Geschichte eines Psychopathen, der unter dem Mantel der Frömmigkeit, zahlreiche Verbrechen begehen konnte, weil seine Opfer immer zuerst, aber meistens zu spät merkten, welchem Ungeheuer sie vertraut hatten. Laut Wikipedia fungierte Dumas nur als Namenspatron für diese Geschichte des Psychopathen, den seine Gier nach Gold bzw. Unfähigkeit, was davon herzugeben zum Dieb und Mörder gemacht hat.
Auf den ersten Seiten fällt diese nicht mal so sehr auf, der unauffällige Mord im Spiel ist sogar nachvollziehbar. Außenseiter Derues hatte nach der Schule mal wieder die Mehrheit gegen sich, da er im Ruf eine frömmelnden Denunzianten steht. Trotzdem darf der unbeliebte Mitschüler bei einem Räuber und Gendarm-Spiel auf Seiten der Polizei mitspielen. Als der zuletzt doch gefangen genommene Anführer auf einer Galgenszene besteht, kommt die Chance für Derues. In einem unbewachten Moment kickt er die Bücher weg und sein Widersacher wird stranguliert. Dieses erste Kapitel könnte sogar von Dumas stammen, da die Motivation hinter dem Mord erkennbar wird und dabei nachvollziehbar bleibt.
Diese doppelte Optik fehlt bei den restlichen Verbrechen, es fehlt die Innensicht des Täters, der nur als eine Art unermüdlicher Scharrer beschrieben wird, der sich einfach nicht von seinem Geld trennen kann und seine Gläubiger lieber ermordet, während er weitere Schätze hortet. Natürlich gibt es im weiteren Verlauf ein paar romanhafte Stimmungsbilder vom häuslichen Leben der Opfer, aber alles in allem verfällt der Erzähler in eine Art Staatsanwaltsrhetorik. Ähnlich wie bei Ali Pacha, aber der Räuberfürst vom Balkan mordete halt in ganz großem Stil, profitierte dabei als Ikone des Freiheitskampfes, weil er zufällig auch das osmanische Reich zum Gegner hatte.
Bei der Geschichte des Herrschers von Janina, der medial als Freiheitsheld gefeiert wurde und so etwas wie der Selenskij der Salons des frühen 19. Jahrhunderts war, wie auch beim Mann mit der eisernen Maske, verlieh Dumas Verbrechern wie Opfern noch später ein persönlicheres Profil in seinen Romanen. Bei einem schäbigen Miesling wie Derues, der keine späte Erlösung erfahren sollte, macht sich die Abwesenheit des Meisters aber stärker bemerkbar als bei Morden in Königshäusern und Arnautenpalästen und Serails. Daher nur zwei Sterne. Im Sinne von anständig angefangen und zu Ende erzählt, müsste man fairerweise drei Sterne geben, aber Derues ist dermaßen Monochrom und die Opfer dermaßen ahnungslos, ... der Fall könnte allerdings eine Inspiration für de Sade gewesen sein, so weit es die Giftmorde unter dem Mantel der Frömmigkeit angeht.