Von der Geburt bis zum Was weiß die Philosophie über die Stationen unseres Lebens?
Was bedeutet es, auf die Welt zu kommen? Wir treffen Unterscheidungen und Bewertungen, noch bevor wir Begriffe bilden, sprechen und urteilen. Wir verlieben uns und begreifen, dass das Leben endlich ist. All das kann man philosophisch Entsteht da ein Subjekt? Warum braucht es einen „Sinn"? Wozu das alles? Kann man ein Leben mit all seinen Erfahrungen und Emotionen überhaupt in Worte fassen? Wenn wir uns aber nur über Ausschnitte unseres Lebens austauschen können, geraten Regeln und Zwecke ins Wanken, weil sie nur einen Teil unserer Existenz betreffen. Damit ist der Weg frei für eine Selbsterkundung, die eine größere innere Freiheit verspricht als die Jagd nach Zielen und die Suche nach Sinn.
Auch wenn ich zunächst nicht ganz wusste, wohin das ganze führen soll (es muss halt nicht alles einen Zweck haben!), hat mich das Buch eingenommen. Eine total angenehme Mischung aus philosophischen Fragen, Anekdoten und Input über das Schaffen einiger Philosoph*innen!
Im Kern schildert Hampe in "Wozu", wie die Irreführung unseres Denkens durch die Funktionsweise von Sprache sowie unsere Abrichtung auf Zwecke und Projekte durch die "Gemeinschaft der Redenden" unser Leben verarmt und es schlimmstenfalls in eine Sackgasse führen kann. Der Gang der Darstellung ist zunächst an Hampes eigener Biographie orientiert, es folgen Betrachtungen zu verschiedenen Modellen der Weltwahrnehmung und -Bewertung sowie ein Überblick über relevante Texte und Denker. Hampe selbst erhebt keinen Anspruch, einen Beitrag zu irgendeiner wissenschaftlichen Debatte zu leisten und schreibt bewusst aus einer skeptischen Haltung heraus- das heißt, er schildert lediglich seine Erlebnisse und Gedanken ohne Anspruch auf Verallgemeinerung. Insgesamt fand ich das Buch anregend, gerade auch als westlichen Blick auf vieles, was mich schon vorher beschäftigt hat (Buddhismus, Kontemplation). Allerdings habe ich die Struktur als unnötig kompliziert empfunden- kann das die Absicht des Autors sein, dass sich der Leser das, was man sagen will, derart aus den Seiten klauben muss? Das Backletter ist letztlich nur zutreffend, weil es so unglaublich vage ist. Herauszufinden, was denn nu die Titel der 3 Abschnitte "was erschien", "wie es erschien" und "wer erschien" bedeuten sollen, war für mich eine unnötig fordernde Aufgabe. Es blieb für mich auch stellenweise unklar, was er nun eigentlich positiv AUSSAGEN will, einfach weil so große Abschnitte des Textes lediglich aus Fragen bestehen. Es entsteht schon über den Zext hinweg ein zusammenhängendes Bild davon, wie Sprache und das damit einhergehende ständige Bewerten uns von der Welt und letztlich dem höchsten Gut (von Hampe oft als "Gott" bezeichnet) entzweien soll und wie die Rückführung der Aufmerksamkeit auf sich selbst einen Ausweg darstellen könnte. Hampe erhebt zwar keinen Anspruch auf Originalität der geschilderten Gedanken. Dass dieses Buch dann aber doch endet, und den Buddhismus, der im Prinzip alles worum es hier geht schon seit Ewigkeiten ausformuliert und operationalisiert hat, vielleicht 2 mal erwähnt, fand ich doch seltsam. Alles in allem: Interessant, insbesondere auf Grund der Quellen, auf die Hampe verweist. Aber unnötig kompliziert zu lesen- und wer sich für Meditation oder Kontemplation interessiert ist bei Jon Kabat Zinn oder Shunryu Suzuki besser beraten.
Eine Sammlung von Essays, die nicht miteinander zusammenhängen, außer hinsichtlich der Idee, durch ihre Fragennatur (Teil 1), Zusammenhangslosigkeit und im Thema des Zweckes (Teil 2 und 3) die Zwecklosigkeit des Philosophierens (und Lebens) zu demonstrieren bzw. zu schildern.
Gelingt das? Für mich leider weniger. Das Thema der Zwecklosigkeit wird bei Simone Weil am deutlichsten, denn sie plädiert dafür. Sonst bleibt die Idee des Buches, seine Anregung (?)– nicht (nur) stets zweckgebunden zu leben, zu denken und zu studieren – jedoch implizit und auf diese Weise vage. Ein wenig mehr Kon- und Metatext, etwas auf das zentrale Anliegen Hinweisendes, etwas Vereinheitlichendes, Zusammenführendes, hätte geholfen, um die Idee näher zu bringen; ihr eine größere, philosophiegeschichtlich unabhängige, Überzeugungskraft zu verleihen, die sie besitzt.
Kein schlechter Griff für Einsteiger in die Philosophie oder solche, die sonst nichts mit ihr zu tun haben und sich einfach mal so mit Philosophie beschäftigen wollen, denn es bringt ihnen das Kerngeschäft der Philosophie – das Fragen und den Prozess des Nachdenkens und seine Unabschließbarkeit – nahe, sowie die Tugend des skeptischen Denkens und die Philosophie als Lebensform (z.B. Wittgenstein, Beckett).
Dennoch sollte man sich nicht vom Klappentext beeindrucken lassen. "Von der Geburt bis zum Tod: Was weiß die Philosophie über die Stationen unseres Lebens?" weckte bei mir Erwartungen, die nicht erfüllt wurden: zumindest Antwortansätze, mit denen ich etwas anfangen kann, stattdessen bleiben die Fragen Fragen ("Entsteht da ein Subjekt?"). Und das, was als Antwort zählen kann (Teil 2 und 3), beantwortet Fragen, die nicht gestellt wurden. Schade!
Großartig, unbedingt lesenswert. Dem Züricher Philosophieprofessor Michael Hampe gelingt ein skeptischer Blick auf gängige wissenschaftliche Philosophie und nimmt dafür Fragen und Stationen unseres alltäglichen Lebens (autobiographische Philosophie) in den Fokus. Dies veranschaulicht M. Hampe z.B am Begriff der Aufmerksamkeit, den Grenzen unserer Sprache, einer Infragestellung der ewigen Zweckgebundenheit unseres Tuns anhand von Schriften und Ideen von Aristoteles, Simone Weils, Spinozas, Wittgensteins und Siddhartha Gautamas. Am Ende des Buches lichtet sich auch die Frage "Wozu. Eine Philosophie der Zwecklosigkeit", die eben keine Einführung in den gelebten Nihilismus ist.
Michael Hampe sagt in seinem Buch dass Texte die für uns von Bedeutung sind, die in uns etwas auslösen bzw. generell interessant erscheinen häufig Gedanken äußeren und darstellen die wir selber, in einer ähnlichen Form, bereits gedacht haben.
Ohne Ansprüche auf einen wissenschaftlichen Beitrag bzw. mit einer skeptischen Grundhaltung hinterfragt Hampe das Zweckgebundene aristotelische Denken, welches ständig auf der Suche nach 'Telos' ist. Dabei berührt er zahlreiche unterschiedliche Gebiete wie die Ontologie, die Ethik und maßgeblich die Epistemologie.
Mir hat das Buch sehr gefallen auch wenn ich mir mehr Bezug zu weiterem nicht europäischem Denken gewünscht hätte.