Ein wichtiges und politisch richtiges Buch zur richtigen Zeit, ein dezidierter Bericht, wenngleich hier und da in seiner Detailfülle geradezu überwältigend. Ein bisschen stört, der sich durchziehende, permanent (an-)klagende Ton (der Übersetzung ins Deutsche.), der historisch natürlich zu verstehen ist. Etwas irritierend auch das Bild auf dem Cover, dass ich in seiner visuellen Aussagekraft nicht ein ordnen kann. Auf dem bereits 2016 erschienenen Original sind gemäldeartig dargestellt kämpfende koloniale Reiter zu sehen. Faktenreich und für Nicht-Historiker:innen nicht immer in Gänze nachzuvollziehen stellen Tharoors Berichte gewiss jedoch einen wichtigen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und seinen Folgen dar. Ganz exquisit ist überdies die in der deutschen Ausgabe im Januar 2024 geschriebene Nachbetrachtung von Mithu Sanyal, frisch, exakt und auf den Punkt. Sie endet mit einer Empfehlung, die ich für diese kleine Besprechung gern übernehme: „ Was Shashi Tharoor schafft, ist, das schiere Ausmaß begreifbar zu machen. Kolonialismus ist nicht nur ein Verbrehen, das irgendjemand irgendwann einmal begangen hat. Es ist eine Struktur, die noch immer bestimmt, für welche Menschen wir Mitgefühl haben und für welche eben nicht, welche Menschen wir als gefährdete Körper wahrnehmen und welche als gefährliche Körper.“