Welche Zukunft hat der Mensch im digitalen Universum?
Noch nie hat sich ein entscheidendes Kapitel der Menschheitsgeschichte so schnell vollzogen wie die digitale Revolution. Der renommierte Kulturjournalist Andrian Kreye hat den Aufstieg der digitalen Technologien von einer Subkultur der Programmierer, Wissenschaftler und utopischen Denker in den 1980er-Jahren zur kulturellen, sozialen und politischen Superkraft der Gegenwart genau verfolgt. Die Geschichte der digitalen Revolution beschreibt er nicht nur als Chronist eines Kulturwandels, sondern auch als Augenzeuge aus dem Blickwinkel des politischen Reporters.Ein spannendes und wichtiges Buch für das Heute an der Schwelle zu einem neuen digitalen Zeitalter.
Der Beginn war für mich ein wenig träge, entwickelte sich aber rasch in eine nicht erwartete Richtung und las sich zeitweilen wie ein Thriller. Es geht weniger um die technische, wissenschaftliche Seite des Internets und deren Entwicklung, sondern mehr über die Auswirkungen und Gefahren für die Gesellschaft der grossen Tech-Giganten und deren Schöpfungen. So werden unter anderem Wikileaks, Cambridge Analytica, soziale Medien und die Entwicklungen bei KI, wie bspw. AlphaGo, thematisiert.
Es zeigt auf, wie es den Plattformen ermöglicht wurde, sich von den Inhalten komplett aus der Verantwortung zu ziehen und sie zu mächtigen Monopolisten aufstiegen. Und obwohl das Internet viele Gutes zu bieten hat, werden über die Algorithmen vor allem Desinformation, Hass und Hetze weiterverbreitet, nochmals umso stärke in Regionen der Erde, wo nicht englisch oder deutsch gesprochen wird. So holte sich Facebook die Mobilfunklizenz in Myanmar, ermöglichte kostenlosen Zugang zur eigenen und einigen anderen ausgewählten Websites und wurde quasi zum einzigen Anbieter von Information über das Internet. Ein Umstand, der sich die Regierung zu Nutzen machte, um ihren Völkermord gegen die muslimische Minderheit der Rohingya zu befeuern und zu legitimieren. Solche Vorkommnisse sind den Plattformen bekannt, werden aber für die Maximierung von Gewinn und Reichweite ignoriert.
Dazu leben wir in einer Welt, in der sich ein Multimilliardär wie H*sohn Musk einfach eine solche Plattform kaufen kann und selbst steuern kann, dass rechtes Populistengeschwafel millionenfach gesehen wird.
Man bekommt hier gebündelt die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen der Digitalisierung der Gesellschaft, mit teilweise ein wenig verwirrenden Zeitsprüngen, um die thematische Kohärenz zu wahren. Die eigene (gute) Meinung des Autors blickt immer wieder durch und am Ende gibt es einen überraschend optimistischen Blick in die Zukunft - gerade dadurch, dass die EU eine umfassende Gesetzgebung verabschiedet hatte, welche die Entwicklung und vor allem Nutzung von KI stark reguliert und einschränkt.