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Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher: Die Lüge von der Chancengleichheit

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Als Ciani-Sophia Hoeder 14 Jahre alt war, ging sie mit ihrer Mutter das erste Mal zur Berliner Tafel. Sie erzählte niemandem davon, schämte sich, dass ihre Familie arm war – denn Armut ist ein Schimpfwort, ein Symbol des persönlichen Versagens. Dass es sich in Wahrheit um ein strukturelles Problem handelt und sozialer Aufstieg in Deutschland längst nicht so leicht möglich ist, wie gern suggeriert wird, wurde ihr erst später klar.
Ciani-Sophia Hoeder beleuchtet die Schnittstellen von Geld, Scham und Macht und zeigt, wie Klasse sich mit anderen Diskriminierungsformen vermischt. Sie spricht mit armen und reichen Menschen und macht deutlich, wie fehlende Chancengleichheit dieses Land prägt – und wie wir das ändern können.

257 pages, Kindle Edition

Published May 13, 2024

26 people are currently reading
784 people want to read

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Ciani-Sophia Hoeder

4 books6 followers

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Community Reviews

5 stars
88 (40%)
4 stars
92 (42%)
3 stars
32 (14%)
2 stars
3 (1%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 23 of 23 reviews
Profile Image for Elena.
1,033 reviews414 followers
June 9, 2024
Du musst dich in der Schule nur anstrengen, um beruflich erfolgreich zu sein, ohne Fleiß kein Preis, jede*r ist ihres*seines Glückes Schmied - oder? Dass diese Floskeln - obwohl dies gerne suggeriert wird - nicht auf alle Menschen zutreffen und wie groß die Rolle ist, die soziale Herkunft, Gender und Race bei der Klassenzugehörigkeit und sozialem Aufstieg spielen, arbeitet Ciani-Sophia Hoeder in ihrem neuen Sachbuch "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher: Die Lüge von der Chancengleichheit" eindrucksvoll heraus. In prägnanter und für alle leicht zugänglicher Sprache erzählt sie von eigenen Erfahrungen mit Armut und ihrem schulischen sowie beruflichen Werdegang, spricht mit reichen und armen Menschen, Expert*innen und Aktivist*innen. Sie plädiert dafür, sich der eigenen Klassenzugehörigkeit bewusst zu werden, die allgemeine Klassenblindheit zu überwinden, da nur so eine Veränderung in der Gesellschaft vonstatten gehen kann. Ciani-Sophia Hoeder verdeutlicht, wie schwer es tatsächlich ist, in Deutschland aufzusteigen - für mich sehr, sehr lesens- und empfehlenswert. Ein Buch, das uns alle anspricht, zum Nachdenken anregt und dazu motiviert, sich intensiver mit verschiedenen Diskriminierungsformen und deren struktureller Verzahnung auseinander zu setzen.
Profile Image for Clarissa.
695 reviews20 followers
January 13, 2025
Wichtigste Erkenntnis: wir sollten uns Klassen-Blindheit nicht mehr durchgehen lassen. Bewusstsein und Reflexion sind auch in diesem Bereich wichtig.
Auch die Mobilität zwischen unterschiedlichen Klassen fand ich interessant, genauso wie die Ausflüge zum Thema dating und Klasse.
Für Leute, die sich mehr mit sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen, ist aber nicht allzu viel Neues dabei.
Profile Image for Astrid.
347 reviews18 followers
May 26, 2024
Für mich ein wirklich wichtiges Buch, das mir viele Dinge erst klargemacht hat, die ich vorher nur "gefühlt" habe oder dachte, dass nur ich sie so empfinde. Da ich selber Eltern habe, die beide zur Arbeiterklasse gehören, habe ich mich oft wiedererkannt. Und auch, wenn ich nicht mit allem übereinstimme, was die Autorin beschreibt, ist das ein Buch, das ich jedem empfehlen würde, zu lesen. Ich habe eine Menge Sätze markiert, die ich mir jetzt noch einmal in Ruhe durchlesen muss.
Profile Image for ~•verena•~.
481 reviews8 followers
January 12, 2025
3.75 ⭐
Als ich 14 Jahre alt war, ging ich mit meiner Mama das erste Mal zur Berliner Tafel...

- Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher: Die Lüge von der Chancengleichheit, S. 1


Als jemand, der schon viel zum Thema Klassismus gelesen hat, waren nicht so viele neue Erkenntnisse für mich dabei. Das Buch eignet sich deshalb gut als Einstieg, für Menschen, die mit dem Thema noch nicht viel in Berührung gekommen sind.

Es wird zB aufgezeigt wie wie Bildung die Chancengleichheit genau gar nicht verbessert, sondern eher noch verstärkt.
... Es lässt die Elite die Elite bleiben. Keiner stellt das infrage, weil wir denken, dass wir ja grundsätzlich alle dieselben Chancen haben. Der eine gewinnt, der andere verliert halt.

- Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher, 32,50%

Weitere Themen sind Armut, Dating, soziale Mobilität, Ernährung, diverse philosophische Ansätze, Grundeinkommen, der Mythos des Individualismus.
Alles mögliche wird angesprochen, aber nichts so richtig vertieft, da jedem Thema ein Essay gewidmet ist. Weshalb mich das Buch (vor allem in der ersten Hälfte) teilweise etwas gelangweilt hat.
Auch wenn einige der autobiografischen Passagen interessant sind, sind für meinen Geschmack zu viele Anekdoten enthalten, die zwar soziale Mobilität nachvollziehbar veranschaulicht, aber das Buch zu sehr in die Länge ziehen
... Wir glauben so tief an das Konzept Arbeit, dass wir Tätigkeiten durchführen, auch wenn das Ergebnis wertlos ist. Jahrhunderte des religiösen und moralischen Denkens haben dazu geführt, dass wir Arbeit mit Tugend in Verbindung bringen. Das ist auf die Puritaner:innen des 16. Jahrhunderts zurückzuführen, die Arbeit als Strafe und Erlösung zugleich sahen. Ich arbeite, also bin ich. Wer nicht arbeitet, ist nichts...

- Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher, 80%


Was ich aus diesem Buch mitnehme: wir können uns den Luxus nicht leisten, NICHT über Geld zu reden.
Sowie dieses Zitat:

... Reichsein bedeutet, der Beste im Ausbeuten zu sein...

- Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher, 87%
Profile Image for Aniya.
338 reviews36 followers
October 26, 2024
Noch ein Buch über Klasse von einer Aufsteigerin. Sicher nicht schlecht, aber stark von Anekdoten geprägt.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
205 reviews34 followers
May 17, 2025
Ciani-Sophia Hoeder ist als Schwarze Tochter einer alleinerziehenden Mutter in Armut aufgewachsen. Und hat erst als Erwachsene gemerkt, dass sie sich nicht dafür schämen muss. Dass es um ein strukturelles Problem geht, welches als individuelles Versagen gekleidet daherkommt. „Wir leben in einer Klassengesellschaft. Das bedeutet, die soziale Herkunft definiert den Verlauf eines Lebens. Nicht die Intelligenz, auch nicht der Fleiß oder die Sorgfalt, und es ist auch keine Frage der Motivation.“ Klassenzugehörigkeit ist ein Thema mit einer langen, bewegten Geschichte in Deutschland. Doch warum sind wir so klassenunbewusst geworden? So fest verankert in dieser Leistungsgesellschaft? Die Journalistin Hoeder möchte mit ihrem zweiten Buch Menschen ansprechen, die keine Klassen sehen.

Dafür hat sie mit vielen unterschiedlichen Personen gesprochen. Zum Beispiel mit Marlene Engelhorn, die 90 Prozent ihres ererbten Vermögens spenden will und zu den ganz wenigen ihrer Klasse zählt, die sich nicht abschotten, sondern offen sprechen wollen über Klassenzugehörigkeit. Hoeder besucht Die Tafel e.V., interviewt Klassenübergänger*innen und Menschen, die für Testphasen ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten haben. Sie erzählt sehr persönlich von Rassismus- und Benachteiligungserfahrungen, von kultureller Mobilität und der allgegenwärtigen Blindheit gegenüber Klassensozialisierung.

Die Kapitel widmen sich u. a. unserem Datingverhalten, das im Grunde durch Geld und klassistische Sozialisierung bestimmt wird, dem Klassenunbewusstsein in unserem Ernährungsverhalten und von unserem Bildungssystem, das soziale Ungerechtigkeiten und Klassenprivilegien nicht abbaut, sondern diese wiederholt: „Eine vermeintliche externe Institution, die ihnen (den Klassen, die nicht durch das System benachteiligt werden, Anm.) die Erlaubnis gibt zu walten, zu richten, zu informieren, zu regieren, zu führen.“

Klassismus muss immer mitgedacht werden, ohne diese Tatsache sind feministische und antirassistische Bestrebungen nicht viel wert, das vermittelt Ciani-Sophia Hoeder eindrücklich.
Profile Image for PiaReads.
345 reviews8 followers
March 10, 2025
Ciani-Sophia Hoeder liefert mit ihrem zweiten Buch eine fundierte und gut lesbare Auseinandersetzung mit Klassismus in Deutschland. Sie verbindet persönliche Erlebnisse mit wissenschaftlichen Analysen und verschiedenen Perspektiven, was das Buch zugänglich und informativ macht. Besonders hervorzuheben ist, dass es nicht in abstrakten Theorien verharrt, sondern konkrete gesellschaftliche Missstände aufzeigt und zur Reflexion anregt.

Trotz dieser Stärken fehlte mir jedoch auch diesmal etwas, das den Text nachhaltiger und einprägsamer gemacht hätte. Obwohl das Thema hochrelevant ist und die Analyse gut gelungen ist, bleibt das Buch für mich nicht so stark im Gedächtnis, wie es könnte. Dennoch ist es eine klare Empfehlung für alle, die sich mit sozialer Ungleichheit und ihren strukturellen Ursachen beschäftigen möchten – denn Hoeder zeigt eindrücklich, dass Armut kein individuelles Versagen ist, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.
Profile Image for Martje.
47 reviews
March 7, 2025
Das Buch bietet einen leicht verständlichen Überblick über Klassen und Klassenbewusstsein. Welche Auswirkungen haben die Sozialisierungen in einer Klassengesellschaft, was ist Teil der Persönlichkeit und was ist auf meine Klasse zurückzuführen? Besonders spannend fand ich die Perspektive des Datings, Menschen aus einer Klasse verlieben sich meistens in Menschen mit der gleichen Klasse, das nimmt immer mehr zu, sodass nur 20% außerhalb ihrer Klasse daten. Unser Geschmack ist davon geprägt, wie wir aufgewachsen sind, was wir als Kinder konsumiert haben und beeinflusst eben unsere Beziehungen.
Profile Image for Till Eckert.
54 reviews
April 28, 2024
Dieses eindrückliche Buch ist eine Brandrede gegen unbewussten Elitismus und ein Appell an alle, die sich in „der Mittelschicht“ wähnen, klassenbewusster durchs Leben zu gehen. Das würde unsere Gesellschaft gerechter und besser machen (und als netten nebeneffekt zum beispiel unser Liebesleben ehrlicher und spannender). Ein wichtiger Beitrag, und nebenher sehr leicht zu lesen.
Profile Image for Simon Kleinert.
34 reviews
December 20, 2024
Ciani-Sophia Hoeder bringt vieles auf den Punkt, was mir nur vage bewusst war und was ich kaum hätte ausformulieren können. Darüber hinaus gab es einige Stellen, die mir die Augen geöffnet haben über meine eigene Vergangenheit und Gegenwart. Ich bin überzeugt, dass Hoeders Text in vielen Menschen ein Klassenbewusstsein wecken würde, ohne sich auf die unteren Klassen zu beschränken.
Auch wenn manche Passagen teils widersprüchlich waren oder Hoeders Argumente nicht immer stringent ausgeführt wurden, konnte ich viele Denkanstöße mitnehmen. Zufälligerweise kam ich erst gestern mit einem Arbeitskollegen auf das Thema gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten zu sprechen und ich war überrascht, wie viele Aspekte dieses Buches ich in die Debatte einbringen konnte.
Für mich ein wichtiger Einführungstext in das Thema Klassengesellschaft, der wachrüttelt ohne zu überfordern und auch nicht mit endlosen Verirrungen in sozialistische Theorien protzt. Dennoch wird eine deutliche antikapitalistische Haltung gezeigt. Klare Empfehlung!
3 reviews
November 9, 2024
Das Buch regt zum Nachdenken über Chancengleichheit in unserer Gesellschaft an. Es zeigt, welche Herausforderungen das gesamte Bildungssystem und die sozialen Strukturen mit sich bringen. Es ist ein wichtiger Beitrag zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Bildungspolitik. Die Autorin verbindet individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlicher Kritik und beleuchtet die Grenzen des sozialen Aufstiegs in Deutschland.
Das Buch richtet sich an alle, die verstehen wollen, warum der soziale Aufstieg oft schwieriger ist, als es scheint, und wie stark die soziale Herkunft auch heute noch unsere Möglichkeiten prägt.
Profile Image for Vera.
92 reviews16 followers
December 20, 2024
Ich lese Ciani-Sophia Hoeders Bücher gerne, weil sie mich zum nachdenken und hinterfragen bringen, ohne dabei anspruchsvoll zu sein. Ich muss nicht darüber nachdenken was sie sagt, sonden WAS sie sagt. Das ist für mich guter Journalismus und das hat auch dieses Buch geliefert - neben den vielen Auas und oh neins, gibt es einem neue Perspektive auf Klasse, Wohlstand und Egoismus!

"Dabei ist Gerechtigkeit kein linearer Prozess. Veränderung ist kein Zufall. Sie erfordert viel Arbeit."
Profile Image for Steffi.
15 reviews
December 29, 2024
Ich bin großer Fan von Hoerder und habe sie schon als Speakerin und Workshopleiterin erleben dürfen. Das Thema des Buchen halte ich für eines der relevantesten in unserem gemeinsamen Kampf für ein besseres Leben. Das Buch selbst aber wirkte auf mich wie einzelne Gedanken loser Post-its, die keinen gemeinsamen roten Faden ergeben haben. Einige knappe, wichtige Gedanken haben durch viel zu lange Herleitungen ihre Bedeutung verloren und durch die Sprünge und Wiederholungen fand ich es persönlich sehr anstrengend dem Text in voller Aufmerksamkeit zu folgen.
Profile Image for Phteven Phtiz.
53 reviews
February 3, 2025
Eine Pflichtlektüre für jede Lehrperson! Viele Erfahrungen aus der Lebenswelt der Autorin, verpackt mit ordentlichen Quellen, die sich lohnen, weiter zu verfolgen. Es verleitet dazu, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, an die man zuvor gar nicht gedacht hat: Ist Rucola ein Klassen-Privileg? Uber Eats? Ich habe nun definitiv einen anderen Blick auf die Gesellschaft.
Profile Image for Lara.
599 reviews37 followers
June 14, 2025
Sehr gutes Buch zum Thema. Es gab auch kleinere Dinge, die mich gestört haben, aber insgesamt sehr gut und anregend zur Reflektion. Vor allem die Kapitel zu Dating und zur Ausklammerung von Klassismus beim Betrachten anderer Diskriminierungsformen waren sehr interessant.

Habe beim Bewerten des Buches bemerkt, dass ich Tags/Regale für Femismus, Antirassismus etc. habe, aber nicht für Klassismus. Erstmal viele Aussagen des Buches direkt an mir selber bestätigt gesehen.
Profile Image for Svea.
34 reviews
August 14, 2025
eröffnet neue Perspektiven aus soziale Gerechtigkeit und ermöglicht den Blick über den Tellerrand hinaus!
Profile Image for Tutankhamun18.
1,407 reviews28 followers
July 30, 2024
Der feine Unterschied zwischen Daydrinking und Alkoholismus, zwischen Sabbatical und Arbeitslosigkeit, zwischen Sammeln und Horten, zwischen Strategisch und Hinterlistig ist Klasse.

In diesem Buch wird Klassismus in Deutschland angesprochen. Das Unsichtbar, definierende Ding in unserer Gesellschaft. Die Autorin unterteilt “in fünf Klassen; die prekäre Klasse, die klassische Mitte, die aktuelle Mitte, wohlständige Klasse und die Überwohlständigen.” Dann geht sie durch verschiedene Themen wie Dating, Essen, Care Arbeit, Erben, Spenden und Bildung und untersucht was diese über Klasse aussagen und beeinflusst werden.

Ich fand den Schreibstil eine leserliche und unterhaltsame Mischung aus Fakten mit guten Quellen, persönlichen Anekdoten und Unterhaltungen mit anderen Menschen und das hervorheben von ihren Lebensumständen. Zwar habe ich nicht unheimlich viel neues dazu gelernt, aber alles war sehr gut dargestellt und erklärt und einige Zitate gaben mir sehr viel Gedankenstoff. Empfelenswert!

Zitate:

“Zwar haben wir uns von dem Gedanken gelöst, dass es »natürlich« sei, manche Menschen zu versklaven, doch heute gibt es eine andere Argumen-tationsweise, die es uns erlaubt, die Tätigkeit der einen Person
als weniger wert zu betrachten als die der anderen, und zwar: die Produktivität.”

“Seit Jahrzehnten wächst die Wirtschaft im globalen Norden nur noch langsam und die Bevölkerung noch weniger. Sie wird Seit Jahrzehnten wächst die Wirtschaft im globalen Norden sogar kleiner. Dadurch steigt das Privatvermögen wesentlich nur noch langsam und die Bevölkerung noch weniger. Sie wird sogar kleiner. Dadurch steigt das Privatvermögen wesentlich stärker als die Löhne und Einkommen, weil es weniger Kinder in der Familie gibt und sich dadurch das Geld auf weniger Personen verteilt. Es konzentriert sich. Das bedeutet, dass ein groBer Teil des Wohlstands in Deutschland nicht nach Leistung verteilt wird, sondern nach der Abstammung. Reich wird, wer reich ist.”

“Beide Kinder haben dieselben Chancen, aber unterschiedliche Lebensbedingungen, die darüber bestimmen, ob sie diese Möglichkeiten überhaupt nutzen können.”

“Die Idee des Aufstiegs durch Bildung entstand erst Ende des
19. Jahrhunderts. » Sie ist also vielleicht 130, 140 Jahre alt«, sagt der Bildungsforscher Heinz-Elmar Tenorth. »Erst seit dieser Zeit kann man sich in der deutschen Nation, aber auch in den westlichen Gesellschaften insgesamt vorstellen, dass es die Chance gibt, die Herkunftsschicht zu verlassen und über Bil-dungs- und Lernprozesse in andere Lebenswelten, Berufsper-spektiven, Handlungsmöglichkeiten, aufzusteigen als die, die man vom Elternhaus her kannte.«”

“Liebe ist ein Gefühl. Meine unabhängige Entscheidung.
Glauben wir. Sozialisierung ist ein komplexer Prozess, der sich im Unterbewusstsein so tief eingräbt, dass es schwer ist zu defi-nieren, ob ich etwas mag, weil ich es wirklich mag oder weil ich es gelernt habe zu mögen. Ein schleichender und nachhaltiger Prozess, der auch bestimmt, wen ich küssen möchte oder mit wem ich schlafe.”

“Über Geschmäcker lässt sich bis zu einem gewissen Grad tatsächlich streiten. Sie bilden die Schnittmenge zwischen gesellschaftlich normierten Vorstellungen, was eine gute Bezie-hungsperson ausmacht, und den individuellen Bedürfnissen und Wunschvorstellungen im Hinblick auf romantische Bezie-hungen. Letzteres basiert auf Erfahrungen und ist auch ein Ausdruck unserer Klassenidentität. Meine soziale Herkunft trägt dazu bei, ob ich den Holzfäller-Typen sexy finde oder die nicht-binäre Person mit den Piercings. Nicht nur die Klasse, in der ich aktuell stecke, sondern auch die, in der ich aufgewachsen bin, spielt eine Rolle.”

“»Erst wenn Frauen wirklich genauso viel verdienen wie Männer, spielt es für mich keine Rolle mehr, wie viel mein Partner verdient«, erklärte eine Bekannte, als ich sie fragte, was sie von gleichberechtigtem Dating hält. »Am Ende des Tages ist die gesellschaftliche Infrastruktur in Deutschland weiterhin so, dass die Frau die meiste Care-Arbeit übernimmt. Wenn du dann mit jemandem zusammen bist, der wenig Geld verdient, stellt sich die Frage, wie ihr euch und eure Kinder versorgen könnt?
Wenn wir wirklich gleichberechtigt wären, dann würde ich auch gleichberechtigt daten.«”

“Früher heirateten wir zur Kapitalübertragung, heute um gemeinsam zu konsumieren.
Wir suchen keinen soulmate, wir suchen einen shopping und lifestyle buddy. Die meisten Menschen möchten, dass Geld keine Rolle spielt, deshalb vermeiden sie es, indem sie mit einem Menschen ausgehen, der ähnlich viel verdient.”

“Klassismus verstärkt letztlich Sexismus… Elitefeminismus ist keine Lösung. Es verschiebt das Pro-blem. Das nun auf den Schultern der prekären Klasse sitzt, der Migrant:innen, Schwarzen Menschen - Personen, deren Schicksal sie einst teilten.”

“Vielleicht kann Julian besser mit Geld umgehen als Jannis, Döner essen und Käse kaufen, klingt jetzt nicht so, als hätte et das Bedingungslose besonders sinnvoll genutzt. Doch Armut sorgt dafür, dass wir schlechtere Entscheidungen treffen. In-vestment- oder Zukunftspläne, strategisches Denken, all das muss man sich leisten können, zeitlich, aber auch gedanklich.”

“Der Mythos des Individualismus trägt zum Klassenunbe-wusstsein bei. Wir sehen nicht die Struktur. Nur den Einzelnen.
Dieser Tunnelblick wird durch unsere Liebe zu Held:innen-geschichten verstärkt.”
Profile Image for Fabian Z.
59 reviews
December 1, 2025
Ein fantastisches Buch über soziale Ungerechtigkeit in Deutschland und das Nicht-Reden über Klassenunterschiede, die aber allgegenwärtig sind.

Die Autorin schafft es anhand selbst durchlebter Beispiele und Interviews Klassenunterschiede und deren Folgen auf verschiedensten sozioökonomischen Ebenen aufzuzeigen. Somit stellt sie nicht nur dar, dass es diese Unterschiede nach wie vor gibt (, die durch steigende Lebenshaltungskosten und einer wachsenden Schere zwischen Arm und Reich nur noch stärker werden können), sondern eben auch, dass sich das auf Bereiche auswirkt, die man auf Anhieb gar nicht vermuten würde: z.B. Liebe und Beziehungen, Verhalten anderen gegenüber (unterbewusst oftmals) sowie Kommunikationsproblemen.

Ein genauso sehr lehrreiches wie wichtiges Buch, das wie eine Lupe auf die perpetuierten Klassenunterschiede gelegt wird und erklärt, warum der Traum vom sozialen Aufstieg in Wahrheit eher eine Illusion mit wenigen Ausnahmen ist.

Ich empfehle dieses Buch tatsächlich hauptsächlich jenen, die wie ich aufgewachsen sind ohne die meisten dieser Probleme und Folgen nie gekannt zu haben. Sehr wenige haben ein Interesse daran ein System zu verbessern, das sie ohne Verbesserungen auf die Seite der Bevorzugten stellt. Aber gleichwohl kann es nur so wahre Veränderungen geben, die an der Chancengleichheit arbeiten.

Sehr lehrreich, 4/5 Sternen.
1 review
November 15, 2025
Ich wollte das Buch wirklich mögen und hab mich sehr darauf gefreut es zu lesen, wurde aber leider enttäuscht. An vielen Stellen hätte ich mir eine genauere Darstellung ihrer Gedanken gewünscht und generell wird in diesem Buch komplett auf Fußnoten verzichtet. Das macht es schwer ihre Quellen nachzuvollziehen. Beispielsweise als sie beschreibt, dass es im Schnitt 6 Generationen dauere aus der Armut in den Mittelstand zu ziehen.
Solche Punkte werden andauernd in den Raum gestellt ohne näher erläutert zu werden.

Des Weiteren ist das Buch mit Falschinformationen und Wiedersprüchen gespickt. Auf Seite 132 ist Beispielsweise von einer Weltbevölkerung von 7753 Milliarden Menschen die Rede. Das würde nicht mal dann stimmen, wenn sie alle Menschen meint die JEMALS gelebt haben…

Neben zahlreichen Rechtschreibfehler und inkonsequentem Gendern gibt es auch unaussagekräftige Ministudien mit 32 Teilnehmern und ein Interview mit der Bahlsen Erbin Verena Bahlsen die auf ca. 10 Seiten die Möglichkeit bekommt sich als besseren Menschen darzustellen weil sie außerhalb ihrer Klasse datet.
Der Abschnitt ist unfassbar unangenehm und es wirkt wahnsinnig gekünstelt wie Verena sich dazu herabgelassen hat einen armen Mann zu daten.
Ciani-Sophia Hoeder hätte auch mit Verena über ihr Vermögen sprechen können und warum sie das Gefühl hat, dass dieser Reichtum ihr zusteht, hat sie aber nicht. Stattdessen hat Millionärin eine Bühne bekommen auf der sie sich als Wohltäterin darstellen kann ohne irgendwas dafür zu tun.
Auch wäre es interessanter gewesen die ganze Geschichte aus Max Sicht zu hören (Verenas Partner).

Zusammenfassend liest sich dieses Buch wie eine schnell zusammengestellte Hausarbeit, die die eigene Meinung porträtiert und im Endeffekt nicht einmal Korrektur gelesen wurde.

Einen Stern für das Cover…
Profile Image for LM.
566 reviews2 followers
December 10, 2025
So ganz konnte mich Vom Tellerwäscher zu Tellerwäscher nicht abholen, weshalb es „nur“ drei Sterne geworden sind. Insgesamt ist das Buch eher grundlegend und hatte für mich zu wenig Tiefe. Es wird an mehreren Stellen das Buch Klassismus von Kemper und Weinbach zitiert, was ich auch auszugsweise gelesen habe und meiner Meinung nach eine bessere und systematischere Einführung in das Thema bietet.

Wie auch in anderen Bewertungen beschrieben, fehlte mir in diesem Buch der rote Faden; es gibt zu viele aneinandergereihte Anekdoten und popkulturelle Referenzen. Generell am interessantesten fand ich die Thematik der Erziehungsstile und die Entstehungsgeschichte der Tafel. Zum Ende hin hat mich das Buch dann immer mehr verloren. Besonders den Teil über die „Ernährungsmoralisten“ fand ich etwas komisch. Hier gibt es weit hergeholtes Veganer*innen-Bashing und ich weiß auch nicht wirklich, warum es klassistisch ist, Zucker als etwas Schlechtes darzustellen, was er eben ist. Auch die Kritik an „woke“ war mir zu polemisch, weil ich gleichzeitig auch fand, dass Themen wie Behinderung oder Intersektionalität kaum angesprochen wurden.
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