In Kriegen und Gewaltkonflikten sind Zivilisten und vor allem Frauen zunehmend Opfer von Gewalt. In den militärischen Kampfeinheiten dienen wiederum hauptsächlich Männer. Diese Tatsache wird in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch reduziert auf eine stumpfe Gegenü Männlicher Krieg und weiblicher Frieden. Tatsächlich aber entspricht die Wirklichkeit von Gewalt und Gewalterfahrungen nicht dieser strikt bipolaren Rollenverteilung. Die Historikerin Claudia Kemper diskutiert die Komplexität von Geschlechterordnung und Gewalt und wie diese sich fortsetzt, wenn die Gewalt längst beendet ist oder weit entfernt stattfindet.
Kemper beschreibt mit meist einfachen aber klaren Worten die Dynamik hinter geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen zu Zeiten von Krieg und Frieden.
Dabei hebt sie zunächst die binäre Konzeption von Krieg und Frieden sowie Mann und Frau auf. In einem nächsten Schritt fasst sie die Geschichte hinter der Assoziation Krieg = Mann und Frau = Frieden knapp und anschaulich zusammen. Dieser Teil hat mir wohl am besten gefallen, gerade da die Kritik an dieser Gleichung stets präsent war und sie an vielen Stellen sehr treffend widerlegt wurde.
Ab der Mitte des Buches ging es um die geschlechtsspezifische Dynamik von Gewalt vor, während und nach des Ersten und Zweiten Weltkrieges in Deutschland. Die Ausführungen hierzu waren zwar interessant, jedoch für mich nicht so neu oder anregend zum Nachdenken wie der erste Teil des Buches. Ab den ausführlichen Analysen der aktuellen Friedens- und Sicherheitspolitik verlor Kemper mich leider stellenweise und der Lesefluss kam auch bis zum Ende des Buches nicht wirklich wieder. Dennoch ein interessantes und leicht verständliches Buch, das mich neugierig gemacht hat, mich mit den angesprochenen Themen weiter auseinanderzusetzen!
Kemper nutzt die Tatsache, dass sowohl zwischen Krieg und Frieden als auch zwischen den Geschlechtern nicht eindeutig unterschieden werden kann, zu anregenden Überlegungen: Wie etwa der, dass in konfliktreichen Nachkriegszeiten das Bedürfnis nach klar abgrenzten Kategorien zur (Re)Etablierung rigider Geschlechterordnungen führt. Auch die historischen Abrisse zu vergeschlechtlichten Bildern von Krieg und Frieden fand ich interessant. Manche Kontinuitätsbehauptungen gingen mir aber auch zu weit.