Da dachte ich doch, ich hätte wieder eine Reihe genau für mich entdeckt – von wegen. Aber von Anfang an.
Raymond Feist ist Jahrgang 1945 und zählt damit zu den älteren Kalibern der lebenden Fantasy-Autoren. Die Welt Midkemia, in der die Geschichte spielt, ist eine Rollenspielwelt. Und tatsächlich erinnerte mich der Beginn des Romans auch ein wenig an ein Rollenspiel (im positiven Sinne).
Die Riftwar-Saga besteht aus drei Bänden, doch die kriegerischen Auseinandersetzungen umfassen noch wesentlich mehr Bücher (Serpentwar Saga, Darkwar-Saga, Demonwar-Saga sowie Chaoswar-Saga). Wir sprechen hier also von einer ziemlichen umfangreichen Sammlung. Daneben gibt es weitere Werke, die mit Mikdemia zu tun haben. Dies nur zu Einordnung, wie groß das Midkemia-Universum ist.
Wie kam es dazu, dass ich anfangs total begeistert war und diese Begeisterung immer weiter abflaute?
Es war bei mir ein schleichender Prozess.
Ich war sofort drin in der Handlung, als wir Leser auf den Jungen Pug, einem der Hauptcharaktere, trafen. Das Tempo war zügig, aber nicht zu schnell. Und so vergingen die Jahre in dem Roman, Pug wurde größer und der Titel „Magician: Apprentice“ (Der Magier: Lehrling) wurde Programm. Ich fand es gut und fast sympathisch, dass Pug nicht einfach durch das Fach „Magie“ durchmarschierte, sondern sich Magie als ein Gebiet herausstellt, das Geduld und Ausdauert erfordert.
Mir gefiel zunächst auch, dass das Buch nicht überladen war. Es war eine angenehme Abwechselung, einen Roman mit einem recht einfachen Handlungsstrang, seriellen Abenteuern und Figuren, die nicht plump, jedoch auch nicht überaus komplex waren, zu lesen. Pug hatte seine kleine Welt, Menschen, die ihm gut gesinnt waren, jedoch auch Leute, die Pug auf dem Kieker hatten. Dazu kamen Drachen und andere fantastische Geschöpfe.
Begeistert war ich zunächst auch von den Elfen. Zudem gab es eine wundervolle Szene mit einem Drachen, bei der ich einen Kloß im Hals hatte. Ja, ich fand es toll und so hätte es weitergehen können, ich hätte ewig weiterlesen können.
Doch dann begannen die ersten kriegerischen Handlungen. Da war die Welt für mich noch in Ordnung. Und diese Handlungen wurden mehr
und mehr
und mehr
und mehr.
Nun konnte ich definitiv nicht mehr über mangelnde Komplexität klagen, diese nahm stetig zu: Politische Intrigen wurden gesponnen, eine steigende Anzahl relevanter Charaktere tauchte auf und auch die Hintergründe der verschiedenen Völker/Wesen wurde beleuchtet, schließlich geht es um einen Krieg verschiedener Zivilisationen aus unterschiedlichen Universen. Krieg der Welten, nur im Mittelalter-Setting.
Und da allmählich begann meine Freude nachzulassen. Woran lag es? Während für mich zu Beginn die Figuren noch wegen ihrer Gradlinigkeit überzeugten, wurden sie für mich nach und nach farbloser. Es wurden zwar immer mehr Gestalten, aber ich hatte keine Figur dabei, die mich wirklich packte. Besonders bedauerte ich es bei den Elfen. Ja, ich hatte ein wenig Tolkien und Tad Williams vor Augen, und anfangs ging es auch bei Raymond Feist in die Richtung. Allerdings blieb die Entwicklung für mich irgendwann stehen und es wurde ein wenig fad. Der Kampf, Belagerungen und kurze Schlachten nahmen immer mehr Raum ein und die Charaktere wurden für mich fast schon austauschbar.
Es gab neben Pug noch den anderen Protagonist Thomas, doch besonders Thomas fand ich einfach langweilig. Während Pug eher der Typ für die geistigen Themen waren, mähte Thomas an anderer Stelle die Gegner mit dem Schwert rigoros um.
Ich glaube, für mich ist es nichts, wenn der Kampf zu viel Raum einnimmt. Das Problem hatte ich auch zunächst bei den Powder Mages von Brian McClellan, doch da versöhnten mich die Vorgeschichten, die starken Nebenhandlungen und die letzten beiden Bände rückblickend.
Lange Reder, kurzer Sinn: Nach 500 Seiten lege ich das Buch nun zur Seite. Wenn ihr High Fantasy mögt, probiert das Buch unbedingt aus. Es hat eigentlich alles, was es braucht, um für viele Stunden Unterhaltung zu sorgen.