Mal wieder hervorgeholt, weil dieses Jahr 100. Geburtstag des Sprachkünstlers Ernst Jandl. Macht immer Freude.
Schon einige Jahre her, aber unvergesslich die "Tatort"-Folge, in der der neue Chef der Frankfurter Mordkommission gleich zu Beginn und zur Verblüffung aller bei Besichtigung des Tatorts dieses Gedicht (etüde in f) rezitiert:
eile mit feile eile mit feile eile mit feile durch den fald
durch die füste durch die füste durch die füste bläst der find
falfischbauch falfischbauch
eile mit feile eile mit feile auf den fellen feiter meere
auf den fellen feiter meere eile mit feile auf den fellen
falfischbauch falfischbauch
eile mit feile auf den fellen feiter meere feiter meere
falfischbauch falfischbauch
fen ferd ich fiedersehn
falfischbauch falfischbauch
fen ferd ich fiedersehn fen ferd ich fiedersehn
falfischbauch fen ferd ich fiedersehn falfischbauch falfischbauch
ach die heimat ach die heimat fen ferd ich fiedersehn ist so feit
Der Kriminal-Fall wird dann abgeschlossen mit einem weiteren Jandl-Gedicht (lichtung):
manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!
Jandls experimentelle Lyrik ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer sich aber darauf einlässt, erlebt Sprache aus einem ungewohnten Blickwinkel und wird sich dabei garantiert mehr als einmal amüsieren. Mir persönlich gefällt Jandls nüchternes, einfallsreiches Spiel mit Worten und Silben, das an vielen Stellen doch überraschend tiefgängig, wenn auch überwiegend kryptisch, ist.
Erfrischend unkonventionell und lustig. Das Nachdenken über Sprache wird auf interessante Weise angeregt. Trotzdem empfand ich den Band ein bisschen wie eine Wundertüte. Manche Gedichte haben sich mir erschlossen, zu anderen fand ich keinen produktiven Zugang.