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Ingeborg Bachmann: Der dunkle Glanz der Freiheit - Biografie

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Seit dem tragischen Tod Ingeborg Bachmanns am 17. Oktober 1973 in Rom überlagern Mythen und Legenden das Leben der gefeierten Schriftstellerin. Doch wer war die Frau hinter der strahlenden Ikone, die ihr Privatleben eisern zu verteidigen wusste und der nur wenige Freunde wirklich nahekamen?
In ihrer Biografie zum 40. Todestag macht Andrea Stoll das Drama einer Frau und Künstlerin lebendig, die ihr Schreiben nie nur als Berufung, sondern immer auch als Zwang, Obsession, Verdammnis und Strafe empfunden hat. Weltbürgerin und Heimatsuchende in einem, über Jahre gefangen in einem Dickicht hochkomplizierter Liebesbeziehungen und Freundschaften, allen voran zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch, hat Bachmann doch immer auch um ihre persönliche Freiheit gerungen und ihre literarischen Ziele kompromisslos verteidigt. Wie sehr Bachmann ihrer Zeit voraus war und welchen Preis sie dafür bezahlen musste, führt uns diese Biografie in eindrucksvoller Weise vor Augen.

384 pages, Hardcover

First published September 9, 2013

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Andrea Stoll

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Profile Image for Susanne.
197 reviews26 followers
April 28, 2018
"Der dunkle Glanz der Freiheit" von Andrea Stoll ist eine hervorragend geschriebene, gut recherchierte Biographie über die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Mit ungefähr 350 Seiten ist es eine sehr knappe Arbeit, die vor allem die innere und künstlerische Entwicklung Bachmanns von ihrer Kinder- und Jugendzeit in Kärnten bis zu ihrem schrecklichen Tod 1973 in ihrer Wahlheimat Italien zum Gegenstand hat.
Mir hat besonders gefallen, dass Andrea Stoll Ingeborg Bachmann mit viel Einfühlungsvermögen und Sympathie beschreibt. Sie arbeitet überzeugend die traumatische Wirkung heraus, die die Machtübernahme der Nationalsozialisten, die Jugend im kriegsversehrten Klagenfurt und das Versagen des Vaters, Parteimitglied und Offizier, auf Bachmanns Leben hatten. Diese frühen Erlebnisse haben in ihr grundsätzliche Zweifel an der Sprache sowie an der Friedfertigkeit und Freiheitsliebe der Menschen eingepflanzt. Themen, die sie in ihren Erzählungen und Gedichten immer wieder aufgegriffen hat.
Ein weiterer Konflikt, der Bachmanns Leben, Werk und vor allem ihre Beziehungen bestimmt hat, ist der Konflikt zwischen bürgerlicher Sicherheit und künstlerischer Selbstbestimmung. Für eine Frau, die im Österreich und Deutschland der Nachkriegszeit als freie Künstlerin arbeiten wollte, gab es kaum positive Vorbilder. Ein Leben als Ehefrau, Hausfrau und Mutter war eigentlich Pflicht. Und darum verwundert es umso mehr, mit welcher Entschlossenheit und Hartnäckigkeit Ingeborg Bachmann das Ziel verfolgte, Schriftstellerin zu werden. Stoll macht deutlich, dass Bachmann nie ihre künstlerische Existenz aus den Augen verlor.
Selbst Paul Celan, ihre großen Liebe, mit dem sie die Leidenschaft für eine neue, wahrhafte Sprache teilte, konnte sie nicht an sich binden. Das lag nicht nur daran, dass die Beziehung zwischen "Tätertochter und Opfersohn" aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft und Erfahrungen unter Spannung stand. Es fehlte ihnen einfach an Geld und keiner der beiden war bereit, die Dichterexistenz für einen Brotberuf aufzugeben.
Erst mit dem wohlhabenden und anerkannten Schriftsteller Max Frisch schienen sich künstlerische und bürgerliche Existenz verbinden zu lassen. Das wünschte sich Bachmann offensichtlich so sehr, dass sie über andere Differenzen, z.B. in der künstlerischen Einstellung, hinwegsah und lieber auf Reisen ging, wenn ihr die Beziehung zu eng wurde. Wie wichtig ihr die Kontrolle über Nähe und Distanz war, zeigen die katastrophalen Folgen der Trennung. Als schließlich Frisch für sie völlig überraschend die Partnerschaft beendete, erlebte sie das als Trauma, wurde schwer krank und konnte sich erst nach Jahren von den seelischen Verletzungen erholen.
Trotz aller Sympathie für Ingeborg Bachmann verschweigt Stoll nicht deren schwierigere Seiten. Dazu gehört vor allem eine starke Alkohol- und Tablettensucht, die schließlich mit zu ihrem Tod beigetragen hat.
Die Biographie hat mir auf den ersten Seiten stilistisch Schwierigkeiten gemacht, aber ich finde, dass Stolls dichte Sprache der Darstellung von Bachmanns persönlicher und schriftstellerischer Entwicklung absolut gerecht wird.
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