Seit mindestens 3 Jahren hab ich den gleichnamigen Film in der Ankündigung für das Weihnachts-TV-Programm entdeckt und mir jedes Mal gedacht "jetzt lieste aber endlich mal das Buch, dann kannste auch den Film gucken" (ich mach es möglichst immer in dieser Reihenfolge). Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt.
"Der Weihnachtshund" ist der erste richtige Roman, den Daniel Glattauer anno 2000 geschrieben hat. Und das merkt man dem Buch durchaus an. Glattauer, von Haus aus eigentlich Journalist mit dem Spezialgebiet Kolumnen, Feuilleton und Geschichten aus dem Gericht (die er vorzüglich und meist höchst ironisch im "Standard" zu erzählen pflegte), hat auch im "Weihnachtshund" diese Schreibweise noch beibehalten. Doch was in der Zeitung so vortrefflich funktioniert, hat für mich in Romanform nicht so gut gepasst. Jeder Satz für sich ist zwar schön formuliert, doch in der Masse sind die ganzen Wortwitze, Spitzfindigkeiten und außergewöhnlichen Formulierungen eben doch sehr anstrengend zu lesen. So musste ich den Satz zweimal lesen, wenn er vom "explosionsartigen Ausdruck der Unverträglichkeit einer zu großen Menge Alkohols" schreibt. Und da so eine durchaus tolle Beschreibung eben in jedem 2. Satz vorkommt, bricht das meinen Lesefluss recht häufig. Auch wenn ich es klasse finde wenn er "früh entschlossene Führerscheinbesitzer mit langstieligem Werkzeug zur Schnee-Umverteilung am Straßenrand" ihren Restalkohol vom Vorabend abbauen lässt.
Doch es war nicht nur der anspruchsvolle Schreibstil, sondern auch die doch recht abstruse Handlung bzw. Charaktere, die mich mehr als einmal gefordert haben. Wäre es kein Glattauer gewesen, und hätte ich es nicht extra für meine Book2Movie Challenge gelesen, vielleicht hätte ich sogar abgebrochen mit dem Vermerkt "too strange". So aber hielt ich durch, und hatte durchaus auch vergnügliche Momente. Aber für mehr als 3 Sterne (und einen halben Stern davon gab es nur weil es ein Glattauer war) hat es dann doch nicht gereicht.
Ich habe schon 5 spätere Bücher von Daniel Glattauer gelesen, und weiß daher dass er seinen Schreibstil später durchaus der Romanform angepasst hat und trotzdem seine Einzigartigkeit und seinen Humor nicht verloren hat.
Book2Movie Rezension
Das Beste am Film fand ich eigentlich den Schauplatz: Wien. Und immer wenn es eine Außenaufnahme gab rätselte ich mit, wo das denn vielleicht gedreht wurde. Einige Drehorte waren mir gut bekannt, und ich hätte 2004 leicht mal über ein Drehteam stolpern können. Bin ich aber nicht. Nicht wissentlich zumindest.
Wenn man den Film heute ansieht, könnte man aber auch schnell mal denken er wäre aus den 90ern. Er wirkt jedenfalls schon etwas in die Jahre gekommen. Die Mode, die Darsteller, die cineastischen Bilder...verbinde ich alles mit den 90ern.
Die Grundhandlung der Buchvorlage wurde übernommen: Max will für seinen Hund Kurt über die Weihnachtsfeiertage einen Hundesitter finden, damit er dem für ihn tristen Weihnachten in Wien entkommen kann. Katrin nimmt sich Kurt sehr gerne an, damit sie Heiligabend nicht mit ihren Eltern verbringen muss. Ansonsten haben die Figuren aber eigentlich ganz andere Charakterzüge als im Buch. Nicht nur optisch, sondern auch in der Art wie sie sich geben, hatte ich sie mir beim Lesen ganz anders vorgestellt.
Vor allem Max' Problem beim Küssen wurde stark abgewandelt, und es gab noch nicht mal eine wirkliche Erklärung wieso er dieses Problem denn eigentlich hat. Daher gab es konsequenterweise auch keine 'Lösung' dafür.
Kurt, eigentlicher Titelheld der Geschichte, kommt sowohl im Buch als auch im Film nur als Randfigur vor. Sicherlich auch bedingt dadurch, dass er fast nur schläft. Immerhin fungiert er als Katalysator für die diversen Treffen von Max und Katrin. Deren schnelles ineinander Verlieben fand ich im Buch schon ziemlich rasch (und ohne so wirkliche Erklärung), aber gut, soll sein. Im Film fand ich es noch unglaubwürdiger, obwohl die beiden Darsteller optisch durchaus ein schönes Paar zusammen abgeben.
Für mich gehört dieser Film fortan also nicht zum Weihnachts-Pflichtprogramm, bzw. zum Kreis der Filme die man rund um Weihnachten gerne mal sehen möchte. Es ist ein belangloser und etwas langweiliger Film um ein Paar, die erst noch ein Paar werden müssen. Und natürlich fehlt im Film auch komplett der Wortwitz von Daniel Glattauer, der mich im Buch zwar auch oft zu viel war aber er machte eben auch die Besonderheit der Geschichte aus.
Ich vergebe für den Film 2,5 Sterne
Fazit Buch vs. Film
Beides gehört leider nicht zu meinen Favoriten. Aber der Vollständigkeit halber ist es ganz gut, dass ich dieses Glattauer Buch nun auch endlich mal gelesen habe. Den Film hätte ich nicht wirklich gebraucht.
Gleich nach dem "Weihnachtshund" habe ich übrigens die Verfilmung seines Romans "Geschenkt" angeschaut. Das Buch habe ich vor 4 Jahren gelesen, konnte mich also nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. Im Großen und Ganzen blieb aber die Message des Films die gleiche wie im Buch, und vor allem war der Hauptdarsteller grandios in der Rolle des abgehalfterten Journalisten. Eine Rolle, die Daniel Glatteuer anscheinend öfter mal verwendet hat, und in dem vielleicht auch was autobiografisches steckt?