Gewalt gegen Frauen ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit, sie hat sich in den letzten Jahren noch einmal deutlich verschärft. Asha Hedayati, Anwältin für Familienrecht, beschreibt in ihrem Buch, wie der Staat die betroffenen Frauen alleinlässt, und zeigt auf, was sich ändern muss, damit die zuständigen Institutionen wirklich den Schutz bieten, den sie leisten sollten. Die Autorin macht immer wieder die Erfahrung, dass die staatlichen Strukturen Frauen nicht nur unzureichend vor Gewalt schützen, sondern sogar selbst Teil eines gewaltvollen Systems sind. Partnerschaftsgewalt ist wie ein blinder Fleck bei Familiengerichten, Polizei und Jugendämtern, in Sorge- und Umgangsrechtsverfahren. Dabei ist jede vierte Frau ist einmal in ihrem Leben von Gewalt in ihrer Partnerschaft betroffen; mit großer Sicherheit haben wir alle im Bekannten- und Freundeskreis sowohl Betroffene als auch Täter.
Schon immer beschäftige ich mich mit dem Thema „häusliche Gewalt“. Dennoch habe ich bisher kaum den Bereich „Staat“ berücksichtigt. Denn nicht nur Männer üben Gewalt an Frauen aus, sondern auch staatliche Institutionen wie Polizei, Jugendämter und die Justiz. Denn unsere Gesellschaft ist nach wie vor von Misogynie geprägt. Asha Hedayati schreibt in ihrem Buch, wie es möglich ist, ohne männliche und staatliche Gewalt leben zu können - aber ich sag euch ehrlich, ich werde es zu 100% in meinem Leben nicht erleben. Aber ich kämpfe für die späteren Generationen! Dafür, dass Frauen geglaubt wird, wenn sie von ihren traumatischen Erfahrungen berichten. Dafür, dass Frauen sofort Schutz in Schutzeinrichtungen bekommen. Dafür, dass Kinder nicht für ihr Leben traumatisiert werden ihr Leben lang psychisch krank sind und höchstwahrscheinlich in die selbe Situation geraten. Dafür, dass Frauen sicher und selbstbestimmt leben können.
Ein wichtiges Buch, das alle - insbesondere Jurist*innen, Polizist*innen und Beschäftigte im Jugendamt - lesen sollten. Asha Hedayati beschreibt eindrucksvoll, wie der Staat (vor allem) Frauen und Kinder bei häuslicher Gewalt allein lässt bzw. durch Urteile und Rechtssprechung sogar noch zusätzlich gefährdet. Die Autorin untermauert ihre Analyse nicht nur mit eigenen Erfahrungen aus ihrer Praxis als Anwältin für Familienrecht, sondern auch mit (den viel zu wenig verfügbaren) Studien und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen. Besonders gut gefallen hat mir, dass hier verschiedene Dimensionen von (Mehrfach-) Marginalisierung Raum haben. Es wird deutlich, wie sehr Rassismus und Klassismus das bestehende System tragen.
Das deutsche Rechtssystem bietet Frauen und Kindern, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, keinen Schutz und wird manchmal sogar zum Komplizen der Täter – diese erschütternde Bilanz zieht die Familienanwältin Asha Hedayati. In ihrem Buch schildert sie haarsträubende Fälle und analysiert die dahinterstehenden Strukturen. So stuft die Polizei selbst Misshandlungen, die mit ärztlichen Befunden oder Fotos dokumentiert sind, häufig als „Familienstreitigkeiten“ ein. Insbesondere Migrantinnen wird nicht geglaubt, oder die an ihnen verübte Gewalt wird mit Hinweis auf „andere kulturelle Gepflogenheiten“ heruntergespielt. Ist die Gewalt nicht zu leugnen, wird den Frauen meist geraten, ihren Mann zu verlassen – dabei ist das die Hauptursache dafür, dass Männer ihre (Ex)-Partnerinnen töten oder zu töten versuchen. Sehr problematisch ist es auch, wenn Kinder zum Umgang mit ihren gewalttätigen Vätern gezwungen werden, was fast schon regelmäßig der Fall ist. Dieses Buch ist eine erschütternde und hoffentlich aufrüttelnde Streitschrift.
Sollte für alle Pflichtlektüre sein, insbesondere aber für Jurist*innen.
Das Buch befasst sich vor allem mit dem Thema, wie Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen sind, in Familienrechtsangelegenheiten systematisch den Kürzeren ziehen. Es ist erschreckend und traurig, wie die Justiz dabei (blind) Narrativen aus der Männerrechtlerszene folgt und patriarchiale Strukturen noch verstärkt.
Meine Kritik am Buch ist eher stilistischer Natur: zu wenig Quellen, zu viele Anekdoten, etwas zu unstrukturiert, zu umgangssprachlich.
Asha Hedayati ist Anwältin für Familienrecht und nutzt ihre umfassende Erfahrung mit dem Gesetz und mit Klientinnen dazu aufzuzeigen, wie Frauen in Fällen von häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt strukturell benachteiligt und sogar gefährdet werden. Hierbei betrachtet sie verschiedene Aspekte und geht immer wieder darauf ein, warum Frauen ob in gewalttätigen Beziehungen bleiben, oder warum sie das Sorgerecht "aufgeben". Weil sie eben wirklich aufgeben. Denn weder die Polizei noch die Gerichte schützen oder unterstützen Frauen, ganz im Gegenteil. Asha Hedayati bringt hier viele konkrete Beispiele, bei denen einem wirklich schlecht werden kann. Man kann nur hoffen niemals in so eine Lage zu kommen, denn als Frau ist es fast unmöglich hier zu gewinnen. Dieses Buch zeigt, dass wir zwar gleichberechtigt aber noch lange nicht gleichgestellt sind und dass wir sowohl politisch & rechtlich, als auch gesellschaftlich und menschlich noch einen unglaublich weiten und harten Weg vor uns haben. Ein Glück gibt es Menschen wie die Autorin, die sich dafür einsetzen.
„Wir müssen wütend werden. Wir brauchen eine Wut, die nicht lähmt, sondern Raum für Erkenntnisgewinn lässt, eine Wut, aus der wir Kraft schöpfen können, um gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, die mehr Gerechtigkeit und Freiheit für *alle* bedeuten.“
tw: sexualisierte gewalt, femizide ich bin asha hedayati so dankbar für die kraft, die sie tagtäglich im kampf gegen die bodenlose ungerechtigkeit des patriarchalischen rechtssystems in deutschland, aufbringt. die zahlen und fakten, die sie hier zusammenträgt sprechen für sich. dieses sachbuch ist harter tobak, weil es vor allem eins ist: bittere realität. ich habe so viel markiert, so viel geweint, so viel gelernt.
Die stille Gewalt, wie der Staat Frauen alleinlässt. Oder vielleicht eher, wie der Staat nochmal nachtritt. Was Asha Hedayati da geschrieben hat, ist eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit. In diesem Buch steckt soviel berechtigte Wut über Zustände, die mir nicht ansatzweise in ihren Ausmaßen bewusst waren. Es ist so wichtig, dass dieses Buch gelesen wird! Von vielen Menschen gelesen wird! Denn vielleicht muss die Blindheit erst uns, als Gesellschaft genommen werden, um sie auch aus unserem sogenannten Rechtssystem zu verbannen. Denn wie ich gelernt habe, hat das mit Gerechtigkeit sehr wenig zu tun, sondern eher mit - wer hätte es gedacht - Kapitalismus, Misogynie und Rassismus. Bitte lest dieses Buch! Triggerwarnungen (die leider nicht extra aufgeführt sind, sich aber sehr klar aus Titel und Klappentext erschließen lassen) nicht vergessen und ggf die nötigen Rahmenbedingungen für‘s Lesen schaffen. Passt auf euch auf! Ich habe die Hoffnung, dass wir in 10 Jahren in einer besseren Welt auf dieses Buch in unseren Regalen blicken und an die Dinge denken können, die es verändert hat.
Asha Hedayati arbeitet als Anwältin im Bereich des Familienrechts und gewährt ihren Leser*innen Einblick in ihren Alltag. Die Autorin verknüpft dabei persönlichen Erfahrungen ihrer Mandantinnen mit Statistiken, um darauf hinzuweisen, wie der Staat Gewaltbetroffene alleine lässt. Obwohl mir die Zahlen, beispielsweise dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt wird, bekannt sind, waren Hedayatis Beschreibungen von den schrecklichen Erfahrungen ihrer Mandantinnen ausschlaggebend dafür, dass ich mich noch besser mit diesen identifizieren und mich in diese hineinversetzen konnte. Dass Richter*innen statistisch gesehen oft nur 20 Minuten für die Bearbeitung von Fällen häuslicher Gewalt einplanen, war für mich erschreckend, da diese oft über das Leben von Gewaltbetroffenen und deren Kinder entscheiden. Ein wütender und zugleich hoffnungsvoller Appell an unser Justizsystem und Personen, die häusliche Gewalt als "privates Problem" einer Ehe und Beziehung abstempeln!
ein so wichtiges buch das analysiert, wie der staat frauen* im kontext von häuslicher gewalt und kindeswohlgefährdungen im stich lässt. durch eigene erzählungen und detaillierte schilderungen unzureichender staatlicher reaktionen auf gewalt gegen frauen* wird die systematische vernachlässigung so sichtbar, dass mensch nur wütend darauf reagieren kann. ich habe so viel durch dieses buch gelernt, mich selbst hinterfragt und würd‘s jeder person einfach gerne in die hand drücken.
Dieses Buch hat mich so wütend und auch fassungslos gemacht. Die Autorin beschreibt eindrücklich die Realität des deutschen Rechtswesens und wie unfassbar kaputt es ist. Positiv anzumerken ist auch, dass sie auch trans und nichtbinäre Personen mitdenkt, und während sie sagt, dass die Gewalt sehr oft binär gegendert ist und von Männern ausgeht, auch deutlich macht, dass es eben nicht in 100% der Fälle so ist und an entsprechenden Stellen korrekt gendert. Ich bin immer vorsichtig, wenn es um "Gewalt an Frauen" geht, weil solche Fomulierungen viel zu oft die Lebensrealitäten von trans und nichtbinären Personen unsichtbar macht und nicht mitdenkt, aber das tut sie hier nicht und dafür dickes Lob!
5 ⭐️ Ein zwingend notwendiges und brandaktuelles Werk, welches ich durchweg gehasst und geliebt habe. Mein Textmarker hat geglüht, meine Wangen auch. Ich musste das Buch zeitweise weglegen, weil ich so wütend war. Gleichzeitig verspüre ich den tiefen Wunsch, diese Zeilen jede:n ins Gesicht zu brüllen und es zur Pflichtlektüre zu machen. Bitte lest dieses Buch. ALLE.
Hedayati schafft es die sogenannte "häusliche" Gewalt erfolgreich in eine systematische Gewalt zu bringen. Denn die Gewalt gegen Frauen hat in unserer kapitalistisch patriarchalen Gesellschaft nun mal System. Ein System, das nicht nur die Gewalt gegen Frauen zulässt, sondern diese gar fördert. Hedayati verbindet verschiedene Studienergebnisse mit ihrer eigenen praktischen Erfahrung. Damit zeigt sie sowohl gesellschaftliche Werte, als auch nahbare Erfahrungen auf. Die Kritik am Start, vor allem auf rechtlicher Ebene wird der lesenden Person drastisch dargelegt. Jede*r sollte dieses Buch lesen und sich fragen, wie mensch Widerstand leisten kann.
4.5 // Vor allem die detaillierten Aufschlüsselungen über den Machtmissbrauch und die Ignoranz verschiedener staatlicher Organe gepaart mit Erfahrungserzählungen der Autorin fand ich sehr eindrucksvoll. Einzelschicksale erschüttern mich immer wieder, aber die Wucht an statistischer Häufung macht mich jedes mal einfach nur wütend. Wann und wie können wir dieses patriarchale System, das am Ende niemandem außer sich selbst dient, endlich begraben?
Für jede Person, die sich wundert, warum Frauen sich nicht „einfach“ aus gehaltvollen Beziehungen lösen. Eine Anwältin erzählt aus ihrem Arbeitsalltag mit Frauen, die Partnerschaftsgewalt erleben, sich trennen wollen und dabei extrem vom Staat behindert werden, sich (und ihre Kinder) patriarchaler Gewalt zu entziehen. Wenn wir als Gesellschaft wollen, dass Kinder nicht mit Gewalt aufwachsen müssen und Frauen nicht mehr auf unterschiedlichste Arten von Männern abhängig sein sollen, müssen Gesetze geändert und mehr finanzielle Mittel für Kinder, Sozialarbeit, Gerichte usw. geschaffen werden! Erschreckend zu lesen, gut strukturiert, aber Intensität und sehr viele Informationen auf nicht mal 200 Seiten haben mich gehindert, es so runterzulesen.
ein Buch welches die Täterschaft des Staats hinsichtlich der Gewalt an Frauen in die Mangel nimmt, aufdeckt und die Leser*innenschaft wütend macht, und das ist auch gut so. Ein ganz wichtiges Buch von Asha Hedayati, was unbedingt gelesen werden sollte.
jeder cis mann sollte verpflichtet werden dieses buch zu lesen. jeder flinta* die sich weniger allein fühlen und kraft schöpfen will empfehl ich’s auch.
Sehr gutes Sachbuch. Stellt gut und verständlich die komplexe Thematik von häuslicher Gewalt dar und beschreibt die Rolle von Gerichten bzw. anderen staatlichen Institutionen.