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Ich stelle mich schlafend

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Das Haus, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat, steht nicht mehr. Es musste bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Von der Wohnung, die sie zuletzt mit ihrem Freund Vito geteilt hat, sind nur Erinnerungen übrig. Die Geschichte der beiden reicht bis in ihre Jugend zurück: Beide wachsen im selben Hochhauskomplex auf, und Yasemin verliebt sich mit dreizehn in den drei Jahre älteren Nachbarn. Von klein auf fasziniert von Glaubensfragen und Spiritualität, versucht sie durch einen Liebeszauber, Vito für sich zu gewinnen. Doch nach einem Sanatoriumsaufenthalt, wo ihre Skoliose behandelt wird, geht sie auf Distanz. Zu fremd ist ihr der eigene Körper, zu groß die Scham wegen ihres Korsetts. Erst zwanzig Jahre später, als die mühsam aufgerichtete Wirbelsäule droht sich wieder zu stauchen, begegnen sie sich erneut. Yasemin hält dieses späte Aufflammen der Jugendliebe für Schicksal. Aber dann zeigt Vito sein Inneres, das bedrohlich ist und leer.

Ich stelle mich schlafend erzählt von den dunklen Seiten einer Liebe – und die Geschichte einer Befreiung. Ein eindringlicher Roman über den Versuch einer Auslöschung und über die Frage, ob es eine Berührung gibt, die den Kern eines Menschen unwiederbringlich verändert.

250 pages, Hardcover

Published March 11, 2024

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Deniz Ohde

6 books30 followers

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23 (8%)
1 star
4 (1%)
Displaying 1 - 30 of 32 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book4,992 followers
March 13, 2024
14-year-old Yase falls in love with manipulative teenager Vito - and after spending time at a health resort to treat her scoliosis (correcting her back bone, get it?), she breaks up with him. After having meaningless sex to numb herself with various guys, struggling with internalized misogyny and oscillating between an urge to disappear and her strife to belong. Then, she falls in love with harmless Herrmann, and they spend ten years together - until in her mid-thirties, Yase once again meets Vito...

Ohde is a great writer when it comes to character development, and I just loved how smartly she parallels the abusive relationship between Yase and Vito and the dysfunctional friendship between Vito and Sascha, thus showing the (former) friend of the abuser not as an accomplice, but someone also falling under the spell of a manipulator. This writer doesn't romanticize problematic relationships, but dissects them. Minor characters like the owner of a beauty salon and a bar owner are also well crafted and challenge stereotypical gendered behavior, while also partly embracing it (meaning: they are realistic).

But then, there's also the other extreme: The re-curring idea of innocence (which, as Yase states, she can't lose, as she was robbed of it a long time ago) turns into a questionable metaphor when the only unequivocally positive male figure, Herrmann, is portrayed almost as an excellent platonic friend, meaning: There is no eroticism, sex is not an issue, and Yase's best friend is literally called Immaculata (immaculata conceptio is the immaculate conception). The story would have been much more balanced if it added the discussion of what a positive sexuality encompasses.

So all in all, a decent novel by a very talented writer that suffers from some blind spots, but still offers an interesting composition and some wonderful language.

You can listen to our discussion on the podcast here:
https://papierstaupodcast.de/podcast/...
Profile Image for Anna Carina.
684 reviews350 followers
April 27, 2024
2,5 Sterne (ich habe lange mit mir gerungen, ob ich aufgrund der herausragend guten sprachlichen Gestaltung aufrunde - Bonuspunkte gebe. Erst mal nicht. Der Unmut überwiegt aktuell noch)

„Seine Größe entsprang seiner Überredungskunst. Der Fähigkeit, ein Nein in ein Ja zu verwandeln. Ein Zauberer war er, der seinen Willen durchsetzte. Wie der Mond das Wasser den Gezeiten unterwarf, war Lydias Freund nicht laut, nicht aufbrausend, sondern beharrlich. Sie folgte ihm wie das Wasser. Verschwand hinter den Felsen seines Brustkorbs, nur Schlick war übrig. In sie eingebläut, dass der Wunsch des Mannes in Wirklichkeit auch der ihre sei. So lag Yasemin in diesem silbernen Licht und bewegte sich nicht, gleichwie sich Lydia nicht bewegte. Yasemin wohnte ihrer eigenen Zeugung bei. Das Kind– es sollte nicht aufwachen. »Aydede, ich stelle mich schlafend.« Ein rhythmisches Schmatzen war zu hören. Yasemin wagte nicht mehr, durch ihre Wimpern zu schauen.“

Ohdes schwebend, elektrisierende Sprache überzeugt.
Das Zitat nimmt den Leser in eine traumatisierende Erfahrung Yasemins in ihrer Kindheit mit.
Das Psychogramm Yasemins, durch Lücken, Auslassungen der Erzählung, der Kühle, Distanz, Funktionalität, Ohnmacht - absolut überzeugend.
Die Traumatisierung – Schuld – setzt vor ihrer Geburt ein. Schuld gezeugt worden zu sein. Eine alkoholisierte Mutter, die nicht Nein sagen konnte und dies symbolisch durch ein Zitat in der Bibel, sich und ihrer Familie, tagtäglich im Schrank stehend, mahnend nicht vergessen lässt.
Yasemin, ein fragmentiertes Selbst, die Lust und Genuss nur in Form von Reinigungsritualen, Ordnung, Struktur, Spaziergängen in der Natur und Atmen verspüren kann.
Genuss an einer liebevollen Beziehung? Schwierig. Erträglich, solange sie und ihr Skoliose geplagter Körper miteinander stabil sind, zusammengehalten werden.

„ Die unzähligen Abende mit Hermann vor dem Fernseher: das Glück. Sie hatten Zeit zu verschwenden. Seine Finger glitten ihr durchs Haar. Kein Zweifel war in ihrem Zusammensein, kein Reißen, das sie zu ihm hingezogen und ihr Schmerzen zugefügt hätte. Sie verschwand nicht in ihm, und immer wenn sie es versuchte, wies er es zurück.

Genuss an der Wiederholung des Leides, dem Schmerz – Masochismus.
Hier begehrt jemand das Begehren auszulöschen. Todestrieb, volle Fahrt voraus!

Vito – der Messias, der bewundert und gefürchtet werden, aber bloß nicht heilen will ist durch diese überbordende Psyche nur Statist.
Yasemin überlagert in ihrer komplexen Anlage den gesamten Text.
Ihre Freundin Immacolata, Vito, sein Freund Sascha,Hermann, Lydia (zu der komme ich gleich noch), Ante ihr Vermieter – alles Figuren die irgendetwas dienen und doch zusammenhangslos, teil sinnlos im Text angelegt und inkonsequent bearbeitet werden.

Ohde stellt in „ich stelle mich schlafend“ ein Zitat aus Amor und Psyche voran.
Sie verfolgt die narrative Struktur des Mythos von Fall, Prüfung, Läuterung und Erhebung.
Ihr geht es um Ganzheit und Transformation.
Die mystischen Momente des Buches, die Hexen, sollen Hoffnung spenden. Die Schicksalsgläubigkeit dient der Legitimation zum Verderben und Schmerz.
Die Kosmetikerin Lydia und Freundin Yasemins, illustriert eine weise Frau, die Yasemins Transformation symbolisch durch das Abziehen einzelner Hautschichten herausarbeiten soll. Weise – Lydia hat Erfahrung und Meinung. Sie ist Prozesstreiber.

Lydia bemüht einen Vergleich einer Affekthandlung um Yasemins ( wir beachten die komplex angelegte Psychologie hinter dieser Person) Dilemma mit der Männerwahl zu veranschaulichen:

„Bis heute habe ich diese blaue Flamme vor Augen. Bis heute frage ich mich, warum ich das getan habe. Warum ich mich nicht habe aufhalten können. Wie eine Schlafwandlerin. So kommt mir das vor, was dir passiert ist.“

Das Buch bleibt in oberflächlicher Schau – rutscht kurz in den gesellschaftspolitischen Diskurs, Stichwort Empowerment ab, ohne der traumatischen Persönlichkeit Yasemins gerecht zu werden.

Die Läuterung und Erhebung – wenig überzeugend. Zu hart im symbolischen, der Realität verortet, zu seicht, zu einfach, zu banal.
Ohdes Text wirkt im letzten Drittel wie der Zauberlehrling, der die Geister die er rief, nicht mehr unter Kontrolle bringt.
Der Text geht auf. Ja. Er liest sich fantastisch. Und dennoch bleibt das Gefühl betrogen worden zu sein, um Magie, um Imagination, um Verbindungen, um Tiefgründigkeit, um Yasemin. Das Gefühl, die Autorin hat ihre eigene Figur nicht mehr verstanden und verarztet eine lebensgefährliche Wunde mit etwas sozialer Wärme, freundschaftlichem Gequatsche beim Pickel ausdrücken, exorzistischen Atemübungen und ein paar Selbstreflexionen, die nicht annähernd die Schichten des traumatischen Kerns erreichen.
Profile Image for Ulla Scharfenberg.
156 reviews235 followers
April 13, 2024
Deniz Ohde ist definitiv eine der besten deutschsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit. Und mir ist klar, dass ich mich mit dieser Aussage nach "erst" zwei Romanen aus dem Fenster lehne. Aber Deniz Ohde schreibt einfach so unfassbar gut. Fast jeder Satz ist ein kleines Kunstwerk, wenn auch manche ein bisschen dick auftragen. Aber das passt zu einer jugendlichen Protagonistin, die einen Liebeszauber aus einer Zeitschrift durchführt, damit ihr Crush sie bemerkt und die auch als Erwachsene noch Zeichen in allem sieht und kleine Rituale des Aberglaubens braucht.

"Ich stelle mich schlafend" ein großartiger Roman. Es macht aber nicht unbedingt Spaß ihn zu lesen, dafür geht es zu viel um Schmerz, um Scham und um Schuld.

Yasemin ist 14 als sie sich in den drei Jahre älteren Vito verliebt. Knapp zwanzig Jahre später versucht er, sie zu töten. Dazwischen liegt Yases Leben, dass sie sich selbst verweigert zu leben. Immer wieder sabotiert sie sich selbst in dem Glauben, das Gute nicht verdient zu haben.

Ein zentrales Motiv der Geschichte ist der Körper, in den Yase mühsam hineinfindet, der korrigiert werden muss, der von außen als Objekt (medizinisches, sexualisiertes...) wahrgenommen und bewertet wird. Es geht aber auch darum, Frau zu sein in einer misogynen Welt. So viele Lagen, die einzeln betrachtet eine unglaubliche Tiefe eröffnen, dass sich mehrmaliges Lesen lohnt und ich mir mal wieder einen Buchclub gewünscht hätte, um darüber zu sprechen.

Auch über Vito, die zentrale Figur neben Yase, könnte ich stundenlang reden. Deniz Ohde hat mit ihm eine Romanfigur erschaffen, in der ich unterschiedliche Eigenschaften so vieler Männer wiedererkannt habe. Wir alle kennen solche Vitos.
Profile Image for Alexander Carmele.
479 reviews449 followers
April 27, 2024
Atmosphärisch stimmig. Ein Erzählsound, durchgängig aufrechterhalten, der sich den Zwang auferlegt, oberflächlich zu bleiben. Schade.

Inhalt: 2/5 Sterne (Coming-of-Age-Thematik)
Form: 4/5 Sterne (atmosphärisch, dichte Sprache)
Komposition: 2/5 Sterne (rahmenlose Gesamtdarstellung)
Leseerlebnis: 2/5 Sterne (begeistert, dann enttäuscht)

Deniz Ohdes zweites Buch „Ich stelle mich schlafend“ lässt sich als eine Erweckungsliteratur begreifen, der den Mut zur eigenen Courage fehlt. Mittels Yasemine, der Protagonistin, wird von Schuld, körperlicher Entfremdung, von Übergriffen, Obsessionen und Distanznahmen erzählt:

Aber davon wusste Yasemin noch nichts, daran dachte sie auch nicht, als sie nun, achtzig Jahre später, vor speziellen Spiegeln in ein Verwandtschaftsverhältnis mit dieser Pionierin [der Krankengymnastin] trat und sich auf sich selbst besinnen sollte. Ein Gefühl für ihren Körper entwickeln, den sie bisher mehr als Vehikel gesehen hatte, das man wohl oder übel ab und zu mit Gemüse und Wasser füttern musste, damit es einen durch die Welt trug. An ihren Atem hatte sie schon gar nie gedacht.

Auf engstem Raum werden religiöse, sexuelle, politische, beziehungstechnische Untiefen der Erwachsenwerdung Yasemines verhandelt. Am Anfang steht vor allem die Freundschaft mit Immacolata im Vordergrund. Empathisch, tiefsinnig, wird das Heranwachsen dieser zwei sehr unterschiedlichen Mädchen beschrieben, die sich eine mystische, freie Welt zusammenglauben. Hier sprudelt die jugend-kindliche Phantasie, und mehr als nur das weite, noch unbeschrittene Leben steht vor ihnen. Ein Kosmos an Möglichkeiten ergibt sich durch die Anrufung von Hexen und mystischen weiblichen Naturwesen:

Von weitem sah Imma Yasemin da in der Dämmerung laufen, ein Auto fuhr mit gleißenden Scheinwerfern vorbei, die schlangenförmigen Hochhäuser ragten am Ende der Vogesenstraße in den dunkelblauen Himmel, sie blickte geradeaus, lief mit großen Schritten, und ihr Mantel bauschte sich hinter ihr auf. »Du sahst aus wie eine echte Hexe«, beschrieb sie ihr später das Bild.
Am Ende des Abends saßen sie in Lydias Wohnzimmer, Yasemin hatte noch den Lidschatten in den Augenwinkeln, wodurch ihre helle Iris noch eindringlicher leuchtete, wenn sie sich im Fenster sah.


Hier, zwischen Lydia, der Kosmetikerin, Imma, der draufgängerischen Freundin, und Yasemin, der zurückgezogenen Phantastin spannt sich ein weites Feld an Möglichkeiten auf, das narrativ den Anfang von „Ich stelle mich schlafend“ in einen träumerischen Exkurs des Möglichkeitsdenken verwandelt, Zwischenräume der Geschichte, der Persönlichkeiten, Schatten- und Lichtseiten, auf engstem Raum atmosphärisch geballt, beleuchtet.

Leider bleibt Ohde nicht hierbei. Die Freundschaft mit Imma zerbricht unversehens und ziemlich abrupt, eine unausgegorene Beziehung mit einem Grunge-Typen gerät in gefährliche Untiefen, ein Reitunfall unterminiert Yasemins ohnehin gestörtes Körpergefühl, der Beruf, die Ausbildung, werden nur nebenbei, stichwortartig wie die darauffolgenden Beziehung tabellarisch (!) erwähnt. Am Ende geht schließlich irgendwie alles zu Bruch und irgendwie auch nicht:

Eine Version ihrer selbst, die in einem Paralleluniversum existierte, in dem nichts mit ihr geschehen war. In dem es keine Hand brauchte, die ihr befahl, in sie zu atmen. In dem es keine Hand gab, die sie im Türrahmen festhielt. In dem sie jedem Griff entglitt, wie Wasser durch Finger floss.

Ohdes „Ich stelle mich schlafend“ besitzt viele intensive Szenen, insbesondere in den Jugend- und Kindheitsbeschreibungen, sobald aber die Erwachsene ins Spiel kommt, wird klar, dass die Erzählerin einem kindlichen Ich verbunden bleibt, und von der Erwachsenenwelt nichts zu berichten weiß (und hier sogar zur stichwortartigen Abhandlung der Ereignisse übergeht, als wäre Literatur Stenographie). In ihr geht es nur um Sex, Gewalt, Obsession und Verwirrung.

Das Buch fliegt auseinander, sobald die Coming-of-Age-Geschichte abgeschlossen wird. Auf seine Weise stark verbandelt mit Terézia Moras „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ und Judith Hermanns „‎Wir hätten uns alles gesagt“: Ähnlich stark in der Stilistik, ähnlich unüberzeugend in der Komposition; ähnlich gut im Auffangen einer Stimmung, ähnlich beliebig in der narrativen Gestaltung eines Textes. „Ich stelle mich schlafend“ gleicht eher einem Erzählband, einer losen Assoziationsübung und überzeugt als Romanganzes deshalb nicht. Nun bleibt die Geschichte der zwei jungen Hexen leider unerzählt, die so viel uneingelöstes Potential besaß.
Profile Image for Anika.
967 reviews322 followers
March 17, 2024
Dass Deniz Ohde schreiben kann, stellt sie nach ihrem Debüt Streulicht auch mit diesem Roman erneut unter Beweis. Sprachlich ist das sehr anspruchsvoll, auch die Charakterzeichnung überzeugt und die Auswirkungen toxischer Männlichkeit sind überzeugend dargestellt. Kleines Manko: Mir waren es letztlich etwas zu viele Themen bzw. Facetten der Gewalt, ein bisschen weniger wäre mehr gewesen, so wirkt es unterm Strich unnötig überladen.

Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: Folge 294: Gritty in Bochum
Profile Image for LeserinLu.
323 reviews39 followers
June 3, 2024
„Ich stelle mich schlafend“ ist ein eindringlicher Roman, der die tiefen Wunden, die Missbrauch und Manipulation hinterlassen können, auf erschütternde Weise darstellt. Die Geschichte beginnt mit der Zerstörung des Hauses, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat. Diese Zerstörung symbolisiert den Neuanfang, nach dem sich Yasemin sehnt, nachdem sie die Beziehung mit ihrem Freund Vito hinter sich gelassen hat. Die Beziehung der beiden reicht zurück bis in ihre Jugend, als Yasemin sich im Alter von dreizehn Jahren in den drei Jahre älteren Vito verliebt. Doch nach einem Aufenthalt im Sanatorium, wo ihre Skoliose behandelt wird, distanziert sie sich. Zu groß ist die Scham wegen ihres Korsetts, zu fremd der eigene Körper. Zwanzig Jahre später begegnen sich Yasemin und Vito erneut. Yasemin interpretiert dieses späte Wiedersehen als Schicksal, doch bald zeigt sich Vitos wahres Wesen: bedrohlich und zerstörerisch. Yasemins Nein akzeptiert er nicht und so verfällt sie in eine Passivität, die nur schwer auszuhalten ist.

Ein besonderes Element des Romans ist die Darstellung von Yasemins Skoliose. Der gewaltsame Eingriff in ihren Körper, der medizinisch notwendig ist, scheint auch eine tiefere Botschaft zu tragen: Yasemins Körper gehört nicht ihr allein, und in seinem natürlichen Zustand ist er unzureichend. Diese körperliche und psychische Verletzlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Yasemins Leben und beeinflusst ihre Beziehungen und ihr Selbstbild.

Ohdes Sprache und die Atmosphäre, die sie schafft, sind von einer Sogwirkung, die mich trotz der Schwere der Thematik immer weitergezogen haben. Dies ließ jedoch im Laufe des Romans immer mehr nach, insgesamt wurde mir dann zu oft mit dem Zaunpfahl auf Zusammenhänge und Bedeutungen verwiesen.
Profile Image for Co_winterstein.
146 reviews11 followers
April 10, 2024
Ich war sehr gespannt auf Deniz Ohdes kürzlich bei Suhrkamp erschienen Roman "Ich stell mich schlafend", weil ich ihr Debüt "Streulicht" so eindrucksvoll fand.
Ich wurde nicht enttäuscht. Literarisch überzeugend und in eindringlichen Bildern schildert Ohde eine toxische Beziehung.

"Ich stelle mich schlafend" handelt von Yasmin, genannt Yase, die sich als Jugendliche in Vito schockverliebt.
Es ist diese Art von überbordenem, jugendlichen Verliebtseins, bei dem der Anblick des fremden Wesen heftige Schwärmerein oder sogar Liebesgefühle freisetzt, ohne sich näher zu kennen.

Kurz nachdem sie zusammenkommen, hat Yase allerdings einen Reitunfall und muss für vier Wochen wegen einer Rückenverletzung und einer entdeckten Skoliose ins Sanatorium. Sie kommt dabei sich selbst und ihrem Körper näher, bemerkt aber auch, dass er für Männer ein Sexualobjekt ist. Aus Selbstschutz zieht sie sich zurück und bricht nach ihrer Rückkehr auch mit Vito.

Im Folgenden erfahren wir in detaillierten Beschreibungen Yases Lebensweg. Sie macht eine kaufmännische Ausbildung, hat verschiedene Liebschaften, trifft dann Hermann, der ihr gut tut und mit dem sie lebt, bis sie schließlich Vito wiederbegegnet und in eine Gewaltbeziehung gleitet ...

Die psychologischen Erläuterungen, die Ohde hier und da einfügt, hätte es für mich gar nicht gebraucht, so einfühlsam ist der Text geschrieben. Ganz leise und subtil rutschen wir mit Yase ins Unglück, in eine Beziehung mit einem Mann, von dem sie geglaubt hatte, er sei ihre wahre Liebe.
Wir wissen es allerdings besser, in Rückblicken (in Yases Gespräch mit Vitos ehemaligem Freund Sascha) erfahren wir wie kalt, rücksichtslos und manipulativ er ist.

Leserinnen wird das Buch wütend machen (mich jedenfalls), denn es ist die uralte Geschichte von männlicher Dominanz und Übergriffigkeit, von Macht und Gewalt: Deniz Ohde erzählt sie hochaktuell und sprachlich virtuos. Leseempfehlung!
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for auserlesenes.
365 reviews16 followers
June 12, 2024
Das Gebäude des KlickKlack steht nicht mehr. Dort, wo Yasemin einmal gewohnt hat, ist nur noch eine Brache. Die 35-Jährige ist in diesem Teil der Stadt aufgewachsen. Dort hat sie im Alter von 13 Jahren den drei Jahre älteren Vito kennengelernt. Eine Begegnung mit fatalen Folgen…

„Ich stelle mich schlafend“ ist ein Roman von Deniz Ohde.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einer Art Prolog, dem sich acht Kapitel anschließen. Erzählt wird aus einer personalen Perspektive, vorwiegend aus der Sicht von Yasemin. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren und spielt an verschiedenen Schauplätzen in Deutschland. Ein aufmerksames Lesen ist aufgrund vieler Zeitsprünge nötig.

In sprachlicher Hinsicht hat mich die Autorin beeindruckt. Der Schreibstil ist unaufgeregt, aber sehr atmosphärisch. Starke, teils ungewöhnliche Bilder tauchen immer wieder auf.

Yasemin, die Protagonistin, ist keine leicht zugängliche Figur, aber ein psychologisch ausgearbeiteter und lebensnaher Charakter. Ihre Gedanken und Gefühle sind bisweilen ambivalent, jedoch nachvollziehbar dargestellt. Auch Vito erscheint durchaus authentisch und nicht zu überzeichnet. Allerdings hätten sowohl er als auch die übrigen Personen ausführlicher beschrieben werden können, da so manche Hintergründe im Verborgenen bleiben.

Inhaltlich wiederholen sich mehrere Motive. Das sind beispielsweise die verlorene Unschuld, der Willensbruch, die verinnerlichte Scham und sexuelle Übergriffe. Alles in allem geht es insbesondere um sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen - in jeglicher Form. Eine schwierige, aber so wichtige Thematik. Dieser feministische Blick macht die Geschichte zeitgemäß und bietet viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

Auf den knapp 250 Seiten baut sich eine subtile Spannung auf. Die Auflösung erschließt sich und passt ins Bild. Leider schwächeln die letzten Kapitel sehr. In pathetischem Ton steigert sich die Selbstreflexion der Protagonistin ins Unglaubwürdige und es werden Verknüpfungen hergestellt, die ich als zu verallgemeinernd und überzogen empfunden habe. Die Umsetzung ist alles andere als elegant. Zum Schluss drängt sich der Eindruck auf, die Autorin wollte auf den wenigen verbleibenden Seiten noch möglichst viele ähnliche Aspekte unterbringen.

Das aussagekräftige Cover sticht aus der Masse hervor und passt in mehrfacher Hinsicht hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel ist eine gute Wahl.

Mein Fazit:
Mit „Ich stelle mich schlafend“ hat Deniz Ohde einen Roman zu einem gesellschaftlich bedeutsamen Thema geschrieben, dem eine große Aufmerksamkeit zu wünschen wäre. Zwar schmälert das letzte Drittel meinen ansonsten positiven Gesamteindruck. Dennoch eine durchaus lesenswerte Lektüre.
Profile Image for Meri.
4 reviews
August 1, 2025
großartiges Buch, dass meine Imagination angeregt hat und wie ein Film vor meinem inneren Auge abgelaufen ist 🌾🌷🍋
Profile Image for ꧁ ʕ•ᴥ•ʔ ꧂.
8 reviews
April 22, 2024
2,5 Sterne
Enttäuschung und langweilig! Die Metaphorik „Ich stelle mich schlafend“ plakativ und zu sehr mit dem Zeigefinger drauf. Konzept erkennbar, aber belanglos durchgezogen… Scheinbar soll die Geschichte sich immer mehr auseinander fetzen, bis wir nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden können, aber nichts an den beschriebenen Träumen ist irgendwie interessant. Die Liebesgeschichte kaufe ich nicht ab, ich spüre nichts von der teeniehaften Verknalltheit. Die Wiederbegegnung und Yases Wunsch wieder mit Vito zusammenzusein ist so an den Haaren herbei gezogen… Wie und wann entwickelt sich das?
Ich mochte Streulicht sehr gerne, Deniz Ohde hat ein tolles Gespür für Sprache, das zeigt sie auch in diesem Roman, aber leider sind trotzdem einige Formulierungen zu abgenutzt und übererklärt.. Wir haben verstanden, dass das Gebäude „apricot“ ist, es muss nicht ständig wiederholt werden! Und dann dieses absolut uninteressante Kapitel zu „Body Count“ und die Definition des Begriffs… Es wird zu viel erklärt.

Eine Sache, die mich ziemlich berührt hat ist das Verhältnis zwischen Yase und ihren Eltern und die Erzählung über Immacolata. Aber leider wird darauf überhaupt nicht weiter eingegangen… Ich mag den Vergleich zwischen Immacolata und Yase - Was wäre wenn, … Aber dann wird so gar nicht mehr drauf eingegangen, bei Yasemin auch irgendwie kaum was ausgelöst durch den Mord an ihrer Freundin? Und ich mag das Setting, den Ort, die Geschichte rund um das Korsett.

Die Eckpunkte für das Buch stimmen, aber die Ausführung wirkt unausgereift. Ich freu mich auf Deniz Ohdes nächstes Buch, ich erwarte Größeres und bin mir sicher, dass sie das auch schafft.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Estrelas.
935 reviews
June 18, 2024
Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom Pferd und baut sich ihr eigenes Leben auf.
Mir gefiel die Darstellung kindlicher Fantasie, die Yasemin beim Spielen mit der Freundin oder beim Heraufbeschwören des Geliebten an den Tag legt. Und ich habe einige Stellen markiert, die mich durch eine poetische Sprache oder ihre humorvolle Art begeisterten.
Doch in erster Linie geht es in diesem Buch um Scham nach dem Verlust ihrer Unschuld, um ein Minderwertigkeitsgefühl der Protagonistin nach dem Missbrauch durch andere. „War Yasemins Wille gebrochen oder nur gebeugt? Eine Mikrowellenstrahlung, die in ihr Leben hineinragte wie der Nachhall eines Urknalls.“
So wichtig ich dieses Thema empfinde, so unzufrieden macht mich die Umsetzung in diesem Buch. Ich habe mir eine Reaktion gewünscht, zu sehen, wie sich Yasemin in ihrem Leben weiterentwickelt. Stattdessen gibt es unzählige Exkurse, die von den Gefühlen der Hauptfigur ablenken. So fehlt mir der Nachhall, der diesen Roman für mich zu einem besonderen machen würde.
Profile Image for Pow Wow.
258 reviews8 followers
March 17, 2024
An excellent follow-up to Ohde‘s debut that further underlines her talent. The attempts to pigeonhole this as some sort of feminist manifesto are wrong-headed and reductive, as Ohde operates in an almost mythical/ biblical mode and has an undeniable flair for both the esoteric and the tragic. I wouldn’t mind if she reduced the denseness of the prose but either way, I can’t wait to see what she does next. For me, easily one of the most interesting contemporary authors writing in German.
134 reviews5 followers
June 2, 2024
Niemand will zu einem Passfoto werden

„Ich stelle mich schlafend“ von Deniz Ohde, erschienen 2024 im Suhrkamp Verlag, ist ein Buch, das mit leiser Stimme eindringlich das Aufwachen einer Gesellschaft einfordert. Auf dem Schutzumschlag in einer Pfütze auf Asphalt, die wahrscheinlich bald verschwinden wird, eine Häuserfassade in Ockertönen – die Erinnerung an ein Leben, das einfach weggerissen werden kann und einem dennoch ein Leben lang den Spiegel vorhält, wie die Spiegelung in der Pfütze. Das Gefühl von Brache, Abrisshalde, welches das erste Kapitel vorgibt, zieht sich durch das ganze Buch, ebenso die Schwere von Asphalt und Beton, die auf dem geschilderten Leben lastet und einfach nicht weggelebt werden kann. In verschiedenen Zeitebenen taumeln wir, schleichen wir, rennen wir, frieren wir ein durch das Leben von Yasemin, einer Frau, die in einer der unendlichen möglichen Varianten erlebt, was noch immer alle Frauen erleben: Ein Aufwachsen und Dasein in der Präsenz von männlicher Gewalt, dem Frauen noch immer qua Sozialisation und fehlender gesellschaftlicher Solidarität viel zu wenig entgegenzusetzen haben.

Ohde findet durchweg starke und schöne Sprachbilder in großen Mengen in diesem Buch. Die Charaktere werden anfangs zunächst bewusst rätselhaft, wie Schemen eingeführt und sind doch schon sehr gut erahnbar, auch ihre Beziehung zueinander deutet sich gut an. Klar wird: Hier ist etwas vorgefallen, und es war nicht gut, es war toxisch – und es beschäftigt noch lange. Im weiteren Verlauf dringen wir lesend langsam tiefer in die Schichten, und die Wahrheit des Geschehens liegt vor allem zwischen den Zeilen und den Gedanken. Ohde schreibt unglaublich dicht, ich konnte kaum Luft holen beim Lesen, jeder Satz ist ein Kosmos und löst Begeisterung aus – und zeitgleich hält sie die Spannung, was nun geschehen wird, bis zum Ende hoch. Über allem schwebt permanent ein Unheil, das wabert über den Menschen, die Stimmung ist durchweg wie vor einem Gewitter, und die erlösende Sintflut will sich nicht einstellen. Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig sich Yasemin erlaubt zu leben, dauerhaft und in einer inneren Leere kreist. Sie wirkt wie ein total traumatisierter Mensch, der sich einfach kein Glück erlaubt und sich immer, einfach immer schuldig fühlt.

Der Erzähldruck lässt im letzten Drittel des Buches etwas nach, weil Ohde dringend noch politischen Inhalt unterbringen möchte, aber nicht immer zwingende Erzählanlässe dafür findet, das wirkt manchmal etwas reingepropft. Was sie erzählen will, ist aber wichtig, denn es ist das, was ALLE Frauen kennen: Wie sehr wir in einer grundsätzlichen Angst leben, immer, wie sehr wir als schuldig angesehen werden, immer, wie Täter-Opfer-Umkehr systematisch geschieht, immer, wie oft wir uns entschuldigen, immer. Ich habe kurz davor gerade „Sorry Not Sorry“ von Anika Landsteiner gelesen und kann das in dem Kontext nur jede:m ans Herz legen. „Niemand wollte zu einem Passfoto werden, es war nichts, was man selbst in der Hand hatte.“, ist ein zentraler Satz, den Yasemin denkt, als sie über Vermisstenanzeigen sinniert. Was man dagegen in der Hand hat, ist, ein Leben in der Vermeidung zu leben, wie wir es automatisiert ständig tun, ohne das hinterfragen zu können, weil wir uns nur so schützen können – und das bringen wir auch unseren Töchtern von klein auf bei. Wir kennen es alle: Erzieht nicht eure Töchter, erzieht eure Söhne – dieses Buch ist ein starkes Plädoyer dafür. Und es ist so schlimm, dass sich noch immer so wenig daran tut. Yase hat also überlebt, wie wir schon am Anfang des Buches erfahren, durch Glück, durch Zufall. Und ich ertappe mich selbst dabei, ihr Mitschuld an vielem zu geben, was sie erlebt hat, weil sie so konstant an allen Zeichen vorbeischaut, sich so einfangen lässt, sich so sehr selbst die Grube gräbt. Aber liegt dem allen nicht eine Gesellschaft zugrunde, die Frauen das von Anfang an tun lässt, die sie genau dahin erzieht, die sie noch immer in eine dauerhafte Scham zwingt? Sprachlich bleibt das Buch bis zum Schluss sehr stark. Das angedeutete Happy End hätte ich so nicht gebraucht. Spannender war es, wie Yasemin zunehmend in ihren Körper zurückfindet, der auf so vielen Ebenen versehrt ist. Da sehe ich eher den Weg – wir sollten uns nicht mehr retten lassen. Wir können selbst aufstehen und gehen.

Dieses Buch gewinnt vor allem durch all das, was nicht gesagt ist, es ist ein wortkarges Buch, trotz all der Worte in ihm, und dieses Schweigen bringt die Lesenden emotional fast um. Ein starkes Buch, das ich in einem Rutsch verschlungen habe. Wir dürfen uns nicht mehr schlafend stellen. Unser Frauenleben gehört uns.

Ein großes Dankeschön an wasliestdu.de sowie den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar!
Profile Image for Fiona.
677 reviews81 followers
October 7, 2025
Ich bin mir unsicher, was ich von dem Buch halte. Es ist definitiv gut. Aber so richtig hängen geblieben ist es bei mir auch nicht. Trotz des schweren Themas und dem dazu passenden Schreibstil, hat es mich nicht ganz fassen können, auch wenn ich keine klaren Kritikpunkte nennen kann.
Profile Image for Nuray Nonsense.
78 reviews1 follower
September 21, 2025
Auch diesmal beweist Deniz Ohde, dass sie fantastisch und fesselnd schreiben kann. Literarisch astrein, nur leider fesselt mich die Story nicht in dem Ausmaß und dadurch dass viel durchwoben ist, bin ich mir nicht so sicher gewesen, was genau ihr Punkt sein sollte.
Profile Image for Clara.
26 reviews1 follower
November 28, 2024
Ich mochte es sprachlich SO gerne, aber inhaltlich fand ich es ein bisschen komisch
Profile Image for Elzapallo.
56 reviews2 followers
December 6, 2024
Leider etwas enttäuschend. Zunächst einmal finde ich den Klappentext etwas verwirrend. Ich wartete fast auf eine Liebesgeschichte, dabei geht es primär um Yasemins Traumata und Gewalterfahrungen - was ja prinzipiell nicht schlecht ist, doch richtig so vermarktet wird das Buch leider nicht.
Insgesamt trifft Ohde an einigen Stellen gut den Ton und schreibt die Konsequenzen von patriarchaler Gewalt nieder, wie sie sich hier in den Körper von Yasemin schon seit ihrer Geburt einschreibt. Vor allem die Stellen in denen sie erläutert, wie schwierig es ist, überhaupt ein Nein zu finden, fand ich sehr gelungen. Und trotzdem hatte ich immer wieder während des Buches das Gefühl, einer Art Instagramdiskurs zu folgen. Es tauchen einige Poppsychotherapie-Begriffe und -Konzepte auf und viel über die Diskurse zu Konsens etc., aber etwas wirklich neues oder spannendes konnte ich aus dem Buch für mich nicht mitnehmen. Ich hatte einfach den Eindruck schon deutlich intensivere, ergreifendere und tiefgründigere Bücher über sexualisierte Gewalt und Traumatisierung gelesen zu haben, weshalb dieses hier für mich leider viel an der Oberfläche bleibt. Außerdem bin ich wirklich kein Fan davon, wenn Krankheiten als eine Art Plotdevice benutzt werden, um gesellschaftliche Themen zu verdeutlichen... (Ja, wir verstehen, dass Yasemin eingezwängt ist wie in ein Korsett...) Aus ableismuskritischer Perspektive halte ich das eher für mau. Abgesehen davon wird leider viel erklärt. Schade, ich war ein großer Fan von ihrem ersten Roman, aber dieser hier hat mich nicht so mitnehmen können.
Profile Image for Olenka Leise.
22 reviews3 followers
April 24, 2025
Deniz Ohdes Buch handelt von einem versuchten Femizid. Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das mich mein gesamtes Leben umtreibt und so hätte ich vermutet, das Buch würde mich ergreifen. Leider passierte das Gegenteil. Die Hauptfigur blieb mir fremd und unverständlich. Was sie tut und was sie denkt passt nicht zusammen, ihre Motive wirken behauptet. Keine Person erschien mir echt und lebendig, eher Objekte eines Planspiels, dessen Logik mir bis Schluss nicht einleuchten wollte.
Am Anfang hätte ich das Buch fast abgebrochen, nachdem die Gesichter der dritten oder vierten Person in Folge von ihren Haaren "umrahmt" wurde. Überhaupt wirkten die Beschreibungen steckbriefhaft. Banale Bescheibungsdetails.
Kurz wurde die Prosa stark als die Frauenfiguren sich nach einem tatsächlichen Femizid überlagerten, Ohde damit klarmachte, dass es eine jede treffen kann.
Letztlich blieb für mich ein Buffet an vielversprechenden Prämissen, die nicht zu einem schlüssigen Gericht verbunden werden konnten.
Profile Image for gina.
408 reviews7 followers
March 14, 2024
3-4 Sterne?

Von Ohdes Debütroman war und bin ich immer noch stark begeistert. Umso mehr habe ich mich auf den neuen Roman gefreut. Aber leider reicht er an 'Streulicht' nicht heran. Der Text war trotz seiner Kürze eindeutig zu überladen, einfach too much. Mit dem Schreibstil kam ich auch nicht immer klar, sowohl vom Klang als auch von der Form. Genauso gab es aber auch Szenen bei denen ich mit dem Finger drauf zeigen möchte, weil sie so gut erfasst waren. Und dann kamen die letzten 30 Seiten… Ich bin unentschlossen – ich erkenne und achte den Wert des Romans, dennoch bleibt er für mich unbequem auf Distanz.
Profile Image for Goldkehlchen20.
41 reviews2 followers
May 31, 2024
Also sprachlich war das Buch sehr gut, die scharfe Beobachtungsgabe der Autorin und der Sinn für Details stechen besonders hervor.
Leider fühlt sich der Roman irgendwie nicht ganz 'fertig' an, anders kann ich es nicht beschreiben.
Vielleicht hätte die Geschichte noch ein Bisschen gären müssen, aber so ganz genau kann ich den Finger leider nicht drauf legen.
Sehr irritierend fand ich diesmal allerdings, wie viel ich wiedererkannt habe. Namen, Personenbeschreibungen, Orte... bei Streulicht war ich darauf gefasst, aber diesmal war ich überrascht und um ehrlich zu sein hat mich das beim Lesen mehr als ein Mal wirklich raus gebracht.
Profile Image for Nel.
6 reviews2 followers
September 20, 2024
Ein sehr guter - wenn auch sehr bedrückender - Roman, der die Anfänge, Grenzen und Konsequenzen von Gewalt auslotet. Als jemand der sonst viel über Beschreibungen hinwegliest bin ich fasziniert davon, dass ich es in Deniz Ohdes Roman nie tun konnte oder wollte. Zu treffend ist die Beobachtungsgabe und das Talent für die Beiläufigkeiten. So vieles an den Figuren und ihrer Welt wird oft in einem Halbsatz plastisch und real.
Empfehlung, wer sich mit den im Roman verhandelten Themen befassen kann und will.
14 reviews
January 11, 2025
Für die Uni gelesen. Gehört definitiv zu den besten Unibüchern, einfach weil die Sprache okay ist. Für normalen Roman trotzdem noch sehr hoch geschrieben, bisschen unnötig. Insgesamt interessantes Thema, in welches sich sehr viel reininterpretieren lässt.
Zum Teil zu ausschweifend und unnötig Infos. Auch kein wirklicher WP oder eine Pointe.
Aber ihr Lebensweg vor allem auf Bezug Liebe hat es ganz interessant gemacht.
Profile Image for Kim Engel.
6 reviews
July 16, 2025
"Ich stelle mich schlafend" von Deniz Ohde erzählt von Gewalt gegen Frauen, von Übergriffigkeit und vom Streben nach Selbstbestimmung.
In diesem Werk sind es die leisen, vielschichtigen Töne, die wie ein Flüstern klingen, nur um sich dann in einen Orkan zu verwandeln. Eine Reise durch ein Leben, welches fast in einer Tragödie mündet.
Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, daher vergebe ich 4/5 ⭐
Profile Image for Stefanie.
11 reviews
October 25, 2025
Super buch, es geht weniger um die psychische Gewalt selbst, die wird erst am ende hin beschrieben, die einleitung ist sehr lange und gibt einblick in die manipulative Vorgeschichte. Finde ich trotzdem nicht schlecht, es ist sehr gut geschrieben und leicht zu verstehen, Deniz Ohde ist eine super Schriftstellerin. Wenn man einmal anfängt will man nicht mehr aufhören es zu lesen.
Profile Image for Andrea Wilms.
89 reviews
August 24, 2025
Nach 40 Seiten aufgehört. Dachte, es geht um häusliche Gewalt. Erst mal geht es um gar nichts. Die Figuren sollen wohl mystisch unscharf sein. Klingt wie aus dem schreibkurs „Spannung aufbauen“. Langweilig und nicht berührend. Schade, vielleicht wird es später gut. Keine Ahnung.
21 reviews
July 23, 2024
Anfangs etwas verwirrt, dann gepackt von der Story, zum Schluss auch wieder etwas lost. Hab mich die ganze Zeit gefragt, okay wo gehen wir hin mit der Erzählung?
Sprachlich sehr schön.
11 reviews
August 29, 2024
Sehr gut geschriebene Geschichte über missbrauch und toxische Beziehung, für meinen Geschmack zieht sich die Geschichte etwas zu zäh und zu lang. Würde es als Jugend Roman zur Aufklärung empfehlen
Profile Image for MaxiC.
14 reviews
October 11, 2025
Macht Patriarchat spürbar. Sehr spannend vor allem die erwachsene Einordnung des kindlich Erlebten.
Displaying 1 - 30 of 32 reviews

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