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Heute ist ein guter Tag, das Patriarchat abzuschaffen

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Brauchen wir den Feminismus noch? Was für eine Frage!

Auch wenn Frauen heute besser dastehen als ihre Mütter und Großmütter: So schnell gibt das Patriarchat nicht auf. Im täglichen Umgang mit männlicher Macht und Gewalt sind Wachsamkeit, Klugheit und Selbstbewusstsein angesagt. Feminist*innen der dritten Generation schreiben über ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Strategien wider die patriarchalen Strukturen. Sieben Essays, sieben Perspektiven, eine Vielfalt von Positionen: die muslimische Feministin und die werdende Mutter, ein:e nonbinäre Science-Fiction-Autorx und die Pfarrerin, die streitbare Journalistin, die publizistische Aktivistin und die erfolgreiche Literatin. Was sie verbindet? Neben dem Kampf für mehr Gleichberechtigung ist es vor allem der Wunsch nach einem solidarischen Feminismus.

- Amani Abuzahra über Intersektionalität und muslimischen Feminismus
- Theresa Brückner über Frauen und Kirche
- Mareike Fallwickl über Männer und wo sie stehen
- Theresa Hannig über feministische Regeln und Rollenbilder
- Henriette Hell über den sozialen Abstieg für Mütter
- Aiki Mira über Queer*Feminismus
- Barbara Streidl über das feministische Streiten

180 pages, Hardcover

Published March 8, 2024

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About the author

Amani Abuzahra

7 books1 follower

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Displaying 1 - 16 of 16 reviews
Profile Image for Anja Stephan.
Author 11 books39 followers
May 25, 2024
Ich habe das Buch geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut. Ich verfüge über ein gutes Wissen über verschiedene Aspekte des modernen Feminismus und bin immer an Weiterbildung interessiert.

Grundlegend: Ich kann das Buch grundsätzlich weiterempfehlen. Es eignet sich super als Einstiegslektüre. Mir haben jedoch ein paar Dinge gefehlt, wo ich es wichtig gefunden hätte, dass diese hier Erwähnung finden.

Ein Punkt, was sicher nur meine persönliche Befindlichkeit trifft, waren die Quellenangaben. Mal gab es im Text Fußnoten, mal nicht. Sicher stehen die Quellen pro Thema im Anhang, aber eine Erwähnung im Text hätte ich gut gefunden, um einen besseren Überblick zu haben, wo denn jetzt welche Infos herkommen. Wenn ich schreibe „Laut X …“ heißt das ja nicht, dass meine Quelle auch X ist, sondern kann auch ABC sein. Und wenn ich X dann nicht im Quellenverzeichnis finde, muss ich raten, wo die Info jetzt herkommt.

Das Buch ist nach Themen aufgebaut. Jede Person, die hier mitgewirkt hat, hat sich einem Thema gewidmet. Ich gehe daher pro Thema durch.

Bettina Schulte (Hrsg.) Vorwort
Im Vorwort werden kurz die Mitwirkenden und ihr persönlicher Hintergrund vorgestellt, der zu den Themen passt, über die sie schreiben. Eine kurze Einführung in die Geschichte des Feminismus erfolgt ebenfalls, allerdings sehr fokussiert auf Frauenrechte und die BRD. Die DDR wurde hier mal wieder vergessen. Ich finde es aber sehr wichtig, sich nicht nur auf die eine Hälfte Deutschlands zu berufen, da wir zwei völlig verschiedene Systeme und Grundlagen haben. In der DDR gab es viele Frauenrechte viel früher und teilweise von Beginn an. Durch das System erfolgte eine Gleichstellung der Geschlechter, weil man die Arbeitskraft der Frauen benötigte und dies nur durch Etablierung von Frauenrechten erreichen konnte, z.B. Arbeit, Konto, Geburtenkontrolle, Kinderbetreuung etc. Das alles kam in der BRD vergleichsweise spät. Dies hat aber bis heute Auswirkungen, da einige DDR-Generationen völlig anders aufgewachsen sind und erzogen wurden und dem entsprechend auch ein ganz anderes Verständnis von Feminismus haben als Frauen in der BRD. Wir haben im Osten ganz andere Problematiken, Themen und Diskussionen als in den alten Bundesländern – bis heute. Dieser Aspekt wird immer wieder vernachlässigt, stattdessen werden die Themen der alten Bundesländer als Maßstab genommen und als allgemeingültig verstanden. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass hier etwas differenzierter gedacht wird.

Theresa Hannig: Feminsmus heute:
Dieses Kapitel war ein guter Einstieg. Theresa hat einen sehr persönlichen Blick auf den modernen Feminismus und schildert hier ihren „Werdegang“. Es werden wichtige Themen angesprochen, z.B. gegenseitige Unterstützung statt Konkurrenzdenken. Mir hat hier aber auch ein umfassenderer Einblick in den modernen Feminismus gefehlt. Es wurde mir zu wenig über Queers, PoC, Kapitalismuskritik etc. gesprochen. Wir haben ja einen riesen Sprung gemacht von „Gleichheit für Frauen“ zu „Gleichheit für alle“. Das kommt mir hier deutlich zu kurz. Auch aktuelle Problematiken, z.B. White Feminism oder Trad Wifes haben mir hier gefehlt.

Theresa Brückner: Feministin und Christin – Frauen und Kirche
Christliche Religion und Feminismus war ein bisher völlig unbekanntes Land für mich. Ich habe mich mit Ende 20 taufen lassen, weil ich gern glauben möchte. Die Kirche und Bibel als Institutionen waren mir jedoch immer fremd geblieben und ich habe nie wirklich Zugang gefunden. Der Beitrag von Theresa hat mir hier sehr geholfen. Es geht um die patriarchalen Strukturen innerhalb der Kirchen und auch um Fehlinterpretationen oder falsche Übersetzungen in der Bibel und daraus folgend eben auch eine falsche Darstellung der Frauen. In diesem Zusammenhang werden auch Machtmissbrauch und Verfehlungen der christlichen Kirche angesprochen und am Ende ihres Beitrag entschuldigt sich Theresa dafür. Ich habe hier sehr viel mitgenommen, mir Notizen gemacht und mich abgeholt gefühlt.

Henriette Hell: Fürsorgliche, erfolgreich, sexuell verfügbar und Armutsgefährdet
In diesem Beitrag geht es um den sozialen Abstieg der Mütter. Ich muss ehrlich sagen, dass mir der Beitrag überhaupt nichts gebracht hat. Ich bin seit eigentlich schon immer alleinerziehend und hatte grundsätzlich immer geringe finanzielle Ressourcen, daher setze ich mich seit Jahren intensiv mit dem Thema auseinander. Mir haben in dem Beitrag sehr viele Aspekte gefehlt, die ich aber für unerlässlich halte.

Henriette schreibt, wie ihr hochschwanger klar geworden ist, dass sich ihr Leben verändern wird, sobald sie das Kind bekommt. Ihr persönlicher Blick auf die Thematik kommt mir aber sehr privilegiert vor. Panisch denkt sie darüber nach, wie lange sie nach der Geburt in Elternzeit gehen kann und ob sie immer noch ihre geliebte Selbstständigkeit haben kann oder ob sie sich gar einen festen Job suchen muss. Für viele Menschen stellen sich solche Fragen überhaupt nicht. Genauso wenig wird für die meisten Frauen wohl die Frage aufkommen, ob man jetzt den ETF-Sparplan verringert oder nicht. Oder das fancy Yoga Studio kündigt.

Da geht es vornehmlich darum: habe ich dann überhaupt noch einen Job oder muss ich ins BG? Für viele Menschen gibt es auch die Möglichkeit, in die Selbstständigkeit zu gehen überhaupt nicht, weil sie eben nicht studiert haben oder einen Beruf gewählt haben, wo Selbstständigkeit nicht so einfach geht. Diese Aspekte gehen hier unter.

Es kommen zwar auch Themen wie fehlende Kinderbetreuung, Care Arbeit, Psyche, Kapitalismuskritik und das MILF-Problem zur Sprache, aber deutlich zu kurz. Die werden so am Rand erwähnt und nicht wirklich erklärt.

Auch hatte sie sich wohl vorgestellt, trotz Kind weiterhin längere Zeit ins Ausland zu reisen (sie ist Reise-Journalistin) und ihr wird mit Schrecken klar, dass das ja nun nicht geht. Ja, aber daran ist nicht das System schuld, sondern einfach der Aspekt, dass du Verantwortung für einen Menschen hast, der vollkommen abhängig von dir ist. Solche Aussagen kamen mir unendlich naiv und unüberlegt vor.

Henriette schreibt in ihrem Beitrag, dass sie als junge Frau auf Mütter herabgesehen hat. Das ist tatsächlich ein Phänomen, auf das man stärker hätte eingehen müssen. Es gibt Studien dazu, dass gerade junge Leute keine Probleme sehen, bis es sie selbst dann betrifft, wenn sie Kinder bekommen. Dies sehe ich auch hier. Da hätte ich mir mehr Reflektion der eigenen Denkweisen gewünscht.

Bezüglich der Kinderbetreuung sagt sie: „Ein Kind in der Ganztagsbetreuung heißt auch immer: ganz viel verpassen, sich innerlich zerrissen fühlen, permanent ein schlechtes Gewissen haben.“ Sprich bitte nur für dich selbst. Ich hatte das nie und ich habe die Ganztagsbetreuung immer als etwas Gutes für meine Kinder und auch für mich selbst gesehen. Aber kann auch daran liegen, dass ich eben im Osten Deutschlands groß geworden bin und Ganztagsbetreuung hier normal ist. Auch die Frage, wie lange jetzt das Kind betreut werden kann, stellt sich vielen Familien aus finanziellen Gründen einfach mal gar nicht. Da muss eine Ganztagsbetreuung her, sonst geht die Familie unter, weil sonst ein Großteil des Gehalts wegbricht.

Auch die Aussage: „Aber die Dinge ändern sich eben, wenn du älter wirst und in einer stabilen Partnerschaft lebst. Du bekommst plötzlich Lust auf diese völlig neue, alles verändernde Herausforderung, das Abenteuer „Familie“. „Nope. Bitte sprich auch hier nur für dich selbst. Ich hatte keine „Lust auf ein Abenteuer“, als ich mich entschieden habe, Kinder zu bekommen, sondern weil ich den Zeitpunkt gut und mich reif genug dafür fand. Ich war 26 beim ersten Kind und 28 beim zweiten. Kinder sollte man auch nicht bekommen, weil man gerade mal „Lust“ darauf hat. Was, wenn du keinen Bock mehr drauf hast?

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Henriette zwar sagt, wie gern sie wieder arbeiten wollte, aber andere Frauen dann dafür verurteilt und behauptet, die hätten „ihre eigenen Kinder wahrschlich ewig nicht ins Bett gebracht“. Das viele politische Entscheidungen bezüglich Länge der Elternzeit etc. absoluter Quatsch sind, ist klar. Aber das kann man auch darlegen, ohne Leute für ihren Lebensentwurf zu shamen und ihnen zu unterstellen, sie würden sich nicht um ihre Kinder kümmern.

Desweiteren kam mir die aktuelle Situation viel zu kurz. Hier werden zwar viele Quellen genannt, aber die sind oft aus den 1970ern und auch wieder fast ausschließlich auf die westlichen Gefilde Deutschlands bezogen. Mir haben hier z.B. auch die Einflüsse der COVID-19 Pandemie gefehlt, die ja schon signifikanten Einfluss auf die Lebensumstände der Menschen hatte.

Ich habe mir einen Artikel erhofft, in dem behandelt wird, dass es eigentlich egal sein sollte, wie man sich entscheidet: ob für oder gegen Kinder, ob für oder gegen eine berufliche Tätigkeit. In allen Fällen sollte man keine Angst um die eigene Zukunft und die finanziellen Ressourcen haben müssen oder in totale finanzielle Abhängigkeit zu geraten. Es muss daher mehr Unterstützung für Familien geben, aber nicht nur auf Kinderbetreuung beschränkt, sondern erweitert sich auf Schulen, Freizeitangebote und Weiterbildungen für Eltern usw. Weiterhin muss Unternehmen klar werden, dass es ohne Eltern nicht geht und sie flexiblere Arbeitszeit- und ortmodelle ermöglichen müssen. Und dies muss auch gerade in Bereichen geschehen, in denen man keinen fancy Studienabschluss vorweisen muss, sondern in allen Branchen.

Amani Abzuzahra: Über intersektionalität und muslimischen Feminismus
Der Beitrag dreht sich um Feminismus im Islam. Dabei will Amani hier niemanden missionieren, sondern einfach Vorurteile und Privilegien aufzeigen. Dabei wird der White Feminism thematisiert, der mir in den vorangegangenen Beiträgen etwas zu kurz gekommen ist. Feminismus muss intersektional sein und für etwas sprechen, nicht gegen etwas. Mir hat das Essay viel gebracht und noch einmal ein paar „blinde Flecken“ aufgezeigt.

Aiki Mira: von Monstern, Cyborgs und Cyberpunks
Eigentlich sollte der Fokus des Beitrags hier auf dem Pseudonym liegen, aber wir bekommen hier ganz viel drum herum. Durch ein Pseudonym können Menschen sichtbar werden und zu der Person werden, die sie in Wirklichkeit sind. Aiki Mira schlägt hier mehrere Brücken zur Phantastischen Literatur, explizit Science Fiction und interpretiert Werke in Bezug auf Körper und Identität. Hier kommt vor allem „The girl who was plugged in“ von Tiptree zur Sprache, aber auch Mary Shelly mit „Frankenstein“. Ich fand diese Sichtweisen sehr spannend und einleuchtend. Zumal ich den Eindruck hatte, dass Aiki Mira wirklich Ahnung vom Thema hat und sich nicht scheut, in die Tiefe zu gehen. Das hat mir sehr gefallen.

Mareike Fallwickel: Aber was ist mit den Männern?
Mareike beleuchtet in ihrem Beitrag den Schaden, den das Patriachat bei Jungs und Männern anrichten kann. Ich kannte viele angeführte Autor*innen bereits, fand den Beitrag aber sehr prägnant. Er bringt einfach alles auf einen gute Punkt und erklärt verständlich, warum das Patriachat für niemanden gut ist, auch, oder erst recht nicht, für Männer. Mareike erwähnt hier oft ihren Sohn und ich kann ihre Gedanken dazu nachvollziehen, da auch ich einen Sohn im ähnlichen Alter habe und diese Sorgen teile. Ich fand es schön zu sehen, dass sich auch andere Eltern in dieser Situation befinden. Ich habe hier sehr viel mitgenommen.

Barbara Streidl: Streit im Feminismus
In ihrem Beitrag nimmt Barbara verschiedene Diskurse im Feminismus auseinander, wie die (mittlerweile) fragwürdigen Positionen der Alice Schwarzer, trans-Feindlichkeit (inkl. JKR), White Feminism und Schönheitsideale. Mir hätte es besser gefallen, wenn jeder dieser Reibungspunkte ein eigenes Kapitel bekommen hätte, aber das kann dieses Buch eben auch nicht leisten – man kann nicht alles haben. Dafür gibt es aber auch andere Bücher, die sich damit sehr intensiv auseinandersetzen. Mir war es aber wichtig, dass diese Punkte überhaupt in einem Beitrag behandelt und besprochen werden.

Fazit:
Insgesamt war es ein gutes Buch, ideal für Einsteiger*innen, und noch mal zum Nachlesen. Die Texte waren gut zu lesen und ich denke, dass sie auch von Neulingen verstanden werden können. Ich weiß auch nicht alles und in viele Gefilden des Feminismus habe ich auch noch nicht reingeschaut. Hier hat mir das Buch auch noch mal gut Input gegeben. Ohnehin fand ich die meisten Artikel sehr gut auf den Punkt gebracht. Von mir gibt’s eine Empfehlung.



Profile Image for Paulina.
93 reviews14 followers
July 20, 2024
Der Sammelband „Heute ist ein guter Tag, das Patriarchat abzuschaffen“ erscheint mir einerseits als ideale Einstiegslektüre in das Feld des Feminismus, da er verschiedene grundlegende Aspekte des Feminismus bzw. des Patriarchats beleuchtet, andererseits ist er auch für „ältere Häs*innen“ geeignet, die ihr Wissen auffrischen und erweitern möchten.

Die sieben Beiträge befassen sich meist eher auf einer persönlichen als auf theoretischer Ebene mit verschiedenen Fragen und Strömungen des Feminismus sowie Gesichtspunkten des Patriarchats mit seinen vielfältigen Unterdrückungsmechanismen. Themen wie die (feministische) Mutterschaft in einer patriarchalischen Gesellschaft, Glaube/Kirche und Feminismus, intersektionaler- oder Queerfeminismus, die Rolle der Männer im Patriarchat sowie Konflikte innerhalb des Feminismus werden behandelt.

Die Beiträge rufen oft Traurigkeit und Wut hervor, laden zur Selbstreflexion ein und schaffen mehr Bewusstsein für einen unserer größten Missstände bzw. prägendsten gesellschaftlichen Faktoren – das Patriarchat.

Eine übergreifende Kernaussage, die in einigen der Essays gefunden werden kann, ist die Aufforderung an Frauen*, sich zu vernetzen, zu solidarisieren und andere Frauen* bewusst zu stärken. Dies allein wird das Patriarchat sicherlich nicht abschaffen, noch ist es alleinige Aufgabe von Frauen*, hierfür zu sorgen. Es schafft jedoch Veränderungen im Kleinen und gibt uns ein Stück Selbstwirksamkeit.

Die allermeisten Beiträge des Sammelbandes sind sehr gut verständlich und lassen sich flüssig lesen. Alles in allem ist das Buch auf jeden Fall eine sehr große Leseempfehlung und ein wichtiger Beitrag, damit wir das Patriarchat in der fernen Zukunft vielleicht wirklich hinter uns lassen oder zumindest stetig ein wenig weiter schwächen können.

Sehr cool finde ich zudem den Buchtitel und die farbliche Gestaltung des Buches – ich freue mich, es in meinem Bücherregal zu wissen!
Profile Image for Taya.
58 reviews
June 2, 2024
Schöne persönliche Einblicke in die Lebensrealität sehr unterschiedlicher Feminist*innen. Nur das letzte Kapitel fand ich stellenweise schwierig. Z.B. dass die Autorin ein Konfliktpotenzial zwischen beispielsweise Muttersein/Schönheitsoperationen/Kopftuch... und Feministi*in detektiert. An dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, dass sie noch erklärt, dass Feminismus auch bedeutet, dass jede Person frei entscheiden kann, was sie anzieht, rasiert, wie sie leben möchte. Das ist für mich der Kern von Feminismus, den sie hier komplett vergisst: die freie Wahl.
Profile Image for David.
1 review
June 25, 2024
An sich ein sehr gutes Buch, um einen kleinen Einblick auf verschiedene Diskurse innerhalb der feministischen Bewegung zu bekommen. Ich bin mir sehr sicher, dass viele (weiße) Personen, die dieses Buch lesen, einen bisher für sich unbekannten Aspekt im Feminismus kennenlernen und sich mit ihr kritisch auseinander setzen.
Profile Image for Nachtfalter.
51 reviews5 followers
May 10, 2024
»Die Liste der Vorstellungen davon, wie Feminismus richtig praktiziert wird, ist lang und voller krasser Wiedersprüche.«

»Heute ist ein guter Tag, das Patriarchat abzuschaffen« ist wohl eines der wichtigsten Sachbücher, die ich je gelesen habe. Absolut lesenswert für alle, die sich mit modernem Feminismus auseinandersetzen wollen, egal ob man sich noch nie mit Feminismus beschäftigt hat, oder seit Jahren dabei ist.

Die Esseysammlung erschien im März 2024 und beinhaltet Text der Autor*innen Amani Abuzahra, Theresa Brückner, Mareike Fallwickl, Theresa Hannig, Henriette Hell, Aiki Mira und Barbara Streidl. Es geht um Feminismus in vielen Facetten. In Religion, Rollenbildern, Arbeit, Queerness. Es geht um die Lebensrealitäten der 7 verfassenden Personen. Einiges war mir bekannt, vieles war augenöffnend. Dabei bedienen sich alle einer gut lesbaren Sprache. Zwar wird manchmal mit Fachbegriffen gearbeitet, der Stil der einzelnen Geschichten ist jedoch gut verständlich und stellt kein Hindernis da für Menschen, die mit Fachtexten nicht vertraut sind.

Ich möchte gerne zu allen Autor*innen etwas sagen und bespreche die Texte, wie sie im Buch angeordnet sind.

Schon das Vorwort von Herausgeberin Bettina Schulte regt zum Nachdenken an. Es führt in die Thematik ein und gibt einen Überblick über die folgenden Texte.

Theresa Hannig über feministische Regeln und Rollenbilder
Dieser Themenbereich bildet einen guten Einstieg, denn vielen Frauen (und weiblich gelesenen Menschen) sind die Regeln und Rollenbilder bekannt, die hier aufgeführt und analysiert werden. Besonders die Abschnitte über dünn sein in den 90ern (die Ära der Supermodels lief gerade aus, der Heroin-Chic, geprägt von Kate Moss kam auf) hat mich sehr mitgenommen. Hannig erzählt auch über ihre Kindheit und Jugend, wie Rollenbilder und Regeln von Müttern und Großmüttern weitergegeben werden. Dabei gibt sie tiefe und (wie ich finde) persönliche Einblicke in ihr Leben und wie sich ihr eigener Feminismus entwickelt bzw. Weiterentwickelt hat.

Theresa Brückner über Frauen und Kirche
Mein erster Gedanke, als ich von Feminismus und Christentum las, war »Was will mir denn bitte eine Pfarrerin über dieses Thema erzählen?« (gerne zu lesen mit einem spöttischen Unterton). Die Antwort ist: Viel! Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet dieser Beitrag mir so viel spannendes über das Christentum erklären könnte. Ich würde sogar sagen, Theresa Brückners Erfahrungen zu lesen, hat meine Sicht auf das Christentum verändert. Frauen existieren in der Bibel nicht nur als Deko oder Suppotertinnen. Sie sind teilweise fehl-übersetz, wie viele andere Frauen in vielen anderen Büchern, die in der Vergangenheit von Männern übersetz wurden. Auch spricht Brückner den »Spirituellen Missbrauch« an, der Ideen wie »Jungfrau bis zur Ehe« und Ähnliches, mit sich bringt. Ich bin von diesem Bericht sehr ergriffen, ich hatte kein Bild davon, was die Bibel an Frauen und für Frauen zu bieten hat.

Henriette Hell über den sozialen Abstieg für Mütter
Dieser Beitrag wird eingeleitet mit »Führsorglich, erfolgreich, sexuell verfügbar und armutsbetroffen«. Viele Frauen wollen genau das sein (bis auf letzteres), weil sie von der Gesellschaft vermittelt bekommen, so sein zu müssen. Ist das überhaupt schaffbar? Ich glaube nicht. Es wird auch darauf eingegangen, wie Mütter vom deutschen Staat vernachlässigt werden, es werden keine Betreuungsplätze für Kinder geschaffen und wenn Frau zuhause bleibt, schlägt es sich in der Rente nieder. Egal, wie man es macht, man macht es falsch. Doch die Autorin geht auch auf das eigene Frauenbild ein und wie es sich zwischen ihren 20ern und 30ern geändert hat.

Amani Abuzahra über Intersektionalität und muslimischen Feminismus
Nachdem Theresa Brückner schon den Feminismus im Christentum durchgenommen hat und mir einiges beibrachte, war ich umso interessierter am Feminismus muslimischer Menschen. Und ja, das geht! Kopftuch tragen und Feministin sein, schließt sich nicht aus. Mir war nicht bewusst wie stark weiße/westliche Feministinnen Frauen mit Kopftuch ablehnen. Einfach so, ohne den Kontext zu kennen, ohne sich mit der Religion auseinanderzusetzen. Amani Abuzahra erzählt sogar von Panneldiskussionen oder Vorträgen, zu denen sie eingeladen war, und auf denen ihr Unglaube entgegenschlug, noch bevor sie auch nur ein Wort gesagt hat. Einfach nur wegen des Kopftuchs. Während ich mich selbst hinterfrage, wird mir klar, dass auch ich eine von diesen Leuten hätte sein können, die ungläubig den Kopf schütteln. Eine Muslima mit Kopftuch, die mir etwas zu Feminismus erzählt? Passte in meinem Kopf nicht zusammen, zumindest nicht bis zu diesem Beitrag.

Aiki Mira über Queer*Feminismus
Autorx Aiki Mira (verwendet selten Pronomen, darum werde ich das auch versuchen: YAY Herausforderung) schreibt darüber, dass Ablehnung erfahren wurde, weil Herausgeber nur Veröffentlichungen unter Klarnamen wollten. Aber auch über die Macht von Pseudonymen. Dabei geht Mira besonders auf den Autor James Tiptree Jr. ein, der in Wirklichkeit Alice B. Sheldon hieß und fast schon zwei verschiedene Leben führte. Vorurteile besonders (aber nicht nur) in der Science Fiction werden angesprochen. Wie schreibt ein Mann, wie schreibt eine Frau? Können Frauen überhaupt SF schreiben? Aber es geht auch darum, wie viele Freiheiten zur eigenen Selbstdarstellung ein Pseudonym geben kann. Aiki Mira ist non-binär, sind die entstandenen Texte deswegen anders? Wie feministisch ist es für Frauen unter männlichem Pseudonym zu schreiben? Auf vieles geht Aiki Mira ein und ich habe mich am Ende des Beitrags dabei erwischt, wie ich gerne applaudiert hätte.

Mareike Fallwickl über Männer und wo sie stehen
Auch Männer leiden unter dem Patriarchat, das wusste ich, jedoch war mir nicht klar wie sehr. Wie krass, schon Jungs im Kindergarten von anderen Jungs in eine Vorstellung von Männlichkeit gepresst werden, in der sie, im schlimmsten Fall, ihr Leben lang festsitzen. Das Patriarchat hat eine bestimmte Vorstellung davon, wie Männer zu sein haben und alles, was dem nicht entspricht, muss entfernt werden. Es war schmerzlich, das zu lesen. Aber auch gut, zu erfahren, dass offenbar momentan eine Generation an jungen Männern heranwächst, die sich dagegen auflehnt, die für mehr (Chancen-)Gleichheit aller Geschlechter ist, die Frauen, trans und nicht-binäre Menschen supportet. Das Ende des Berichts gibt eine positive Aussicht in die Zukunft.

Barbara Streidl über das feministische Streiten
Von ihr stammt das einleitende Zitat »Die Liste der Vorstellungen davon, wie Feminismus richtig praktiziert wird, ist lang und voller krasser Wiedersprüche.«, denn auch in den vielen feministischen Bewegungen über die Jahrhunderte hinweg, gab es Streit darüber, wer wie wann feministisch ist und handelt. Wer vom Feminismus profitiert und wer nicht. Wie weißer Feminismus potenziell BiPoC, Menschen mit Behinderungen oder anderweitig marginalisierte Gruppen ausschließt (siehe das Beispiel von Amani Abuzahra: Frauen mit Kopftuch). Kann es ein »Wir« geben im Feminismus? Und wenn ja, wie sieht das dann aus? Was ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich Feminist*innen einigen können? Der letzte Beitrag in diesem Buch regt gleichzeitig am meisten zum Nachdenken an und entlässt die Lesenden in die Welt ihrer eigenen Gedanken.

Ich habe in jedem Fall sehr viel über dieses Buch und die vielen Meinungen nachgedacht und werde es sicherlich noch einmal lesen. Ich kann es, wie einleitend schon erwähnt, einfach allen empfehlen, die sich auch nur ansatzweise für Feminismus, Gleichberechtigung und den Fall des Patriarchats interessieren.
23 reviews
April 13, 2024
Super spannend!! Vor allem die Beiträge von Hell, Abuzahra und Fallwickl sind mehr als lesenswert, eher ein „sollte-jede*r-gelesen-haben-müssen“.
Profile Image for Yvonne Tunnat.
96 reviews7 followers
March 10, 2024
Ich habe das Buch an einem Tag (am Tag nach Erscheinen) komplett durchgelesen, während ich nebenher die Kinder gehütet habe (was gut zum Thema des Buches passt).

Jeder Essay hat zu mir gesprochen, die meisten an vielen Stellen, bei einigen war ich emotional auch sehr stark beteiligt. Ich bin unsicher, ob ich nun noch frustrierter oder etwas hoffnungsvoller bin.

Prämisse des Buchs ist meiner Meinung nach, dass wir zusammenhalten sollten, zusammen das Patriarchat abzuschaffen und zwar ggf. GEMEINSAM mit den Männern, da auch ihnen das nicht gut tut. Die Botschaft des Zusammenhalts, des gegenseitigen Unterstützens ist mindestens Nebenthema jeden Essays und mir scheint, die Autor:innen haben irgendwo auf ihren Wegen bemerkt, dass das hier alles kein Wettbewerb von "wer kann am besten" ist, sondern wir nur kooperativ und gemeinsam weiterkommen, uns gegenseitig zuhören und gegenseitig unterstützen, und zwar auch ganz explizit mit Männern (sofern diese mitziehen, natürlich).

Mir ist einiges klar geworden, so auch die Reaktion unterschiedlicher Menschen. Warum fällt es der muslimischen Mutter mit Kopftuch und vier Kindern so viel leichter, die Nonbinarität meines Kindes sofort zu verstehen? Und einem cis-hetero-Mann, der dem Kind viel näher steht, so schwer? Vielleicht, weil es viel leichter ist, zu verstehen, wenn man selbst Diskriminierungserfahrungen hat.

Den Autor:innen ist klar, dass sie immer noch privilegiert sind, dass es oft einfach weißer Feminismus ist. Der Anspruch des Buchs, der im Vorwort genannt wurde, wurde nicht ganz getroffen (noch nicht), dazu fehlen noch viele Stimmen.
Immerhin haben wir hier die Stimme einer nonbinären Autorx und einer feministischen Muslima. Ein guter Anfang ist gemacht! Lass uns hier nicht stehen bleiben.

Ich habe das Buch echt eingeatmet und mich in vielem wiedererkannt. Ich bin ähnlich aufgewachsen wie Theresa Hannig und erkenne vieles, anderes vielleicht nicht, aber es ist so nachvollziehbar geschrieben, dass ich mich auch mit den Dingen identifizieren kann, die mich gar nicht betreffen. So glaube ich beispielsweise nicht an Gott, weder an einen christlichen noch an einen muslimischen, aber auch diese beiden Essays haben zu mir gesprochen.

Auch der Sinn von Streit: Wann sollten wir streiten und wie? Streit kann dazu dienen, uns zuzuhören.

Viele tolle Stellen, ein tolles Buch! Bitte mehr davon!
Profile Image for Laura.
235 reviews
June 16, 2024
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten und bedanke mich herzlichst dafür!
Das Buch ist vom Design her schlicht und der Titel beinahe reißerisch. Daher hat mich das Buch wahnsinnig interessiert und ich bin überhaupt nicht davon enttäuscht worden.
Wer hier eine wissenschaftliche Abhandlung haben möchte, ist allerdings falsch! Das ist in diesem Kontext sogar sehr passend. Die Autor*innen schreiben über ihre Ansicht des Feminismus, Gegenmeinungen und wie es für uns alle besser werden kann.
V.a. wird auch thematisiert, wie Glaube und Feminismus zusammengehören kann. Christentum und Islam? Für den Buch hätte ich - ehrlicherweise - oft noch meine Augen verdreht. Die beiden Autorinnen haben ihre Kapitel allerdings so gut verfasst, dass ich über ihre Ansichten des Glaubens und wie sie die Welt wahrnehmen, sicherlich auch noch oft darüber nachdenken werde.
Auch Mareike Fallwickls Kapitel hat mich vollends überzeugt. Die Rolle der Männer im Feminismus bzw. im Patriarchat. Dazu möchte ich nicht zu viel spoilern, aber ich danke ihr herzlichst über das Offenlegen der Problematik.
Da ich nun speziell ein paar Kapitel angesprochen habe, möchte ich nun auch Bezug auf die anderen nehmen. Auch diese sind wunderbar gelungen. Ich werde das Buch sicherlich irgendwann noch einmal lesen und oft über die Sachen nachdenken, die hier drinnen stehen.
5 reviews
January 4, 2026
Es finden sich wichtige feministische Sichtweisen und Beschreibungen unterschiedlicher Lebensrealitäten und Perspektiven im Buch. Argumentativ waren einige- allerdings nicht alle Perspektiven für mich nachvollziehbar geschildert oder mit reellen Beispielen unterlegt. Der Beitrag von Mareike Fallwickel hat mich allerdings sehr betroffen zurückgelassen und hallt sicher lange noch in mir nach.
Grundsätzlich kann ich eine Leseempfehlung für das Buch aussprechen.
Profile Image for Victoria.
11 reviews
August 26, 2024
Das Patriarchat abschaffen - auf jeden Fall! Der feministische Kampf muss weitergehen.
Bei dem Buch haben mich einige Themen mehr, einige weniger interessiert.
Bis auf das Vorwort war es mir nicht kämpferisch genug. Bei dem Titel hätte ich mehr Aufrufe, Positionierungen und Forderungen erwartet.
Profile Image for Annika.
51 reviews
June 8, 2025
Eine sehr interessante Sammlung von Texten, die alle eine andere Perspektive im Spektrum des heutigen Feminismus einnehmen - einige Positionen waren mir bekannt, andere haben mir einen ganz neuen Blick eröffnet. Vor allem haben mich die kurzen (persönlichen) Texte zum Nachdenken angeregt und zur weiteren Auseinandersetzung mit einigen der aufgegriffenen Themen.
Profile Image for Birgit.
505 reviews55 followers
June 3, 2024
Mehrere, junge deutsche Autor:innen wurden gebeten, einen Text über Feminismus und was er für sie bedeutet zu schreiben. Das Ergebnis: Ein sehr lesenswertes Buch, das zwar einiges offensichtliches wiederholt, aber auch ganz viele Perspektiven aufzeigt.
Ausführliche Rezension folgt.
Profile Image for Elisabeth.
8 reviews
July 20, 2025
....und nochmal extra 5/5 Sterne für den Beitrag von Theresa Brückner, der hat mich wirklich sehr berührt ⭐⭐⭐⭐⭐
Profile Image for dilara.
19 reviews2 followers
October 19, 2025
gute und wichtige persönliche eindrücke, die sich in einem band vereinen - besonders gefallen hat mir das kapitel von fallwickl.
Profile Image for Estrelas.
944 reviews
August 18, 2024
„Die hier versammelten Autorinnen geben ihre Gedanken und Gefühle preis, ihre Texte erheben nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Doch gerade, indem sie Einblick geben in individuelle Befindlichkeiten, können wir uns darin wiederfinden.“

Die Blicke unters Kopftuch, in die Gedanken einer Pfarrerin oder hinter die Stirn einer Transidentität sind wichtig. Schließlich vereint alle Stimmen der Kampf um Anerkennung ihrer Person.
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