Franziska Böhler ist Krankenschwester – und Pflegeaktivistin. Mit ihrem Einsatz für bessere Bedingungen in der Pflege hat sie vielen aus dem Herzen gesprochen. Und doch gab es eine Zeit, in der sie nicht mehr weitermachen kann. Zu viel prasselt auf sie Sie wird bewundert, um Rat gefragt, und sie wird kritisiert, beleidigt, bedroht. Franziska Böhler versucht allem gerecht zu werden, als Mutter von zwei Kindern, als Aktivistin und als Krankenschwester. Sie versucht den Hass auszublenden, Kritik abperlen zu lassen – doch irgendwann ist das nicht mehr möglich. Panikattacken und Burnout sind die Folge. Hinzu kommt der Frust, dass sich an den katastrophalen Bedingungen in der Pflege nichts ändert. Die Krankenpflege ist und bleibt Franziska Böhlers Traumberuf. Sie identifiziert sich mit ihm, er erdet sie. Sehr persönlich und gnadenlos ehrlich schildert Franziska Böhler, was der Einsatz für die Pflege mit ihr gemacht hat, wie sie selbst daran fast zerbrach, krank wurde und wieder heilen konnte. Denn damit man anderen helfen kann, muss es zuerst einem selbst gut gehen. Und sie stellt die Frage, wie wir mit den Menschen umgehen, die sich für andere einsetzen – sei es im Krankenhaus oder im Aktivismus.
Es ist unser Zweites Buch von Franziska Böhler und wie schon bei Im a Nurse hat uns auch hier der Schreibstil sehr gut gefallen, er ist Fesselnd und lässt einen nur so durch die Seiten Blättern. Die Leidensgeschichte von Franziska bewegt einem zum Nachdenken und es sind einfach so erschreckende Tatsachen dabei, dass man an der heutigen Gesellschaft zu Zweifeln beginnt.
Unser Gesellschaft und das Zeitalter mit Social Medien ist und bleibt eine fragliche Sache. Und wieso manche Menschen ihren Hass auf andere projizieren versteht man auch nicht. Dieses Buch ist anderes als ihr erstes, aber nicht weniger interessant. Sie spricht Themen an die sonst verschlossen bleiben, sie zeigt damit stärke und Mut. Und wie sie darunter gelitten hat, beziehungsweise leidet und wie sie damit umgeht.
Das Buch ist definitiv nicht für jeden etwas, aber wen diese Themen interessieren und wer gerne so etwas liest. Dem könnte das Buch durchaus gefallen. Von uns gibt es eine klare Lesempfehlung.
Fazit:
Franziska und ihr Mut, diese Geschichte mit uns zu teilen, hat uns sehr berührt.
Schreibstil:
Der Schreibstil war wieder sehr angenehm. Es war durchgängig flüssig geschrieben und sehr gut zu lesen. Auch wenn das Thema hier einen etwas anderen Weg einschlägt als bei I'm a Nurse. Franzi verarbeitet hier ihre schwerste Zeit und teilt diese mit uns.
Cover:
Das Cover signalisiert direkt worum es geht und um welche Themen es sich hierbei handelt.
Ich glaube, ich hatte etwas andere Vorstellungen von dem Buch, als es tatsächlich war. „I‘m a nurse“ hat mir sehr gut gefallen, weshalb es für mich keine Frage war, dieses Buch auch lesen zu wollen. Franziska Böhler gibt sehr tiefe, persönliche Einblicke und ich finde es ermutigend zu lesen, dass Überlastung und ihre Resultate sich so facettenreich gestaltet und wirklich Jede*n treffen kann. Ich bin keinesfalls enttäuscht von dem Buch, habe mir aber tatsächlich noch mehr Einblicke in die Arbeit im Krankenhaus vorgestellt. Das macht das Buch keinesfalls schlecht, nur eben nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz empfehle ich „I still care“ weiter, wenn man einen Einblick erhalten möchte, wie sich Franzis Leben (und vermutlich auch das vieler anderer Menschen in Pflegeberufen) entwickelt hat.
Nachdem ich Franziska Böhlers Buch „I still care“ gelesen habe, bleibt mir vor allem eines im Gedächtnis: die gnadenlose Ehrlichkeit, mit der sie über ihren Kampf für bessere Pflegebedingungen spricht und die persönlichen Kosten, die dieser Einsatz mit sich brachte. Franzi, die als Krankenschwester tätig ist und als Pflegeaktivistin bekannt wurde, schildert eindrucksvoll, wie der Druck, sowohl ihrem Beruf als auch ihrer Rolle als Aktivistin und Mutter/Freundin/Frau/Mensch gerecht zu werden, schließlich in einen Zusammenbruch mündet.
Sie beschreibt, wie der ständige öffentliche Druck, die unveränderten katastrophalen Bedingungen im Pflegesektor, der persönliche Kampf, die unfassbaren Angriffe in sozialen Medien bis hin zu Gewaltdrohungen bei ihr Panikattacken und ein Burnout auslösten. Trotz dieser schweren Belastungen bleibt Franzi ihrer Berufung treu und betont, wie sehr sie sich mit ihrem Beruf identifiziert. Doch das Buch geht über die persönliche Erzählung hinaus und stellt kritische Fragen zur Art und Weise, wie unsere Gesellschaft mit denen umgeht, die sich für andere einsetzen. Wie Menschen, im Schein der Anonymität ihr Benehmen und einen respektvollen Umgang mit ihrem Gegenüber vergessen; vergessen oder wahrscheinlich teilweise gar nicht wissen, was es bedeutet, für andere in die Scheiße zu springen, weil man etwas verbessern und zum Guten bringen möchte.
Ein Punkt, der mich besonders nachdenklich stimmte, war diese Hasswelle, die ihr entgegenschlug. Kritik und sogar Bedrohungen wurden zu einem ständigen Begleiter ihres Engagements, was ihre psychische Gesundheit, ihre Familie, ihre Freundschaften und einfach nur den Menschen „Franzi“ stark belastete.
Das Buch ist eine eindringliche, sehr mutige, persönliche, offene und notwendige Lektüre, die aufrüttelt und verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich für Menschen stark zu machen die täglich unser Gesundheitssystem am Laufen halten. Es könnte jederzeit eine*n von uns treffen. Darüber haben all diese Trolle und die opportunistischen Politiker*innen, die wenig bis gar nix für die Verbesserung der Lage tun, außer pallabern, nicht nachgedacht.
Ich hätte wahrscheinlich eher das erste Buch (I am a nurse) lesen sollen. Dieses wurde mir hier bei Goodreads mit 4,5 angepriesen, dazu noch Spiegel Bestseller Sticker und fiel mir dann gleich zwei mal bei den Neuheiten in der Bibliothek in die Hände - die Erwartungen waren leider super hoch und da ich sehr viel lese haben mich andere Bücher leider mehr abgeholt zB: Matt Haig: Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben (Depressionen) Adam Kay: This is going to hurt oder die Wehenschreiberin von Maja Böhler (Gesundheitssystem Kritik) Feministische Stimmen: Unlearn Patriarchy, Alle Zeit, Invisible Women…
Als Pflegefachmann bietet dieses Buch interessante Einblicke in Franziskas Kopf. Ich finde es schade, dass jegliche Pflegefachpersonen mit einem Burnout enden und von Anderen nicht die Rede ist. Das Fazit, dass es so nicht mehr weitergehen kann, ist schon bekannt. Traurig, dass Menschen wie Franziska erst aufgrund des Systems zerbrechen müssen...
Ein sehr nahbares und bewegendes Buch. In dem Franzi vor allem darüber berichtet widerständige Druck und die hater Kommentare, sie nachhaltig beeinflusst und sogar psychisch krank und kaputt gemacht haben. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, immer wieder Bericht noch Freunde und Kollegen, wie sie sich verändert hat.