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Wie wir uns Rassismus beibringen: Eine Analyse deutscher Debatten

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Eine längst überfällige Betrachtung rassistischen Denkens in Deutschland

Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi zeigt in ihrer klaren Wir alle denken rassistisch. Mit Extremismus hat das nichts zu tun. Sondern es ist Konsequenz politischer und gesellschaftlicher Strukturen, die unser Denken und unser Handeln formen. Wo Mehrheits- und Minderheitsgesellschaften aufeinandertreffen, bilden sich fast zwangsläufig rassistische Denkmuster und Strukturen – außer man steuert bewusst dagegen. In Deutschland tut man das nicht. Der Rassismus-»Vorwurf«: Er wird abgetan. Lieber empört man sich, als eine ernsthafte Debatte zu führen und tatsächliche Probleme zu lösen.

Gilda Sahebi analysiert die Spezifika des deutschen Rassismus. Dafür blickt sie zurück bis ins Deutsche Kaiserreich und verfolgt die roten Fäden rassistischen Denkens, die sich von damals bis in die Debatten unserer Gegenwart – etwa um die Staatsbürgerschaft, den Nahostkonflikt oder Migration – ziehen. Sie zeigt, wie wir rassistische und spaltende Narrative stetig weitertragen, uns Rassismus immer wieder beibringen – und damit die Demokratie gefährden.

464 pages, Kindle Edition

Published March 20, 2024

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Gilda Sahebi

4 books9 followers

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Displaying 1 - 13 of 13 reviews
Profile Image for Alina_liest07.
132 reviews6 followers
April 11, 2024
Gilda Sahebi schaut zurück bis ins Deutsche Kaiserreich, um die lange Geschichte rassistischen Denkens und rassistischer Strukturen mit den heutigen Debatten und Narrativen in Deutschland zu verbinden.

Die Autorin analysiert unsere heutigen Debatten und Narrative so klug und erhellend, wie ich es noch selten gelesen habe. Anhand von Beispielen aus der Vergangenheit zeigt sie eindrucksvoll wie alt viele der Debatten und vor allem rassistische Strukturen schon sind. Ihre Analyse zu aktuellen Debatten und Berichterstattungen, sei es zu Migration, Staatsbürgerschaft oder dem Nahostkonflikt, sind fundiert und eindrucksvoll und sollten jeden und jede zum Nachdenken anregen.

Dabei spricht sie nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern zeigt die Dynamiken der deutschen Rassismus-Debatte so klar wie verständlich auf.
Sahebi zeigt, dass Rassismus und rassistisches Denken eben nicht extremistischen Rändern vorbehalten sind, sondern vielmehr tief in unserer Gesellschaft und ihren Strukturen verankert sind.
„Wie wir uns Rassismus beibringen“ ist daher auch ein eindringlicher und wichtiger Appell rassistische Strukturen und Narrative immer wieder aktiv zu hinterfragen an dagegen zu kämpfen, den von alleine werden sie nicht verschwinden.

Unaufgeregt, klug und fundiert– „Wie wir uns Rassismus beibringen“ ist ein ganz besonderes Sachbuch und eine dringende Leseempfehlung!
Profile Image for Seitenmusik.
391 reviews23 followers
May 4, 2024
Gilda Sahebis Buch "Wie wir uns Rassismus beibringen" ist ein beeindruckendes Werk, das sich intensiv mit den vielschichtigen Facetten rassistischen Denkens im Deutschland der Gegenwart auseinandersetzt. Die Autorin mit Wurzeln im Iran ist studierte Ärztin und Politikwissenschaftlerin. Aktuelle arbeitet sie als Autorin und freie Journalistin mit den Schwerpunkten Antisemitismus und Rassismus, Frauenrechte, Naher Osten und Wissenschaft. Ihre Analyse zu Rassismus ist tiefgründig und sehr (!) gut recherchiert, wobei sie im Buch nicht nur auf aktuelle Ereignisse eingeht, sondern auch historische Kontexte berücksichtigt. Dies ermöglicht es ihr, die Entwicklung rassistischer Denkmuster, die ihre Ursprünge im deutschen Kaiserreich haben, bis in die Gegenwart nachzuzeichnen.

Besonders eindrücklich ist die Liste der Todesopfer von Rassismus seit dem Zweiten Weltkrieg, die Sahebi am Ende präsentiert. Sie zeigt auf beklemmende Weise, wie viele Fälle bis heute unbekannt sind und wie dringend ein Bewusstsein für dieses Problem geschaffen werden muss. Diese Darstellung erzeugt gleichzeitig Erschrecken und Ermutigung, denn sie verdeutlicht, dass sich die Dokumentation und Anerkennung von Rassismusopfern in der neueren Zeit verbessert hat, wenngleich noch viel zu tun bleibt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Buches ist die kritische Auseinandersetzung mit politischen Parteien und ihrem Umgang mit Rassismus. Sahebi zeigt auf, dass Rassismus in allen politischen Lagern präsent ist, auch wenn er sich in manchen Fällen subtiler äußert. Insbesondere die Diskussion über den vermeintlichen Rechtsruck und die Abweichung von etablierten Parteilinien, wie sie vor allem bei linken Parteien zu beobachten ist, verdeutlicht die Komplexität des Problems.
Durch die Vielzahl von historischen und aktuellen Beispielen, die Sahebi präsentiert, erhält man einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Facetten des Rassismus in Deutschland. Von der Diskussion um die Staatsbürgerschaft bis hin zu aktuellen Ereignissen wie der Silvesternacht in Köln oder der Recherche von Correctiv zur "Remigration" werden verschiedene Aspekte beleuchtet und kritisch hinterfragt.
Beeindruckend fand ich auch den gelungenen (historischen) Vergleich zwischen alten und neuen Migrant:innen und die damit verbundene Erkenntnis, dass Rassismus ein strukturelles Problem ist, das sich über Generationen hinweg fortsetzt. Dieser Aspekt erweitert das Verständnis für die Komplexität des Themas und zeigt, dass rassistische Denkmuster tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind.

Trotz der Fülle an Informationen und der gründlichen Recherche fand ich es manchmal herausfordernd, die politischen Zusammenhänge in Deutschland zu verstehen, insbesondere wenn es um Parteien und deren Positionen ging, da ich selbst in Österreich lebe. Ein tieferes Verständnis des deutschen Parteiensystems hätte meinen Zugang zum Buch möglicherweise verbessert, nachvollziehbar war aber trotzdem alles und ich bin mir sicher, dass alle genannten Punkte auch 1:1 auf Österreich zu übertragen sind. Wobei die Situation meiner Meinung nach in Österreich sogar noch ernster wäre.

Insgesamt habe ich enorm viel aus diesem Buch gelernt und bin der Autorin dankbar für ihr umfassendes Werk und die damit einhergehende Recherche. Ich kann mir nur vorstellen, wie viel Zeit in die Recherche geflossen sein muss - es hat sich aber definitiv gelohnt. "Wie wir uns Rassismus beibringen" verdient meine uneingeschränkte Empfehlung und erhält von mir die volle Bewertung von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf die Bewertung.
Profile Image for Monika.
60 reviews2 followers
September 19, 2024
Der Erkenntnisgewinn hielt sich durchaus in Grenzen. Anders gesagt: ich hatte mehr erwartet. Die Autorin erklärt Rassismus vor allem anhand des politischen Diskurses, mit vielen Politikerzitaten. Ihr Fazit: Ganz Deutschland ist rassistisch, auch die Grünen und das trotz der großen Bereitschaft zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Für mich ist auch nicht nachvollziehbar, warum die demokratischen Parteien sich von der AfD treiben lässt. Was mir allerdings in diesem Buch fehlt, das ist die gesamtgesellschaftliche und soziologische Betrachtung. Auf S. 354 zitiert die Autorin ganz kurz eine Studie zu den Ängsten der Deutschen und kommt damit dem Problem etwas näher. Es gibt unterschiedliche Wertesysteme und Vorstellungen, wie die Menschen leben möchten. Dazu Segregation in den Städten. Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft treffen aufeinander, allerdings fehlt doch die Perspektive der Mehrheitsgesellschaft. Wenn die Mehrheit einer Schulklasse keine deutschsprachigen Eltern hat, dann verlangsamt das den Lernprozess deutschsprachiger Kinder zwangsweise - diese Auswirkung spüren die Eltern ohne 'internationale Biografie' und empfinden das als Nachteil. Die Konkurrenz um Wohnraum und Arbeitsplätze und das Gefühl der relativen Deprivation sind in meinen Augen das Problem. Maßnahmen zur Förderung der Integration - ja, natürlich. Aber irgendjemand muss das alles auch bezahlen. Das Geld fehlt an anderer Stelle. Thema Islam: es treffen oftmals eher religiöse Menschen auf eine Gesellschaft, die sich nicht mehr von Bibel und Klerus das Leben diktieren lässt. Es ist doch logisch, das dieses Aufeinandertreffen auch zu Konflikten führen kann. Junge Mädchen im Grundschulalter, die Kopftuch tragen - ist das ein Zeichen von Freiheit? Das wird nicht diskutiert, enthält aber viel Konfliktpotential. Sollten vielleicht beide Seiten aufeinander zugehen? Im Buch wird Mesut Özil thematisiert, nicht aber zum Beispiel die Eröffnung der Großmoschee in Köln, zu der der frühere Bürgermeister der Stadt und Förderer des Projekts nicht eingeladen war. Ist das vielleicht auch Rassismus? Sollte man von den Zuwanderern erwarten, dass sie die Sprache des Landes lernen? Gibt es einen Unterschied zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen? Das Thema der Rückführungen.... Schwierige Themen, ganz sicher, aber der pauschale Rassismusvorwurf führt uns nicht weiter.
Profile Image for Felicitas.
79 reviews10 followers
May 9, 2024
In "Wie wir uns Rassismus beibringen" (2024) zeigt Gilda Sahebi, wie rassistische Denk- und Argumentationsmuster Teil der deutschen Alltagskultur und Politik sind, aber geleugnet werden. Während im angloamerikanischen Raum institutionalisierter Rassismus als Diskriminierungsform anerkannt ist, wird er im deutschsprachigen Raum häufig negiert. Das "R-Wort" erzeugt eine automatisierte Abwehrhaltung.

Dabei geht es bei der Benennung von Rassismus nicht um Schuldzuweisung. Die Beschreibung "rassistisch" bezieht sich in erster Linie auf Sachverhalte, Narrative und Handlungen - nicht auf Menschen. "Wer rassistisch denkt, ist nicht zwangsläufig ein:e Rassist:in. Sehr viele Menschen haben rassistische Denkmuster, aber nur die wenigsten sind Rassist:innen." (S. 144) Rassistische Denkmuster haben wir alle und gerade deshalb ist es wichtig, sie zu benennen und ihnen ein anderes Narrativ entgegenzusetzen.

Sahebi zeigt Kontinuitäten in der deutschen Geschichte auf. Dabei spart sie die NS-Zeit weitgehend aus - sich vom dortigen Rassismus abzugrenzen, wäre zu einfach. Auch danach hält sich der Mythos vom ethnisch homogenen Staat. Einwanderung wurde stets als Problem, bestenfalls als wirtschaftliche Notwendigkeit, gesehen. Die Unterteilung Deutsche - "Ausländer" hat dabei weniger mit der Staatsangehörigkeit zu tun. Statt von "Rasse" wird heute von "Kultur" gesprochen. Dennoch scheint der ethnische Aspekt alle anderen (strukturellen) Faktoren - Einkommen, Bildung, Wohnungspolitik, Stadtplanung - zu überlagern.

Die Normalisierung menschenfeindlicher Narrative ist ein wesentlicher Faktor für das Erstarken der AfD. Indem die etablierten Parteien und Medien sie übernehmen, verfolgen sie vorgeblich das Ziel, einen Verlust von Wähler*innen an die AfD zu verhindern. Diese Taktik geht nicht auf - im Gegenteil: dadurch werde menschenfeindliche Narrative normalisiert und die AfD immer salonfähiger.

Das Buch ist unglaublich dicht an Informationen und enthält viele kluge Gedanken. Ich würde gerne sagen, dass es augenöffnend war, aber ich muss mir wohl eingestehen, dass die von Sahebi aufgezeigten Muster offensichtlich sind. Umso wichtiger ist dieses Buch!
Profile Image for Irinita.
170 reviews1 follower
July 24, 2024
"Nie wieder". Das ist das Selbstverständnis Deutschlands: Man habe gelernt, man gedenke, man sei vorbildlich. Wer die Debatten in Deutschland nicht nur verfolgt, sondern die ihnen eigene Menschenfeindlichkeit, den ständigen Widerwillen spürt, kann da nur bitter lachen. Ein "Nie wieder" hat es nie gegeben; Menschenfeindlichkeit ist nie verschwunden. Wie soll sie auch, wenn es keine ehrlichen Debatten darüber gibt. Wenn die Erfahrungen der Mehrheitsgesellschaft und die der vielen von Menschenfeindlichkeit betroffenen Gruppen derart auseinandergehen."

Gilda Sahebi unterbricht die Narrative des unerklärlichen (und vermeintlich noch nie dagewesenen) "Rechtsrucks", indem sie die jahrzehntelange Normalisierung und Verharmlosung von Rassismus in der deutschen Politik und breiten Öffentlichkeit analysiert. Besonders beunruhigend ist dabei die Erkenntnis, dass sich ähnliche rassistische Argumentationsmuster und Strategien über Jahrzehnte hinweg in der demokratischen Mitte fort- und festsetzen.

Das im Mainstream wenig hinterfragte deutsche Selbstverständnis "[d]ie Gesellschaft sei demokratisch, aufgeklärt und human gewesen" bis die AfD kam, wird in diesem Buch grundlegend widerlegt. Sahebi macht deutlich, warum man über Rassismus offen sprechen können muss - und wie ein selbst- und rassismuskritischer Diskurs in der deutschen Öffentlichkeit leider immer noch zu oft unterdrückt wird.

Lediglich im Kapitel zur "Nahostkonflikt-Debatte" hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang und definitorische Genauigkeit gewünscht. Insgesamt ein informativer, gut dokumentierter und vielschichtiger Beitrag zum Thema Rassismus in Deutschland. Die Liste der 374 Todesopfer von antisemitischer, rassistischer und rechtsextrem motivierter Gewalt in Deutschland am Ende des Buches hat mich unendlich traurig und wütend gemacht.
Profile Image for Erik Tre.
20 reviews
March 22, 2025
Ein wirklich gutes Buch!
Sahebi beschreibt hier zuerst die "Entstehung" bzw. eher die rassistischen Handlungen und Diskurse zur Zeit der Kolonialisierung und schafft so einen guten Grundstein für den weiteren Verlauf.

Es wird gezeigt, dass im Verlauf der Zeit der Rassismus in Deutschland zwar subtiler geworden ist, aber noch immer omnipräsent ist. Dafür greift sie verschiedene Ereignisse auf, analysiert die mediale Berichterstattung und auch Äußerungen von Politiker:innen.

In diesem Buch stellt sie dar, wie erschreckend klar Aussagen von manchen Politiker:innen schon immer war und wie die Diskurse sich verändert haben (oder eben nicht).

Eine absolute Leseempfehlung für alle Politik interessierten Leser:innen
Profile Image for Susu.
1,788 reviews21 followers
May 25, 2024
Eine ausführliche Betrachtung rassistischer Denkmuser - vom deutschen Kaiserreich bis in die Moderne. Die Autorin liefert eine Übersicht der geschichtlichen Entwicklung, der Theorien und der sprachlichen Auswirkungen. Und man lernt, dass niemand vor rassistischen Denkmustern und Aussagen gefeit ist.
Profile Image for Cade Foster.
12 reviews
June 26, 2025
Insgesamt ein sicherlich wichtiges Buch. Leider ist es oft sehr redundant, manchmal etwas widersprüchlich und das Schlußkapitel (die Mehrheitsgesellschaft muss sich halt mehr bemühen...) sehr schwach/hilflos.
46 reviews1 follower
January 23, 2025
Gutes und wichtiges Buch. An vielen Antirassismusbüchern hat mich gestört, dass sie einfach US-amerikanische Analysen auf Deutschland übertragen. Dieses Buch handelt vom Rassismus in Deutschland.
9 reviews
April 16, 2025
Für mich war es eine Schaukel an Emotionen. Ich war sehr froh, das Buch lesen zu dürfen, aber die Einleitung war mir viel zu komplex geschrieben, obwohl man sie einfacher hätte schreiben können. Ich bin selbst ein „Migrantenkind“, und ohne mein Studium wäre ich nicht wirklich in der Lage gewesen, durchzuhalten und weiterzulesen. Deswegen einen Stern weniger. Aber ich finde, das Buch wurde immer besser und besser. Ich hatte tatsächlich einen sehr großen Erkenntnisgewinn. An dieser Stelle: Danke.
21 reviews1 follower
December 30, 2025
Insbesondere die ersten Kapitel über die Geschichte des Rassismus in Deutschland fand ich wahnsinnig spannend! Gegen Ende wurde es aktueller und deprimierender und für mich gab es nicht mehr so viel Neues zu lernen.
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