„Fürchte dich nicht vor mir, sagt die Trauer, ich bin doch nur die Liebe“ ( S. 174)
Matilda ist frisch getrennt. Ihr Leben entwickelt sich gerade zu einem großen Fragezeichen. Sie trauert. Um sich und ihre verlorene Zukunft mit ihrem Freund, aber auch um die verpasste Beziehung zu Oma Enni, die sie nach einem Familienkrach 20 Jahre nicht gesehen hat und die nun kürzlich verstorben ist. Sie fährt in Ennis Haus am Bodensee und nimmt sich eine Auszeit. Wer hier einen spannenden Plot und ein großes Familiengeheimnis erwartet, ist fehl am Platz. In wunderschönen Bildern legt die Autorin uns die Farben und Stimmungen des Bodensees ins Herz. Ich liebe es, wie die verschiedensten Blautöne beschrieben sind und so auch Matildas Stimmung transportieren. Viele Formulierungen sind dabei so neu, so treffend und ich hab inne gehalten um sie wirklich wirken zu lassen. Ich bedanke mich sehr für das Reziexemplar und möchte mehr von Rike Richstein lesen!
Natürlich ist mir dieser Roman nicht nur wegen des wunderschönen Covers aufgefallen, sondern weil mich die begeisterte Rezension der YouTuberin Sarah Sophie sehr angesprochen hat. Deshalb sagte ich bei der Anfrage des Verlages, ob ich diesen Roman lesen möchte, gerne zu.
Matilda hat soben eine Trennung hinter sich, als sie erfährt, dass ihre Großmutter Enni gestorben ist. Als Kind war sie oft mit ihrer Schwester Juli am Bodensee bei den Großeltern, bis ihre Mutter plötzlich die Besuche einstellte und den Kontaklt abgebrochen hat. Als Matilda erfährt, dass ihre Mutter das Erbe ausgeschlagen hat und Juli und sie das Haus der Großmutter erben, ist sie überrascht. Am Bodensee angekommen rollen die Erinnerungen über Matilda herein und sie macht sich immer mehr Gedanken darüber, warum sie den Kontakt zu ihrer Großmutter nicht mehr gesucht hat. Es macht sie traurig und nachdenklich. Als sie ein altes Foto eines jungen Mannes in der Schublade von Ennis Nachtkästchens findet, der nicht ihr Großvater ist, beginnt sie nachzuforschen...
Der Roman ist in relativ großer Schrift geschrieben und besteht nur aus knapp 224 Seiten. Jedes Kapitel beginnt mit einer wunderbaren Beschreibung des Sees und seines einzigartigen Farbenspiels. Es ist bewundernswert, wie die Autorin dieses Naturschauspiel beschreibt und sich dabei nicht wirklich wiederholt.
Der See wird auch zum Ausgangspunkt für Matilda, deren Spaziergänge immer wieder dorthin führen. An diesem Platz versucht sie ihren Schmerz und ihre Einsamkeit zu vergessen. Sie sucht nach Antworten in ihrem Leben. Dabei begibt sie sich auf eine schmerzhafte, aber auch befreiende Konfrontation mit der Vergangenheit.
Die poetische Sprache von Rike Richtstein, die nicht nur die innere Zerissenheit der Protogonistin widerspiegelt, sondern auch das wechselnde Farbspiel des Sees perfekt miteinbaut, ist das Um und Auf dieses Romans. Die Autorin versteht es perfekt, die Gefühle von Matilda wiederzugeben. Eine gewisse Melancholie trägt den Leser durch die Seiten und macht nachdenklich. Man hält als Leser inne, um all die Gedanken und Gefühle auf sich einwirken zu lassen. Nicht verstanden habe ich allerdings den Grund für den Kontaktabbruch von Matildas Mutter zu ihrer eigenen Mutter Enni. Ich empfand diesen absolut nicht gerechtfertigt und finde es traurig, wenn sich eigene Kinder von den Eltern lossagen.
Die Farben des Sees ist ein Roman, der sich wunderbar liest, aber mir vorallem wegen der poetischen Erzählweise in Erinnerung bleiben wird. Der Roman selbst ist eher unaufgeregt und befasst sich mit Trennung, Trauer und Vergangenem.
Fazit: Es ist eine sehr ruhige Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen ist und nichts Spektakuläres an sich hat. Beeindruckend ist jedoch die poetische Sprache der Autorin und die gelungene Atmosphäre.
„Es erinnert mich an den Herbst, in dem ich mich gefragt habe, welches Geräusch ein brechendes Herz macht. Vermutlich ist es leise wie das Geräusch der Herbstblätter, wenn der Wind sie über den Asphalt treibt.“ [Richtstein, 2024, S. 104]
Nachdem sich Mathilda und ihr Freund aufgrund bevorstehender dauerhafter Entfernung getrennt haben, reist sie zum Haus ihrer Großmutter Enni an den Bodensee. Als Kind hat sie dort schöne Erinnerungen gesammelt, war später aber nie wieder dort und nun, nach Ennis Tod, ist es in Mathildas Besitz übergegangen. Sie nimmt sich vor, herauszufinden, wer ihre Großmutter überhaupt war und beginnt eine aufregende Suche nach Antworten auf all ihre Fragen.
Nachdem Rike Richtstein mir die wohl liebste aller Nachrichten geschrieben und von ihrem Buch erzählt hat, musste ich schon schmunzeln. Das wunderschöne Cover ist mir nämlich bereits vorher aufgefallen, so dass ich das Buch auf dem Schirm hatte. Die Geschichte von Mathilda erstreckt sich auf etwas über 200 Seiten, die ich in einem Rutsch gelesen habe. Der Schreibstil ist simpel und dabei gleichzeitig sehr bildhaft. Die Protagonistin begleiten wir nur über einen kurzen Zeitraum, bekommen dabei aber Einblick in ihre Gefühle und auch in die, ihrer Oma. Der Erzählstrang um diese hat mir am Ende die ein oder andere Träne ins Auge schießen lassen. Das Motiv des Sees begleitet eine*n zu Beginn jedes Kapitels und macht den Roman damit für mich rund. Für mich hätten es gerne noch ein paar mehr Seiten sein können. Die Autorin erwähnt in ihrer Danksagung den Autor Benedict Wells als Inspiration. Diesen Verweis habe ich während des Lesens auch feststellen können. Wer also seine Bücher mag, wird mit „Die Farben des Sees“ einen ruhigen und emotionalen Roman über Trennung und Liebe und die Schönheit des Erinnerns finden 🩵