Olena Stjaschkinas Roman erzählt von Donezk – nicht nur als Ort, sondern als lebendige Erinnerung. Vier Familien durchleben drei Jahrzehnte Wandel, Anpassung und Verlust. Doch der eigentliche Protagonist ist die Stadt selbst, die unter der Schwere der Geschichte beinahe verschwindet.
Der Titel verweist auf Cecil, den Löwen aus Simbabwe, dessen Tod weltweit Empörung auslöste – aber nur für einen Moment. Ebenso blickte die Welt auf Donezk, um sich dann wieder abzuwenden. Doch Stjaschkina stellt genau diese Art des Erinnerns in Frage: Was bleibt von einer Stadt, wenn niemand mehr hinhört?
Doch Donezk erzählt weiter. Nicht nur durch seine Menschen, sondern auch durch die mythischen Wesen Baba und Schubin, die als geisterhafte Zeugen die Stadt bewachen. Ihre Stimmen verweben sich mit der Geschichte und machen deutlich: Städte werden nicht nur durch Bomben zerstört, sondern auch durch das Vergessen.
Stjaschkinas Sprache ist kraftvoll und voller eindringlicher Bilder. Besonders bleibt die Metapher der Sowjetunion als etwas Klebriges, das sich nicht abschütteln lässt – eine Vergangenheit, die sich in neue Formen verwandelt und fortbesteht.
Der Roman zeigt Menschen, die sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandersetzen, ob kämpfend, treibend oder verschwindend. Doch durch alle zieht sich ein leiser Widerstand – das Festhalten an Erinnerungen, die nicht ausgelöscht werden können. Hier merken wir auch, dass die russische Aggression schon lange vor 2022 da war.
„Der Tod des Löwen Cecil ergab Sinn“ ist keine einfache Lektüre, aber eine notwendige. Es ist eine literarische Spurensicherung gegen das Vergessen. Donezk mag sich verändert haben, doch in diesem Roman spricht es weiter. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar @friedrichmaukeverlag & vielen Dank an die Podcast Folge von @gedankendach Planet Wermut.