen von den beiden Kritikpunkten war ich von „Der Sommer, in dem alles begann“ – im Original „Le Passage de l’été“, also „Das Vergehen des Sommers“ – sehr angetan. Der Schreibstil, der niemals ins Sentimentale abdriftet noch an Glaubwürdigkeit verliert, hat mich sehr aufgerüttelt, und die in sich stimmige Geschichte noch lange nach Beendigung der Lektüre beschäftigt. Vor allem auch die Beschreibung der Bretagne – der Landschaft und des Klimas, deren Einwohner und ihrer Mentalität sowie der sprachlichen Besonderheiten – da ich Französisch verstehe, war dies oftmals aufschlussreich und erheiternd für mich – war sehr authentisch und hat der erzählten Geschichte das gewisse Etwas und das landestypische Flair verliehen. Eine große Leseempfehlung von meiner Seite, nicht nur für frankophile Leser!
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
April 14, 2024
„In diesem magischen Jahr entdeckt Hélène ein neues Land, bevölkert von Schriftstellern und Worten. Jedes Buch ist eine Schatzkiste.“ (Zitat Pos. 173)

Inhalt
Marguerite Renaud, eine erfolgreiche Dozentin für Literaturwissenschaften in Paris, ist mit dem erfolgreichen Krimi-Schriftsteller Raymond Berger verheiratet. Als Raymond vorschlägt, für einige Zeit in die Bretagne zu ziehen, in der Hoffnung, in der wilden Einsamkeit seine Schreibblockade überwinden zu können, sagt sie zu. Sie verschweigt Raymond, dass auch sie einen Grund hat, ausgerechnet in die Finistère zu ziehen. Marguerite ist auf der Suche nach ihrer Mutter, die sie nach der Geburt zur Adoption freigegeben hat und aus dieser Gegend stammte. Marguerite nimmt eine Vertretungsstelle als Französischlehrerin am Gymnasium in Bois d‘en Haut an. Dort trifft sie auf die sechzehn Jahre alte Hélène und sie erkennt rasch die Begabung des Mädchens. Während Hélène sich begeistert der Literatur zuwendet, entsinnt sich ihr Freund Yannik plötzlich seiner bretonischen Wurzeln. Die Ereignisse dieses Sommers werden genau beobachtet von der druidischen Kräuterfrau Mamie Alexine, Hélènes Großmutter, und deren bester Freundin Émile Tanguy, Inhaberin des Dorfladens.

Themen und Genre
In diesem Roman geht es um Gesellschaftsstrukturen, Familie, Frauenleben, Literatur, Nationalismus und alte Traditionen in der Bretagne.

Erzählform und Sprache
Die Geschichte beginnt mit einem kurzen Einstieg in der Gegenwart, führt dann zwanzig Jahre zurück zu einem bestimmten Tag im Jahr 1994 und beginnt von dort an, in einem umgekehrten, rückwärtsgerichteten Zeitablauf, die Ereignisse aufzurollen. Parallel dazu führt ein zweiter Erzählstrang weitere fünfzig Jahre zurück und bietet dadurch auch Hinweise auf die bretonische Geschichte. Erinnerungen und Gedanken vertiefen die Erlebnisse und Charaktere der einzelnen Figuren. Es sind unterschiedliche Figuren, deren Verhalten nicht immer nachvollziehbar ist, da sich die Geschichte aus den Konflikten und den Handlungen der einzelnen Figuren ergibt. Die Sprache entspricht dem Genre Unterhaltungsroman und ist leicht zu lesen.

Fazit
Dieser Frauen- und Generationenroman konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Geschichte wirkt auf mich zu bewusst konstruiert und die Figuren zu klischeehaft. Die abwechslungsreiche Erzählform macht diesen Roman dennoch zu einer angenehm zu lesende Unterhaltungslektüre, die sicher andere Leserinnen begeistern wird.
80 reviews
April 11, 2024
Verwebung dreier tragischer Frauenschicksale

“Der Sommer, in dem alles begann” von Claire Léost erzählt die tragische Geschichte von drei Frauen auf verschiedenen Zeitebenen, die sich 1994 in einem kleinen Dorf im Landesinneren der Bretagne begegnen.
Das Buch zeigt einen authentischen, ungeschönten Einblick, der eigentlich keine der Figuren wirklich positiv dastehen lässt, mit Ausnahme vielleicht von Hélène, und steuert mit fortschreitender Geschichte auf eine Tragödie zu, die mich noch längere Zeit nachdenklich zurückgelassen hat.

Der Schreibstil ist erzählend, nüchtern und hat mir sehr gefallen, da er die Geschichte und Stimmung gut transportiert hat. Allerdings vermittelt die Autorin in meinen Augen keinen allzu guten Eindruck von der Bretagne der 1990er. Für mich klingt das gesamte Werk nach einer persönlichen Abrechnung mit ihrer Kindheit/Jugend in der Bretagne und einer möglichen Versöhnung im Heute.
Es werden Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Radikalisierung und Gewaltbereitschaft, Grooming, sexueller Missbrauch und fehlende Kommunikation behandelt, in meinen Augen werden diese Themen allerdings nicht kritisch genug beleuchtet.
Aber auch die geschichtlichen Hintergründe, atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, regionalen Eigenheiten und das Festhalten an der bretonischen Sprache und Kultur werden hier thematisiert. Diese Einblicke fand ich sehr spannend.

Ich bin an der ein oder anderen Stelle leider sehr unzufrieden mit der Verwendung, dem Vergleich oder der Nebeneinanderstellung von speziellen Worten und Attributen. Auch wenn dies in das Denken der Zeit passt, in der der Großteil der Geschichte spielt, hätte man dies meiner Meinung nach heutzutage entweder umgehen oder kritischer einordnen müssen. Auch ein entsprechendes Vorwort hätte mir damit ein besseres Gefühl gegeben. Außerdem hätte das Buch definitiv Content Notes oder eine Triggerwarnung gut gebrauchen können, da viele schwierige Themen behandelt werden.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen und ich würde diese mit 4 Sternen bewerten, da etwas zu viele Themen für knapp 240 Seiten enthalten, die alle eher oberflächlich behandelt wurden. Abzüglich meiner oben genannten Kritikpunkte bekommt das Buch eine Gesamtbewertung von 3,5 Sternen. Eine Empfehlung würde ich aussprechen, wenn man sich dieser vor dem Lesen bewusst ist und Interesse daran hat, einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Bretagne zu erleben.
Profile Image for Macavity.
110 reviews2 followers
April 26, 2024
"Der Sommer, in dem alles begann" ist für mich ein Buch, das viel verspricht, aber seine Versprechen leider nur bedingt einlöst.

Fangen wir mal beim Setting an: die Bretagne. Wunderschöne, wilde Bretagne, mit so viel Geschichte, so viel eigener Identität. Doch hier verkommt die Bretagne zu einem Ort, an dem nur Volltrottel das bretonische Erbe aufrecht erhalten wollen und wo Kleingeist und Engstirnigkeit an der Tagesordnung stehen.

Dann die Charaktere: Zu keiner der drei Frauen, die hier im Mittelpunkt stehen, habe ich eine emotionale Verbindung aufgebaut. Was schade ist, denn das nimmt dem Buch gleich mal einen großen Teil seiner potentiellen Strahlkraft weg. Odettes Schicksal ist tragisch, wird aber durch die Boshaftigkeit der Witwe quasi negiert. Marguerite ist eine arrogante Pariserin, die nebenbei auch noch Teenager-Jungs verführt. Einzig Hélène ist zwar nachvollziehbar geschrieben, ein emotionaler Zugang fehlt irgendwie trotzdem. Was vielleicht an der generell eher nüchternen Sprache liegt.

Und die Geschichte selbst? Ist leider insgesamt relativ vorhersehbar. Es gibt nicht wirklich überraschende Momente, es folgt alles irgendwie Schema F. Gleichzeitig bleibt das Buch ziemlich oberflächlich, kein Thema wird tiefergehend behandelt. Auch das nimmt dem Roman Strahlkraft. Es hätte so viel wirkungsvoller, emotionaler und insgesamt überzeugender sein können, wenn man ab und an einfach ein bisschen tiefer gegraben hätte.

Das vordergründig dramatische Ende machts, finde ich, fast noch schlimmer, da alles einfach konsequenzlos stehen bleibt.

"Der Sommer, in dem alles begann" ist eine sehr leichte, schnell lesbare Lektüre, die wenig Neues bietet, aber aus irgendeinem mir noch nicht ersichtlichen Grund trotzdem echt gut zu lesen ist.

2,5 Sterne
Profile Image for Havers.
902 reviews21 followers
May 23, 2024
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Hélène das Dorf ihrer Kindheit verlassen hat. Nun ist sie zurück in Bois d'En Haut, dem abgelegenen Dorf im Finistère, das sie Hals über Kopf in jungen Jahren verlassen hat. Um zu verstehen, warum sie gegangen und was damals geschehen ist, lässt uns Claire Léost in Rückblicken in drei Frauenleben eintauchen.

Anfang der neunziger Jahre treffen sie aufeinander: Hélène, die Sechzehnjährige, deren Weg bis dahin vorgezeichnet scheint. Odette, Rückkehrerin und Betreiberin des Dorfladens, die Vater und Mutter während des Zweiten Weltkriegs verlor und in Paris auf einen Neuanfang wagte, der sich allerdings ganz anders als erhofft gestaltete. Und Marguerite, die auf der Suche nach ihren Wurzeln mit Mann und Tochter nach Bois d'En Haut kommt und dort eine Stelle als Lehrerin annimmt.

In drei Zeitebenen erzählt Claire Léost die Lebenswege dieser drei Frauen und entspinnt aus ihren Schicksalen eine bewegende Geschichte. Natürlich drängt sich durch die zentrale Stellung Hélènes die Coming-of-Age Thematik auf, aber die Geschichte hat deutlich mehr zu bieten. Zum einen lässt sie uns eintauchen in die bretonische Kultur, zeigt deren Widersprüchlichkeit zwischen dem Festhalten an Tradition und dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Zum anderen erzählt sie aber auch von generationsübergreifenden traumatischen Erfahrungen, von Verletzungen und Verlust, von der Suche nach Liebe, aber auch nach einem eigenen Leben, vom Weggehen und Zurückkommen. All dies eingebettet in die stimmigen, unsentimentalen Beschreibungen von Landschaft und Strukturen, die die Autorin aus eigenem Erleben kennt.

Eine Empfehlung, nicht nur für den nächsten Urlaub in der Bretagne.
Profile Image for Sandy.
42 reviews
April 25, 2024
Dies ist der erste Roman von Clear Leost den ich gelesen habe.
Angesprochen von dem sommerlich idyllisch gehaltenen Cover habe ich mich sehr darauf gefreut.

Dieser handelt von 3 Frauen, aus 3 verschiedenen Generationen und spielt in einem Zeitraum vom Ende zweiten Weltkriegs bis in die 2000 Jahre in einem Dorf in der Bretagne bzw. zeitweilig in Paris.

Die Lebenswege dieser 3 Frauen kreuzen sich immer wieder ohne dass ihnen das so direkt bewusst ist und macht die Geschichte zu einem für mich perfekten spannenden Sommerroman.
Die Kapitel und die Sprache sind dabei sehr kurzweilig und leicht nachvollziehbar gewählt. Das Setting in der Bretagne hat mich neugierig auf die Landschaft und Gegend gemacht, vorallem auch weil diese sehr atmosphärisch beschrieben wird.

Empfehlen kann ich den Roman daher allen die gerne Familiengeschichten mit leicht düsteren Geheimnissen in einer besonderen Umgebung lesen.
Profile Image for Martina Weiss.
494 reviews5 followers
June 4, 2024
Ich tu mich ein bisschen schwer, dieses Buch tatsächlich einzuschätzen und zu bewerten, denn es ist recht aussergewöhnlich.
Im Grunde ist es ein Drama, allerdings mit teils skurrilen Charakteren und der einen oder anderen bizarren Szene, die ich leider nicht weiter ausführen kann ohne zu spoilern.
Rückblickend betrachtet ist es aber schon sehr französisch... also im Sinne von: Drama wie von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro (Delikatessen, Die Stadt der verlorenen Kinder...)
Sprachlich ist es toll, es liest sich flüssig aber nicht seicht. Der Plot bietet immer gerade genug Spannung, so dass man weiterlesen möchte. Das Ende ist ja anfangs schon vorweg genommen und dennoch will man ja wissen, wie genau es dazu kommen konnte.
Wer mal etwas Aussergewöhnliches lesen möchte, dem sei dieses Buch - in der Übersetzung von Stefaie Jacobs und Jan Schönherr - sehr empfohlen. Ideal an einem lazy weekend zu lesen.
Profile Image for lesemama.
1,616 reviews1 follower
July 8, 2024
Zum Buch:

Ein Dorf in der Bretagne, eine Doppelbeerdiung. So fängt es an. Dann wird von Odette im Jahr 1944 und Hélène im Jahr 1994 erzählt. Wie die Lehrerin Marguerite aus Paris mit Mann und Kind ins Dorf zieht und Hélène als Lieblingsschülerin aussucht.


Meine Meinung:

Sollte meine Kurzbeschreibung des Buches verwirrend, so ging es mir auch. Ich wusste fast bis zum Ende nicht, wohin das Buch mich führt.
Hélène und ihr Klassenkamerad/Freund Yannick, der sich Yannig nennt, weil er ja Bretone ist und die Franzosen, allen voran die Pariser verteufelt, Marguerite und ihr Mann Raymond und natürlich Odette, die nach dem Krieg als Dienstmädchen mach Paris ging. Wie das alles zusammenhängt dauerte lange. Die Geschichte spielt hautpd im Jahr 1994, macht aber immer wiedersprünge in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Ich wartete lange, las das ganze Buch, aber es konnte mich bis zum Ende nicht packen und war einfach dahinplätschernde Unterhaltung.
Profile Image for Uta Vogt.
75 reviews
January 3, 2026
„Der Sommer, in dem alles begann“ von Claire Léost hat eigentlich alles, was ein gutes Buch braucht: einen zauberhaften Schauplatz (die westlichste Bretagne!), interessante Charaktere und eine schlüssige Handlung mit Spannungsbogen.
Und dennoch hat mich dieses Buch gar nicht abgeholt: ich verstehe genau, was die Autorin machen WOLLTE - und das war großartig!
Leider (und ich hoffe jetzt sehr, das liegt einfach nur an der Übersetzung!) fehlt ihrer Geschichte rund um den Sommer im Jahr 1994, in dem ein intellektuelles Paar aus Paris ein kleines Dorf in der Bretagne aufmischte, komplett das Gefühl: ich habe die Sätze, die Gefühle transportieren sollen, gelesen - und nichts dabei gefühlt. Schade!
Profile Image for Charlystante.
173 reviews1 follower
February 8, 2025
Schicksal

In diesem Sommer treffen sich drei Frauen aus drei Generationen in einem Dorf, für
das Menschen, die nicht dort geboren wurden, Eindringlinge sind, die man so schnell wie möglich wieder vertreiben will.
Für Odette, die alle Fäden zieht, wird das ein trauriges Ende werden. Marguerite, sucht in dem abgeschiedenen Dorf nach ihren Wurzeln. Helene steht vor Entscheidungen, die ihre Zukunft bestimmen.
Viele Sätze über Krankheit, Tod, Sehnsucht oder Liebe habe ich mehrmals gelesen, und die Schriftstellerin hat mit ihren Worten meine Gefühle wiedergegeben.

Ein schönes Buch.
4 reviews
January 23, 2026
Zu Beginn erzählt das Buch recht langsam über die Ausgangssituationen der drei Frauen, deren Schicksal sich im Buch immer mehr miteinander verhakt. Verhakt, weil die Entwicklung, die immer mehr an Dynamik zunimmt und fast schon eine/n sensationsgierige/n Leser/in kreiert, rasant problematischer für alle Figuren wird.
Ich hätte mir gewünscht, dass man mehr über die Bretagne erfährt und die Beziehung zwischen Odette und Hélène genauer dargestellt wird.
92 reviews
April 4, 2024
Der Sommer, in dem alles begann, von Claire Léost

Cover:
Recht melancholisch, wie das ganze Buch.

Inhalt und meine Meinung:
Es geht hier um drei Frauen: Helene, Marguerite und Odette.
Die Geschichte spielt sich auf verschiedenen Zeitebenen ab und handelt hauptsächlich in einem kleinen Dorf in der Bretagne (im Landesinneren).

Mich konnte die Handlung nicht fesseln. Teilweise wirr und verwirrend erzählt, nicht immer chronologisch.
Die handelnden Personen bleiben für mich farblos und distanziert, so dass ich keinen Bezug bekommen habe. Die Frage nach Marguerites Mutter wird (für uns Leser) irgendwann ganz nebenbei und recht unspektakulär aufgelöst.
Die ganzen „Liebesgeschichten“ sind für mich auch regt flach/schwach erzählt.

Das Ende wird dann nochmal kurz dramatisch. Das wertet das ganze Buch etwas auf.

Autorin:
Claire Léost wurde 1976 in der Bretagne geboren und lebt heute in Paris. Ihr erster Roman »Le monde à nos pieds« wurde für das französische Fernsehen verfilmt. Ebenso wie ihr zweiter Roman »Der Sommer, in dem alles begann«, für den sie 2021 den Literaturpreis der Bretagne erhielt.

Mein Fazit:
Eine Geschichte die keinen Eindruck hinterlässt.
Von mir 3 Sterne.
24 reviews2 followers
September 16, 2025
mal etwas anderes! Es berichtet von drei französischen Frauen in unterschiedlichen Generationen und wie diese miteinander verbunden sind. Ich fande das Ende nur irgendwie sehr Random und nicht passend.
Profile Image for Alexandra Vigot.
63 reviews
September 19, 2021
2,5/5
Un peu lent, du mal à rentrer dans l’histoire. Les sentiments des personnages ne sont pas suffisamment poussés et exploités
Profile Image for Anna.
28 reviews
April 7, 2024
In Claire Leosts Roman reisen wir mit ihr und den weiblichen Protagonistinnen in die Bretagne- nicht in den malerischen Teil, sonden den von der Welt vergessenen.
In mehreren Zeitebenen erzählt uns Helene ihre Geschichte- vom Sommer der alles veränderte und von der Zeit davor- von vergrabenen Familiengeschichten und Tragödien.
Wir lernen die geheimnisvolle Odette kennen und Marguerite- Helenes Lehrerin aus Paris, die mit ihrer Familie in die Bretagne kommt um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Das alles hängt natürlich miteinander zusammen- und ich bin der Autorin gerne gefolgt um herauszufinden wie.
Insbesondere Helene fand ich als Protagonistin sehr sympathisch.
Ich würde das Buch jedem empfehlen, der gerne Familiendramen mit historischem Kontext liest, die auch Tiefgang haben oder Bücher mag, die in der Bretagne spielen.
1,380 reviews6 followers
August 23, 2025
...und alles wieder aufhörte? Der Roman plätschert so dahin, ein wenig nichtssagend und wenig interessant.
27 reviews
April 3, 2024
Tragische Sommerlektüre

Wir erhalten Einblicke in das Leben dreier Frauen, die alle mit einem Dorf in der wilden Bretagne verwoben sind.

Nach und nach erfahren wir, was sich in einem schicksalhaften Sommer zugetragen hat, den eine der Frauen nicht überlebt.

Die Handlung an sich hat mich angesprochen. Die Stimmung in dem bretonischen Dorf fand ich sehr stimmig beschrieben. Auch die raue Landschaft habe ich sehen können.

Ich bin allerdings leider nicht mit den Figuren warm geworden und fand ihre Handlungen auch manchmal nicht nachvollziehbar. Es bleibt bis zum Ende eine emotionale Distanz trotz aller tragischen Ereignisse, die den Frauen zustoßen.

Auch mit der Erzählweise war ich nicht ganz glücklich. Es gibt zwar Kapitel, die Zeitsprünge deutlich machen, aber innerhalb der Kapitel war mir manchmal unklar, wie viel Zeit vergangen ist.

Insgesamt lässt sich das Buch gut als schnelle Sommerlektüre lesen. Als Sommerlektüre mit tragischem Ausgang.
Profile Image for Karola.
822 reviews7 followers
December 6, 2024
Drei Lebenswege, die sich kreuzen
Das Cover zeigt den Blick aus dem belaubten Wald heraus auf einen See mit einer jungen Frau dunkel im Gegenlicht des Abendhimmels – eine passende Szenerie zum felsigen Finistère in Frankreich. Der Roman umfasst den Zeitraum von 1940 bis 2005 und spielt sich in Paris und Bois d’en Haut ab. Thematisiert wird das friedliche Dorfleben, gestört durch deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg bis 1944, gefolgt von übertriebenen Aktionen einiger Widerstandskämpfer im Dorf mit Betonung ihrer eigenen bretonischen Sprachwurzeln. Biographisch wird das Leben dreier Frauen aus drei Generationen beleuchtet, im Wechsel an diesen zwei Orten, geprägt durch starke Vorurteile, Hass, Lügen und Angst sowohl bei Parisern gegenüber Bretonen und umgekehrt. Figuren wie die Kräuterfrau, diese Druidin im Roman, lassen die Erinnerung an Obelix und Asterix erwachen. Beschrieben wird hier die Entscheidung für Bildung. Diesen Frauen wird dadurch ein selbstbestimmtes, sinnvolles Leben trotz aller menschlichen Schicksalsschläge ermöglicht und so einen großen Schritt raus aus ihrem kleingeistigen Dorf voller Ressentiments und Reglements wagen zu können. Die Wurzeln der bretonischen Geschichte mit seinen Legenden und Märchengestalten werden tangiert wie auch die Naturschönheiten. Die verschiedenen Lebenswege dieser drei charakterlich unterschiedlichen Frauen sind bis zum Schluss harmonisch bis tragisch miteinander verwoben. Der Schreibstil gefällt.
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