Wir sind am Ende - also fangen wir anders Denken wir eine Welt ohne Wachstum!
Die Klimakrise verändert die Welt unwiederbringlich. Unser Wirtschaftssystem gerät an seine Grenzen und die Ungleichheiten verstärken sich weiter. Unser Alltag, unser Weltbild und unser Vorstellungsvermögen werden von multiplen Krisen erschüttert. Woher also die Kraft nehmen, sich jetzt auch noch mit Wirtschaftstheorie zu beschäftigen? Ganz Unsere Existenz ist davon abhängig. Katharina Mau stellt Lösungsansätze und Ideen vor, die wirtschaftliche, ökologische und soziale Ressourcen berücksichtigen und sich nicht nur an höher, schneller, weiter orientieren. Denn sich vorzustellen, wie eine gerechtere Zukunft funktionieren kann, macht Mut.
Kein Wachstum ist auch eine Lösung Unsere Wirtschaft ist auf Wachstum ausgerichtet - nicht darauf, dass Reichtum möglichst gleich verteilt ist oder dass es allen Menschen möglichst gut geht. Genau an diesem Punkt setzt Katharina Mau an und zeigt, wie stark unsere Art zu wirtschaften mit alltäglichen Dingen verknüpft ist. Und hier kommt Degrowth ins Spiel. Dabei geht es weniger um Verzicht als um eine neue Denk- und Wirtschaftsweise, in der das Wohlergehen von Menschen, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Fokus stehen. Große Themen, die Katharina Mau auf unseren Alltag umlegt und zeigt, in welche Richtungen wir uns entwickeln können, um eine faire, lebenswerte Basis für alle zu schaffen.
Alltag im Wandel – wie schaut das jetzt konkret aus? Katharina Mau stellt Menschen und konkrete Konzepte vor, die zugänglich machen, wie unsere Gesellschaft funktionieren kann. Dazu gehören Ideen Arbeitszeitverkürzung, Grundversorgung für alle, günstigere Mieten, freier Zugang zu Medien und Internet, Vermögensbegrenzungen sowie die Neubewertung von Care-Arbeit. Reden wir z. B. darüber, warum die Pflege von Älteren oder die Verantwortung für eine Familie einen höheren Stellenwert bekommen sollte, und das nicht nur in der Theorie. Darüber hinaus lädt dieses Buch dazu ein, sich auf neue Gedankenmodelle einzulassen und Utopien zuzulassen. Denn ohne sie, ist es gar nicht möglich, über eine neue Welt zu sprechen und der kollektiven Erschöpfung entgegenzuwirken.
- Realutopie - eine neue Welt zum Wie leben bereits in der Veränderung, die Welt ist im Wandel - also fragen wir uns Wohin soll es gehen? Wie will ich leben? Was ist wirklich wichtig? Dieses Buch ist ein Leitfaden zum Nachdenken darüber, wie das Morgen funktionieren kann. - Wir sind alle erschöpft - Natur, Mensch und Zeit für Lösungen - Katharina Mau bietet in ihrem Buch eine einfache Problemanalyse, sie erklärt, warum unsere Gesellschaft so verunsichert und überfordert ist, wagt einen Blick in eine Welt, in der wir nicht mehr vom Wachstum abhängig sind. - Ich habe keinen Bock mehr - und jetzt soll ich auch noch die Welt retten? Wenn wir nicht über eine gute Zukunft nachdenken, gibt es sie auch nicht - und das betrifft jede*n Einzelne*n von uns. Die Auseinandersetzung mit einem positiven Ausweg und realen Projekten motiviert. Die Entdeckung der vielen Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet eine Alternative.
"Das Ende der Erschöpfung" ist eine leicht verständliche Einführung zur dringenden Notwendigkeit einer nachhaltigen Umgestaltung des Wirtschaftssystems. Die Autorin präsentiert wichtige Ideen und Weichenstellungen, die in Richtung einer zukunftsfähigen Wirtschaft lenken könnten. Ihre Betrachtungen sind dabei sowohl informativ als auch inspirierend, insbesondere aber für Leser:innen, die sich erstmalig mit diesem Thema auseinandersetzen.
Die Autorin beginnt mit einleuchtenden Alltagsbeobachtungen zu Wachstum und Konsum. Die These, Unzufriedenheit und der Wunsch nach mehr komme erst durch den Vergleich mit anderen, fand ich dabei besonders treffend. Ich wohne in einer sehr reichen Stadt und staune teilweise, was in meinem Viertel die „Norm“ ist, da überkommt mich dann tatsächlich öfter der Wunsch, eigentlich auch eine größere Wohnung mit Balkon haben zu wollen, obwohl meine jetzige Wohnung mein Grundbedürfnis nach einem Dach über dem Kopf eigentlich schon gerecht würde. Auch an weiteren Beispiel zeigt die Autorin, von welchen Vorstellungen und Fehlverständnissen unser Blick auf das Wirtschaften und Wachstum geprägt ist. Darauf aufbauend geht sie dann auf viele konkrete Ideen von Degrowth-Strömungen ein und erläutert sie auch für Laien sehr verständlich. Dabei wird sie teilweise wenig konkret, allerdings ist das auch nicht das Ziel des Buches: Die Autorin möchte erst einmal einen Möglichkeitsraum im Denken aufmachen und eine Diskussion anstoßen. Richtig gut gelingt das jedoch immer, wenn Alltagsbeispiele eingebracht werden, von denen es ruhig noch mehr hätte geben dürfen.
Insgesamt bietet "Das Ende der Erschöpfung" damit eine wichtige Perspektive auf die notwendigen Veränderungen im Wirtschaftssystem. Allerdings liefert es für einige bereits informierte Leser:innen möglicherweise nicht viele neue Erkenntnisse, da vor allem verschiedene Ansätze zusammengefasst und in einen Zusammenhang gebracht werden. Die Autorin baut also stark auf bereits bekannte Konzepte auf, was ich grundsätzlich positiv sehe, sie fügt aber nur begrenzt neue Einsichten hinzu. Ich persönlich kannte mehrere Sachbücher und wissenschaftliche Ansätze, auf die sich die Autorin bezieht (Ulrike Herrmann, Maja Göpel, Kate Raeworth, John Maynard Keynes,…), weshalb es nur einige Kapitel gab, die für mich inhaltlich wirklich neu waren. Und trotzdem: Gerade deshalb ist dieses Sachbuch sicher für viele Leser:innen ein guter Ausgangspunkt für den Einstieg in die Debatte.
Ein gutes Einsteigerbuch in die Thematik Degrowth, es werden viele Aspekte beleuchtet und zwar auf globaler Ebene, der Globale Süden wird kosequent mitgedacht, genauso wie indigene Völker, Pluspunkte an dieser Stelle, genauso wie dafür, dass die Autorin Klimaschutz sozial gerecht denkt und das gute Leben™ in den Mittelpunkt stellt. Das sind meines Erachtens genau die richtigen Intentionen. Was mir nicht so gut gefallen hat, war der Schreibstil, man wird das ganze Buch über mit Du angesprochen was mich jedes Mal aus dem Konzept gebracht hat und meinen Lesefluss unterbrochen hat, genau so wie die vielen vielen vielen Querverweise mit Kapitelname UND Seitenzahl, zu Punkten die sie irgendwann später anspricht oder bereits angesprochen hat. Was soll das? Ich habe das bereits gelesen Katharina (wir sind ja per du anscheinend) warum schreibst du, dass du das schonmal erklärt hast, ich weiiiß das schooon. Das hat mich wirklich genervt, weil echt zuverlässig auf jeder zweiten Seite so ein Verweis war. Außerdem schreibt sie Zahlen konsequent als Zahlen, sogar die 2, was eher an eine Textnachricht als an einen Sachbuchtext erinnert. Na ja. Generell die Übergänge zwischen Themen waren oft nicht vorhanden, was daran liegen könnte, dass sie den Text in super viele kleine Abschnitte und Unterabscnitte mit Überschriften und Unterüberschriften und Unterunterüberschriften einteilt, auch das stört den Lesefluss. Die Abschnitte ergeben zwar Sinn, weil sie sehr viele verschiedene Themen anspricht und dabei leider nicht in die Tiefe geht, ich hätte mir aber eher das Gegenteil gewünscht. Auch ihre Sätze sind teilweise sehr kurz und einfache Hauptsätze, ich denke man kann den Lesern durchaus zutrauen, etwas komplexere Sätze zu verstehen.
Gerade den ersten Teil, der erklärt, warum Kapitalismus (langfristig + global) nicht funktioniert fand ich viel zu kurz, wäre ich davon nicht bereits überzeugt gewesen, hätte mir der Teil des Buches dafür vielleicht nicht gereicht. Teil 2 über Degrowth ist deutlich länger, aber auch hier werden sehr viele Themen nur sehr kurz erklärt, der Teil über solidarische Landwirtschaft ist dafür irgendwie recht lang.
Dadurch, dass so viele Themen angeschnitten werden, sind natürlich auch viele wirklich sehr gute Punkte dabei, wie ihre generelle (ökologisch fundierte) Kapitalismuskritik, Kritik an Reichtum und auch die Klimapanik, die sie (rational begründet) schürt, denn Panik ist die einzig vernünftige Reaktion auf diese Katastrophe, in die wir volle Kanne reinschlittern. Außerdem spricht sie das Konzept von Zeitwohlstand und Zeitarmut an, (Freizeit ist ein Luxusgut geworden, viele Menschen haben genug Geld, aber nicht genug frei etc), finde ich ein sehr wichtiges Konzept.
Weiterhin gut gefallen hat mir ihre sehr verständliche Erklärung zu MMT (Modern Monetary Theory) und vor allem, dass sie da relativ neutral geblieben ist und es nicht als die ultimative Wahrheit dargestellt hat. Die gute MMT Erklärung bringt aber leider nicht so viel, wenn man dann nur kurz anreißt, warum MMT nicht auf Deutschland (bzw. die Eurozone) übertragbar ist, dann irgendwas mit Zentralbank andeutet (hab ich nicht verstanden, sorry) und dann zum nächsten Thema übergeht. Was soll das? Erklär doch bitte wie wir MMT auf DE/€zone anwenden können der wichtigste Teil lässt einfach viel zu viele Fragen offen! (etwa: Wäre es besser (für MMT) die Eurozone abzuschaffen oder eine eigene deutsche Währung einzuführen oder aus der EU auszutreten? (ich hoffe nicht) Können wir die Eurozone als "Staat" sehen und dann darauf MMT anwenden? Was bedeutet das für die einzelnen Länder? Was ist mit EU-Ländern, die nicht in der Eurozone sind? )
Weiterhin zu kurz gekommen sind mir: - warum grünes Wachstum nicht funktioniert, das ist literally DAS Konzept der einzig relevanten Klimapartei, und lediglich die Erklärung "irgendwas mit Rohstoffen" von ein paar Zeilen reicht da einfach nicht
- Sozialismus. Sie kritisiert Kapitalismus, sie stellt die Systemfrage, und schlägt ein alternatives System namens "Degrowth" vor. Was ist das, dieses Degrowth, das irgendwo zwische Kapitalismus und Sozialismus steht? Ich weiß es nicht, aber die Welt, die sie zeichnet, hat extrem viele Überschneidungen mit den Idealen des Sozialismus, aber darüber wird einfach komplett hinweggesehen. Nun ist es aber so, dass Sozialismus in der Vergangenheit versucht wurde mit Revolutionen zu erreichen, die dann (Überraschung) in Diktaturen geendet sind, die überhaupt nicht mehr sozialistisch sind. Wenn wir das also nicht wollen, wird es schwierig, die ganzen Reichen und Mächtigen zu überzeugen, doch mal bitte was abzugeben und auch bisschen was fürs Klima zu tun. Man merkt einfach, dass sie aus einer grünen/ökologischen Argumentation kommt und nicht aus einer linken, was ja ok ist, aber es fehlen wesentliche Analysen des Kapitalismus, was mich zum nächsten Punkt bringt:
- Es wird nicht darauf eingegangen, ob es überhaupt im Interesse von Regierungen (oder sonstigen Machtinhabern) ist, das Wirtschaftssystem zu ändern, und somit Macht abzugeben. Kann so eine Veränderung überhaupt von oben kommen oder muss das "von unten" geschehen? Klimaschutz (oder andere Maßnahmen für das gute Leben) werden merkwürdigerweise nur gemacht, wenn es notwendig ist, um die Wiederwahl zu sichern, wenn aber grad die Menschen mit einem anderen Thema ablenken kann (z.B. die bösen Migranten oder die bösen Bürgergeldempfänger), geht es überhaupt nicht mehr ums Klima (wie man z.b. bei den Wahlen 2019/2021 vs. 2025 gesehen hat). Ihre Vorschläge beruhen aber zu großen Teilen darauf, dass die Politik, dass Staaten, dass Regierungen sich dazu entschieden, ok wir machen jetzt Degrowth und Gewinn ist egal und deswegen hier ganz viel Geld für Klimaschutz und bedingungsloses Grundeinkommen. Das wird so nicht passieren, leider, und ist somit ein blinder Fleck in diesem Buch. (Wobei sie, indem sie dieses Buch schreibt, ja dazu beiträgt, solche Ideen populärer zu machen und Druck auf die Politik auszuüben, die es dann evtl. ermöglichen, ihre Vorschläge umzusetzen, nur fehlt diese Erkenntnis im Buch).
- Ich hätte mir noch gewünscht, dass sie zuersteinmal aufstellt, welcher Wirtschaftssektor wie viele Emissionen verursacht, bevor über die einzelnen Klimaschutzmaßnahmen geredet wird, besonders über Emissionen in der Nahrungsproduktion wurde gar nicht geredet, dabei ist Tierhaltung sehr klimaschädlich und sehr verzichtbar, meiner Meinung nach.
Gut fand ich wiederum, dass demokratische Wirtschaftsplanung (was laut ihr auf jeden Fall etwas ganz anderes als Planwirtschaft ist) angesprochen wurde, dass ist wichtig und mutig.
Soo, das war ungefähr die längste Rezension, die ich je geschrieben habe, Struktur ist irgendwann verloren gegangen und im Endeffekt hab ich auch keine Ahnung, wie wir die Klimakrise verhindern und unser Wirtschaftssystem umbauen können, und auch wenn ich jetzt viel rumgemeckert hab, hat das Buch viele gute Inhalte, die zum Nachdenken anregen, ich würde es empfehlen, 4 Sterne, danke fürs Durchlesen dieser viel zu langen Rezi.
Degrowth, faires wirtschaften und jede Menge Ideen für die Praxis
„Das Ende der Erschöpfung“ von Katharina Mau war mein erster Kontakt mit dem Thema Degrowth weshalb ich es gut fand das die Autorin zunächst den Begriff und die Gedanken dahinter erklärt. Sie selbst kommt fachlich aus den Wirtschaftswissenschaften, wo grundlegend andere Modelle gelehrt werden. Ihr persönlicher Werdegang und die gedankliche Abkehr vom Wachstumsgedanken empfand ich als sehr authentisch. Um verstehen zu können was gerade falsch läuft ist es wichtig unser derzeitiges Wirtschaftssystem zu ergründen. Diese Kapitel waren allerdings stellenweise eher trocken und theoretisch. Dadurch lasen sie sich deutlich langsamer als das restliche Buch. Insgesamt mochte ich den Schreibstil dennoch gerne. Besonders die praxisbezogenen Kapitel sprühen nur so vor Inspiration. Konkrete Ideen für die Umsetzung finden sich hingegen weniger, bzw. klingt vieles so radikal das eine Umsetzung schwer vorstellbar erscheint. Natürlich handelt es sich um komplexe Themen, etwas mehr Ausführungen und weniger Ideenfragmente hätte ich mir dennoch gewünscht. Darüber hinaus werden einige Lebensbereiche, wie zum Beispiel das Bildungssystem vollkommen ausgeklammert. Das grundlegende Ziel eines guten Lebens für alle Menschen weltweit ist aber so überzeugend das sich die Lektüre trotzdem lohnt. Für einen ersten Einstieg ins Thema eignet sich das Sachbuch auf jeden Fall!
Eine wirtschaftspolitisch gerechte(re) Perspektive
In “Das Ende der Erschöpfung” setzt sich Katharina Mau kritisch mit der globalen wirtschaftlichen Lage auseinander, welche grundlegend auf stetiges Wachstum ausgelegt ist, und beleuchtet dabei ausführlich die daraus resultierenden Probleme Klimakrise sowie soziale Ungerechtigkeit. Dabei differenziert sie die Einflüsse auf den Klimawandel durch den Globalen Norden und Süden, da hier ein starkes Ungleichgewicht herrscht und auch in der Konsequenz immer größere Ungerechtigkeiten abzusehen sind. Während der Globale Norden durch Überkonsum überproportional stark für den Klimawandel verantwortlich ist, ist der Globale Süden überproportional stark von den Folgen des Klimawandels betroffen.
Dass die Menschheit global betrachtet in der Form und dem Ausmaß nicht weiter wirtschaften kann, belegt die Autorin in ihrem Buch und macht deutlich, wie wichtig eine grundlegende wirtschaftspolitische Veränderung ist. Lösungsvorschläge macht Mau mit dem Degrowth-Konzept, welches die menschlichen Bedürfnisse, statt einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum, in den Mittelpunkt stellt und dabei auch Themen wie Umwelt und Klima mitberücksichtigt. Denn Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit bedingen sich gegenseitig und sind längst keine Frage mehr nach moralischen Maßstäben, sondern eine Notwendigkeit, die global betrachtet möglichst schnell umgesetzt werden muss.
Da ich zu Wirtschaftswissenschaften oder -theorien bisher keinen tieferen Bezug hatte, hatte ich zunächst großen Respekt davor, das Buch zu lesen. Katharina Mau konnte mich aber durch ihren zugänglichen Stil und kleinere Exkurse in die Thematik Wirtschaft von Beginn an abholen. Sie erklärt den Ist-Zustand, der an vielen Stellen berechtigterweise kritisiert wird und zeigt dann Lösungsvorschläge für eine gerechtere Welt auf, die, wie sie selber auch eingesteht, nicht immer bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und genau so umsetzbar sein müssen. Das wäre im Rahmen des Buches auch nicht möglich gewesen und ist Aufgabe der Politik. Dabei führt sie Vorschläge an, die in ähnlicher Weise bereits erfolgreich umgesetzt worden sind. Bei anderen bemerkt sie, dass diese Vorschläge durchaus als “radikal” wahrgenommen werden könnten, da sie das uns Bekannte übersteigen. Ich persönlich habe das beim Lesen gar nicht so empfunden. Vielleicht weil Katharina Mau ihre Argumentation so schlüssig mit Fakten und Modellen untermauert hat, vielleicht, weil ich selber gerne auf der Suche nach unkonventionellen Methoden bin, wenn ich vor scheinbar unlösbaren Aufgaben stehe. Auch bezogen auf unsere Gesellschaft habe ich schon über ähnliche Maßnahmen philosophiert, ohne das Wort Degrowth gekannt zu haben. Für mich haben sich diese möglichen Perspektiven wie eine Erlösung oder Befreiung von all der vorherrschenden Ungerechtigkeit angefühlt.
Somit möchte ich das Buch aus tiefstem Herzen weiterempfehlen. Es ist ein wichtiges und inspirierendes Werk, das eine Perspektive aufzeigt, die mir Hoffnung für unsere Zukunft gibt. Durch den Klimawandel ist es dringend notwendig, sich über alternative Wirtschaftsformen Gedanken zu machen, die Klima- und soziale Gerechtigkeit einbeziehen, und diese schnellstens umzusetzen. Mau zeigt, dass Degrowth durchaus umsetzbar wäre, auch wenn Details noch geklärt und an einigen Stellen mehr Forschung passieren muss. Weshalb es wichtig ist, mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität für die Thematik zu bekommen. Denn je mehr Zeit wir weiterhin verstreichen lassen, desto mehr Kipppunkte überschreiten wir, wodurch ein gutes Leben nicht mehr möglich wäre.
"Das Ende der Erschöpfung" von Katharina Mau ist ein inspirierendes Buch, das sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzt: Wie können wir wirtschaften, ohne unsere ökologischen und sozialen Ressourcen zu erschöpfen? Katharina Mau, eine erfahrene Journalistin mit Schwerpunkt auf Klimakrise, Wirtschaft und Mobilität, zeigt in diesem Buch auf, wie ein Leben jenseits des Wachstumsparadigmas aussehen könnte. Mau, die ihre Recherchen für verschiedene renommierte Medien veröffentlicht, ist Mitglied des Netzwerks Klimajournalismus Deutschland und bringt ihr fundiertes Wissen und ihre journalistische Erfahrung in dieses Buch ein.
Das Buch setzt sich mit der Klimakrise und ihren Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem auseinander. Die Autorin zeigt, wie unser auf Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem zur Erschöpfung von Mensch und Natur führt und stellt das Konzept des Degrowth vor, das Alternativen zu diesem System bietet. Sie erläutert, wie eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft aussehen könnte, und stellt konkrete Ideen und Projekte vor, die bereits existieren. Themen wie Arbeitszeitverkürzung, Grundversorgung für alle, günstigere Mieten und die Neubewertung von Care-Arbeit werden praxisnah diskutiert. Mau fordert dazu auf, über neue Gedankenmodelle nachzudenken und Utopien zuzulassen, um der kollektiven Erschöpfung entgegenzuwirken.
Schon den Aufbau des Buches fand ich sehr gelungen. Es beginnt damit, wie genau die Wirtschaft unseren Wohlstand (den wir übrigens nicht am BIP messen sollten) zerstört, wie die Wirtschaft Ungleichheiten in der Welt aufrechterhält und wie Wohlstand und Care-Arbeit zusammenhängen. Der zweite Teil fokussiert sich mehr auf das Degrowth-Konzept und zeigt auf, wie es funktionieren könnte und was das konkret für die unterschiedlichen Lebensbereiche bedeuten würde. Zudem wird mit gängigen Vorurteilen aufgeräumt, die uns Politiker:innen gerne weismachen wollen (bspw. Schuldenanhäufung des Staates etc.). Obwohl ich mich bereits mit dem Thema befasst habe, bot das Buch viele spannende und neue Ansätze. Ich schätze es sehr, dass zahlreiche Zahlen, Daten und Fakten eingeflossen sind, die die Aussagen stützen. Das Buch ist dennoch leicht zu lesen, was es auch für Einsteiger:innen das Thema zugänglich macht.
Leider merke ich einfach auch immer wieder, dass unsere Gesellschaft noch nicht in dem Ausmaß bereit ist, sich vom Wachstumsparadigma zu entfernen und Alternativen ernsthaft in Betracht zu ziehen. Ich hoffe jedoch, dass wir die kritische Masse bald erreichen werden, um das Thema Degrowth anzugehen. Wir sollten alle versuchen, weniger zu konsumieren und unsere Ansprüche herunterzuschrauben.
Einige Vorschläge sind aber schon auch sehr utopisch, und mir kamen die konkret umsetzbaren Ideen auf unterschiedlichen Ebenen (also Individuum, Umfeld, Gesellschaft, Politik) zu kurz. Ich glaube, man muss den Menschen kleine Schritte anbieten, damit sie in die Handlungsmacht kommen und das Gefühl der Selbstwirksamkeit greift. Gerade bei so großen, allumfassenden Themen ist das jedoch immer schwierig.
Alles in allem ist "Das Ende der Erschöpfung" aber ein wichtiges und inspirierendes Buch, das zu einem Umdenken in Bezug auf unser Wirtschaftssystem und unseren Lebensstil anregt und mich vorallem durch fundierte Fakten und die Erläuterung von Zusammenhängen überzeugt hat. Daher vergebe ich 4 von 5 Sternen.
Die Themen sind wichtiger denn je, jedoch passt für mich der Schreibstil nicht im überzeugend Argumente für eine Postwachstumswelt klar rüberbringen. Es ist sehr einfach geschrieben und man wird als Leser:in immer wieder per „Du“ angesprochen. Gleichzeitig gibt es sehr viele Querverweise zwischen den Kapitel, was den Fluß der Argumentation zerstört. Ich fand es schade, dass so ein wichtiges Thema leider nicht überzeugend und argumentativ schlüssig ist. Es stellen sich nach dem Lesen deutlich mehr Fragen als Antworten.
Ein seichter Einstieg in eine wichtige Thematik, der leider nicht oder zu wenig in die Tiefe geht. Für die Kernaussagen wird viel Text verwendet, es wird sich oft wiederholt und kein Tröpfchen Wissen über die Thematik vorausgesetzt. Ich war offensichtlich nicht Teil der Zielgruppe.
Kompakter Einstieg in die Degrowth-Thematik mit vielen greifbaren Beispielen, die zum Nachdenken anregen.
Das Ende soll Mut machen, stimmt einen aber eher pessimistisch, weil man als einzelne Person einfach nicht das System genug ändern kann. Es braucht einfach politische Unterstützung.