very good immanent critique of the three major (liberal, deliberative, radical) theories of democracy and how they are unable to come to terms with current technological, sociological, demographic, geopolitical developments. i do wonder though why it ends the way it ends, with a focus on the paradigm shift towards postcolonial studies rather than maybe focusing on the relevance of other regimes that organise capitalist accumulation (that are currently esatblishing their "sciences of legitimation").
Es ist nicht zu erwarten gewesen, dass das gefühlte Buch der Stunde im Frühling 2024 aus dem nischigen politikwissenschaftlichen Sub-Genre der Demokratietheorie kommen würde. Beiträge zu diesem Thema werden außerhalb der Fachwelt zumeist eher selten zur Kenntnis genommen, doch vielleicht war es der griffige Titel „Demokratiedämmerung“ oder die durch und durch pessimistische Leseart, welcher der überarbeiteten Habilitationsschrift von Veith Selk einen kleinen Hype verschafften.
In „Demokratiedämmerung“ werden von Selk zwei Anliegen verfolgt. Zum einen formuliert er einen Abgesang auf die liberale Demokratie. Seiner Beobachtung zufolge seien Demokratien immer seltener dazu in der Lage, auf die politischen, sozialen & ökonomischen Herausforderungen angemessen zu reagieren. Vier Entwicklungen macht Selk hier aus: 1.) Legitimationsprobleme durch Politisierung 2.) Zunahme an Komplexität und Differenzierung 3.) Steigende Kognitionsasymmetrien 4.) Ende des demokratischen Kapitalismus. Diese vier Entwicklungen münden gemeinsam in einem Niedergangsprozess der liberalen Demokratie, welcher von Selk als Devolution bezeichnet wird. Dieser führe dazu, dass sich liberal-demokratische Regime zu Mischformen zwischen Demokratie und Autokratie wie dem Populismus, der Expertokratie/Technokratie sowie der partizipativen Governance transformieren. Zum anderen übt er anhand dieser Entwicklung eine scharfe Kritik der derzeitigen Demokratietheorien, die er als realitätsfern abkanzelt. Egal ob nach den Spielarten von Habermas, Mouffe oder Dahl – sie alle gingen von Voraussetzungen aus, die durch die derzeitigen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft widerlegt werden. Infolgedessen hält Selk einen wissenschaftlichen Paradigmenwechsel im Sinne Thomas Kuhns im Hinblick auf die Demokratietheorie für wünschenswert.
In ihrer Zuspitzung teile ich die Niedergangsbeschreibung von Selk ausdrücklich nicht. Die Erzählung von der Krise der Demokratie ist so alt wie die Demokratie selbst und auch wenn ich Selks Beobachtungen im Einzelnen für zutreffend halte, überzeugt mich diese im Gesamten inhaltlich nicht stärker als andere Krisentheorien, insb. nicht im Hinblick auf ihre Zwangsläufigkeit. Zwar ist international unbestritten ein Rückgang von liberal-demokratischen Regierungsformen zu beobachten. Historisch betrachtet sind demokratische Regierungsformen jedoch die Ausnahme und ihre Verbreitung hing stark damit zusammen, dass der Westen in einer bestimmten Phase der Geschichte politisch, militärisch, wirtschaftlich und moralisch (d.h. im Hinblick auf die Durchsetzung seiner Wertvorstellungen) global äußerst dominant war. Der Einfluss des Westens, seiner Werte und Vorstellungen von Politik und Gesellschaften sind jedoch im Schwinden begriffen und damit verliert auch die Demokratie ein Stückweit ihre Strahlkraft. Mächte mit anderen, undemokratischen Traditionen wie China gewinnen wiederum an Bedeutung. Das hat bpsw. auch Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit und diese ist in der Vergangenheit ja oftmals das Vehikel des Westens zur Anreizung von Demokratie und Menschenrechten gewesen. Kurzum: Diese Dynamiken sind jedenfalls nach meinem Dafürhalten entscheidender für den Rückgang von Demokratien als die von Selk beschriebene Devolution.
In den Ländern des Westens selbst spielen die von Selk genannten Aspekte aber sicherlich eine größere Rolle. Ich bin aber nicht ganz unoptimistisch, dass diese Länder dennoch weitgehend liberaldemokratisch bleiben werden. Es gibt in den meisten Ländern des Westens eine breite Zivilgesellschaft und die liberale Demokratie als Regierungsform wird hier von der Bevölkerung weiterhin präferiert. Ausnahmesituationen wie das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie würde ich in diesem Kontext nicht überbewerten wollen. Im Falle Polens hat man auch gesehen, wie ein Land wieder den umgekehrten Weg in Richtung liberaler Demokratie einschlagen kann.
Seine Kritik der gegenwärtigen Demokratietheorien empfand ich wiederum als sehr zutreffend. Plausibel wird herausgearbeitet, dass die postulierten normativen Erwartungen an Demokratien, welche in dem Selbstverständnis der Demokratietheorie begründet liegen, an der Realität scheitern und als Deutungsinstrument somit unbrauchbar geworden sind. Die Tendenz, die Realität so zu sehen, wie man sie gerne hätte, ist in diesem politikwissenschaftlichen Sub-Genre leider weit verbreitet.
Dass ein Nischenwerk wie „Demokratiedämmerung“ einen solchen Hype entfalten konnte, freut mich außerordentlich. Ich habe die 320 Seiten sehr gerne gelesen und empfand es als einen anregenden read. Daran ändern auch meine zahlreichen Gegenstandpunkte nichts.
Der erste Teil des Buchs, eine sehr überzeugende Beschreibung der Ursachen des bereits seit Jahrzehnten stattfindenden Demokratieverfalls, ist die Einleitung zum eigentlichen Thema des Autors, einer Kritik an der herrschenden Theorie der Politik. Ein Paradigmenwechsel a la Kuhn wäre bei Berücksichtigung der tatsächlichen Entwicklung der sog. Liberalen Demokratien, so Veit, längst angebracht. Für Nicht-Politikwissenschafter ist der erste Teil daher wesentlich interessanter, sämtliche beunruhigenden Entwicklungen der letzten Jahrzehnte werden sehr übersichtlich und überzeugend vorgebracht. Die "Devolution" der Demokratie ist nach Selk bereits in vollem Gange, bedauerlicherweise befasst er sich nicht mit Spekulationen über die Zukunft. Wenn er recht hat, erscheint es völlig sinnlos sich politisch zu engagieren. Der Durchmarsch rechtspopulistischer oder neuerdings auch linkspopulistischer Politiker wird sich fortsetzen, bis auch diese an der überkomplexen Realität und den unerfüllbaren Erwartungen ihrer Wähler scheitern (es sei denn sie lassen sich nicht mehr abwählen). Überzeugend deprimierendes Buch, trotzdem sehr lesenswert.
Sehr nüchterne und verständliche Ausarbeitung des Verfalls der Demokratie, die Selk hier liefert. Obwohl auch Strategien zur Demokratievergewisserung genannt werden (die mich nicht völlig überzeugen), lässt einen das Buch hoffnungslos, gar deprimiert zurück. Das kontinuierliche Erstarken populistischer Kräfte, besonders vor der Bundestagswahl, zeigen nur, dass das Beschriebene nicht nur eine düstere Zukunftsvision ist, sondern bittere Realität. Gibt 5 Sterne 😇
The point the author made was good. The level of language was too ridiculously high for me, as German is only my third language. It was frustrating not to grasp the subtleties.