Als Felix Nowak seinen Vater zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, ist dieser schon seit 19 Jahren tot. Zumindest glaubt das der Protagonist in Frank Goosens Pink Moon -- weil es ihm von der Mutter zu seinem 18. Geburtstag so erzählt worden ist. Aber es stimmt ja so einiges nicht in seinem Leben -- was mit dem Vornamen beginnt. Denn Felix Nowak ist keineswegs jener Glückliche, auf den seine Mutter ihn getauft hat, sondern besitzt eher viel Talent zu melancholisch-pessimistischer Lethargie. Gemeinsam mit seinem Freund Walter besitzt Nowak ein Café-Restaurant namens "Pink Moon", das mit seinem Geld finanziert worden ist. Dann stirbt Nowaks Mutter, die Felix mit schrägen Männerbekanntschaften zur Flucht nach Berlin und zur Nervenkrise erzogen hatte. Und am nächsten Tag ist Felix felsenfest davon überzeugt, seinen tot geglaubten Vater auf der Straße gesehen zu haben. Danach gerät sein Leben zwischen namenloser Trauer und der Erinnerung an das bekannt-unbekannte Gesicht aus der Vergangenheit, das er nur von einem Foto kennt, immer mehr aus den Fugen ...
Man weiß letztlich nicht genug, es passiert eigentlich nichts, dafür ist die Sprache ganz schön, aber Goosen hat schon viel besseres geschrieben. Atmosphäre ist nicht alles, vor allem im Medium Literatur.
Felix, der Besitzer des Lokales mit dem Namen Pink Moon, zieht die seltsamsten Menschen an. Alle Personen in seinem Umkreis scheinen auf die eine oder andere Art 'verrückt' zu sein. Da ist der Mann der unter ihm wohnt und eines Tages sich in Felix' Wohnung versteckt. Da ist Maxime, eine Frau aus seiner Vergangenheit, die Felix bei sich wohnen ließ, ihn gezielt erregte um ihn dann doch wieder zu frustrieren und sich ihm in letzter Sekunde zu entziehen. Und so erzählt der Roman über die unterschiedlichsten Menschen mit denen Felix zu tun hatte und hat. Der Roman folgt keinem eigentlichen Handlungsstrang, die Rahmenhandlung kann man getrost als trivial bezeichnen. Es gibt keine Wenden, keinen Konflikt, keine Spannung im üblichen Sinn. Es gibt nur die Erzählung von wenigen Wochen im Leben von Felix.
Diese Tatsache allerdings tut dem Werk überhaupt keinen Abbruch, ganz im Gegenteil werden dadurch die Charakterisierung der Personen und vor allem die außergewöhnlich schöne Sprache in den Vordergrund gerückt. Und hier liegen auch die absoluten Stärken dieses Buches. Die Sprache ist so schön, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte und die Figuren sind teilweise so skurril, dass man wissen möchte was als nächstes geschehen wird.
Frank Goosen legt ein wahrhaft außergewöhnliches Werk vor, das man sich unbedingt zur Hand nehmen sollte - so man schöne Sprache und interessante Figuren in einem Roman sucht. Es ist wirklich bewundernswert wie gut es Goosen gelungen ist, den Leser nicht zu frustrieren obwohl er keine erwähnenswerte Handlung geschaffen hat.
Laut Klappentext ist die Hauptfigur auf der Suche nach seinem Vater (den er nie kennenlernte). Allerdings umfasst das nur so ungefähr die ersten 20 Seiten und dann wieder die letzten 20 Seiten. Dazwischen geht es um ganz andere Dinge im Leben von Felix, der im Grunde gar nicht so viel tut tagein tagaus. Er hockt in dem Lokal rum, bei dem er Teilhaber ist, er hat Frauengeschichten, er schwelgt in alten Erinnerungen und er schlägt sich mit einem Nachbarn rum, der selbst einige Probleme hat. Ich fand das Buch nur mäßig gut, vielleicht ist es auch einfach für eine andere Zielgruppe gedacht.