Marek Edelman war einer der bekanntesten Untergrundaktivisten im Warschauer Ghetto, sein Bericht "Das Ghetto kämpft" über den Aufstand im April 1943 ist ein Klassiker der Widerstandsliteratur. Edelmans ganz persönliche Erinnerungen an den Ghettoalltag wurden allerdings erst Jahre nach seinem Tod entdeckt. Nun liegen seine Memoiren erstmals in deutscher Übersetzung vor. Mit großer Klarheit und unerschütterlichem Humor erzählt Edelman von Elend und Unterdrückung, aber auch vom Kampfgeist und der Findigkeit all jener, die sich gegen die NS-Gewalt zur Wehr setzten. Neben den neu übersetzten "Erinnerungen" macht der Band auch den lange vergriffenen Bericht "Das Ghetto kämpft" wieder zugänglich.
Unfassbar, intensiv, erschütternd, traurig, kämpferisch, unvorstellbar, aufwühlend... es fehlen einem die Worte zu diesem Buch, zu diesen Berichten von Marek Edelman.
Ob man die Shoa im Gesamten und im Einzelnen jemals verstehen kann, sei dahingestellt. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, dem fehlt dazu definitiv ein notwendiges Puzzleteil. So dicht wird aus dem Alltag des eigentlich überhaupt nicht Alltäglichen berichtet, so nonchalant über Leben und Tod, Überleben und Sterben, Kämpfen und Ermordetwerden geschrieben, dass es mir die Sprache verschlug und mich zu Tränen rührte.
Edelmans Text schafft es in beeindruckender Weise die Singularität des Holocaust mit dem Singulären, dem Einzelnen, dem Persönlichen derjenigen, die ihn erlebten, über sich ergehen lassen mussten, zu verbinden - und zwar nicht auf dem Wege der klassichen Biographiearbeit, des Erzählens von Einzelschicksalen, sondern als Bericht aus dem Hexenkessel der Verfolgung, der Schikane und des Zwangs, und gleichzeitig als Logbuch des Widerstands, der Auflehnung der Opfer im Angesicht der Übermacht der Täter.
Ob die Geschichte der Kämpfer:innen im Warschauer Ghetto eine von Held:innen ist oder einfach nur eine von Menschen, die in Zeiten der Not das Nötige getan haben, mögen andere beantworten. Vielleicht ist genau das Heldentum. Ihre Erlebnisse und ihre Geschichte unterstreichen in jedem Fall, dass das Morden und Vernichten der Deutschen und ihrer willfährigen Helfer (Polen, Ukrainer etc.) die einzigartige Katastrophe der Menschheit hervorgebracht hat, die unvergleichlich ist und bleibt. Wer das anders sieht, hat nichts verstanden und nicht gelernt.