Jump to ratings and reviews
Rate this book

Der Idiot

Rate this book
In Fjodor Dostojewskis berühmtem Werk 'Der Idiot' taucht der Leser in eine komplexe Welt von Liebe, Leidenschaft und Moral ein. Das Buch handelt von Fürst Myschkin, einem naiven und idealistischen jungen Mann, der nach einer langen Abwesenheit in die russische Gesellschaft zurückkehrt. Mit seinem tiefgründigen und psychologischen Stil erkundet Dostojewski Themen wie Eifersucht, Verrat und die Suche nach Authentizität. 'Der Idiot' wird oft als eines der besten Werke des Autors angesehen und zeichnet sich durch seine tiefgründige Charakterdarstellung und seine moralische Komplexität aus. Dostojewski schafft eine faszinierende Welt, in der die moralischen Dilemmata und emotionalen Turbulenzen der Charaktere den Leser fesseln. Die Geschichte ist in einem klaren und zugleich tiefsinnigen Stil geschrieben, der den Leser dazu ermutigt, sich mit den komplexen ethischen Fragen auseinanderzusetzen, die im Roman präsentiert werden. Mit seiner beeindruckenden psychologischen Tiefe und seiner anspruchsvollen Handlung ist 'Der Idiot' ein zeitloses Meisterwerk, das sowohl Literaturkenner als auch Liebhaber klassischer Romane gleichermaßen begeistern wird.

1041 pages, Kindle Edition

Published November 22, 2023

11 people are currently reading
140 people want to read

About the author

Fjodor Dostojewski

334 books69 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
33 (55%)
4 stars
17 (28%)
3 stars
5 (8%)
2 stars
4 (6%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Lukas.
15 reviews
September 7, 2025
Nach Abschluss dieser ausgezeichneten Lektüre muss man wohl erkennen, dass der "Idiot" Fürst Myschkin, die Hauptfigur des Romans, im Grunde eine unrealistische - oder besser ausgedrückt: eine unmögliche, nicht existente - Figur insofern ist, dass es sich bei ihr um einen Unmenschen im Sinne eines Nicht-Menschen handelt. Myschkin ist demnach eine Idealfigur, die einen utopischen Menschheits- oder Menschlichkeitszustand beschreibt, sie ist deshalb unmenschlich, da ihre Wesenszüge das Menschliche dadurch übersteigen, dass sie es überwinden. Die vollkommene Gabe zur Vergebung und das Vermögen, ein Leben gänzlich ohne Hass zu führen, weisen auf die un- und übermenschliche Inspiration der Figur Myschkins hin - das ist Christus. Dostojewski bekennt selbst, in Myschkin eine Christus-Figur schaffen zu wollen.

Gleichwohl fleischgewordenes Ideal, ist Myschkin ein Bewunderter und zugleich Verstoßener, das Stigma des Aussätzigen - das ist das des Idioten - schwindet an keiner Stelle des Romans. Dass das kollektiv Menschliche auf jene Idealfigur reserviert reagiert, ist nur damit zu erklären, dass die Kluft der Unerreichbarkeit dieses Ideals zwischen Myschkin und der Gesellschaft liegt.

Man mag eine gewisse und dabei nicht geringe Sympathie zu Myschkin empfinden, jedoch ist auch dem Leser eine Identifikation mit diesem gänzlich unmöglich, steht doch die Frage unbeantwortet im Raum, ob dieser Gutmensch nun ein solcher seinem Wesen oder seiner Krankheit nach sei, worin freilich einige Bedeutung liegt. Zwangsläufig ist man dazu verleitet, letztere Annahme für die zutreffende zu halten, scheint doch Myschkin sich nur kurzzeitig von der Krankheit - der sog. Idiotie - zu emanzipieren, bevor er ihr wieder verfällt.

Überhaupt zeichnet sich das Werk durch einen ganz eigentümlichen Einschlag ins Grotesk-Bizarre aus, nicht etwa, weil es das Gesellschaftlich-Soziale dergestalt darstellte, sondern weil es glaubhaft zu machen vermag, dass es tatsächlich darin verwurzelt ist, dass also ein Sozialgefüge an sich zutiefst grotesken und widerrationalen Zwängen unterworfen ist, die so unglaublich irrsinnig erscheinen, dass man sie für unwahr halten könnte, wüsste man es nicht besser.

Wer ist also der Idiot des Romans? Selbstredend Myschkin, doch wohl in keinem geringeren Maße als alle anderen Figuren auch, die das Ideal des menschlich Besseren in keiner anderen als der verunglimpfend belächelnden Weise zu betrachten wissen. Sie begnügen sich nicht damit, rückständig zu sein, sondern betreiben darüber hinaus die größte Anstrengung, ihre Rückständigkeit in Rückschrittlichkeit kulminieren zu lassen, das heißt, den Rückstand anwachsen zu lassen.
Profile Image for Justus V..
2 reviews
December 29, 2024
Wir haben es hier mit einem klassischen, russischen Gesellschaftsroman zu tun, in dem uns Dostojewskij in größter Ausführlichkeit die gesellschaftlichen Verhältnisse und ihre Zwecke darlegt, die aus heutiger Sicht mit ihrem steifen, unflexiblen Normcharakter verblüffen. Ein sehr gespannter Schauplatz, um dort „Den Idioten“ Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin auftreten zu lassen, dessen Idiotie sich im Eigentlichen durch seine „Naivität“, d.i. Ehrlichkeit und Empathie auszeichnet, die in diese gekünstelte Aristokratie nicht zu passen scheint. Daher lässt er aber wohl auch keine Figur unbeeindruckt zurück, sondern die Gravitation seines Archetyps verwirrt die Verhältnisse, sorgt für Liebe, aber auch für Aggressionen ihm gegenüber.
Hervorzuheben ist hier die Zuwendung zu Nasstasja Filipowna, einer Hysterikerin, deren histrionische Persönlichkeit durch die Schilderung ihrer deprivierten Kindheit und der ödipal anmutenden Beziehung zu ihrem Ziehvater tiefenpsychologische Erklärungen zulässt und auch als Ursache für die große Faszination des Fürsten ihr gegenüber gelesen werden kann, der eine ähnliche Kindheit voller Ablehnung erleben musste. Dieser beteuert zwar seine nicht-romantische Zuwendung, welche bloß auf Mitleid basiere, wirbt dennoch stets um sie und ist bereit, alles Gute für sie aufzuopfern. In welcher Form er an ihr sein eigenes Bedürfnis nach letztlich mütterlicher Hilfe inszeniert, ist eine Frage, welche meine Lektüre begleitet hat. Sehen wir hier den kindlichen Hilfeschrei als unbewusste Basis des psychosexuellen Phänomens, das wir „Liebe“ nennen wollen, oder führt Dostojewskij lediglich vor, wie die Gesellschaft Liebe als Konvention verwendet, um profitable, aristokratische Verhältnisse zu reproduzieren, in denen „echte“ Zugewandtheit, wie die des Fürsten Myschkin, irritiert (und scheitern muss)? Ich weiß es nicht. Im ersteren Fall sind wir jedoch angehalten, das Gute im Charakter des Fürsten, als zentrales Thema des Romans, auf die ödipale Situation zurückzuführen, was das immanent moralische Element der Figur relativieren würde (wir wissen aus dem Werk Dostojewskijs ja, dass die relativistische Ethik einer der vielbeachtetsten philosophischen Streitpunkte ist). Im letzteren Falle ließe sich diskutieren, inwiefern wir uns Fürst Myschkin zum Vorbild nehmen dürfen, der in dieser Interpretation zwar gut ist, aber das Schlechte im Menschen, an dessen Konfrontation er zerschellt, nicht ertragen kann.
Vieles lässt uns die heterodiegetische Erzählinstanz auch nicht wissen, die sich die Handlung anscheinend von den vorkommenden Figuren schildern lassen hat, aber in dieser selbst keine Rolle einnimmt.

Die Komplexität und Vielschichtigkeit der Erzählung hat überzeugt (wie immer bei Dostojewskij) und der Roman reiht sich m.E. zurecht in den Kanon der großen Weltliteratur ein.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews