Lasst uns nicht vorschnell urteilen! In der 5a ist ein Verbrechen Marie, dem beliebtesten Mädchen der Klasse, wurden die Pausenbrote gestohlen. Schnell scheint klar, dass nur einer als Täter in Betracht Konrad. Der ist neu in der Klasse und hat noch keine Freund*innen gefunden. Statt auf dem Schulhof verbringt er die Pausen im Klassenraum. Wer soll es denn sonst gewesen sein? Konrad jedoch ist sich keiner Schuld bewusst. Und als die Kinder auf die Idee kommen, in einem Gerichtsverfahren über Schuld und Unschuld zu verhandeln, kommt Es ist alles ganz anders, als sie dachten... Kinder haben ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und Verantwortung. In vielen Kinderbüchern spielt die Verletzung gemeinsamer Regeln eine Rolle – Kinder ermitteln Diebe und Räubern wird das Handwerk gelegt. Wer Schuld hat, daran besteht kein Zweifel. In Der war's liegen die Dinge, wie auch im echten Leben, Je mehr sich die Kinder von ihren Vorurteilen lösen und je genauer sie hinschauen, desto mehr bröckelt der zuvor so eindeutige Verdacht. Der war's ist ein spielerischer Ansatz, Kindern die Bedeutung der Unschuldsvermutung und Verfahrensfairness zu vermitteln. Ein großartiger Kinderroman von Juristin Elisa Hoven und Juristin und Bestseller-Autorin Juli Zeh, mit stimmungsvollen schwarz-weiß Bildern von Lena Hesse.
Her first book was Adler und Engel (in English: Eagles and Angels), which won the 2002 Deutscher Bücherpreis for best debut novel.
Juli Zeh has lived in Leipzig since 1995. Zeh studied human rights law in Passau and Leipzig, passing the Zweites Juristisches Staatsexamen - comparable equivalent to the U.S. bar exam - in 2003. She also has a degree from the Deutsches Literaturinstitut Leipzig.
Seit einigen Wochen schockiert eine Reihe von Verbrechen die 6a: Marie, der beliebtesten Schülerin, werden die Schulbrote gestohlen. Wer dahinter steckt, ist augenscheinlich klar - Konrad, der Neue, der in den Pausen immer im Klassenzimmer bleibt und der oft allein ist. Die Klasse veranstaltet eine Gerichtsverhandlung, bei der für Gerechtigkeit gesorgt werden soll.
Eine wichtige Geschichte, die zeigt, wie schnell Schuldzuweisungen und Gerüchte sich verbreiten und zu Mobbing werden können. Stellenweise wirklich schwierig und fast schon zu emotional. Dabei kritisiert das Buch zynisch aktuelle Entwicklungen im Schulsystem.
Viel Wissen eingebunden, hätte mir aber eine spannendere Story gewünscht (3,5)
In der 6a verschwinden Pausenbrote – aber immer nur die von Klassensprecherin Marie, deren Mutter jeden Tag ein Pausenbrotkunstwerk zaubert. Schnell sind sich die Schüler:innen einig: Als Täter kommt nur der Neue infrage. Konrad verbringt seine Pausen schließlich häufiger im Schulgebäude als auf dem Schulhof. „Zum Glück“ gibt es in der Klassen den Sohn eines Polizisten, der die Ermittlungen in die Hand nimmt…
Die Geschichte zeigt, wie schnell die Lage außer Kontrolle geraten kann, wenn sich dank Vorurteilen und Missverständnissen in die Welt gesetzte Gerüchte (nicht zuletzt dank Smartphone) zügig verbreiten und immer weiter verfälscht werden. Wenn im Klassenraum Essen verschwindet, dann muss es der pummelige Junge ohne Freunde gewesen sein. Schnell schießt die gesamte Klasse sich auf ihn ein. Was folgt, ist übelstes Mobbing – mediale Hetze, verbale Angriffe, letztlich auch körperliche Übergriffe.
Zum Glück lenken ein paar der Kinder dann doch ein. Eine Klärung muss her – also hält die Klasse ein Gerichtsverfahren ab. Sie belesen sich über den Ablauf, benennen Zeugen und Richter und versuchen, die Ereignisse aufzuklären. Und so lange gilt die Unschuldsvermutung (wären sie da mal eher drauf gekommen…).
Die Auflösung ist schnell ersichtlich, daher empfand ich die Geschichte nicht als spannend. Es geht eher darum, wie die Kinder aus dieser kniffligen Situation wieder herauskommen.
Von den Lehrkräften bleibt dies natürlich alles unbemerkt… Diese sind extrem überzogen, teils grotesk dargestellt. Bei den Schüler:innen werden einige Klischees bedient. Das beliebte, hübsche Mädchen gibt den Ton an und hat meinungslose Klone, die ihr folgen. Es gibt den pummeligen, unbeliebten Jungen, die stillen Streber… Zum Glück werden diese Rollen im Verlauf ein wenig aufgebrochen. Die Kinder verändern sich oder nehmen sich gegenseitig anders war, nachdem sie sich etwas besser kennenlernen. Auch die Stillen melden sich zu Wort und zeigen, was in ihnen steckt und die Marie-Klone entwickeln eine eigene Meinung.
Im Anschluss an die Geschichte gibt es dann noch einige Seiten mit kindgerechten Erklärungen zu Gerichtsverfahren: Darf man vor Gericht lügen? Warum tragen Richter schwarze Umhänge? Wer ermittelt?
Anschauliche Illustrationen unterstreichen das Geschehen. Diese sind überwiegend in orange-grau Tönen gehalten, was ich ein wenig schade fand, wenn es im Text heißt, die Mädchen trügen alle lila Pullover und stattdessen sind sie aber mit orange-karierten Hemden abgebildet. Abgesehen von diesen farblichen Einschränkungen sind die Kinder sehr verschieden dargestellt, mit unterschiedlichen Haut- und Haarfarben und Körperformen.
Fazit
Kinderbuch mit erhobenem Zeigefinger: Die Geschichte ist nicht wirklich spannend oder witzig, die Ermahnung, dass hier gerade alles schief läuft, ist nicht unterschwellig verpackt, sondern schreit einen geradezu an. Themen wie Mobbing, Vorurteile und Ungerechtigkeit sind eingebunden. Die Lehrkräfte sind so schräg, dass die Szenen schon ein bisschen lustig sind – zumindest für Erwachsene, denn ganz aus der Luft gegriffen ist es wohl nicht, dass sich an so mancher Schule in technischen Fragen weniger bewanderte Vertretungs-Vertretungskräfte mit veralteten oder kaputten Geräten rumschlagen müssen… Der Sachbuchteil im Anschluss an die Geschichte ist kindgerecht und verständlich dargestellt und vermittelt viel Wissen zum Thema Gerichtsverfahren und Unschuldsvermutung.
Der Titel "Der war's" ruft direkt Assoziationen hervor: Ich höre es täglich in der Schule: "Der war das!" / "Ich weiß, dass es die war!" - und auf die Nachfrage "Was genau hast du denn gesehen?" kommt dann "Gar nichts, aber ich WEIß es!" Anschuldigungen können Kinder gut machen, denn manchmal denken sie noch in vereinfachten Mustern: Der hat schon mal XY gemacht, also hat er das jetzt nochmal gemacht - oder so. Genauso passiert es auch in diesem Buch und die Autorinnen nehmen den Fall der geklauten supergenialen Pausenbrote von Marie als Anlass, kindgerecht zu erklären, wie ein Strafprozess abläuft. Fachbegriffe wie Staatsanwalt, Verteidiger, Beweislage, Unschuldsvermutung etc werden sowohl im Text kindgerecht erklärt, finden sich aber auch in einem Anhang nochmal, in dem kleine Wissenstexte Schritt für Schritt die einzelnen Komponenten eines Gerichtsprozesses erklären. Während dem Lesen hat es sich für mich sehr natürlich angefühlt, wie die Erklärungen eingearbeitet waren. An keiner Stelle habe ich das Gefühl gehabt, nun ein Wissensbuch zu lesen, denn die Erklärungen waren für die Handlung wichtig zum Verständnis (wenn man davon ausgeht, dass Kinder eben noch nicht viel darüber wissen). Der Schreibstil war generell sehr flüssig und ist sowohl zum Vorlesen als auch Selbstlesen meiner Meinung nach gut geeignet.
Das Buch hat als Zielgruppe "ab 8 Jahren" was ich inhaltlich angemessen finde, auch wenn die Protagonisten alle deutlich älter sind, nämlich schon in der 6. Klasse. Dennoch wird der "Fall" auch für Drittklässler schon verständlich sein und interessante Diskussionen auslösen können. Vielleicht werden einige witzige Aussagen, die die Lehrer/innen in diesem Buch treffen, nicht direkt von Drittklässlern verstanden werden, aber sie sind auch nicht wichtig für die Handlung und lediglich ein kleines "Schmankerl", welches dann die ältere Leserschaft umso mehr zu schätzen weiß.
Hervorheben möchte ich auch noch die Illustrationen, die das Lesen toll unterstützt haben, aber nicht aufdringlich waren, da sie in einem orangenen Farbschema gehalten waren. Grau, schwarz, orange und hellrot haben sich super ergänzt und die Charaktere zum Leben erweckt.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich das Buch nur empfehlen kann und denke, dass es auch als Schullektüre durchaus gewinnbringend sein kann.
Alle Kinder beneiden Marie um ihre tollen Supersandwiches, die ihre Mutter ihr jeden Tag mit in die Schule gibt und plötzlich verschwinden diese aus ihrem Rucksack. Diebstahl, ein Verbrechen, das geklärt werden muss. Schnell schießen sich die Schüler auf ihren Mitschüler Konrad ein, der nach über einem halben Jahr immer noch keine Freundschaften geschlossen hat. Dieser macht sich auch noch besonders verdächtig, weil er seine Pausen am liebsten im Klassenzimmer verbringt, dort wo die Supersandwiches verschwinden. Doch Konrad möchte den Diebstahl nicht zugeben und bald kommen die Kinder auf die Idee, dass ein Gerichtsverfahren seine Schuld beweisen wird.
Der war’s von Julia Zeh und Elisa Hoven setzt sich mit vielen Themen auseinander, die in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert haben und auch im Klassenzimmer häufig anzutreffen sind. Dabei wird ohne erhobenen Zeigefinger aufgezeigt, dass Selbstjustiz in Form von Mobbing keine Form von Gerechtigkeit darstellt, egal ob das Mobbingopfer schuldig oder unschuldig ist. Gleichzeitig schaffen die Autorinnen es, dass kein Kind als durchweg ‚schlecht‘ oder ‚böse‘ dargestellt wird, sie schaffen viel mehr eine Klasse, die ihre Fehler reflektiert, aus ihnen lernt und einen anderen Umgang anstrebt.
Unterstützt wird die Geschichte durch Illustrationen von Lena Hesse, die farblich sehr orangenastig sind. Dies hat mich zu Beginn der Story noch irritiert, wurde dann aber ein schönes Merkmal dieses Buches.
Nebenbei lernt man spielend etwas über unser Rechtssystem. Dieses Wissen wird nach der Geschichte nochmal gefördert, indem einige Fragen zu diesem Thema beantwortet werden.
Julia Zeh und Elisa Hoven haben mit Der war's ein tolles Buch geschaffen, das inhaltlich für Kinder ab acht verständlich sein wird, sprachlich könnte es jedoch noch zu einigen Schwierigkeiten führen, sodass es nicht für jedes achtjährige Kind zum alleinigen Lesen geeignet sein dürfte. Generell kann ich das Lesen jedem empfehlen und vor allem dann, wenn Mobbing, Vorurteile und Anschuldigungen gerade ein aktuelles Thema in der Lebenswelt des Kindes sind.
Dieses Buch hat alle Grundlagen, um großartig zu sein: bekannte Autorin, interessantes Thema, lockerer Text und schöne Illustrationen. Jedoch ist die Umsetzung wenig gelungen.
Ich bin mir eigentlich nicht so sicher, an welches Publikum sich das Buch richtet. Die Altersempfehlung ist ab 8 Jahren, doch die Geschichte, obwohl sie sich ganz gut lesen lässt, macht kein Spaß. Es geht um ernste Themen: es wird versucht achtjährigen Kindern die Konzepte Unschuldsvermutung und Verfahrensfairness zu vermitteln. Da muss man schon eine Geschichte erzählen, in welche sich die Kinder in die Figuren hineinversetzen können.
Doch die Figuren sind fast nur Klischees und Stereotypen. Da hatte ich echt das Gefühl, dass die Autorin nicht so viel Respekt für ihr Zielpublikum hat. Oder richtet sich das Buch an abgehobene Kinder die ihre Gleichaltrigen nur herablassend betrachten?
Marie ist das beliebteteste Mädchen der Klasse und Klassensprecherin, sie hat bei der Wahl ZWEI Stimmen bekommt, weil jeder für sich selbst gestimmt hat. Maries Clique besteht aus drei Mädchen, die sich so ähnlich sehen, dass man sie nicht unterscheiden kann. Und Marie entscheidet jeden Abend, was die Gruppe am nächsten Tag anziehen wird. Nach 10 Seiten kommt mir Marie so unsympathisch vor, dass es mir dann total egal ist, wenn ihre Sandwiches geklaut werden...
Großartige Kombination aus humorvoller Geschichte und lehrreichen Lektionen!
Als ich die Leseprobe las und dann schlussendlich das Buch aufschlug, hätte ich nie gedacht, wie begeistert ist am Ende sein würde! "Der war's" konnte mich auf ganzer Linie überzeugen. Die Geschichte spricht die Lebenswelt von Kindern an und versetzt die Protagonisten in eine nachvollziehbare Situation. Humorvoll wird von alltäglichen Problemen aus dem Schulalltag erzählt und gleichzeitig erklären die Autorinnen ganz nebenbei und ohne dass es wie eine Lehrstunde wirkt, wie das deutsche Justizsystem funktioniert. Auch die Mischung aus den Themen Mobbing, Zugehörigkeit, zu sich selber stehen, die eigene Identität finden, erste Liebe, Liebe zur Natur und Tieren, dem Schulsystem fand ich super. Alle Themen haben perfekt zur Geschichte gepasst und auch wenn es viele waren, kam keines zu kurz, sondern wurde angemessen behandelt. Der "Nachgefragt"-Teil am Ende ergänzt das Buch perfekt. Auch als erwachsene Person, die sich schon ein wenig mit dem Thema beschäftigt hat, konnte ich in der Geschichte selbst und dann im "Nachgefragt"-Teil noch viel lernen. Vor allem Kinder können meiner Meinung nach sehr von diesem Buch profitieren - nicht nur, was das Thema Gerichtsprozesse angeht!
Als Lehrerin hörte ich ziemlich oft und schnell Anschuldigungen wie "Der hat angefangen", "Die war's" oder "Der hat..." Dabei sind sich Kinder kaum bewusst, was sie eigentlich damit in Gang setzen und wie schnell aus einer Anschuldigung eine Vorverurteilung wird. Genau dafür zu sensibilisieren, ist dieses Buch da. Der war's führt nämlich genau so eine scheinbar harmlose Situation vor Augen. Der war's wird schnell ausgesprochen, als der Klassensprecherin (also gleich noch dazu jemandem, der beliebt ist und anerkannt in der Klasse) das Jausenbrot, die als die besten gelten, geklaut wird. Wer sollte es denn auch sein, wenn nicht der Junge, der die meiste Zeit der Pause im Klassenraum verbringt und sowieso noch nicht so richtig dazugehört? Wie die Klasse dann damit umgeht und welche Rollen jedes Kind dann findet, wird im Buch sehr natürlich wirkend und ohne viel Aufhebens erzählt. Dabei lernen die Kinder so einiges, was für das Verständnis eines Prozesses und unseres Gerechtigkeitsverständnisses überhaupt sehr sinnvoll erscheint. Das Buch wird dabei auch noch immer wieder illustriert, sodass man das Buch sehr gerne aufschläft. Ein Buch, wo man wirklich was fürs Leben lernt :-)
Dieses Buch ist meines Empfindens nach eine klare Empfehlung generell, aber auch als Schullektüre zur gemeinsamen Bearbeitung und Besprechung im Klassenverbund.
Unterhaltsam und empathisch erzählt die Geschichte von einer Klasse, ihrer Schülerschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnte und am Rande auch von Lehrern und Lehrerinnen. Es wird also ein komplexes Bild geschaffen und durch tolle Illustrationen ergänzt. Ebendiese Illustrationen bieten neben der Geschichte selbst großartige Diskussionsanlässe und sind daher alles andere als störend. Inhaltlich soll ein klasseninternes Verbrechen aufgeklärt werden. Es zeigt sich schnell, wie moderne Umstände und die Lebenswelt, in welcher sich Kinder heutzutage befinden auf solche eine Situation auswirken und welche Dynamiken sich daraus ergeben können.
Besonderes Highlight ist zudem der Abschluss des Buches, in welchem altersgerecht juristische Themen, die im Leseverlauf aufkamen von den fachkundigen Autorinnen erklärt werden.
Alles in Allem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Egal ob Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte oder Pädagogen.
Immer fair bleiben und genau hinschauen! Mobbing, Ungerechtigkeit, Vorurteile, Fairness, Ausgrenzung im Schulalltag und mehr – all das ist festgezurrt in diesem Buch am Beispiel von wiederholten Diebstählen von Pausenbroten. Bei diesen kindgerechten Vorfällen mag sich ein Schulkind rund um 10 Jahre schnell angesprochen fühlen, sich in einer der mitwirkenden Figuren der Klasse 6a wiedererkennen, selbst wenn juristische Begriffe und Sachverhalte einer Gerichtsverhandlung besonders im Anhang verständlich angeboten werden. Der Begriff der Unschuldsvermutung steht im Mittelpunkt, spielerisch verdeutlicht bei ihren Treffs am Sportplatz. Fast auf jeder Seite finden sich bunte, aussagekräftige Illustrationen, sehr auflockernd für junge Leser den jeweiligen Handlungsablauf begleitend. Bei dieser soliden Verarbeitung des Buches wäre ein Einsatz als Schullektüre sehr gut möglich. Interessante Diskussionen im Klassenverband wären vorstellbar, selbst für jüngere Jahrgänge. Insgesamt zu empfehlen.