• Ein berührendes Erinnerungsbuch an das Damaskus von gestern und ein Plädoyer für friedliche Koexistenz aller Völker und Konfessionen im Nahen Osten
Ein hochaktuelles Zeugnis von Mitmenschlichkeit und religiöser Toleranz im Nahen Osten – erstmals auf Deutsch, herausgegeben von Rafik Schami Moussa Abadi wurde im jüdischen Viertel von Damaskus geboren und wuchs in Frieden und Freiheit auf. In seinem berührenden Erzählband beschreibt er atmosphärisch dicht und humorvoll diese Welt von Gestern – Damaskus in der kurzen Phase vom Ende des Osmanischen Reichs 1918 bis zur französischen Besatzung am Beginn der 1920er-Jahre. Wir erfahren vom Leben der jüdischen Gemeinde und von deren friedlicher, ja brüderlicher Koexistenz mit Angehörigen anderer Religionen. So wird dieses Erinnerungsbuch zu einer in der Vergangenheit angesiedelte Utopie, zur Feier des brüderlich-harmonischen Zusammenlebens von Christen, Juden und Muslimen.
Ich war von diesem vielgelobten Buch eher enttäuscht. Die kleinen Geschichtchen und Anekdoten sind ganz nett zu lesen, aber ich habe mich zwischendurch auch gelangweilt und kurz überlegt, das Buch nicht zu Ende zu lesen. Highlight des Buches ist definitiv das Nachwort, in dem ich viel über Moussa Abadi gelernt habe, der ein unglaublich toller Mann gewesen sein muß.
Bewegende und schöne Kurzgeschichten des jüdischen Damaskus. Eine vergangene Zeit, umso interessanter zu lesen vor dem Hintergrund des Sturzes von Assad. Nachwort von Rafik Schami ein wenig flach, aber repräsentativ für die schreibende Zunft, die nur kulturelle Erklärungen oder Lösungen für Konflikte sehen. Bis auf den biographischen Abriss zu Abadi lässt sich dieses Nachwort überspringen.
Moussa Abadi wurde im jüdischen Viertel von Damaskus geboren und wuchs in Frieden und Freiheit auf. In seinem berührenden Erzählband beschreibt er in typisch arabischer Erzählweise vom vergangenen Damaskus in der kurzen Phase vom Ende des Osmanischen Reichs 1918 bis zur französischen Besatzung am Beginn der 1920er-Jahre. Wir erfahren vom Leben der jüdischen Gemeinde und von deren friedlicher, ja brüderlicher Koexistenz mit Angehörigen anderer Religionen. Atmosphärische Kurzgeschichten voller Menschlichkeit, mit arabischem Schalk im Nacken. Empfehlung!
Moussa Abadi wurde im jüdischen Viertel von Damaskus geboren und wuchs in Frieden und Freiheit auf. In seinem berührenden Erzählband beschreibt er in typisch arabischer Erzählweise vom vergangenen Damaskus in der kurzen Phase vom Ende des Osmanischen Reichs 1918 bis zur französischen Besatzung am Beginn der 1920er-Jahre. Wir erfahren vom Leben der jüdischen Gemeinde und von deren friedlicher, ja brüderlicher Koexistenz mit Angehörigen anderer Religionen.
Wir hören von der Königin, die ihr Königreich in der Wüste verloren hatte, die unendlichen Reichtum besitzt – so glaubt man ihr, weil sie alle reich beschenkt. Die Flunkerei verzeiht man ihr, denn sie hat ja niemanden betrogen; oder? Meine Lieblingsgeschichte ist die von dem, der nach Südamerika auswanderte, um reich zu werden durch fleißige Arbeit. Hin und wieder schickt er Geld, von dem die faulen Verwandten leben. Eines Tages kehrt er als reicher Mann zurück, die Eltern erhalten ein größeres Haus, er sucht sich eine Braut, und eine bombastische Hochzeit wird geplant. Da kommt die Nachricht, sein Compagnon hätte ihn betrogen, sei mit dem gesamten Vermögen durchgebrannt. Der Mann ist pleite. Die Hochzeit wird bescheiden gefeiert, es gibt keine Geschenke mehr für die Verwandten, der Mann reist ab, will sein Glück noch einmal versuchen. Nie wieder hat man von ihm gehört. Doch der Erzähler weiß mehr zu berichten …
Atmosphärische Geschichten voller Menschlichkeit, mit arabischem Schalk im Nacken – Menschen verschiedener Religionen, die in Frieden sich gegenseitig respektieren. Das Leben in der jüdischen Gemeinde in Damaskus, Nachbarn mit anderen Religionen, Christen, Juden und Muslimen, reiche Leute, arme Leute, Geburt und Tod, ein Kreislauf. Eine Welt, die heute undenkbar ist – und die Hoffnung, dass es eines Tages wieder sein könnte. Wundervolle Kurzgeschichten, die ich gern empfehle. Rafik Schami gibt dem Buch ein langes Nachwort, erläutert, wer Moussa Abadi war, wie er und seine Gefährtin Odette Rosenstock in Nazi-Deutschland mit dem jüdischen Widerstand ein Netzwerk gegründet hatten, Juden aus Deutschland herausschleusten und 527 jüdische Kinder retteten.
Moussa Abadi ist Abkömmling syrischer Juden und wurde 1910 in Damaskus geboren. Er besuchte die Jewish Alliance School, wo er ein Stipendium für ein Studium in Frankreich erhielt und an die Sorbonne ging. 1942 floh Moussa Abadi mit seiner Gefährtin Odette Rosenstock vor den Nazis nach Nizza. Die beiden schlossen sich der Widerstandsbewegung an. Mit Unterstützung des Bischofs von Nizza gelang es ihnen, 527 jüdische Kinder zu verstecken und sie so vor dem Zugriff durch SS und Gestapo zu bewahren. Moussa Abadi starb 1997. Zum ehrenden Andenken an ihn und Odette Rosenstock wurden in Paris und Nizza Plätze nach ihnen benannt.
Kann ein friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Arabern trotz religiöser Unterschiede wirklich funktionieren? In Anbetracht der aktuellen politischen Konflikte scheint das heute kaum noch vorstellbar. Doch genau hier setzt Moussa Abadi mit seinem Werk an: Er zeigt, dass es in der Vergangenheit durchaus möglich war und dass Religion eine nebenläufige Rolle spielte.
Die Königin und der Kaligraph ist eine literarische Reise durch die Geschichte und Gesellschaft des Nahen und Mittleren Ostens. Abadi, selbst Jude, erzählt mit viel Feingefühl aus seiner Perspektive; geprägt durch familiäre Erfahrungen, persönliche Begegnungen und überlieferte Geschichten. Seine Erzählweise verbindet religiöse, gesellschaftliche und historische Themen auf einer eindrucksvollen Weise.
Das literarische Werk besteht es aus mehreren Kurzgeschichten, doch diese sind nicht voneinander losgelöst. Die Übergänge zwischen den Erzählungen sind fließend. Man wird als Leser nicht abrupt in eine neue Handlung geworfen, sondern bleibt thematisch eingebunden. Dieses narrative Kontinuum sorgt dafür, dass man sich beim Lesen nie verloren fühlt, sondern vielmehr getragen, als würde man durch eine einzige, vielschichtige Erzählung reisen. Das verleiht dem Buch eine besondere atmosphärische Dichte und hebt es von klassischen Kurzgeschichtensammlungen oder nüchternen historischen Texten ab.
Warum also keine 5 Sterne? Ganz ehrlich: Ich lese normalerweise keine Romane oder Kurzgeschichten. Mein Schwerpunkt liegt eher auf sachlichen, historischen Büchern. Die Königin und der Kaligraph kombiniert jedoch beides, und genau das hat mich zum Lesen bewegt und positiv überrascht. Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen und fand es durchgehend interessant. Dennoch konnte ich mit einigen der stärker erzählerischen, beinahe romanhaften Passagen weniger anfangen. Eigentlich ein „doofes“ Argument …
Wer einen literarischen Zugang zur komplexen Welt des Nahen Ostens sucht, jenseits der gängigen Klischees und aktuellen Schlagzeilen, wird in diesem Buch sicherlich fündig. Es ist leise, aber eindringlich, und regt zum Nachdenken an.
Was für eine Entdeckung! Dieser Kurzgeschichtenband von Moussa Abadi ist wahrlich ein Highlight des Lesejahres 2024! Eine Sammlung die im Original auf Französisch bereits 1994 erschien und nun 30 Jahre später von Gerhard Meier für uns ins Deutsche übertragen wurde. Was diesen Band so besonders macht, ist die Geschichte des Autoren selbst, der mir vorher kein Begriff war. Was unglaublich ist, denn dieser syrische Jude hat zu Zeiten des zweiten Weltkrieges über 500 jüdische Kinder in Nizza vor dem Tod gerettet! In Frankreich ein bekannter Mann. Einer der Gründe, warum ich dazu rate, zuerst das Nachwort von Rafik Schami zu lesen, dass ab Seite 179 beginnt und das Setting und den Hintergrund zu den Geschichten und des Autors toll darlegt. Auch das ein Genuss. Moussa Abadi nimmt uns mit in die 1910er und 20er Jahre, zurück in seine Kindheit in ein vielfältiges Damaskus und dort speziell in die jüdischen Straßenzüge. Er skizziert einzelne Portraits von Menschen, Schicksalen und wie das Leben in dieser vibrierende Stadt prägte im Guten wie im Schlechten. Was mich daran so fasziniert hat, und Hoffnung keimen lässt, ist dass er ein wunderbar friedliches Nebeneinander von Religionen und Kulturen beschreibt. Ein respektvoller und zutiefst menschlicher Umgang. Und dann diese poetische, fast märchenhafte Sprache. Nicht nur der Titel ‚Die Königin und der Kalligraph‘ ist entsprechend zauberhaft, auch sprachlich aus einer anderen Welt mit viel Poesie zu Papier gebracht. Eine absolute Leseempfehlung!