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Antoniusfeuer

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Kriminalkommissarin Bettina Boll ist Ärgernisse gewöhnt, doch der jüngste Streich ihrer Dienststelle schmeckt bitter. Ein Tod im Jugendknast muss untersucht werden, die Behörden fürchten einen Skandal, und nun soll Bettina für ihren neuen Chef die Kohlen aus dem Feuer holen und einem Kollegen dazwischenfunken. Überdies erweist sich der Fall als ausnehmend verschroben. Gibt es wirklich katholische Dorf-Aktivisten, die Dämonen austreiben? Und was hat das berühmte Isenheimer Altarbild voller bunter Bestien damit zu tun?Zu Recht gilt Monika Geier als eine der besten deutschen Krimiautorinnen und Meisterin im Jonglieren mit den schrägen Aspekten der Wirklichkeit. Antoniusfeuer ist ein betörender neuer lebensprall und farbenfroh mit starkem Plot, umwerfenden Charakteren und feinen Überraschungen.»Was wie Intuition scheint, ist Ergebnis blitzschneller Kombination von Gesehenem und Gehörtem, unkonventionellem Denken und analytischem Rückgriff. Darin – nur darin – ähnelt Monika Geier ihrem Vorbild Agatha Christie. In allen anderen Punkten hat sie die Britin längst meilenweit überflügelt.« Jury Deutscher Krimipreis

467 pages, Kindle Edition

Published September 20, 2023

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About the author

Monika Geier

13 books1 follower
Monika Geier is a German crime and mystery author.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Gunnar.
403 reviews14 followers
November 17, 2023
Am Anfang führt Monika Geier den Leser ganz charmant in die Irre, denn der Fall, der sich auf den ersten Seiten ausbreitet, der Fall, weswegen Kommissarin Bettina Boll aus dem freien Tag gerufen und ein Kollege mit falschem Glaubensbekenntnis abzogen wird, spielt bald keine echte Rolle mehr. Ein afghanischer Flüchtling, Mörder eines jungen Mädchens, wird tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Ein Fall von großer Brisanz, denn schnell bilden sich Gerüchte, dass der Selbstmord doch nicht so eindeutig war. Ein sehr denkbares Sujet für so manch anderen Kriminalroman. Doch Monika Geier benutzt die Konstellation nur als Vehikel, um ins pfälzische Dorf Frohnwiller zu gelangen.

Denn im Koran des toten Afghanen wird ein Totenzettel gefunden, eine Einladung zu einer längst vergangenen Beerdigung, mit einem Bild, das einen Ausschnitt aus dem berühmten Isenheimer Altar zeigt: Die Versuchungen des heiligen Antonius, der von diversen Dämonen angegriffen wird. Das Bild hat der Tote von einem katholischen Sozialarbeiter namens Moritz Johann, genannt Mojo, Hansen aus Frohnwiller. Dieser hat den Flüchtling regelmäßig im Gefängnis besucht und angedeutet, Dämonen austreiben zu können.

In Frohnwiller angekommen trifft Bettina Boll auf seltsame Begleitumstände bezogen auf die katholische Gemeinschaft im Dorf. Der Dorfpfarrer ist vor Kurzem bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seine Stelle ist vakant. Der Sozial- und Jugendarbeiter Mojo ist allgemein gut gelitten, aber ist bei einem Drogentest positiv auf LSD getestet worden. Er hat großes Interesse am Thema Exorzismus und hatte sich selbst einem kirchlichen Verfahren unterworfen, das nach seinem Drogentest allerdings im Sande verlief, auch weil die mit dem Fall betraute kirchliche Juristin seit einiger Zeit vermisst wird. Als auch Mojo Hansen spurlos verschwindet, gleichzeitig in der Frohnwiller Kirche Darstellungen von Maria mit Kind geschwärzt werden und im Pfefferstreuer des Jugendheims gefährliches Mutterkorn gefunden wird (das eine Mykotoxikose, auch bekannt als Antoniusfeuer, auslösen kann), hat sich Bettina Bolls Fall endgültig Richtung Frohnwiller verschoben.

Die Sonne schickte Lichtspiele von draußen herein. Blätter, die grünliche Schatten warfen, tönten die Strahlen und malten helle Kringel an die Wand. Vögel sangen. Bettina sah all das und fragte sich, wie sie diesen Raum je hatte hässlich finden können.
Weil alles, was schön ist, sagte eine Stimme, die ausnahmsweise nicht Barbas war, sondern ihre eigene, dir irgendwann voll eine reinhaut. Weil es schrecklich ist, wenn du mit niemandem mehr teilen kannst. Weill alle immer weggehen. Weil du dann alles vergessen musst, was jemals gut war, weil du sonst auch stirbst.
Und was, wenn ich aber nicht alles vergessen will?, dachte sie, plötzlich rebellisch. Was, wenn ich nicht sterbe? (Auszug S.77)

Und natürlich hat Bettina Boll auch ihre eigenen Päckchen zu tragen: Halbtags-Polizistin mit schwieriger Konstellation auf der Dienststelle und einem unsouveränen Chef, mit dem sie allerdings freundschaftlich verbunden ist, alleinerziehende Stiefmutter der beiden Teenagerkinder ihrer verstorbenen Schwester, Besitzerin eines großen, unheimlichen Hauses ihrer ungeliebten verstorbenen Tante, ein etwas aufdringlicher Nachbar. Insbesondere bezüglich des neuen Zuhauses der Bolls greift Geier den Handlungsstrang aus dem Vorgängerband „Alles so hell da vorn“ auf, der immerhin schon sechs Jahre zurückliegt.

„Antoniusfeuer“ ist inzwischen der achte Band um die pfälzische Kommissarin, die – so viel darf man vorweg nehmen – am Ende des Romans endlich auch mal befördert wird. Und sich damit auch direkt vor ihren Kindern (zu Unrecht) rechtfertigen muss. Ansonsten ist alles, was ich vor Jahren mal über diese Bettina Boll geschrieben habe, immer noch wahr: Rau, widerborstig, etwas chaotisch, aber auch empathisch, unermüdlich, anständig, integer. Hier zeigt sich aus meiner Sicht auch eine der großen Stärken der Autorin, die nicht nur ihre Hauptfigur, sondern alle Figuren äußerst fein behandelt und tiefgründig zeichnet. Neben Bettina Boll verfolgt der Leser zudem die Perspektive von Elle Kling, Esoterikerin und Putzfrau in der katholischen Gemeinde.

„Das Böse an sich würde wahrscheinlich kein Katholik anzweifeln. So wie die meisten Polizisten.“ Diesmal blieb Rosenmorgens Lächeln fast unsichtbar. „Es geht um die Art, wie es sich manifestiert. Je konkreter Sie es sich vorstellen, desto leichter ist die Vorstellung zu missbrauchen.“ (Auszug S.132)

Glaube, Zweifel, (innere) Dämonen und Zwänge, persönliche und Glaubenskonflikte, Ringen mit dem System Kirche: Monika Geiers Romanen sind nicht für ihre Unterkomplexität bekannt und das setzt sich bei „Antoniusfeuer“ fort, aber gerade dadurch hebt sie sich vom normalen deutschen Krimiallerlei deutlich ab. Die Autorin überzeugt durch einen fein verwebten, intelligenten Roman mit scharf gezeichneten Figuren, starken Dialogen, regelmäßig wunderbar platzierten lakonischen Einschüben und einem im Genre relativ unverbrauchtem, aber dadurch umso interessanten Thema.
Profile Image for Kirsten.
3,315 reviews11 followers
February 3, 2024
Kriminalkommissarin Bettina Boll muss in einem Todesfall im Jugendgefängnis ermitteln. Die Spuren führen in einen kleinen Ort im Pfälzer Wald, aus dem der letzte Besucher des Toten kommt. Für Bettina ist es wie eine Reise in die Vergangenheit, denn in dem Ort scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Plötzlich geht es um Exorzismus und auch das berühmte Isenheimer Altarbild spielt eine Rolle.

Die Spur führt schnell weg von dem ursprünglichen Fall und hin zu den Vorkommnissen im Dorf. Hier spielen sich seltsame Dinge ab: in der kleinen Kirche werden Darstellungen des Jesuskinds geschwärzt. Auch wenn das kein Fall für die Polizei ist, passt es doch zu der seltsamen Stimmung, die im Ort herrscht. Die Menschen glauben auch zu wissen, wer das Bild übermalt hat, aber das kann eigentlich nicht sein, denn der junge Mann, den sie verdächtigen, sitzt im Rollstuhl und wird von seiner Mutter aufopfernd versorgt.

Bettina muss sich hin diesem Fall fast zerreißen. Als alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern ist der Spagat zwischen Familie und Beruf nicht leicht. Sie lebt gemeinsam mit den Kindern ihrer Schwester im alten Haus ihrer Tante, das nicht nur viel zu groß für sie ist, sondern auch schwere Erinnerungen birgt. Ihre Nichte hat sogar Angst, dort zu wohnen, weil sie nachts seltsame Geräusche hört und das Gefühl hat, dass jemand durchs Haus schleicht. Auch ihr Nachbar ist seltsam, denn obwohl er sehr freundlich ist, hat sie bei ihm ein ungutes Gefühl.
Seit einiger Zeit hat sie ihre Arbeitsstunden reduziert, aber trotzdem arbeitet sie nicht weniger. Im Gegenteil: plötzlich muss sie sich nicht nur um ihren Vorgesetzten, sondern auch um dessen Arbeit kümmern, da er eine private Krise hat. Da überrascht es nicht, dass sie kaum noch Zeit für die Ermittlungen hat.

Dieser Fall für Bettina Boll ist sehr verzettelt. Für mich gibt es zu viele Seitenstränge der Handlung und zu viele Verdächtige darin. Die Charaktere waren teilweise durchaus interessant, aber sie sind im Wirrwarr der Ermittlungen untergegangen.
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
December 30, 2023
Świetny kryminał, z niebanalną, precyzyjnie skrojoną intrygą, ciekawym tłem i galerią niezapomnianych postaci. Dialogi - majstersztyk, z tym rodzajem nienachalnego humoru, który uwielbiam. Monika Geier okazała się kryminalnym odkryciem roku. Tym bardziej cieszy, że książka uplasowała się na drugim miejscu wśród laureatów nagrody Deutscher Krimipreis.
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