Mitten in New York, wenn die Lichter ausgehen und die Türen der Bibliothek ins Schloss fallen, beginnt die eigentliche Show – und was für eine! Beim Vorlesen für meinen Neffen haben wir beide fast vergessen, dass draußen die echte Welt existiert. Kaum eine Seite geschafft, schon hüpft Alice mit ihrem weißen Kaninchen durchs Bild, und hinter der nächsten Ecke lauert der gute alte Long John Silver. Ich schwöre, ich habe beim Lesen sogar kurz meinen Bauch eingezogen, damit wir nicht von der Schatzkarte gerammt werden.
Die Zwillinge Page und Turner sind genau die richtige Mischung aus Chaos, Witz und Cleverness, um in diesem Buch durchzuhalten. Mein Neffe hat die beiden sofort adoptiert – er meinte irgendwann ganz trocken: „Die könnten bei uns einziehen, die machen hier sicher alles spannender.“ Recht hat er. Dazu kommt Ms Literati, die geheimnisvolle Nachtbibliothekarin. Sie ist so eine Figur, bei der man sich nicht sicher ist: Retterin oder strengste Lehrerin aller Zeiten? Jedenfalls ziemlich cool.
Was dieses Buch richtig besonders macht, sind die Illustrationen. Ich lese oft Comics, aber hier ist der Stil nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern mittendrin im Abenteuer. Die Bilder wirken so, als hätten sie selbst beschlossen, ein Eigenleben zu entwickeln – genau wie die Figuren, die nachts aus den Büchern purzeln.
Natürlich steckt da auch eine Botschaft drin: Bücher sind mehr als bedrucktes Papier. Sie sind Türen, Brücken, Achterbahnen fürs Gehirn. Für Kinder ab 10 perfekt, aber mal ehrlich: auch Erwachsene können hier Spaß haben. Mein Neffe wollte sofort wissen, wann der nächste Band kommt, und ich habe vorsichtshalber schon mal gegoogelt.
Kurz gesagt: Magisch, schräg, liebevoll illustriert und so rasant erzählt, dass man das Gefühl hat, selbst in der Bibliothek zu sitzen und die Figuren an einem vorbeihuschen zu sehen. Wir hatten einen Riesenspaß – und jetzt liegt das Buch griffbereit im Regal, falls die nächste Nachtschicht in der Bibliothek ansteht.