Nix los Frank Goosen erzählt sein Erwachsenwerden in den 80er-Jahren der alten Bundesrepublik. Man nehme ein bisschen Zeit, einen Laptop und den Bestseller Die Generation Golf von Florian Illies. Hinzu schütte man ein paar persönliche Erfahrungen, vermenge sie gut mit Altbekanntem und fertig ist ein Roman über die 80er-Jahre. Der Held in Frank Goosens Romandebüt "liegen lernen" heißt Helmut. Seine Mutter ist dick und Hausfrau, sein Vater geht immer in den Keller, um seine riesige Plattensammlung zu bestaunen und um heimlich gedankenverloren zur Musik zu tanzen. Helmut schaut fern, neuerdings sogar in Farbe. Diese Welt ist so lange in Ordnung bis Britta, die Neue, in der Klasse auftaucht. Ihre Eltern wohnen in einem Haus am Waldrand, sie sind Künstler und Britta nennt sie beim Vornamen. Helmut verliebt sich unsterblich in sie, die beiden schlafen miteinander und er beginnt durch sie beeinflusst, sich politisch in Aktionsgruppen zu engagieren. Von heute auf morgen verlässt Britta ihn, um, wie sie sagt, in Amerika neue Erfahrungen zu sammeln. Für Helmut jedoch bleibt sie die große Liebe seines Lebens und es dauert bis in die zweiten Hälfte der 90er-Jahre und bedarf drei weiterer Beziehungsversuche, bis er sich von diesem Schock erholt. Das alles muss der Leser mit jede neue Beziehung mit beginnen, sich durch die Mühen der Ebene schleppen und jedes Mal ihr Scheitern durchleiden. Das alles auf der Folie der 80er-Jahre, mit ihren bekannten Symptomen Friedensbewegung, Kohl-Lethargie und Konsumrausch. Alles nichts wirklich Neues. Aber alles spannend für die Kinder dieser Zeit. Die alte Bundesrepublik beginnt nun nach der Wiedervereinigung langsam, sich ihre Geschichte zu erzählen. Sie scheint von den Ereignissen um 1989 ebenso mitgenommen worden zu sein wie die ehemalige DDR. Anders ist diese Bestandsaufnahme und das ewige Kreisen um Kindheit als Versicherung einer Herkunft nicht zu erklären. Frank Goosen hat zu dem Puzzle, das westdeutsche Identität bedeuten könnte, seinen Teil beigetragen. Leider jedoch keinen großen und man glaubt langsam wirklich, dass es damals sehr langweilig gewesen sein muss. --Jana Hensel
Ziemlich dünner bundesdeutscher Abklatsch von Nick Hornbys High-Fidelity, das als unglaublich viel witzigeres und authentischeres Vorbild auf vier Sterne hochgestuft werden müsste. Zum Glück für den nicht sonderlich begabten Verfasser, der mit dieser Leistung immerhin den hiermit von mir gestifteten „Most-boring-Sex-Award“ abstaubt, geht mir sein vollkommen rückgratloser Held nicht ganz so konsequent auf den Nerv wie der selbstgerechte und vor Selbstmitleid zerfließende Rob aus dem Vorbild. Von daher tummeln sich beide im Zwei-Sterne-Revier. Ein Stern wäre einfach ein zu großes Kompliment für diesen literarischen Cheeseburger, einen Stern gibt es, wenn schon, für missratete Menüs, aber nicht für so eine fade Bulette oder Doublette.
Durchwachsen. Ich erinnere mich, dass ich das Buch beim ersten Lesen im Jahr 2001 ziemlich toll fand, aber irgendwie kommt es mir zwei Jahrzehnte später recht flach und banal vor. Auch ein Gefühl für die Zeit, in der die jeweiligen Abschnitte spielen, stellt sich nicht wirklich ein, es bleibt bei Schlagwörtern und einer generell negativen Haltung, die mich schlichtweg nervte. Wie Ich-Erzähler Helmut leider auch, der kaum mehr als ein Schwanz auf Beinen ist und sich bis kurz vor Schluss nur in seiner Infantilität suhlt, um dann auf den letzten Seiten noch schnell eine Art Erweckungsnacht o.ä. hinzulegen... och nö. Schwer vorstellbar, dass jemand sich eine ernsthafte Beziehung mit diesem Typen wünscht, geschweige denn ein Kind mit ihm. Fragwürdig auch, wie Goosen die Exfreundinnen seines Protagonisten abkanzelt - im Nachschlag sind sie dann dick geworden, alt, abgerockt oder lesbisch, natürlich spießig, in schlimmen Langweilerehen gefangen oder mehrmals geschieden oder seit zehn Jahren ohne Beziehung... ja nee, ist klar, allein Helmut geht unbeschadet durch die Jahrzehnte, rank und schlank und frisch wie ehedem. Frauen bei Frank Goosen haben in erster Linie eins zu sein: schön. Das ist Helmuts vorrangiges Augenmerk. Was Sinn macht, denn ein Innenleben oder eine erkennbare komplexe Persönlichkeit gesteht Goosen den Damen nicht zu, sie werden allein über Haarfarbe und Beruf definiert, höchstens noch über ihre Einrichtung (kitschig, spießig, angepasst oder aber knalloballo). Aber möchte man sowas heutzutage noch lesen? Der Mann, das komplexe, zerrissene, sich selbst nicht verstehende Wesen, und die Frau: hübsch! Hm. Da passt es dann auch nur zu gut ins Bild, dass Helmuts Mutter kaum mehr als ein schlecht riechendes, komplett eigenschaftsbefreites Haustier ist. Problematisch auf diversen Ebenen, und längst nicht so witzig, wie ich es in Erinnerung hatte. Bin ganz froh, dass "Liegen lernen" bei Kindle Unlimited verfügbar ist, sonst hätte ich mich geärgert.
Hätte mich vor dem Lesen dieses Buches jemand gefragt, ob ich nach Hornby und von Stuckrad-Barre noch mal von einem Loser lesen möchte, der zur Selbstfindung alle seine Exen abklappert, hätte ich "nein" gesagt.
Und ich hätte recht behalten.
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"Liegen lernen" handelt von Helmut und seinen Fickgeschichten in den 80ern. That's ist. Das ist ziemlich ernüchternd, hauptsächlich deshalb, weil man auf den ersten 100 Seiten noch die vage Hoffnung hat, dass das ganze am Ende doch noch irgendeine interessante Richtung einschlägt. Das tut es aber nicht. Die Freundinnen wechseln sich ab, Helmut treibt plan,- und ziellos durch sein Studentenleben und all das, ohne dass er sich dabei groß für die Welt in der er lebt zu interessieren scheint. Das ist ziemlich paradox, denn es scheint als wolle der Autor den spezifischen Zeitgeist eben jener Welt der 80er einfangen. Aber da der lethargische und apolitische Helmut mit einer wachsenden Arschlochhaftigkeit von Frau zu Frau taumelt, bekommt man außer seltsam detaillierter Beschreibungen zeitgenössischer Damenmode, Brüsten, Schallplatten und eben besagten Fickgeschichten nicht wirklich ein Gefühl dafür. Aber vielleicht war damals ja auch nicht mehr los.
Helmut, Jahrgang '66, wird in den 80er Jahren im Ruhrpott erwachsen. Ist von seinen Eltern genauso genervt, wie die beiden voneinander, verliebt sich in die Neue in der Klasse (die zudem auch noch coole Eltern hat, die am hellichten Tag miteinander Sex haben) und hat wegen ihr auch seinen ersten - und wahrscheinlich auch einzig wirklichen - Liebeskummer, als sie nach Amerika geht. Er wollte eh auf sie warten, aber sie hat andere Pläne und verschwindet nach ihrer Rückkehr sofort nach München. Helmut tröstet sich in der Folge mit anderen Frauen, wird aber nie richtig glücklich und am Ende trifft er dann sogar Britta wieder...
Der Romanheld erinnerte mich viel an meinen Liebsten, der genauso alt ist wie Helmut und vermutlich in den 80ern ähnliches erlebt hat. Zumindest die Episode wie Helmut auf Klassenfahrt einen Abstecher nach Ost-Berlin macht hört sich genauso an wie das, was mein Liebster mir von seinen Besuchen in den Ostblockstaaten erzählt hat. Insofern MUSS er dieses Buch einfach lesen!! Ich selbst fand das Buch sehr angenehm zu lesen, und teilweise auch recht spannend, weil ich immer auf das Happy End wartete...
Ich hab das Buch mit einer 10.Klasse gelesen und sie vorher gewarnt: Es geht nur um das eine Thema. Um nichts Anderes. Sämtliche Handlung drumherum ist nur Beiwerk zu dem einen, alles beherrschenden Thema.
Insofern ist das Buch nicht jedermann's Sache. Auch meine nicht. Der Abschnitt über Helmuts Erfahrungen als Student jedoch kam mir doch sehr bekannt vor. Da fand ich mich und meine Erfahrungen an der Uni wieder. Insofern...doch meine Sache.