Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen‹ – singt die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte. Und auch im Herzen der Protagonistin in Olga Hohmanns Erzählung kocht es, schon seit sie ein junges Mädchen war. Dabei scheint es gar keinen konkreten Grund für diese tobende Wut in ihr zu geben: Sie gewöhnt sich daran, diese herunterzuschlucken, zu subsumieren, zu unterdrücken. Doch auch wenn das den Umgang mit ihren Mitmenschen zunächst zu vereinfachen scheint, fehlt etwas; etwas, das sie zunächst gar nicht artikulieren kann. Die Handlung des Buches, die sich auf den Verlauf eines einzigen Tages beschränkt, scheint gleichermaßen profan wie dramatisch: Die Protagonistin kommt, obwohl ihr wenig Außerordentliches geschieht, immer wieder in Situationen, in denen sie große Rührung überfällt – zum Beispiel, wenn sich ihre Nachbarin auf dem Balkon das Haar bürstet, sie auf dem Nachhauseweg die Läufer:innen des Berlin Marathons beobachtet oder sie während ihres Mittagessens, das neuerdings sieben Euro statt sechs fünfzig kostet, über ihre dauernde Hingabe zum Vergeblichen zu Tränen gerührt ist. Was ihr bleibt: ihre Stimme und ihre Wut. Wie die als ›schlechteste Königin der Nacht der Welt‹ bekanntgewordene Florence Foster Jenkins, die unter begeisterten Buhrufen des Publikums Anfang des 20. Jahrhunderts in der New Yorker Carnegie Hall auftrat und komplexe Arien virtuos scheiternd vortrug, nutzt sie ihre Stimme als Medium, das Raum einnimmt und Raum erschafft: einen Raum für den Mut zum schönen Scheitern, für Kontrolle und Transgression, Virtuosität, Überschreitung und Emanzipation.
Weird in a good way! Es bleibt ein bisschen das Gefühl von „was hab ich da grade gelesen“, aber irgendwie will ich auch sagen „Leute lest das mal“.
Es fühlt sich an als wäre man im Kopf der Protagonistin. Ihre Gedanken schießen von hier nach da und es ist viel los. Immer wieder begegnen einem Sätze die man irgendwie mitnehmen muss und anderen davon erzählen und darüber reden möchte. Andere Sätze hab ich einfach für mich mitgenommen, weil irgendwie schön.
Die Autorin empfiehlt ausdrücklich das Buch vorzulesen - liebe ich!
der Stil von „in deinem rechten Auge wohnt der Teufel“ ist genau das, was ich momentan wirklich gerne lese. Ein assoziativer Stream of Consciousness, experimentell in Sprache und Form, weird und fetzenhaft. Ich musste tatsächlich mehrfach von vorne beginnen, da ich das Gefühl hatte, nicht ganz einsteigen zu können aber dieses Gefühl blieb dann irgendwie auch bis zum Ende, egal wie oft ich manche Abschnitte mehrfach gelesen habe; für mich lag das glaube ich daran, dass mir eine Verbundenheit zu einem Text doch leichter fällt, wenn mehr Nähe durch mehr Chronologie oder durch nahbarere Charaktere gegeben ist. Deswegen kann ich irgendwie gar nicht so genau sagen, wovon dieser Roman eigentlich gehandelt hat, ein bisschen von Schauspielerei, Psychoanalyse und Wut, irgendwie anders als ich es nach dem Cover gedacht hätte, viele schöne Sätze und Gedankenanstöße sind mir geblieben und das Lesen hat auf jeden Fall Spaß gemacht.