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Von Juden lernen

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5780 Jahre Denkgeschichte für die Zukunft

Wenn es heute um jüdisches Leben geht, dreht sich die Diskussion – insbesondere in Deutschland – meist um den Holocaust, den arabisch-israelischen Konflikt oder Antisemitismus. Dabei ist das Judentum die älteste der monotheistischen abrahamitischen Religionen, das bedeutet eine jahrtausendealte Kultur und Philosophie. Mirna Funk greift in ihrem aktuellen Buch acht Theorien der jüdischen Ideengeschichte auf, und bringt sie in Dialog mit dem »Jetzt«.  Dazu gehört z. B. »lashon hara«, das Verbot der üblen Nachrede, oder »tikkun olam«, die Pflicht, die Welt zu verbessern. So eröffnet Funk eine neue Perspektive auf politische Debatten, Streitkultur und Persönlichkeitsentwicklung: lebensnah, philosophisch fundiert und einzigartig.

150 pages, Kindle Edition

Published February 7, 2024

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135 people want to read

About the author

Mirna Funk

17 books40 followers
Mirna Funk works as a journalist, author and copy-writer. She lives in both Germany and Israel.

Born in Berlin in 1981, Funk majored Philosophy and History at Humboldt-University. She conducts articles, essays and copy for various magazines, newspapers and brands like NEON, NIDO, ZEIT Magazin and Süddeutsche Magazin.

Her debut novel Winternähe was published in July 2015 by S. Fischer Verlage. It was awarded with the "Uwe Johnson prize" for emerging writers and nominated for the "aspekte literature prize" for "best debut novel" as well.

Mirna Funk was invited by the Dutch Literature Foundation to stay at a writer-residency in Amsterdam from April 1 till May 15, by the PEN Belgium to live in Antwerp from June 1 till June 30 and by the Goethe Institute Finnland to work in Tampere from October 1 till October 31 2016.

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Community Reviews

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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Ani.
38 reviews
March 26, 2024
Ich bin nicht immer einer Meinung mit Mirna Funk und würde sie dennoch immer wieder lesen, was einige der Inhalte dieses Buches gut zusammenfasst. Wenn das Buch gut ist, ist es sehr gut und wenn es schlecht ist, sehr schlecht und manchmal keins davon. Ich wünsche mir das Buch und auch andere Texte von Mirna Funk weniger gehässig und damit würde ich ihr auch nicht gerecht werden.
Profile Image for Eli.
16 reviews
November 19, 2024
Die Idee des Buches ist spannend. Acht Konzepte aus dem jüdischen Glauben und der ihm zugrundeliegenden Philosophie werden vorgestellt und dann von der Autorin im Heute verortet.

Vom Klappentext aus, dachte ich, das diese acht Konzepte eher sachlich beschrieben werden und dann auch mehrere Überlegungen darüber, wo die Konzepte heute relevant sein könnten, angestellt würden. Dem war allerdings nicht so. Mirna Funk hat mMn ihre Weltsicht mit diesen Konzepten untermauert, trifft dabei absolute Aussagen und diskutiert kaum unterschiedliche Anwendungsgebiete. Und das obwohl sie im ganzen Buch davon redet wie wichtig es ist, verschiedene Meinungen zuzulassen und zu hören.

Mirna Funk schafft es aber verständlich die Konzepte zu erklären und gab mir das Gefühl ein bisschen in eine andere Denkgeschichte hineinschauen zu können. Sie schreibt nahbar, auch oft mit "denglisch", es war für mich ein bisschen als würde ich ihr zuhören während sie mir von ihrer Weltsicht erzählt. Ich glaube deshalb auch, ihre Weltsicht und politischen Meinungen ein bisschen kennengelernt zu haben. Und genau, weil sie schreibt wie viele heutzutage sprechen, hab ich ihr die ganze Zeit innerlich widersprochen. Sie war quasi ein Shammai zu meinem inneren Hileel.

Aber deshalb will ich auf ein paar Sacheneingehen, die sie in ihrem Buch aufgreift und ich werde es nach Kapiteln tun.

Tikkun olam - die Welt verbessern
Im Endeffekt sagt sie man müsse sich in die Freiheit begeben und wenn man dort ist, kann man keiner Utopie anhängen, weil man dafür wohl irgendeiner Ideologie anhängen müsste.
Das finde ich hauptsächlich Schade. Sie scheint keinen Wert darin zu sehen sich eine (bessere) Welt in der Zukunft vorzustellen (das wird im letzten Kapitel auch nochmal deutlich). Denn, weil wir Menschen inherent gute und böse Anteile in uns besitzen, werden wir niemals eine Welt erreichen können die nur gut ist. Auch wenn es im Konzept von tikkun olam genau darum geht "[...] dass die Welt Gottes Schöpfung ist und dass die Menschen die Verantwortung haben, an der Vervollkommnung dieser Welt mitzuwirken." (S. 24)
Natürlich hat sie recht, dass jeder sich auf der "guten" Seite wähnt. Ich würde aber argumentieren, dass es objektiv positive Handlungsweisen gibt. Und nach einer Welt zu streben, in der man einander mit Respekt und Mitgefühl begegnet und das auch dem Planeten gegenüber tut, kann meiner Meinung nach nicht falsch sein. Ich glaube, wir können eine besseres System und eine bessere Umwelt erreichen, auch wenn wir immernoch mit unseren Eltern, Kindern, Omas und Freunden streiten.
Aber genauso wenig wie Mirna Funk, kann ich euch zu meinen Behauptungen richtige Begründungen oder gar Beweise geben, weil so ist das halt mit vagen Meinungen.

Zedaka - Hilfe zur Selbsthilfe
Das war für mich das schlechteste Kapitel.
Zuerst erzählt sie davon, wie Anfang des 20. Jh. ein jüdischer Verein gegründet wurde, um Jüd:innen in Not zu helfen. Das sollte hauptsächlich durch Bildung funktionieren. Dann ein paar Seiten weiter, kritisiert die Autorin Marlene Engelhorn, weil sie mit ihrem Geld nicht Privatschulen für Kinder aus präkären Verhältnissen gebaut hat, sondern knapp 25 Mio. Euro ihres Millionenerbes gespendet hat. Sie nennt das Almosen, die laut Mirna Funk im Judentum für schlecht befunden werden. Wenn man anderen helfen wolle, solle man in Firmen investieren, da diese Arbeitsplätze schaffen.
Dabei hat sie glaube ich nicht verstanden, was Marlene Engelhorn gemacht hat. Sie hat nicht "einfach gespendet". Marlene Engelhorn hat einen Bürgerrat aus 50 zufällig ausgewählten Österreicher:innen zusammengetrommelt und diese entscheiden lassen, welche Vereine (die nicht menschenverachtend sind) Geld bekommen sollten. Darunter zum Beispiel "teach for austria", eine NGO die zB Querreinsteiger:innen an Mittelschulen mit zu wenig Lehrpersonal bringt. Also genau eine Initiative die Kindern aus präkären Verhältnissen Bildung zuteil werden lässt.
Sie zitiert in diesem Zusammenhang einen jüdischen Gelehrten (Maimonides) aus dem 12. Jh.:
"1. Die höchste Stufe ist die Hilfe zur Selbsthilfe und besteht darin, dem Bedürftigen zu helfen, indem man ihm Arbeit gibt, damit er nicht mehr von anderen abhängig ist. 2. In der Stufe darunter hilft man den Bedürftigen anonym, ohne dass der Spender oder die Spenderin bekannt ist undohne dass der Empfänger weiß, von wem die Unterstützung kommt. [...]" (S. 57)
Genau das macht Engelhorn. Sie spendete ohne zu wissen an wen, die Empfänger:innen in einem Klassenzimmer werden auch nicht wissen, warum der neue Lehrer ausgebildet werden konnte und eine Person hat einen Job bekommen und ist nichtmehr vom alten Arbeitgeber abhängig.
Die neue Lehrperson ist jetzt zwar von einem anderen Arbeitgeber abhängig, genauso wie jeder von seinen Vorgesetzten abhängig ist und auch Mirna Funk von ihrem Verlag oder falls sie selbst publizieren würde von der Plattform oder zumindet von ihren Leser:innen.
Passender Weise beginnt der letzte Absatz des Kapitels mit dem Satz "Was viele als Neoliberalismus bezeichnen, ist eigentlich zedaka"

Lashon hara - Üble Nachrede
Hier fand ich vorallem die Einbettung des Themas schräg.
Sie beginnt das Kapitel mit der Erzählung über einen alten bekannten, der durch die "#metoo" Bewegung seinen Ruf, seine Stellung und Freunde verloren hat. Die Vorwürfe seien alle nicht strafrechtlich relevant gewesen (niemand hat wohl behauptet er hätte sie vergewaltigt), deshalb war es schlecht, das Frauen von unangenehmen Situationen, die sie mit dem Mann erlebten berichteten. (?!) Er wollte die Autorin wohl auch küssen als sie sich noch nicht lange kannten, aber er habe ihr nein akzeptiert und sie könne sich schon vorstellen, dass Dinge passiert sind die nicht ganz kosher gelaufen sind, aber das sei kein Grund zur öffentlichen defamierung.
Also sollen Frauen sich nicht gegenseitig vor creeps warnen? Creeps, die wenn ich es beim lesen richtig verstanden habe, gut vernetzt waren und in einer Machtposition stehen.
Weil, üble Nachrede ist die größte Sünde die man begehen kann.
Die Einteilung in Unterdrückende und Unterdrückte finde ich auch nicht gut. Sie ist mir zu reduktionistisch. Machtdynamiken sind sicherlich komplexer und jemand kann auch beides gleichzeitig sein oder auch garnichts. Deswegen ist es trotzdem nicht gut ein Fehlverhalten zu entschuldigen und jene die es ansprechen der Sünde zu bezichtigen.

Die anderen Kapitel
Sie hat noch drei Kapitel zu Frauen, Beziehung und Sex. Die waren für mich nicht so kontrovers. Mir ist immer wiedermal vorgekommen, dass sie ihre (vermute ich) sehr liberale Auslegung des Judentums gegen eine strengere Auslegung des Christentums ausspielt. Aber letztendlich kenne ich mich mit beiden Religionen zu wenig aus um darüber was sagen zu können.

Das letzte Kapitel über "Eingedenken"- die jüdische Erinnerungskultur wirkt sehr intim. Mirna Funk schreibt aber auch hier eher "Zukunftskritisch" wie schon bei tikkun olam.

Mein Lieblingskapitel war das über "Machloket -richtig streiten lernen". Es hat am meisten meinen Erwartungen entsprochen. Zudem finde ich es super mit mir und meinen Freund:innen zu diskutieren. Außerdem glaub ich auch, dass wir miteinander reden müssen um einander nicht zu verlieren. Gesamtgesellschaftlich gesehen. Trotzdem drängte sich mir immer das "Toleranz-Paradoxon" von Karl Popper in meinem Kopf auf: "Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen." (Wikipedia)

Allgemein findet sich viel Zeitgeist in dem Buch wieder: Narzismus, Shadow-work, love languages, Individualismus.

Ich habe es dann doch ganz gern gelesen, weil ich innerlich ein bisschen streiten konnte und mit diesem Kommentar meine Überlegungen dazu veräußerlichen konnte. Ich toleriere Mirnas Meinungen, stimme nicht damit überein und wollte zu ihrem Gedankenhaus in das ich vielleicht niemals gehen würde, mein eigenes daneben stellen.
3 reviews1 follower
July 3, 2024
Bin wenig überzeugt von dem Buch. Dachte eigentlich es ist eine nette Einführung in jüdische Philosophie (was das Buch in Teilen sicher auch ist), das wurde leider überschattet von nervigen politischen Takes, die Teil der Interpretationen der behandelten Versatzstücke jüdischer Philosophie sein sollten. Im Kapitel 'tikkun olam' (das Gebot die Welt zu verbessern) erteilt sie eine Absage an (politische) Utopien, da diese nur zum nörgeln verleiten und nicht zum handeln. Die Welt und der Mensch seien außerdem immer sowohl gut als auch böse, sodass eine Utopie, die das schlechthin gute will, falsch sein muss. Somit bleibt auch offen worin die Verbesserung der Welt bestehen soll, denn ein Ziel, also etwas gutes an dem sich orientiert werden kann, kann es nicht geben - die Welt bleibt immer auch böse. Stattdessen geht es vage um Gerechtigkeit und Frieden u.Ä. Wenn die Ablehnung von Utopien zum Schluss geführt hätte, dass zu veränderndes nur negativ bestimmt werden kann, hätte ich das sinnvoll gefunden, aber offensichtlich hält sie ja an positiven Maßstäben fest. Scheinbar geht es doch nur um die Ablehnung radikaler Veränderung, die an der Möglichkeit des ganz Anderen festhält. Im Kapitel 'zedaka' (Hilfe zu Selbsthilfe) lehnt sie dann Almosen ab, da diese Bedürftigen ja ihre Autonomie absprechen würde. Dabei sind ja nicht die Almosen das Problem, sondern ihre Autonomie haben diese Menschen schon längst verloren, sonst wären sie ja nicht bedürftig. Stattdessen geht es eben um Hilfe zur Selbsthilfe, also um die Ermächtigung der Menschen. Ein Unternehmer, der Arbeitsplätze schafft, erfüllt dieses Ideal laut Autorin ganz besonders gut.

Verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, warum Adorno/Horkheimer und Bloch im Quellen Verzeichnis des Buches vorkommen, denn offensichtlich hat die Autorin gerade keinen Begriff von der Totalität dieser Gesellschaft.
Profile Image for thecorporatebookshelf.
19 reviews
February 25, 2024
Auch wenn man in der Schulzeit über die Weltreligionen gesprochen, zentrale religiöse Geschichten gehört & die relevantesten Feiertage auswendig gelernt hat, so hat man doch recht wenig über die zentralen „Konzepte“ der jeweiligen Religionen gelernt.

Einige dieser Wissenslücken schließt Mirna Funk mit ihrem Werk „Von Juden lernen“ für das Judentum. Sie stellt nachvollziehbar zentrale Ideen und Denkweisen des Judentums vor, deren Anwendung in der heutigen Zeit für jeden Einzelnen hilfreich sein werden. Konkret reflektiert man beim Lesen des Buches den eigenen Umgang mit schwierigen & widersprüchlichen Gedanken, die persönliche Weiterentwicklung & das Leben in der heutigen Gesellschaft (in Deutschland).

Absolut lesenswert!
Profile Image for Kathi.
1 review
February 19, 2024
Ich habe auf jeden Fall total viel durch Mirnas Buch gelernt und verstehe jetzt woher die Begeisterung bei ihrer Lesung in Berlin vor zwei Wochen herkommt!
Profile Image for Rahel.
26 reviews1 follower
January 2, 2025
Vielversprechend auf den ersten Blick, allerdings nur zu empfehlen für Lesende ohne den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit bzw. die Möglichkeit Funks Thesen nachzuprüfen. Denn so ist für mich eher ein beliebiger Eindruck entstanden, ein Judentum & auch ein Christentum, das in Funks Beschreibung doch zu einschichtig und simpel gezeichnet wird. Trotzdem sicherlich eine Bereicherung für den deutschen Buchmarkt, vor allem darin, dass endlich mal wieder über Inhalte jüdischen Glaubens gesprochen wird & sich das Gespräch nicht auf Antisemitismus beschränkt.
Profile Image for Marie We.
17 reviews1 follower
June 8, 2024
Wie auch „Who cares“ ist das neue Sachbuch von Mirna Funk schlau geschrieben und ohne Ausschweife auf den Punkt. Alle vorgestellten Konzepte finde ich enorm spannend und der Mix aus einfach verständlichen Beispielen mit teilweise akademischen Konzepten hilft beim Einstieg in eine interessante Auseinandersetzung mit dem Judentum.
Profile Image for Joerg.
122 reviews5 followers
May 9, 2024
Deborah Feldman sprach Mirna Funk ab,vom Judentum zu sprechen, weil sie „nur“ Vaterjüdin ist.
Profile Image for Goltmaedchen.
9 reviews1 follower
September 4, 2024
Nicht unkontroverse Thesen, aber auch viele sehr spannende Denkanstöße.
17 reviews
December 18, 2025
Who the heck let this lady convert to Judaism without having learned the most basic principles of Jewish religion?
61 reviews
August 20, 2024
Mirna Funk schreibt in ihrem persönlichen Essay über acht jüdische Denkkonzepte und Philosophien, deren Ursprung in der über 5.000 Jahre alten jüdischen Kultur liegt. Schreibt über u.a. “machloket“ (richtig streiten lernen), "tikkun olam" (Verbesserung der Welt), "eshet chayil" (Lob der Frau) – verbindet die Denkkonzepte mit gegenwärtigen Konflikten. Und will deutlich machen, dass die jüdische Community mehr ist als das „Triangle of Sadness: Antisemitismus, Shoah, der arabisch-israelische Konflikt“. Philosophie trifft auf Polemik und lehrt uns Widersprüche aushalten zu lernen!
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