Drei Frauen, drei Leben, eine stirbt, eine rächt sich und eine kann sich retten
1936 wird die 14-jährige Gine zum Landjahr ans Stettiner Haff geschickt, wo endlose Weite Hoffnung verspricht und salzige Böden die Geheimnisse der Menschen hüten. Als sich dort ein Mann an Gine vergeht, schwört das Mädchen Rache und ahnt nicht, wie sehr es damit den Lauf der Zeit beeinflussen wird. Jahrzehnte später zieht sich die überarbeitete Berliner Ärztin Nina in die endlosen Weiten Mecklenburg-Vorpommerns zurück und macht einen erschreckenden Fund. Im geteilten Deutschland träumt die zwanzigjährige Sigrun vom Ausbruch aus den eng gesteckten Grenzen des DDR-Systems. Ihre Geschichte sickert mit dem Wasser des Haffs in den torfigen Boden, bis sie von Nina aufgespürt wird.
Im Ausklingen der Corona-Pandemie ist die junge Ärztin Nina ausgebrannt. Sie sieht nicht mehr, wieso sie als Klinikärztin arbeiten soll. Mit ihrer neu erworbenen Hündin Ayla reist sie zu einem Ferienhaus im Stettiner Haff. In Berlin hat sich Ayla nicht wohlgefühlt, doch hier auf dem Land blüht sie auf. Und schon bald entläuft sie ihrer Besitzerin und landet in einer Falle. Zum Glück findet Nina ihre Ayla und noch mehr. Viele Jahre vorher, im Jahr 1936 wird die 14jährige Gine zum Landjahr ins Stettiner Haff verschickt. Dort wird sie schwer misshandelt. In den 1970ern lebt Sigrun mit ihrer kleinen Familie ebenfalls in dem kleinen Dorf am Stettiner Haff.
Eher zufällig stößt Nina durch ihren entlaufenen Hund auf vornehmlich das Schicksal von Sigrun. Nina ist unzufrieden mit ihrem Leben und unausgefüllt. Möglicherweise überträgt sich ihre innere Anspannung auf ihre Hündin Ayla, die ihr nicht so richtig folgen will. Dadurch lernt sie Marco kennen, dessen Mutter vor Jahren verschwunden ist. Nach und nach enthüllen sich die Geschehnisse, die ihren Anfang bereits vor dem zweiten Weltkrieg nahmen. Für die beginnende Kriegswirtschaft wurden auch Kinder zum Arbeitsdienst herangezogen. Landjahr wurde es genannt und die Verschickung erfolgte so weit weg von den Eltern, dass diese keinen Einfluss darauf nehmen konnten, wie die Kinder behandelt wurden.
Das Leben dreier unterschiedlicher Frauen wird mit diesem spannenden Familienroman dargestellt. Eigentlich ist es jeweils eher ein kleiner Ausschnitt, der sich allerdings als richtungsweisend erweist. Sowohl Gine als auch Sigrun und Nina durchleben eine entscheidende Phase. Nina will und muss für sich selbst Entscheidungen treffen. Gine wird keine Wahl gelassen, etwas, dass sie nicht vergisst. Sigrun liebt ihren kleinen Sohn, doch das Leben in der DDR mit ihrem Ehemann Achim ist für sie nicht immer leicht. Sehr unterschiedlich sind diese Frauen. Es zeigt sich, dass es nicht so abwegig ist, zu glauben, dass Schicksale mehrere Generationen von Menschen beeinflussen können. Vielleicht vermisst man einen noch eingehenderen Zusammenhang und empfindet Sigruns Erleben als nicht so unter die Haut gehend, doch insgesamt führen Ninas Entdeckungen zu einer beeindruckenden Reise in die deutsche Geschichte. Nein, früher war nicht alles besser und leider ist heute nicht alles gut. Man wünschte, die Menschen wüssten das Erreichte mehr zu schätzen und sie würden sich für den Erhalt mit aller Kraft einsetzen.
Das Cover gibt dem Betrachter oder der Betrachterin einen stimmungsvollen Eindruck einer Moorlandschaft. Vorgetragen wird das Hörbuch, das mit demselben Cover ausgestattet ist, von Verena Wolfien, die es ausgezeichnet versteht, den Figuren eine Stimme zu verleihen.
Sehr starke Story über drei Frauen in verschiedenen Zeitebenen, die mehr gemeinsam haben, als es zuerst den Anschein hat. Der Fokus dieses Romans liegt im allgemeinen mehr auf den Frauenfiguren, die gut ausgearbeitet sind. Vor allem ab dem Zeitpunkt, ab dem man merkt, wie gekonnt die Autorin die Schicksale dieser Frauen miteinander verflochten hat, hat der Roman einen bereits so in sich gefangen, dass er einen für lange Zeit nicht mehr loslassen wird. Absolute Empfehlung.
Die Ärztin Nina kann nicht mehr. Ihr Job in der Charite fordert ihren Tribut. So nimmt die junge Frau eine Auszeit und fährt mit ihrem Hund Ayla ins Stettiner Haff. Auf einem Spaziergang entdeckt die Hündin Knochen. Woher stammen sie? In den 30er Jahren wird Gine zum Landjahr ins Haff entsendet. Die Realität unterscheidet sich dabei sehr von den Versprechungen, die ihr und ihren Freundinnen gemacht wurden. Im geteilten Deutschland lebt Sigrun ein recht glückliches Leben mit ihrer kleinen Familie. Bis das DDR-System zuschlägt...
"Unter dem Moor" war mein erster Roman von Tanja Weber und hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin erzählt einfühlsam und mitreißend von den Schicksalen dreier Frauen, die nicht nur über die Zeit, sondern auch über ihren Willen etwas zu ändern miteinander verbunden sind. Die Sprecherin Verena Wolfien erwecket mit ihrer ruhigen und angenehmen Stimme diese Geschichten zum Leben.
Kapitelweise konnte ich Nina, Gine und Sigrun begleiten. Und jede Frau hat mich auf ihre eigene Art beeindruckt. Gine kämpft mit den Überzeugungen der Nazis. Sigrun sieht sich mit den Heimlichkeiten der DDR konfrontiert. Und Nina lernt im Haff, was es heißt, wenn die Zeit auf einmal still steht und nur die eigenen Gedanken einen begleiten.
Im Laufe des Buches wird immer klarer, wie die Frauen und ihre Geschichten zusammenhängen. Ich habe mich durch das Hörbuch tragen lassen, habe mitgerätselt, vor Schreck aufgeatmet und war ein paar Mal gemeinsam mit den Figuren unheimlich sauer.
Drei Geschichten, drei unterschiedliche Generationen von Frauen und doch hängt ihre Geschichte auf tragische Weise zusammen. Im Jahr 1936 wird die vierzehnjährige Gine aus Berlin von ihrer Klassenlehrerin auserwählt, an einem Camp, das sogenannte Landjahr im Stettiner Haff, teilzunehmen. Hier werden junge, deutsche Mädchen dazu ausgebildet, linientreu und ergeben zu sein. Doch Gine muss hier etwas schreckliches erleben, für das sie Rache schwört. 1979 lebt die junge Siggi gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn ebenfalls am Stettiner Haff. Die Gängelungen der DDR sind für die junge Frau nur schwer zu ertragen und sie träumt davon, frei zu sein. In unserer Gegenwart reist die Ärztin Nina, die an einem Burn Out leidet, ebenfalls ins Stettiner Haff. Zuvor hatte sie sich in einen Straßenhund verliebt, den sie nun mit auf die Reise genommen hat. Bei einem Spaziergang gräbt die Hündin einen Knochen aus, der offensichtlich von einem Menschen stammt. Dieses düstere, aber schlichte Cover sprach mich sofort an und da ich generationsübergreifende Geschichten immer absolut spannend finde, war ich auch auf Tanja Webers Roman Unter dem Moor sehr gespannt. Die Autorin hat einen sehr bildhaften, flüssigen Schreibstil, mit dem es ihr gelingt, ein wirklich klares Bild von den Gegebenheiten zu zeichnen. Dabei lässt sie auch die Landschaften rund um das Stettiner Haff lebendig werden, was mir wirklich gut gefallen hat. Für meinen persönlichen Lesegeschmack war es hin und wieder zu weit ausschweifend, aber durch die ruhige Sprache konnte ich trotzdem gut dranbleiben. Richtig interessant war es zu lesen, wie es der Autorin gelang, die Probleme der jeweiligen Zeiten hervorzuheben, in denen die drei Frauen leben. Die schlimmen Gängeleien der Nazis, das Gefühl des Eingesperrtseins in der DDR oder unsere schnelllebige Zeit, in der man kaum zur Ruhe kommt. Jedes einzelne dieser Jahrzehnte wurde richtig gut dargestellt. Die Autorin wechselt hier kapitelweise, wobei die Kapitel echt lang sind, die Perspektive zwischen den drei Frauen. Zu Beginn hatte ich keine Ahnung, wohin das alles führen würde, doch die Verknüpfung ist unglaublich gut gelungen. Die drei Frauencharaktere Gine, Siggi und Nina sind wirklich facettenreich und authentisch gezeichnet. Jede der drei schafft es, gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen, wobei es die noch sehr junge Gine am schwersten hatte. Ihren Part fand ich sehr berührend und aufwühlend und ihr Schicksal nur schwer zu ertragen. Aber auch die beiden anderen Frauen werden nach und nach greifbarer und die wahren Stärken hinter ihnen im Laufe der Erzählung greifbar. Mein Fazit: Mit Unter dem Moor ist es Tanja Weber gelungen, einen wirklich emotionalen und aufwühlenden Roman zu schreiben, der mich fesseln konnte. Es geht um Freiheit, um selbstbestimmtes Leben und wie Frauen in unterschiedlichen Zeiten jeweils damit umgingen. Ein Buch, dass sich trotz des sehr ruhigen Erzählstils richtig spannend liest und das ich gerne weiterempfehle.
Nina ist Ende Zwanzig, sie ist Ärztin an der Charité; nach der Corona Pandemie ist sie völlig ausgebrannt und hat ihre Lebensfreude verloren. Nachdem man ihr ein Sabbatical verwehrt, kündigt sie und unternimmt eine Auszeit im Stettiner Haff. Ihr Freund Jan unterstützt sie in allem, was sie von nun an unternimmt. Er selbst geht beruflich für drei Monate nach Toronto in das Hauptquartier seiner Medienfirma. Nina adoptiert die rumänische Straßenhündin Ayla, ein Unterfangen, dass sich als schwierig erweist. Auf dem Land blüht Ayla zwar sofort zusehends auf, aber ihr Jagdinstinkt wird auch geweckt. Auch Nina vergisst im Fischerdorf ihre dunklen Gedanken, obwohl ihr die hier lebenden Menschen nicht geheuer sind. Im Wald stößt Ayla auf ein altes Grab und buddelt menschliche Knochen aus. Nina entscheidet sich, den Fund zu melden.
Schnitt, im nächsten Kapitel wechselt der Erzählstrang ins Jahr 1936 und wir lernen die 14jährige Gine kennen. Sie soll ein Landjahr absolvieren. Für sie ist das verständlicherweise eine Katastrophe. Sie muss für acht Monate in ein Lager für „Arbeit und Erholung“. So sehr die Eltern auch versuchen sich zu widersetzen, Gine wird daran teilnehmen. So kommt Gine von Berlin nach Pommern. Eine harte, folternde Zeit beginnt.
In einem dritten Strang reisen wir in das Jahr 1979 und treffen auf Sigrun. Sie lebt in der DDR und möchte fliehen.
Natürlich gibt es eine Verbindung durch die Zeiten, die es zu erfahren gilt.
In einem atmosphärisch starken wie dunklen Setting erzählt die Autorin Tanja Weber ihre Geschichte. Es wabert unterschwellig stets eine unsichtbare Gefahr über allem – psychologisch ist dies hervorragend durch die Autorin inszeniert. Sie liefert eindrucksvolle Bilder und schildert zudem auch liebevoll und manchmal erschreckend Details. Der Schreibstil ist einzigartig gut, die Erzählstränge sind perfekt miteinander verwoben. Tanja Weber schreibt in schöner, fließender Sprache, die das Lesen angenehm macht. Sie bringt dabei großartige Gefühle rüber, die unter die Haut gehen und mich tief bewegen. Sie hat im Roman lebensechte Charaktere erschaffen, in deren Emotionen und Handlungen ich mich wieder finden kann. Ihre Figuren liefern starke und aufwühlende Reaktionen. Der Plot selbst ist mitreißend, überraschend wie beeindruckend. Dieses Buch ist ein Pageturner, bei dem ich mit dem Lesen nicht aufhören kann.
Von Herzen gerne vergebe ich dem Buch seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und spreche ihm meine absolute Leseempfehlung aus. Ein Roman mit eindringlich guten Szenen, und einer Geschichte, die mitreißt und unvergesslich bleibt.
Schon am Anfang der Geschichte taucht man ein in Tanja Webers intensiven Schreibstil. Dass in dieser Erzählung Dinge geschehen werden, die nicht leicht sind, erspürt man schon zwischen den Zeilen. Die Autorin beschreibt Gefühle detailliert - Ninas ausgebrannten Zustand durch ihre Arbeit in der Charité sowie die innere Leere, die sich in ihre Ehe eingeschlichen hat. Sie sucht Ruhe und plant eine Auszeit von ihrem Beruf, doch das Gespräch bringt sie dazu, zu kündigen. Ihr Ehemann unterstützt sie in ihrem Entschluss. Gleichzeitig wird ihr Mann für drei Monate nach Toronto berufen. Dann suchen Kollegen ihres Ehemanns aus Kanada eine Wohnung in Berlin für einige Zeit. Nina bucht eine Auszeit in einer ruhigen Gegend und fährt ans Stettiner Haff, während die Kollegen in ihrer Wohnung bleiben. Ihre Begleiterin wird ihre neue Hündin Ayla aus Rumänien sein, vermittelt von ihrer Freundin Berit. Nina wünschte sich eine Seelenhündin, einen Beistand für ihren ausgebrannten Zustand. Seit der ersten Begegnung mit Ayla fühlt sie leider die erwünschte Seelenverbindung zu ihr nicht. Eine spannende Reise beginnt – von Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern in eine hoch geschichtsträchtige Gegend – das Stettiner Haff. Die Gegend ist waldreich und hat eine Verbindung zur Ostsee. Rückblicke in die Nazizeit und später in die DDR vor 1989 folgen, völlig unerwartet für Nina. Sie erkennt, dass diese Rückblicke dabei helfen, das, was Nina während ihres Aufenthalts erlebt, in Beziehung zu setzen. Sie macht erstaunliche Funde auf ihren Streifzügen durch die dichten Wälder, die uns tief in die Vergangenheit blicken lassen. Wir lesen vom Landjahr der jungen Mädchen 1936. Sie müssen die von Hitler konzipierte Ideologie - einen Volkskörper der Gemeinsamkeit zu schaffen - mit allen Härten erleben und sich auf dem Gutsherrensitz der von Wetzlaffs durchschlagen. Auch trifft sie Menschen, über deren Vorfahren wir in den Rückschauen lesen. Die Zeiten nach dem Dritten Reich in der DDR betrachten wir. Und auch die die Zeit nach 1989, als wir Frauen und Männer wieder antreffen, von denen wir im Lauf der Geschichte lange nichts hörten. Tanja Weber hat eine einzigartige, aufwühlende Geschichte komponiert. Kunstvoll zusammengestellt. Immer wieder erleben wir unerwartete Wendungen, die im Zusammenhang stehen mit dem, was wir vorher gelesen haben. Hier ist eine Geschichte, die einen lange nicht los lässt. Ich wünsche ihr viele Leser und Leserinnen. So wie die Autorin uns am Ende der Geschichte mit wunderbaren Worten dankt, so danke auch ich ihr für diese Bilder aus vergangenen Zeiten. Manche davon reichen hinein bis in unser Leben von heute.
„1936 wird die 14-jährige Gine zum Landjahr ans Stettiner Haff geschickt, wo endlose Weite Hoffnung verspricht und salzige Böden die Geheimnisse der Menschen hüten. Als sich dort ein Mann an Gine vergeht, schwört das Mädchen Rache und ahnt nicht, wie sehr es damit den Lauf der Zeit beeinflussen wird. Jahrzehnte später zieht sich die überarbeitete Berliner Ärztin Nina in die endlosen Weiten Mecklenburg-Vorpommerns zurück und macht einen erschreckenden Fund. Im geteilten Deutschland träumt die zwanzigjährige Sigrun vom Ausbruch aus den eng gesteckten Grenzen des DDR-Systems. Ihre Geschichte sickert mit dem Wasser des Haffs in den torfigen Boden, bis sie von Nina aufgespürt wird“
Man liest es schon indirekt aus dem Klappentext heraus und sobald man im Buch fest vertäut ist, was sehr schnell geschieht, dann erkennen wir Leser klar und deutlich drei Zeitebenen, drei unterschiedliche Damen, die uns Autorin Tanja Weber hier vorstellt und die schlussendlich alle miteinander irgendwie verwoben werden. „Das Moor vergisst nie.“ ist ein alter Spruch den mir meine Urgroßmutter stets mit auf den Weg gab sobald wir am Moor spazieren gingen. Moore sind Zeitfresser und halten ihre Geheimnisse gut behütet in den dunklen Untiefen. In Webers Geschichte sagt allein der Buchtitel den Fundort auf - „Unter dem Moor“. Sie nimmt uns sehr gekonnt an die Hand um das Moor zu erkunden. Egal ob Gines Geschichte oder die von Nina oder Sigrun - alle drei Damen verbindet das Moor und die Zeit in der sie leben. Wir erlesen hier drei verschiedene Zeitenstränge der deutschen Geschichte, die die Menschen extrem geprägt haben. Die gesellschaftlichen Lagen/Situationen waren stets unterschiedliche, das Bild der Frauen ebenfalls aber eines verbindet alle wieder zusammen: in Freiheit und zwanglos leben zu können.
Die Geschichte hat einen feinen Verlauf der mit den richtigen Worten bestückt ist. Als Kriminalroman würde ich die Geschichte nicht einordnen. Es hat eine besondere Mischung aus vielen Genren in sich und das passt auch ganz gut. Das Tempo mancher Erzählungen war oft etwas langgezogen aber das tat dem Thema keinen Abbruch. Weber weiß den Leser zu fesseln und ihn an die Hand zu nehmen. Das Moor ist eine Art sprachlicher und sinnbildhafter Schutzraum und bietet allerlei Spiel für eigene Gedanken und Meinungen. Webers Roman hat mich sehr gut unterhalten, ich bin den drei Geschichten mit großem Interesse gefolgt und war mit der Umsetzung der einzelnen Themen mehr als zufrieden. Gerne vergebe ich hier 5 Sterne inkl. Leseempfehlung!
Frauenschicksale über die Zeit hinweg, atmosphärisch, aber nicht immer spannend
Nina braucht eine Auszeit. Die Stelle als Assistenzärztin hat sie völlig ausgebrannt. Aus einem Impuls heraus schafft sie sich einen Hund an und mietet für 4 Wochen eine Ferienhütte im Stettiner Haff. Bei einem Waldspaziergang gräbt der Hund menschliche Knochen aus und Nina beginnt, ihre Umgebung mit anderen Augen zu sehen. 1979 lebt Siggi mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Säuglingsalter im Stettiner Haff. Es ist die Zeit der DDR. Hat sich Siggi bislang nicht viel dabei gedacht und sich immer wieder angepasst, beginnt sie nun mit einer Freundin gemeinsam kleine Freiheiten zu genießen, die sie das politische System in Frage stellen lassen. 1936 wird die 14jährige Gine zum Landjahr ins Stettiner Haff geschickt. Das ist nicht etwa eine Belohnung, denn Gine wird wegen ihrer künstlerischen Eltern zur Umerziehung geschickt. Trotz seiner schönen Natur hält das Haff viel Dunkles für Gine bereit.
"Unter dem Moor" verbindet die Geschichten dreier Frauen über verschiedene Zeiten und Gesellschaftssysteme hinweg. Dabei begehren alle in der ein oder anderen Form gegen ihre Lebensumstände auf. Relativ schnell baut der Erzählstil eine eher düstere Atmosphäre auf und die Autorin weiß durch Details wie ein Tellereisen und das Zucken eines Hundeohrs eine bedrohliche Stimmung aufzubauen. Die Naturbeschreibungen entschleunigen, aber tragen auch gut zur Atmosphäre von Ninas Handlungsstrang bei. Erst nach und nach zeigen sich die Zusammenhänge, die man zwischenzeitlich vielleicht anders angenommen hat. Hier zeigt sich, wie Menschen und Schicksale über die Zeit hinweg verbunden sein können. Auch wenn der Stil atmosphärisch und bildhaft ist, die Geschichten auf den einzelnen Zeitebenen interessant und die Verknüpfungen gut gelungen sind, hat mich das Tempo nicht immer bei der Stange halten können. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und vielschichtig, mir hat es aber wiederholt an Spannung gefehlt. Bei "Unter dem Moor" handelt es sich entgegen meiner Erwartung weniger um einen Kriminalroman als vielmehr um einen belletristischen Roman.
In der Beschreibung wird von einem Generationenroman gesprochen, drei Frauen am Stettiner Haff. Das war für mich irreführend. Es geht zwar um einen langen Zeitraum, von 1936 bis jetzt, aber die Frauen sind unabhängig voneinander und ihre Geschichten sind nur durch ein böses Verbrechen trotz der vielen Zeit dazwischen miteinander verzahnt. Gine wird zu einem Arbeitsjahr auf dem Land aus Berlin nach Mecklenburg geschickt. Ein grauenhaftes Jahr. Sigrun lebt in der DDR mit Mann und Kind und möchte nur ein kleines bisschen Freiheit genießen. Nina ist ausgebrannt sie nimmt eine Auszeit in einer Gegend in der es sogar noch Wölfe gibt. Es sind ganz unterschiedliche Frauen, zeig ihnen deine Stärke, der Leitsatz von Gines Mutter könnte für alle drei gelten. Jede auf ihre Art lässt sich nicht vom Leben brechen, sie gehen anders mit ihren Schwierigkeiten um aber eins haben sie gemeinsam, sie lassen sich nicht beirren, sie gehen ihren geraden Weg. Am besten lernt man Nina kennen, sie ist es die die Geschichten der Frauen am Ende miteinander verbindet. Sie findet den Faden und folgt ihm bis zum Ende. Auch für uns Leser dauert es bis zum Ende der Geschichte bis wir einen Zusammenhang erkennen können. Gine und ihr Kampf mit den Erinnerungen berührt vielleicht am meisten, Sigrun und ihre Hoffnungen und Liebe scheint so wenig anspruchsvoll und trotzdem tragisch. Nina ist am Ende ihrer Kraft aber wie sie in kleinen Schritten wieder zu sich selbst findet, das macht Mut. Es ist ein Buch bei dem ich gedacht habe, da liest du lange daran, der Einstieg war so leise, fast ereignislos, das ich erst keinen Anhaltspunkt hatte, wie die Frauen miteinander in Beziehung stehen. Bis dann ein Name auftaucht und ein Aha Erlebnis verursachte und dann war es die Ruhe, die im Gegensatz zum Wissen aus der Geschichte steht, die mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen ließ. Es hat mich berührt und auch bedrückt zurück gelassen. Denn die Last auf den Schultern jeder einzelnen Figur in diesem Roman ist groß.
Das Buch spielt in drei Zeitebenen, 1936 wird die 14-jährige Gine zum Landjahr ans Stettiner Haff geschickt, sie muss dort hart arbeiten, findet aber Freundschaften und kleine Freiheiten für die sie hart kämpfen muss. Und dann hält das Landjahr noch ein Schicksalhaftes Erlebnis für sie bereit, das sie noch Jahre später beschäftigt. Jahrzehnte später verbringt die überarbeitete Berliner Ärztin Nina in Mecklenburg-Vorpommern eine Auszeit mit ihrer Hündin und macht im Moor einen grausigen Fund. Im geteilten Deutschland möchte Sigrun mehr als das eng bewachte Leben des DDR-Systems. Doch damit riskiert sie auch ihr Leben.
Der Schreistil des Hörbuchs war sehr bildhaft und lebendig und vorallem die Moorlandschaft des Haffs habe ich richtig vor meinen Augen gesehen. Man merkt der Autorin an, das diese Landschaft sie berührt und sie zu einer tollen Geschichte inspiriert hat. Da die Handlung auf drei Zeitebenen spielt ist das Hörbuch sehr abwechslungsreich aber ohne zu verwirren, ich bin immer gut mitgekommen.
Alle drei Protagonistinnen wurden gut ausgearbeitet, am meisten habe ich aber mit der 14jährigen Gine mitgefiebert. Aber auch Nina und ihre Hündin habe ich sehr gerne begleitet. Die Handlung war wirklich toll und bietet viel Raum für geschichtliche Hintergründe, sowohl was das Landjahr unter dem Naziregim betrifft, als auch die Zeit in der DDR. Es war sehr interessant und lehrreich durch diese Geschichte mehr über die Zeit zu erfahren. Die Geschichte war sehr spannend und mitreißend und hat mich sehr gut unterhalten, sie hätte für mich fast noch ein wenig umfangreicher sein können. Es gab ein paar überraschende Wendungen in der Geschichte und vorallem mit dem Ende hatte ich nicht gerechnet. Dennoch stellt das Hörbuch einen Roman und keinen Krimi dar.
Die Sprecherin hatte eine angenehme Stimme und hat das Hörbuch sehr lebendig und schön vorgelesen. Auch die verschiedenen Zeitebenen haben keine Probleme bereitet und ich habe ein paar tolle Hörbuchstunden erlebt.
Cover: Das Cover gefällt mir super, so schön geheimnisvoll.
Inhalt und meine Meinung: Drei Frauen am Stettiner Haff: eine stirbt, eine rächt sich, eine kann sich retten. Soweit so gut und richtig. Doch den restlichen Klappentext finde ich irreführend und teilweise falsch.
Die drei Frauen haben grundsätzlich nichts miteinander zu tun, bis auf den Handlungsort und die Tatsache, dass der Hund von Nina (der Ärztin mit Burn Out) Knochen der einen Frau ausbuddelt.
Der Einstig ist zwar etwas ruhig, aber dann wird es sehr spannend. Flüssig und voll Emotionen, die ich auch gut nachempfinden konnte.
Wir erleben die Zeit um 1936, in der die 16 jährige Gina in ein Landjahr, im Stettiner Haff geschickt wird und dort zur „brauen Ideologie“ verdonnert wird. Dann erleben wir die Zeit um 1972, im geteilten Deutschland lebt Sigrun mit ihrer kleinen Familie in der DDR und ist zerrissen zwischen dem Wunsch nach Freiheit und dem geborgen sein in ihrer kleinen Familie. Als drittes erleben wir die heutig Zeit und die Situation von Nina der Ärztin, die sich eine Auszeit vom stressigen Arbeitsalltag gönnt.
Alle drei Frauen haben ein besonderes Schicksal und ihre eigenen Probleme die sie bewältigen müssen. Dabei habe ich mit Gine am meisten gelitten und das Schicksal von Sigrun ist sehr dramatisch.
Die Autorin versteht es sehr geschickt diese drei Situationen miteinander zu verknüpfen und zu einem tollen Roman zu verweben.
Autorin: Früher hatte Tanja Weber großen Respekt davor, ein Buch zu schreiben. Doch seit sie einmal damit angefangen hat, kann sie nicht mehr aufhören: Aus einem Roman entstehen immer wieder Ideen für weitere. Ihre Bücher handeln von Menschen, die sich etwas trauen, obwohl sie Angst haben, und sie erzählen von all den Zumutungen, denen wir im Leben ausgesetzt sind.
Mein Fazit: Ein toller Roman, den ich verschlungen habe. Von mir 5 Sterne.
Drei Frauenschicksale, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, drei Jahrzehnte.
In der Gegenwart geht es um Nina, eine ausgebrannte Ärztin, die sich mit ihrer gerade erst adoptierten Hündin vom Tierschutz eine Auszeit im Stettiner Haff nimmt.
1936 lernen wir die 14-jährige Gine kennen, die zum Landjahr ins Haff geschickt wird und schreckliches erlebt.
1979 schließlich die zwanzigjährige Sigrun, die vom Ausbruch aus dem reglementierten Leben in der ehemaligen DDR träumt.
Wie war’s?
Eine packende Geschichte, in der sich die drei Einzelschicksale immer enger miteinander verflechten, bis hin zum Finale, das die letzte offene Frage klärt, welche der drei Frauen nicht überlebt hat und warum.
Ich persönlich hätte eine kurze Personenaufstellung zu Beginn nicht übel gefunden, ab und an fiel es mir bei längeren Lesepausen schwer, den Überblick zu behalten, um wen es jetzt gerade geht und in welcher Zeit das Kapitel spielt. Mag natürlich anders sein, wenn man das Buch in einem Rutsch liest.
Die bildhafte Sprache der Autorin und die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen sind einerseits toll, vor allem wenn man wie ich noch nie in dieser Region war, allerdings waren mir diese ab und an ein wenig zu langatmig. Dieses Buch könnte ich mir super als Film vorstellen, weil man dann die Flora und Fauna quasi nebenbei aufsaugen und sich stattdessen nur auf die Handlung konzentrieren könnte.
Fazit:
Leseempfehlung für alle, die Familienromane mit diversen Handlungssträngen mögen und nichts gegen ausführliche Naturbeschreibungen haben.
Lieblingszitat:
Kommentar von Henni, als die Mädchen im Laufe des Landjahrs für einen Regelverstoß mit Latrinendienst bestraft werden, eine Strafe, die Henni mit stoischer Gelassenheit erträgt:
„Das ist der Preis der Freiheit. Wenn Freiheit nichts kosten würde, dann wär sie auch nichts wert.“
Der Roman begleitet drei Frauen am Stettiner Haff - eine Ende der 30er Jahre, eine Ende der 70er Jahre, eine in der heutigen Zeit. "Eine stirbt, eine rächt sich, eine rettet sich" (Klappentext). Ich hab schnell in die Geschichte reingefunden, welche direkt einen Sog entwickelt. Die Protagonisten sind sehr zugänglich gezeichnet. Geschickt verwebt die Autorin die Biografien der 3 Frauen, ohne dass diese auch aufgrund der 3 Zeitebenen voneinander wussten. Immer wieder geht es darum, wie diese sich mit ihren Bedürfnissen und Meinungen aufgrund schwieriger Umstände (Hitler-, DDR-Regime) nicht zeigen können, vorsichtiges Misstrauen im Umgang mit anderen vorherrscht. "Unter dem Moor" - man muss immer auf der Hut sein, was darunter verborgen sein könnte bzw. manchmal legt sich ein stiller Teppich des Schweigens über das Unaussprechbare. Gleichzeitig zeigt das Buch drei starke Frauen mit einer großen Lust und Sehnsucht nach Leben. Ich konnte das Leben aller drei Frauen sehr mitempfinden. Besonders das Leben in der DDR fand ich unglaublich authentisch beschrieben und ich musste bei einigen Sprachwendungen schmunzeln. Zudem machen die wunderbaren Beschreibungen der unberührten Natur im Stettiner Haff einen großen Reiz des Buches aus. Leider finde ich diesbezüglich das Buchcover nicht ganz so gelungen, was auch eine Abendstimmung am Okawangodelta sein könnte und recht beliebig wirkt und dem wunderbaren Buch nicht gerecht wird. Das Buch selber empfehle ich allen, die ein Interesse an der Historie eines vielen vielleicht unbekannten Landstriches Deutschlands haben, die sich durch eine Geschichte berühren lassen und die im übertragenen Sinne in der Natur für kurze Momente auftanken möchten.
'Unter dem Moor' von Tanja Weber ist wieder mal so ein Roman nach meinem Geschmack. Drei Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen in drei verschiedenen Zeitebenen und nur der Ort das Stettiner Haff ist gleich oder verbindet Sie eventuell noch mehr?! Wir lernen die ausgebrannte Ärztin Nina und ihre recht eigene Hündin Ayla in der Jetztzeit kennen. Nina braucht dringend eine Auszeit und die nimmt sie sich in einem kleinen Dorf im Stettiner Haff. Ihr entfliehen des stressigen Alltags nimmt mit der Zeit an Fahrt auf. Dann gibt es noch Gine die wir 1936 kennenlernen. Eine wirklich sympathisch 14 jährige die zum Landjahr ans Stettiner Haff geschickt wird und das nicht freiwillig. Ihre Eltern sind in dieser Nationalsozialistischen Zeit exotische Freigeister und geben ihre Werte und Ideale an Gine weiter. Trotzdem muss Gine das Landjahr absolvieren und dort erlebt sie wenig schönes und ihr Leben wird nachhaltig geprägt. 1979 lebt Sigrun mit ihrer kleinen Familie in Ostberlin. Ihr Alltag ist anstrengend, aber im Großen und Ganzen ist sie zufrieden und gönnt sich ihre Auszeiten. Sie versucht unauffällig und angepasst zu leben um der Stasi nicht aufzufallen. Nicht einfach wenn man eine Freundin wie sie hat. Christa ist ein Punk und ganz klar gegen das System. Sie sieht gar nicht ein sich anzupassen. Alle drei Frauen mochte ich wirklich gerne und die Charaktere sind schön ausgearbeitet. Auch die Nebencharaktere tragen zum Lesevergnügen bei und erzielen bei mir genau das Empfinden das die Autorin wahrscheinlich beabsichtigt hatte. Ob und/oder wie die Handlungsstränge zusammenkommen sollte jeder selbst lesen. Ich hatte mit diesem Roman eine wirklich gute Lesezeit und empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.
Dieses Buch bietet mehr als es vielleicht auf den ersten Eindruck verspricht. In "Unter dem Moor" werden drei fesselnde Geschichten miteinander verflochten, die in unterschiedlichen Zeiten spielen und dennoch eine faszinierende Verbindung zueinander haben. Die Geschichte der jungen Assistenzärztin Nina, die sich eine Auszeit vom hektischen Berlin nimmt und mit ihrer Hündin Ayla am Stettiner Haff Ruhe sucht, zieht den Leser sofort in den Bann. Durch den grausamen Fund, den Ayla macht, wird Ninas Blick auf die Natur und die Menschen um sie herum völlig verändert.
Ein weiterer Handlungsstrang entführt den Leser ins Berlin des Jahres 1936, wo das junge Mädchen Gine durch die politischen Umstände gezwungen wird, ihr Zuhause zu verlassen und auf einem Gutshof am Stettiner Haff zu leben. Dort erlebt sie mit anderen Mädchen ähnlicher Herkunft unvorstellbare Grausamkeiten, die sie für immer prägen werden.
Der dritte Erzählstrang führt uns in das Jahr 1979 und zeigt das Leben der jungen Mutter Sigrun während der DDR-Zeit. Ihr Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung wird durch die Verhaftung ihrer Freundin Christa durch die Stasi auf eine harte Probe gestellt.
Die Autorin hat es meisterhaft verstanden, diese drei Frauenschicksale in einer mitreißenden und zugleich einfühlsamen Weise zu verweben. Ihre bildhafte Sprache entführt den Leser in die einzigartige Naturkulisse des Stettiner Haffs und lässt ihn die Schicksale der Protagonistinnen hautnah miterleben.
"Unter dem Moor" ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die einzigartige Spannung und die fesselnden Charaktere machen es zu einem wahren Lesegenuss. Eine klare Empfehlung für alle, die sich auf eine literarische Reise voller Emotionen und Naturschauspiele begeben möchten.
ein tolles Buch " Unter dem Moor " war für mich ein Buch, das mich mit seiner Handlung absolut gefangen nehmen konnte.
Auf drei Zeitebenen wird dieses Buch erzählt , beginnend mit der Gegenwart, in der die Berliner Ärztin Nina sich eine Auszeit nimmt und mit ihrem Hund in einen kleinen Ort in Mecklenburg Vorpommern fährt. Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund findet eben dieser Teile eines Skeletts, die sich als sie Überreste eines Menshen herausstellen. Was hat es damit auf sich und was ist mit diesem Menschen geschehen ? In verschiedenen Zeiten werden nun die Geschichten dreier Frauen erzählt, die der Berliner Ärztin Nina in der Gegenwart 2022, die von Gine 1936/1962 und die Geschichte von Sigun 1979 . Allen vier Frauen ist es gemein ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das zu bestimmten Zeiten eine Herausforderung war. Durch die Geschichte der drei Frauen wird dem Leser ein zeitgeschichtlicher Bogen präsentiert in dem die Frauen agieren. Alle Lebenswege sind miteinander verbunden und entwickeln zeitweise Krimipotential.
Die Erzählungen von Gines und Sigruns Leben, vor allem das von Gine haben mich stark berührt. Gine , die zur Landarbeit auf einem Gut auf dem Haff verpflichtet wurde und Unsägliches erleben musste und Sigruns Leben in der ehemaligen DDR das von Bespitzelung und Tristheit geprägt war.
Der Autorin ist es gelungen eine interessante und spannende Geschichte zu schreiben, die mich sehr begeitern konnt und ich empfehle dieses Buch allen Liebhabern zeitgeschichtlicher Romane.
Tanja Weber schafft mit Unter dem Moor eine düstere Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Die Autorin verwebt in verschiedenen Zeitebenen eine Geschichte um das Stettiner Haff.
Die Berliner Ärztin Nina flieht mit ihrem Burnout vor dem hektischen Job in der Berliner Charite. Die Pandemie hat ihr alle Kraft und Freude geraubt, so dass sie sich eine Auszeit am Stettiner Haff mit ihrer Hündin Ayla gönnt. Doch schon bald findet sie Spuren eines möglichen Verbrechens...
Im Jahr 1936 wird die 14 jährige Gine für 8 Monate zum Landjahr ans Stettiner Haff gebracht. Hier sollen die jungen Mädchen dem Volkswohl dienen und sich ideologisch festigen, sprich mit viel Disziplin und harter Arbeit zu guten Nazis erzogen werden.
1979 begleiten wir die junge Mutter Sigrun. Sie ist unglücklich über die Bevormundung durch die DDR. Sie träumt von einem Leben in Freiheit für sich, ihren Mann und ihren Sohn.
Tanja Weber schafft es eine düstere Stimmung aufzubauen und die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit auf die Seiten zu transportieren. In losen Fäden verweben sich die Geschichten der drei Frauen zu einem Ganzen, welches sich wirklich erst mit der letzten Seite auflöst. Mir hat die Zeitreise durch das Stettiner Haff gut gefallen. Auch, dass die Autorin es immer wieder schafft Landschaften und Tiere bildhaft darzustellen hat sehr zu meinem Lesevergnügen beigetragen.
Drei Frauenleben in unterschiedlichen Zeitebenen, deren Schicksal miteinander verknüpft ist. Auf den ersten Blick scheint das verbindende Element ein Dorf am Stettiner Haff zu sein. Gine, 14-jährig aus Berlin, absolviert 1936 dort ihr Landjahr und muss Schreckliches erleben. Sigrun, lebt 1979 mit Mann und Kind in dem Ort, der damals noch zur DDR gehört. Und schließlich Nina, die junge Ärztin mit Burn Out, die dort Ruhe und Frieden sucht, aber mit ihrem grausigen Fund im Moor längst Vergessenes zurück in die Gegenwart holt.
„Unter dem Moor“ ist eine Melange aus Historie, Krimi und Zeitgeschichte, denn bei allen drei Protagonistinnen steht Wunsch und Wille nach Selbstbestimmung, Herrin über die eigenen Entscheidungen zu sein, sich nicht von äußeren Zwängen bestimmen zu lassen, im Vordergrund. Die Perspektiven wechseln sich ab, und durch die alternierende Erzählweise bleiben sowohl das Tempo hoch als auch das Interesse der Leserin erhalten, denn natürlich möchte man wissen, was es mit Ninas Fund auf sich hat.
Ein lesenswerter, berührender und spannender Roman mit interessanten Protagonistinnen, den ich gerne weiterempfehle.
"Unter dem Moor" von Tanja Weber hat mich als Hörbuch absolut begeistert. Selbst am Stettiner Haff geboren und jetzt in Berlin lebend, hat mich der Klappentext sofort angesprochen. Obwohl nur wenige Ortsnamen genannt wurden, erkannte ich die Natur und die Menschen der Region wieder.
Das Buch erzählt in drei Zeitebenen - den 1930er Jahren, den 1970er Jahren und der Gegenwart - die Geschichten dreier Frauen in unterschiedlichen politischen Systemen, deren Schicksale mit einer alteingesessenen Familie vom Stettiner Haff verbunden sind. Jede Zeitebene erzählt ein durchgängiges Schicksal, und die zunehmende Verflechtung der Geschichten hat mir so manches Aha-Erlebnis beschert. Dabei wirkte es für mich nie überkonstruiert, sondern immer nachvollziehbar und realistisch.
Dieses atmosphärische Hörbuch hat mich so beeindruckt, dass ich es zu Weihnachten einem Teil meiner Familie in der Heimat am Haff schenken werde. Eine absolute Empfehlung für alle, die auf der Suche nach einer spannenden Geschichte sind.
Das Stettiner Haff zu unterschiedlichen Zeiten und drei Frauenschicksale und irgendwie auch Krimi. Eine muss sich zu Zeiten des Nationalsozialismus zur Landarbeit verpflichten. Harte Arbeit, widrigste Umstände, der Gutshof zu Blütezeiten - schöne Landschaften. Eine andere ist zu unseren Zeiten ihres Lebens oder Berufs überdrüssig und sucht nach Auswegen oder neuen Wegen - der Gutshof eine Ruine Und eine andere dazwischen zu Zeiten der DDR träumt von mehr. Doch wie verwoben sind ihre Schicksale ? Tanja Weber räumt jeder Frau genug Platz und Eigenwilligkeiten, entführt uns in die jeweiligen Zeiten, deren Herausforderungen und Schwierigkeiten als Mensch und als Frau. Und im Hintergrund immer die Schönheit des Haffs. Mir hat Tanja Webers ruhiger besonnene Stil gut gefallen. Sie wird den Frauen gerecht und driftet nicht in einen "Frauenschicksalsroman" ab. So bleibt am Ende die Verlagsbeschreibung:
"Drei Frauen, drei Leben, eine stirbt, eine rächt sich und eine kann sich retten"
Zum Inhalt: Die überarbeitete Ärztin Nina fährt mit ihrem Hund nach Mecklenburg-Vorpommern um sich zu erholen. Als ihr Hund ausbüchst findet sie ihn schwer verletzt, kann ihn jedoch retten. Doch der Hund führt sie wieder an diese Stelle und Nina macht einen erschreckenden Fund. In anderen Zeitzonen erfahren wir auch noch die Geschichte von Gine und Sigrun. Meine Meinung: Ich hatte die Gelegenheit sowohl Buch als auch Hörbuch zu genießen und beide Varianten haben mir gut gefallen. Die Geschichten der drei Frauen haben alle etwas sehr besonderes, sind sie doch alle drei mit gewissen Zwängen konfrontiert. Man ahnt natürlich schon, dass es einen Zusammenhang zwischen den Geschichten geben wird, dieses klärt sich aber erst sehr spät auf. Mir hat der Schreibstil aber auch der Stil der Sprecherin sehr gut gefallen. Die Protagonisten waren alle sehr interessant. Fazit: Hat mir gefallen
Unter dem Moor von Tanja Weber Ich habe das Hörbuch gehört. Die Sprecherin hat mir gut gefallen. Genau die richtige Balance zwischen Erzählung und Emotionen. Der Roman wird in drei Zeitebenen erzählt, dadurch wird immer wieder Spannung erzeugt, da es immer wieder Cliffhanger gibt. Recht schnell kann der Leser die Verbindungen zu den einzelnen Personen erkennen. Am Anfang wird eine "alte" Leiche gefunden und man kann miträtseln, wer und warum. Deswegen wohl ein Krimi und gleichzeitig ein historischer Roman zu Zeiten vor dem 2. Weltkrieg sowie zu DDR-Zeiten. Diese geschichtlichen Hintergründe fand ich sehr interessant. Das Hörbuch ist relativ lang. Ich habe mich die ganze Zeit gut unterhalten gefühlt. Aber irgendwie fehlte das gewisse Extra, dass es zu einem pageturner gemacht hätte. Leseempfehlung 4 Sterne
Zur Burnout Symptomatik meiner jungen Kollegin kann ich nur mit den Schultern zucken. Vier Wochen MeckPomm habens bestens kuriert und sie ist bereit für Ärzte ohne Grenzen. Was soll man dazu sagen? Fahrt häufiger nach MeckPomm? Aber das ist mein persönliches Problem.....
Ansonsten hat es mir gefallen. Auch dass der Hund in MeckPomm bleiben durfte. Der hatte schließlich auch Burnout.
Nina braucht eine Auszeit, und so verschlägt es sie in ein abgelegenes Dorf am Stettiner Haff. Auf langen Spaziergängen mit dem neu angeschafften Hund Ayla will sie den Kopf frei bekommen und über ihre Zukunft nachdenken. Doch als Ayla menschliche Knochen ausbuddelt, beginnt Nina in der Vergangenheit zu forschen. Eine Generation zuvor: Sigrun liebt ihre kleine Familie, aber gleichzeitig widerstreben ihr die Enge, die Regeln und die Kontrolle, die die DDR ihr auferlegt. Sie bewundert ihre Freundin Christa, einen Freigeist der sich nicht dem System beugen will. Doch Sigrun fehlt der Mut, etwas an ihrem Leben zu ändern. Noch eine Generation zuvor: Gine wurde zum Landjahr berufen, vorgeblich eine Auszeichnung, in Wahrheit reine Schikane - ohne ihre Freundinnen würde sie diese Tortur nicht durchstehen. Doch die harte Arbeit soll nicht das schlimmste sein, was ihr hier widerfährt. Über alle Generationen spannt sich zudem wie ein roter Faden die Geschichte der Familie von Wetzlaff - einst wohlhabende Gutsbesitzer, nach Krieg und Enteignung jetzt allerdings nur noch ein trauriges Überbleibsel. Drei Frauen, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, die aber nicht wissen wie sie daraus ausbrechen können. Eine von ihnen wird ihre Hoffnungen und Träume mit dem Leben bezahlen. Alle drei Geschichten waren gleichermaßen spannend und bewegend, aber am faszinierendsten und aufschlussreichsten fand ich für mich persönlich die "mittlere" Geschichte um Sigrun, da ich noch nicht oft über die nähere Vergangenheit und das Leben in der DDR gelesen habe. Auch die Landschaftsbeschreibung des Haffs und natürlich Ayla haben mich in ihren Bann geschlagen. Fazit: bewegende Schicksale, vereint durch das Haff.
Ein ruhiges Buch voller wunderschöner Naturbeschreibungen und Melancholie. Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebenswelten im Stettiner Haff voller Einsamkeit, Verrat und der Suche nach Frieden. Sehr berührend.
Eine Reise durch mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte Das in bräunlichen Nuancen gehaltene Cover setzt alle Buchstaben des Buchtitels inhaltsgemäß geringfügig ins abendliche Hintergrundbild eines Moors versunken – passend atmosphärisch. Die drei Geschichten erzählen in drei Teilen von drei unterschiedlichen Frauen mit ganz unterschiedlichen, interessanten Lebensläufen. Am gleichen Ort, nämlich am Stettiner Haff, treffen sich diese Erzählstränge: Nina findet im Verlauf ihres 4-wöchigen Urlaubs nach der Pandemie nicht nur menschliche Knochen im dortigen Wald. Mit der 14-jährigen Regina, kurz Gina, springt die deutsche Geschichte zurück ins Jahr 1936 zu Zeiten Hitlers mit detaillierten Angaben zum Landjahr auf dem Gut der Familie von Wetzlaff, Pommernadel. Der dritte Erzählstrang beginnt 1979 zu DDR-Zeiten mit Sigrun, verheiratet mit Achim, mit Sohn Marco und der Schwiegermutter Hildegard. Während der weiteren Urlaubszeit von Nina und ihrer Selbstfindung bilden weitere zeitgesellschaftliche, auch politische Fakten zu Gina und Sigrun ein einfühlsam beschriebenes Bild des Zusammenlebens ohne gewisse Freiheiten. Das Schicksal der Familie (von) Wetzlaff wird über die vielen Jahrzehnte tangiert. Die Beschreibungen von Wald, Moor, Meer und dem Menschenschlag am Stettiner Haff gefallen. Thematisiert werden darüber hinaus Demenz, innige Freundschaft und Tierliebe. Alle drei Frauen zeigen trotz charakterlicher Unterschiede überzeugende Stärken und jede auf ihre Weise meistert die Schwierigkeiten ihres Lebens. Spannende Lektüre!