Im Venedig der Renaissance ergründeten Meister wie Bellini, Giorgione, Palma Vecchio und Tizian das Wesen von Mensch und Natur sowie deren Verhältnis zueinander mit nie dagewesener Intensität. Anhand bedeutender Porträt- und Landschaftsdarstellungen zeigt der attraktive Band die bahnbrechenden Neuerungen der venezianischen Malerei, die bis weit in die Moderne wirkten.
Die Malerei der Lagunenstadt besticht nicht nur durch die Fülle der Farben und Nuancen des Lichts, sondern auch durch das besondere Einfühlungsvermögen, mit dem sich die Künstler ihren Darstellungen widmeten. Es entstanden feinsinnige Porträts, verführerische Idealbildnisse und Historienbilder, deren eigentliche Protagonistin die stimmungsvolle Landschaft ist. Eindrücklich befragt das Buch diese Meisterwerke hinsichtlich ihrer hohen Innovationskraft, ihrer Entstehungszusammenhänge und zeitgenössischen Lesarten.
Ist der Kunstliebhaber von einer Ausstellung begeistert, kauft er sich den Ausstellungskatalog, der dann in den Bücherschank wandert und dort verstaubt. Häufig leider bei mir. Bei diesem Kunstband verhält es sich anders. Ich konnte die Ausstellung „Venezia 500 rewind“ in der Münchner Alten Pinakothek nicht besuchen und habe mir als Trostpflaster den Katalog besorgt. Es war kein Fehler. Die Artikel haben mein Verständnis und meine Bewunderung der Kunstwerke, die in der frühen Renaissance in – also die Zeit vor Tizian - Venedig entstanden sind, maßgeblich vergrößert. Insbesondere die Porträts haben es mir angetan. Hervorheben möchte ich hier nur das erst kürzlich entschlüsselte
Giorgione, Bildnis des Giovanni Borgherini und des Trifone Gabriele, 1509/10
und eine Protagonistin der idealisierten „belle donne“