Die Geschichte
Der Klappentext verrät zunächst Erschreckendes: Renate Hoffmann will sterben. Doch so "simpel" wie das klingt, ist es letzten Endes dann doch nicht. Warum Frau Hoffmann nicht wie von ihr geplant von ihrem Balkon springt, erfährt man schnell. Warum sie aber überhaupt diesen Gedanken hatte, dauert dagegen ein bisschen. Im Laufe der Geschichte lernt man Renate Hoffmann kennen, erfährt nach und nach was vor 7 Jahren passiert ist, erfährt in Rückblenden von ihrer Vergangenheit und bekommt die kleinen und großen Dramen ihres Lebens mit. Und damit erfährt man auch, warum sie so dringend sterben wollte.
Zugegeben, der Titel "Renate Hoffmann" klingt schon recht langweilig und man möchte sich eigentlich schon fragen, wie man ein Buch so nennen kann. Doch es ist bei weitem nicht so uninteressant wie es klingt. Renates offensichtlich langweiliges und eintöniges Leben entwickelt sich spannend und ich wollte einfach immer mehr über sie wissen, von ihrer Vergangenheit erfahren und vor allem, was ihr Leben vor 7 Jahren so zum negativen verändert hat.
Die Geschichte von Renate Hoffmann zeigt vieles. Es zeigt, dass es immer anders kommt, als man denkt; dass das Leben weitergeht, auch wenn einem das Schicksal nicht immer gut mitspielt, und das es trotzdem lebenswert bleiben kann. Es ist eine realistische und tiefgründige Geschichte mit einer versteckten und vielleicht auch eigenwilligen Liebeserklärung an das Leben.
Die Charaktere
Das erste was ich über Renate Hoffmann dachte: Mein Gott, ist diese Frau strange. Sie führt ein routiniertes Leben, ist unheimlich einsam (was sie natürlich niemals zugeben würde) und hat ein komplett verzerrtes Selbstbild. Und dann erst ihre neurotischen Macken und ihr selbst auferlegter Zwangsalltag - ehrlich: ohne Worte. Aber je weiter man liest, desto mehr merkt man, wie cool Renate eigentlich ist. Sie ist eine starke Persönlichkeit mit einer bewegenden Vergangenheit. Sie macht eine Entwicklung durch, fängt z.B. an gegen ihre neue Chefin zu rebellieren und sich ihrer Vergangenheit zu stellen, die sie 7 Jahre lang nicht sehen wollte. Erstaunlich fand ich übrigens, dass Renate gerade mal Mitte 30 ist.
Auch treten einige Nebencharaktere auf, einige sind vielleicht überzeichnet aber niemals unrealistisch. Sie sind alle ganz normale Menschen, die einem auf der Straße begegnen könnten und die - wie wir alle - ihr Päckchen zu tragen haben.
Der Schreibstil
Das Buch wird aus der dritten Sicht erzählt, was anfangs für mich etwas gewöhnungsbedürftig war. Rückblickend betrachtet hätte die Ich-Perspektive aber nicht zur Geschichte gepasst. Anne Freytag erzählt die Geschichte von Renate Hoffmann schnörkellos, ohne große Aufregung und ohne großes Drumherum. Trotzdem ist ihr Schreibstil so erfrischend, dass einen das Buch fesselt und man trotz der Erzählsicht Teil der Geschichte und von Renates Leben wird.
Abschlusswort
Die Geschichte von Renate Hoffmann bewegt. Sie ist tiefgründig und sehr realistisch gehalten, mit einem erfrischenden Schreibstil. Renate Hoffmann ist eine Person, die man mit der Zeit ins Herz schließt und deren Bekanntschaft jeder machen sollte. Und auch wenn sie sehr eigenartig und teils merkwürdig ist, ist sie trotzdem ein kleiner Liebling.