Eine junge Frau und vier junge Männer aus dem krisengeschüttelten Afghanistan berichten von ihren Erfahrungen auf der Flucht nach Europa: welche Gefahren sie durchlebt haben, welche Entscheidungen sie treffen mussten – und warum sie nie umgekehrt sind.
Sie erzählen auch aus ihrem Leben in der Heimat: ihrer Zwangsheirat, den Gewalttaten der Taliban. Und wie es ist, selbst Teil einer Schlepper-Familie zu sein und auf der Flucht der Gegenseite dieses Geschäfts zu begegnen.
Neben persönlichen Erlebnisberichten ordnen informative Texte und Grafiken das Geschehen ein und vermitteln zusätzliches Wissen. Wie organisiert man seine Flucht? Wie funktionieren Schlepper-Systeme? Warum verändern sich Fluchtrouten? Und was erwartet die Flüchtenden in Europa?
Ein bildstarker, spannender Sach-Comic auf Basis von Interviews, der neue Perspektiven aufzeigt und umfassend über ein aktuelles Thema informiert.
In meinem beruflichen Kontext habe ich viel Kontakt zu geflüchteten Menschen. Mich hat immer ihre Geschichte interessiert, und in persönlichen Gesprächen habe ich viele Fragen gestellt und stets ausführlicher Antworten erhalten. Lediglich die Sprachbarriere verhinderte oft, dass mir die Details einer Flucht zugänglicher wurden. Diese Graphic Novel hat es geschafft, Hintergründe zu erleuchten. Ich kann jetzt schon sagen, dass dieses Buch von jedem gelesen werden sollte.
Patrick Oberholzer hat mit geflüchteten Menschen gesprochen und sie gebeten, ihre Erfahrungen zu teilen. Fünf hat er exemplarisch dafür in dieser Graphic Novel abgebildet. Hamid, Nima, Ziya, Muhammed, und Afsaneh haben es geschafft unter schwierigsten Bedingungen Europa zu erreichen. Ausgangspunkt war immer Afghanistan. Manche waren Jahre unterwegs. Es mischen sich die persönlichen Erfahrungen mit Hintergrundinformationen, deren Quellen im Anhang angegeben sind.
Es wird deutlich, dass eine Flucht, die Ihnen Geld, Gesundheit und Menschenwürde geraubt hat trotzdem immer und immer wieder angestrebt wird, weil die Lebensbedingungen im eigenen Land eigentlich nicht so genannt werden dürften. Das taten sie oft mit wenig Geld ohne Handy und ohne Angehörige. Die Grausamkeit wenn Ihnen auch Ihr letztes Hab und Gut, ein kleiner Rucksack oder eine Bauchtasche geraubt wird, ist kaum zu ertragen. Doch hier geht es eben um viel mehr, hier geht es ums Überleben. Zwischendurch werden in ansprechenden grafischen Darstellungen und kurzen Texten die Rahmenbedingungen und die meist kriminelle Struktur einer Flucht dargestellt. Ich hab so viel gelernt, obwohl ich wirklich oft in Kontakt mit Personen bin die ähnliches erlebt haben. So einfach ist es eben nicht, wie es sich oft darstellt. In der Heimat der Geflüchteten oder den Transitländern hat sich eine ganze Industrie aufgebaut, die von dem Überlebenswillen der Menschen genährt wird, die ein besseres Leben anstreben. Aber auch die Strukturen der asylgebenden Ländern, die politischen Ansprüche, die Grenzsicherung inklusive Pushbacks und all das Andere was mit der Flucht zusammen hängt, wird deutlich.
Es fällt mir schwer, mich in die Protagonisten hineinzufühlen, die mehrfach zur Ausgangsposition zurück gebracht wurden und es trotz der großen Gefahr, der Schmerzen und der Todesangst es immer wieder versuchen. Teilweise sind sie minderjährig, die weibliche Person ist schwanger, sie sind krank und verletzt und einsam. Aber aus meiner privilegierten und verwöhnten Position heraus ist es auch anmaßend zu glauben man könnte sich vorstellen, wie das wäre.
Die Texte sind leicht zugänglich und durch die ansprechenden Grafiken gut verständlich. Im Anhang werden wir sogar noch mitgenommen in den Entstehungsprozess dieses Buchs. Patrick Oberholzer hat ganze Arbeit geleistet und ein sensibles und informatives Werk geschaffen, das nicht nur in die Hände junger Erwachsener gehört, sondern auch Menschen im fortgeschrittenen Alter aufklärt und bei uns Allen vielleicht noch ein bisschen mehr Nächstenliebe und Verständnis auslöst. Mit Erleichterung habe ich gelesen, dass den fünf Protagonisten auch geholfen wurde, teils organisiert, teils aber auch spontan aus Mitgefühl heraus. Mitzuerleben wie die Geflüchteten ihr Ziel erreicht haben, hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt. Riesengroße Leseempfehlung und meinem Empfinden nach das ideale Weihnachtsgeschenk für Menschen ab 14 Jahren.
Im Deutschlandfunk habe ich von diesem Buch gehört. Ich war erst skeptisch, ob eine Graphic Novel tatsächlich das geeignete Format für dieses sensible Thema ist. Aber meine Bedenken waren unbegründet.
Es ist ein ganz ergreifendes Buch entstanden. Fünf Menschen aus Afghanistan beschreiben ihren Weg aus der Heimat in die Schweiz. Unterbrochen werden die Erzählungen von wichtigen Informationen über die jeweiligen Umstände, sowie historische Hintergründe.
Ein ganz wichtiges Buch, das von vielen Menschen gelesen werden sollte!
Games hat mich sehr berührt und ich hatte beim Lesen immer wieder Tränen in den Augen. In der Graphic Novel werden 5 Fluchtgeschichten von Afghanistan in die Schweiz erzählt. Sie sind zeichnerisch so gut dargestellt, dass man sich sehr gut in die Erfahrungen hineinversetzen kann. Jedes Kapitel ist ergänzt mit grafisch aufbereiteten Statistiken und prägnanten Texten, welche die Erzählungen einbetten. Eine perfekte Kombination aus Emotionalität und Sachlichkeit, mit der das Thema sehr gut vermittelt wird. Die Erzählungen treffen ins Herz und gleichzeitig versteht man die systemische Ebene noch besser. Grosse Empfehlung.
In GAMES von Patrick Oberholzer geht es um Flucht aus Afghanistan und ihre Hintergründe. Zum einen werden fünf sehr persönliche Fluchtgeschichten erzählt, die auf Interviews mit Geflüchteten beruhen. Zum anderen wird in Infokästen und auf ganzen Infoseiten viel Wissenswertes über Afghanistan und Flucht nach Europa vermittelt.
So geht es etwa um die Geschichte Afghanistans seit dem 20. Jahrhundert, die Eingriffe von Briten, Sowjetunion und USA und dessen Folgen sowie die Erstarkung der Taliban seit den 1990ern, die 2021 die Kontrolle im Land übernahmen. Über 7 Millionen Afghan/innen leben allein im Iran und in Pakistan im Exil. Nur ein geringer Teil der Menschen kann sich eine Flucht nach Europa leisten, denn diese kostet im Schnitt 4.000-6.000$. Das BIP in Afghanistan pro Person und pro Jahr beträgt jedoch gerade einmal 500$ (zum Vergleich: in Deutschland waren es 2022 fast 50.000$. Müssten wir das zehnfache davon für eine Flucht ausgeben, lägen die Kosten für eine Flucht pro Person also bei einer halben Million – dies könnten sich entsprechend auch nur die wenigsten leisten). Seit 2015 haben sich die Gegebenheit der Flucht jedoch massiv verändert, auch davon erzählt die Graphic Novel.
Die fünf Fluchtgeschichten, die hier dargestellt werden, sind absolut bewegend. Alle fünf Figuren erleben Gewalt und Unrecht, die wütend machen. Sie bringen aber auch sehr verschiedene Perspektiven mit, so ist einer der Flüchtenden etwa selbst in einer Schlepperfamilie aufgewachsen. Die Geschichte von Afsaneh sticht besonders heraus, denn sie ist eine der wenigen Frauen, die die Flucht selbst antreten – für Frauen und Mädchen eine unheimlich gefährliche Situation, da sie als Flüchtende massiv der Gefahr von Zwangsprostitution, Vergewaltigung und Menschenhandel ausgesetzt sind. Doch auch in Afghanistan leben sie völlig eingeschränkt, werden als Minderjährige zwangsverheiratet, dürfen nicht in die Schule gehen, dürfen nicht allein das Haus verlassen, müssen sich voll verschleiern usw. Ich liebe Afsanehs Geschichte, bin mir aber sicher, dass es sich dabei um eine Seltenheit handelt.
Die Gestaltung der Graphic Novel toppt für mich alles bisher Gesehene. Die Zeichnungen sind wunderschön und die Farbgestaltung ist total atmosphärisch. Viele Bilder sind in dunklem Blau gehalten, was die ganze (emotionale) Kälte dieser Flucht rüberbringt. In den Gefahrensituationen mit Taliban und gewaltbereiten Grenzsoldaten, die auf ‚Push-Backs‘ aus sind, ist alles in rot gehalten. Es gibt aber auch Szenen in hellen Grün- und Gelbtönen, die positive Erinnerungen an die Heimat oder auch ein letztlich erfolgreiches Ankommen in Europa markieren. Das Zusammenspiel von Geschichten und Informationen ist auch gestalterisch perfekt umgesetzt.
Am Ende gibt es ein Verzeichnis von über 50 Quellen, was zeigt, wie viel Recherchearbeit hier auch eingeflossen ist.
Eine absolute Herzensempfehlung für dieses beeindruckende Werk!
Afghanistan ist schon seit längerer Zeit Spielball stärkerer Mächte. Die Graphic Novel »Games« beginnt mit einer Erklärung, welche Konflikte seit der Unabhängigkeit 1919 im Land brodeln, damit der Leser ein Gefühl dafür bekommt, welch unruhige Zeiten die Afghanen durchleben mussten und welche Gründe es für die Menschen gab und gibt, das Land zu verlassen.
Patrick Oberholzer hat sich fünf Geflüchtete herausgesucht, deren Geschichte er darstellt und erzählt, die sinnbildlich für die vielen tausend Flüchtlinge stehen. Was motiviert die Menschen zu flüchten, welche Wege haben sie genommen, wie teuer ist eine solche Flucht, welche Zustände müssen die Flüchtenden erleben und erleiden? Solche und viele weitere Fragen werden in dieser Graphic Novel gestellt und beantwortet.
In Deutschland ist das Thema Migration zum Hauptwahlkampfthema geworden und da passt diese Graphic Novel sehr gut hinein, auch wenn der Autor aus der Schweiz stammt und das Thema ein europäisches ist. Wenn man sich die Routen anschaut, so ist man schon geneigt, diesen Menschen zu helfen, auch wenn bekannt ist, dass Europa nur eine begrenzte Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen kann, die zumeist in ihre Heimat zurückkehren möchten, es aber angesichts der politischen Lage nicht können.
Der Autor stellt das Thema sehr sachlicht und weitestgehend wertneutral da. Natürlich kennt er keine Lösung für das Problem, dessen Wurzeln sich im Heimatland befinden. Auf dieser Sachebene ist es wenig erstaunlich, dass viele Menschen, die sich auf der Flucht befinden bzw. befanden, selbige deutlich unterschätzt haben. Auch dies wird in dieser Graphic Novel thematisiert und mit Karten verdeutlicht, die die Fluchtwege zeigen.
Das Thema ist sehr gut umgesetzt neben den Geschichten der Geflüchteten wird auch Wissen vermittelt. Ich bin kein Fan von Graphic Novels, aber dieses Buch ist toll und geht mit dem Thema intelligent um. Mir gefällt auch, dass es nicht reisserisch ist, sondern relativ neutral die Schicksale der Flüchtlinge erzählt. Ein rundum gelungenes Buch!
Die Flucht ist hart. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. das ist alles nicht neu, aber es macht es nicht weniger bedeutend. Die im juste Milieu so übliche Moralisierung hält sich auch in Grenzen, ist aber natürlich vorhanden.