„Manchmal denke ich, das beste Mittel gegen Konflikte und Kriege wäre die Entwicklung eines Empathieserums“. (S. 164)
"Samota" hat mich sehr berührt und gefordert. Der Titel, abgeleitet aus dem belarussischen und tschechischen Wort für Einsamkeit, ist richtungsweisend und führt auf eine introspektive Reise.
Diese beginnt mit Maja, Vulkanologin, die sich in einem Tagungshotel aufhält. Dort begegnet sie der mysteriösen Helga-Maria, deren Existenz zwischen real und metaphysisch schwankt. Parallel gibt es die Erzählung von Sebastian, der sich mit Melancholie und Mitgefühl auseinandersetzt, und seinem düsteren Gegenpart Mészáros. Die Figuren und ihre Geschichten sind lose miteinander verbunden und bewegen sich durch verschiedene Zeiträume, was dem Roman eine traumartige, fast unreale Qualität verleiht. Dennoch fügt sich am Ende alles irgendwie zusammen.
Hapeyeva erkundet die menschliche Einsamkeit und Isolation. Ihr Schreibstil ist geprägt von lyrischer Schönheit und sprachlicher Präzision, was die melancholische Grundstimmung des Buches unterstreicht. Besonders eindrucksvoll fand ich die thematische Auseinandersetzung mit der Schwierigkeit, in einer oft empathielosen Welt einen Platz zu finden. Die Frage, ob Mitgefühl ein Mittel gegen die Kälte und Unmenschlichkeit unserer Zeit sein kann, zieht den roten Faden durch den Plot.
Trotz kleiner Unschärfen bleibt "Samota" für mich ein anspruchsvolles und tiefsinniges Werk. Es hat mich gecatcht und es hat was mit mir gemacht, denn automatisch fängt man an zu denken und begibt sich selbst auch auf eine introspektive Reise zu eigenen Gedanken. Die poetische Sprache und philosophische Auseinandersetzung mit Einsamkeit/Empathie haben mich berührt, bereichert und ich finde, dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Hapeyeva fängt auf weniger als 200 Seiten die Tiefe des Themas brillant ein. #leseempfehlung