Als Sönnich Petersen stirbt, ist niemand im Dorf am Watt traurig, am wenigsten seine Tochter Helma. Er war ein liebevoller Vater, der Krieg hatte ihn hart gemacht. Sein Tod fällt in eine Zeit, in der der aufkommende Tourismus neue Menschen und Gebräuche mit sich bringt. Immer mehr Inselbewohner wollen am Wohlstand teilhaben, auch Helma vermietet bald an Badegäste. Doch da ist noch etwas, was sie beschä Über ihre früh verstorbene Mutter wurde immer eisern geschwiegen. Auch um die Mutter ihres Kindheitsfreundes Rudi gibt es ein Geheimnis, sie wurde während des Krieges abgeholt und kam nie zurück. Wie konnten die Frauen einfach so verschwinden? Warum fragte niemand nach ihnen? Die Suche nach Klarheit führt Helma und Rudi in die dunkelsten Kapitel der Geschichte ihrer Insel.
Der Roman spielt auf Sylt und damit genau am anderen Ende von da wo ich wohne in Deutschland. Auch sind die Hauptpersonen der Romans kurz vor dem zweiten Weltkrieg rum geboren, was ein gutes halbes Jahrhundert vor mir war. Gerade deshalb fand ich den Roman aber sehr interessant. Helma und Rudi, ihr bester Freund seit Kindheitstagen, versuchen zu verstehen, warum ihre Mütter schon so früh aus ihren Leben verschwunden sind. Beim Forschen graben sie alte Nazi-Vergangenheiten und so manche Verschwurbelungen vergangener Zeiten aus. Gleichzeitig wird auch anschaulich dargestellt wie das Leben damals und in den 1970er Jahren auf Sylt so war und wie auch dreißig Jahre nach Kriegsende noch jeder sein eigenes Päckle zu tragen hat. Doch trotz dem schweren Thema war der Roman leicht zu lesen, und es gibt auch Platz für schöne Momente von Hoffnung und Freundschaft und eine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen. Ich finde den Roman durchaus lesenswert
Ein äußerst lesenswertes und - obwohl es in den 1970-er Jahren spielt - hochaktuelles Buch, das zeigt, wie tief sich die Ideologie und die Gräueltaten der nationalsozialistischen Herrschaft in die einzelnen Familien hineingefräst und ihre unheilvollen Spuren hinterlassen haben. Die Menschen verstummen und wollen nur noch eines - vergessen. Bis die Last des Schweigens und der stummen Zeit zu groß wird und sich Bahn bricht. Ein großartiger Roman.