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Unschuldslamm

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Ruth Holländer kann sich nicht beklagen: Die Scheidung ist durch, der Sohn aus dem Haus, und die 16-jährige Tochter pubertiert fast nicht mehr. Auch Ruths französisches Bistro läuft erfreulich gut. Aber dann kommt ein Bescheid vom Amtsgericht: Zu ihrem Entsetzen wird Ruth zur Schöffin berufen. Sie muss in einem Mordfall beisitzen. Schon bald hegt sie Zweifel an der Schuld des Hauptangeklagten: Hat der junge Mann wirklich seine Schwester getötet? Ruth beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und schon nach den ersten Fragen im Umfeld des vermeintlichen Mörders wird ihr klar, dass sie mitten im gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens gelandet ist ...

320 pages, Paperback

First published January 1, 2014

9 people want to read

About the author

Judith Arendt

13 books1 follower

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Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Feodora.
539 reviews2 followers
June 3, 2018
Ich dachte, ach ein schöner kleiner Krimi...aber der war richtig richtig gut.
Kein Blutrausch, ein bischen Geschichte drumherum...passt
Profile Image for LeseMaus.
63 reviews
February 10, 2014
Der erste Satz: „Der Blick aus seinen schwarzen Augen folgte ihr überallhin.“

Das Innere: Ruth Holländer hat eigentlich schon genug zu tun mit ihrem Café, ihren Kindern, ihrem geschiedenen Mann und mit ihrem Leben überhaupt. Doch nun wird sie unerwartet zur Schöffin berufen, und gleich der erste Fall geht Ruth Holländer so nahe, dass er sie Tag und Nacht nicht loslässt: ein junger Kurde soll seine Schwester getötet haben, und das junge Mädchen ging auch noch zur gleichen Schule wie Ruths Tochter Annika. Ein gefundenes Fressen ist der Fall für die Presse – doch Ruth blickt hinter die Kulissen, denn sie glaubt, dass mehr als nur ein „Ehrenmord“ hinter der ganzen Angelegenheit steckt…

Das Wesentliche: Ruth Holländer ist klasse! Sofort nach dem ersten Kennenlernen schließt man die fast 50-jährige Protagonistin ins Herz. Es ist so sehr nachvollziehbar, dass Ruth erst einmal aus dem Häuschen ist, als sie den Brief erhält, der sie zur Schöffin beruft. Schließlich muss man sich für eine solche Aufgabe erst einmal frei schaufeln, und das ist nichts, was die Inhaberin eines gut laufenden französischen Bistros mal so eben regeln kann. Gut nur, dass ihr ihre Mitarbeiterin und Freundin Jamila tatkräftig unter die Arme greift und immer ein offenes Ohr für sie hat.

Der Fall, mit dem sich Ruth auseinandersetzen muss, hat es in sich: es geht um den Mord an der jungen Derya, einem Mädchen kurdischer Herkunft, das auf dem Nachhauseweg von einem Treffen mit Freunden erstochen wurde. Ihr Bruder soll der Mörder sein – zumindest sitzt er als Angeklagter vor Gericht.

Ruths erster Fall vor Gericht nimmt sie stark mit. So nah dabei zu sein, während über eine so schreckliche Tat berichtet wird – das muss wirklich hart sein. Und während sich Ruth immer mehr mit der schlimmen Angelegenheit auseinandersetzt und dabei erst einmal ihren Platz zwischen Berufs- und Laienrichtern finden muss, offenbart sich dem Leser nach und nach Ruths Charakter. Sie ist eine durch und durch integere, warmherzige Person, die stets für ihre Kinder und ihre Freunde da ist. Der Wunsch nach der Wahrheit treibt sie an – und dabei wandelt sie stets auf dem schmalen Grat zwischen der gesetzlichen Auflage, sich nicht beeinflussen zu lassen, und ihrem Bestreben, das ganze Geheimnis rund um die Tat in Erfahrung zu bringen.

Dadurch, dass wir hier nicht – wie in herkömmlichen Krimireihen – einem Kommissar bei seinen Ermittlungen über die Schulter schauen können, musste Judith Arendt eine andere Art der Annäherung an den Mord und seine Beweggründe finden. Wer jetzt nervenzerfetzende Action-Szenen sucht, wird sie in diesem Roman eher nicht finden. Stattdessen findet der Leser eine auf ungewöhnliche Art konstruierte Kriminalgeschichte, in denen sich Szenen vor Gericht mit Rückblenden abwechseln. Nicht zuletzt machen zwischendurch eingestreute „Beweismittel“, z.B. Auszüge aus Einsatzprotokollen oder Befragungen, die Geschichte authentisch und glaubhaft. Mir hat genau diese andere Herangehensweise an die Aufklärung eines Mordfalles enorm gut gefallen! Zudem habe ich nebenbei einiges über die Aufgaben als Schöffe gelernt, was mir zuvor so noch nicht klar war.

Judith Arendts Schreibstil ist locker und flüssig. Es macht überhaupt keine Mühe, der Geschichte zu folgen, und die recht kurzen Kapitel sorgen darüber hinaus stets für einen veränderten Blickwinkel und somit für Abwechslung.

Sehr gerne habe ich aber auch einfach nur über Ruths „Alltagszenen“ gelesen: wie sie mit ihrer Tochter am Frühstückstisch sitzt, wie sie mit Jamila im Laden das Essen vorbereitet, oder Einkäufe für ihr Bistro macht. Es wäre schön, in den nächsten Büchern der Reihe nach und nach mehr über Ruths Familie und Freunde zu erfahren. Und natürlich gönne ich Ruth als alleinstehender Frau im weiteren Verlauf ihrer Gerichtsfälle auch eine Liebesgeschichte – wenn sie nicht gar so plötzlich kommt, wie es hier unnötigerweise der Fall war.

Das Fazit: Ein ganz hervorragender Auftakt zu einer hoffentlich langlaufenden Reihe rund um die Schöffin Ruth Holländer! Freunde von gut konstruierter Kriminalliteratur mit warmherzigen Charakteren werden hier voll auf ihre Kosten kommen und sollten zugreifen.

Die Bewertung: Vier von fünf Sternen
Profile Image for WortGestalt.
255 reviews21 followers
December 25, 2014
Wenn Autoren unter einem Pseudonym schreiben, schreit das förmlich nach einer kleinen Recherche. Und so hat es auch hier nicht viele Klicks gebraucht, um im auskunftsfreudigen Internet auf Tanja Weber zu kommen, die unter dem Pseudonym Judith Arendt die hier vorliegende, neue Krimireihe um die Schöffin Ruth Holländer schreibt.

Und auch ein genauerer Blick auf die Veröffentlichungen von Tanja Weber lohnt und konnte mein Interesse wecken. Im Aufbau Verlag erschienen von ihr bereits „Sommersaat“ und „Oberland“, ebenfalls Krimis, von denen ersterer ihr sogar eine Nominierung für den renommierten Glauser-Preis einbrachte.

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Autorin bereits an Drehbüchern für „Verliebt in Berlin“ und „Türkisch für Anfänger“ mitgeschrieben hat, kann man ungefähr erahnen, in welche Richtung ihre Krimis gehen könnten. Denn diesen seichten Ton lockerer Abendunterhaltung merkt man dem „Unschuldslamm“ an einigen Stellen deutlich an. Dennoch fehlt es ihm nicht an der nötigen Tiefe, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

„Unschuldslamm“ überzeugte mich zunächst vor allem durch den neuen Blickwinkel. Denn dieser Krimi beginnt an der Stelle, an der die Genrekollegen normalerweise aufhören. Beim Gerichtsprozess. Diesen erlebt man als Krimileser in den seltensten Fällen. Begleitet man für gewöhnlich die Kommissare bei ihren Ermittlungen, sind diese hier bereits abgeschlossen. Und es ist eine willkommene Abwechslung, die Kommissare mal nur als Nebendarsteller, als reine Zeugen vor Gericht und nicht als die Helden mit Dienstwaffe zu erleben.

Die Hauptrollen übernehmen in diesem Buch andere. Ruth Holländer zum Beispiel. Sie ist Ende 40, geschieden, Mutter zweier Kinder, lebt in Moabit und betreibt ein kleines Bistro. Als ein Brief sie unvermittelt zur Schöffin ans Kriminalgericht Berlin beruft, stolpert sie völlig unwissend und unvorbereitet in das Amt einer Laienrichterin. Und gibt damit gleichzeitig auch dem Leser die Möglichkeit, sich in Ruhe mit diesem Amt vertraut zu machen. Lange Theorievorträge braucht man hier aber nicht fürchten, „learning by doing“ ist angesagt und so finden sich Leser und Schöffin gemeinsam Stück für Stück in diesem neuen Aufgabenfeld zurecht.

Und Ruths erster Prozess, dem sie beiwohnen soll, schlägt gleich richtig zu Buche: Eine junge Frau wurde ermordet, Derya Demizgül. Angeklagt ist nun ihr Bruder Aras, er soll seine Schwester erstochen haben, schweigt aber zu den Vorwürfen. Und es ist auf den ersten Blick schon fast traurig, wie es alleine die Namen schaffen, ein bestimmtes Bild von diesem Mordfall zu erzeugen. Ganz bewusst sollen hier Stichworte wie „Ehrenmord“ oder „Clan“ assoziiert werden. Aber so einfach macht es sich die Autorin nicht, hinter diesem Prozess verbirgt sich keine abgetragene Boulevard-Schlagzeilen-Story, sondern eine gut erzählte und gut aufgebaute Geschichte, die der heutigen Zeit gerecht wird und viele authentische Figuren hervorbringt.

Dabei bieten insbesondere die Prozesstage im Gericht ein erfrischend anderes Szenenbild, die Autorin wechselt in ihren Erzählsträngen immer mal wieder den Blickwinkel und fokussiert neben der Vergangenheit des Opfers auch ihre Freunde und Familie, sodass es ausreichend Ansatzpunkte für den Spannungsbogen gibt.

Fazit: Judith Arendt erreicht für mein Empfinden ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Spannung und Unterhaltung, man bekommt hier aber einen Kriminalroman geboten, der nicht dem üblichen Prozedere entspricht. Eine Schöffin als Protagonistin eröffnet eine neue Erzählperspektive, die die Autorin gut umsetzt, bei der aber auch das Privatleben einer geschiedenen Endvierzigerin im Mittelpunkt steht. Wer sich daran nicht stört, kann sich in diesem Buch einem Mordfall mal auf ganz andere Weise nähern.

Gesamteindruck: Völlig zufriedene 4 Sterne, vor allem für die Idee einer Schöffin als Protagonistin.

Chronologie zur Schöffin Ruth Holländer-Reihe:
# 01 - Unschuldslamm (2014)
# 02 - Sündenbock (erscheint im März 2015)



Rezension auch auf
http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de
Profile Image for Sjule.
503 reviews7 followers
May 4, 2016
In dem Krimi "Unschuldslamm- Der Erste Fall der Schöffin Ruth Holländer" von Judith Arendt geht (wie der Titel sagt) um den ersten Fall von Ruth Holländer, nachdem sie in Berlin als Schöffin berufen wird. Zuerst nicht wirklich begeistert, tritt sie ihr Amt im Gericht an und bekommt sofort einen spannenden Fall. Den Fall des ehrenmordes an Derya, einer 16 jährigen Kurdin, die mit mehreren Messerstichen in einem Wäldchen gefunden wurde. Der Bruder, der sie gefunden hat, steht als Mörder vor Gericht, aber Ruth glaubt nicht, dass er der Mörder ist. Aber wieso sagt er dann nicht aus ? Bei weiteren Befragungen von Zeugen und neuen Erkenntnissen ist Ruth nicht mehr die einzige, die das glaubt und der Fall nimmt eine Wendung.



Der Schreibstil der Autorin ist klar und leicht verständlich.

In dem Krimi werden viele Orte und verschiedene Zeiten genannt, da es viele Zeigenaussagen und Rückblenden gibt. Manchmal kann man dadurch ein wenig verwirrt werden, aber meistens habe ich mich gut zurecht gefunden. Auch die verschiedenen Geschichten von Derya, Valentin, Sergul und Ruth können einen leicht verwirren, aber auch da brauchte ich nur 2 Sätze, bisich wusste, wo ich jetzt bin.

Das privat Leben von Ruth wird sehr ausführlich beschrieben. Ob es die Kinder, ihr Ex - Mann, die Eltern oder ihre Schwester sind oder ihr Restaurant, alles wird genaustens beschrieben. Das hat mich an einigen Stellen (grad die mit ihrem Ex) doch ein wenig gestört, da siemir langatmig vorkamen, da es aber das erste Buch einer Reihe ? sein wird, wenn man sich den Titel anguckt, kann ich genau sagen, in wie weit sich diese Sachen noch als wichtig beweisen.

Ruth an sich ist mir aber sofort sympathisch mit ihren Problemen. Auch dass sie am Anfang gar keine Lust auf das Amt der Schöffin hat, sich dann aber viele Gedanken über den Fall macht.

Zu dem Opfer Derya und Valentin, ihren Freund, habe ich gleich eine Verbindung aufgebaut, da sie Probleme von Jugendlichen haben und auch gerne die Jugendsprache benutzen.

Zu dem Fall an sich, fand ich es sehr interessant, dass es erst als Ehrenmord angesehen wird, weil es sehr nahe liegt bei einem 16 jährigen kurdischen Mädchen, die einen deutschen Freund hat. Doch mit der Zeit kommen immer mehr Hinweise und es entwickelt sich anders. Obwohl ich sagen muss, dass mir als Leser eigentlich recht früh dann auch klar war, wer der Täter ist. Und am Ende des Buches bin ich froh, dass er nicht einfach so davon kommt.



Das ist jetzt alles, was mir gerade so in den Kopf kommt, also nochmal ein Fazit:

Das Buch ist mal ein anderer Krimi, da es ausder Sicht einer Schöffin geschrieben wurde. Auch das Thema Ehrenmord ist ein schwieriges und hat mich interessiert. Der Schreibstil war flüßig und klar. Die Sprünge zwischen den verschiedenen Blickwinkeln, Zeiten und Orten, ist leicht verwirrend, hat aber nicht stark eingeschränkt beim lesen. Das ausführliche und manchmal langatmige Privatleben von Ruth und dass ich relativ früh wusste, wer der Mörder ist, bewirkt leider einen kleinen Abzug bei meiner Bewertung, da mich dadurch das Buch nicht ganz in den Bann gezogen hat. Und somit sind es 3 von 5 Punkten.
Profile Image for Angi.
167 reviews2 followers
April 18, 2015
Hinter dem Pseudonym "Judith Arendt" verbirgt sich eine erfolgreiche Krimiautorin aus Deutschland. Ihr Buch "Unschuldslamm - Der erste Fall für Schöffin Ruth Holländer" ist hoffentlich der Auftakt zu einer ganzen Krimireihe - der Titel lässt es jedenfalls vermuten.

Ruth Holländer ist eigentlich eine ganz normale Frau: geschieden, zwei Kinder im Teenageralter, Betreiberin eines kleinen Bistros. Doch eines Tages erreicht sie ein Brief, der ihr Leben gehörig auf den Kopf stellt: sie wird zur ehrenamtlichen Schöffenrichterin berufen.
Zunächst ist sie von dieser Aufgabe wenig begeistert, denn sie muss sich schließlich um ihr Bistro kümmern und sie erwartet auch sonst nichts Gutes von diesem aufgezwungenen Ehrenamt.
Am ersten Verhandlungstag wird sie dann auch noch prompt mit einem erschreckenden Mordfall konfrontiert: eine 16-jährige Mitschülerin ihrer Tochter ist vor etwa einem halben Jahr auf brutalste Weise erstochen worden. Angeklagt ist der ältere Bruder des Opfers und die Presse sprach von einem "Ehrenmord".
Schon nach den ersten Zeugenbefragungen hegt Ruth ernste Zweifel an der Theorie: sie ist sich sicher, dass der Bruder unschuldig ist. Doch warum macht er dann keinerlei Angaben zur Tatnacht?
Sie nimmt sich die Verhandlungen sehr zu Herzen und irgendwann kann sie die nötige Trennung zwischen Gerichtssaal und Privatleben nicht mehr aufrecht erhalten...

Das Buch ist in einem sehr angenehmen Schreibstil verfasst: locker, manchmal mit jugendsprachlichen Ausdrücken garniert, niemals langatmig oder gar langweilig. Die Geschichte fesselt von Anfang an und wird so geschickt erzählt (teils in Rückblenden, teils in der Gegenwart), dass man ständig wissen möchte, wie es weitergeht. Wäre nicht die Nacht dazwischen gekommen, hätte ich diesen Krimi in einem Rutsch durchgelesen.
Der Fall an sich wird spannend erzählt und schlüssig zum Ende gebracht, doch das ist nicht das einzig Faszinierende an diesem Buch. Es sind viel mehr die so lebendig und real wirkenden Protagonisten, mit denen man sich stellenweise so wunderbar identifizieren kann. Ganz normale Menschen mit alltäglichen Problemen, rührigen und zuweilen anstrengenden bis belastenden Familienverhältnissen, Trennungen und neuen Liebschaften, Ängsten und Sorgen, aber auch positiven emotionalen Momenten.
Einen großen Teil der Geschichte nimmt dieser "menschliche Part" ein, es geht weniger um die Darstellung von akribischer Ermittlungsarbeit, sondern es geht um die Menschen, die darin verwickelt sind.
"Unschuldslamm" habe ich sehr gerne gelesen und ich möchte unbedingt mehr von Ruth Holländer und den vielen anderen interessanten Charakteren wissen. Hoffentlich wird diese Reihe bald fortgesetzt!
Für dieses Buch vergebe ich 5 Sterne und empfehle es allen Lesern, die neben einer spannenden Kriminalgeschichte auch viel Wert auf Informationen aus dem "Privatleben" der Protagonisten legen.
Profile Image for Aglaya.
209 reviews
June 8, 2015
Die Bistro-Besitzerin Ruth Holländer wird als Schöffin einberufen. Sie soll über ein Tötungsdelikt in Berlin Moabit richten, bei dem es sich anscheinend um einen Ehrenmord handelt.



Ein Krimi einmal andersrum. Während die meisten Krimis sich um die polizeilichen (oder privaten) Ermittlungen zu einem Kriminalfall drehen und mit der Verhaftung des Täters enden, beginnt dieser mit der Gerichtsverhandlung, die sonst, wenn sie überhaupt erwähnt wird, in wenigen Sätzen abgehandelt wird. Zu Beginn dreht sich der Krimi in erster Linie um die Protagonistin, die frischgebackene Schöffin Ruth Holländer. Der Leser erfährt viel über ihr Leben, ihre Vergangenheit, ihre Familie. Dass diese als Laienrichterin über einen Mordfall zu entscheiden hat, wird beinahe zur Nebensache. Erst nach rund einem Drittel des Buches nimmt der Kriminalfall einen etwas grösseren Teil ein.



Die Geschichte wird in erster Linie aus der Sicht der Protagonistin Ruth Holländer erzählt, die Autorin Judith Arendt schiebt aber auch immer wieder Kapitel aus der Sicht des Mordopfers oder anderen Beteiligten ein, dazu kommen Befragungsprotokolle und ähnliches. Der Schreibstil von Judith Arendt liest sich dabei angenehm flüssig, die Charaktere werden ausreichend dargestellt, bleiben aber dennoch ziemlich klischeehaft und zweidimensional (so konnte ich beispielsweise die pubertierende Tochter der Protagonistin schon nach wenigen Sätzen nicht leiden). Da zum Zeitpunkt, in dem die Geschichte spielt, sowohl der Mord bereits geschehen ist wie auch die Ermittlungen schon abgeschlossen sind, wird vieles in Rückblenden erzählt, es gibt Sprünge bis in die Zeit vor dem Mord zurück. . Auch die Verhandlungstage werden teilweise nicht während der Geschehnisse, sondern rückblickend betrachtet, wenn Ruth Holländer bereits wieder erschöpft auf dem Sofa sitzt und sich an den vergangenen Tag erinnert. Dieses Stilmittel muss man mögen (oder sich zumindest damit abfinden können), um mit diesem Roman zurechtzukommen.



Für meinen Geschmack nimmt das „Drumherum“, das Privatleben und die Gedanken von Ruth Holländer, einen etwas zu grossen Platz in diesem Kriminalroman ein. Es gibt hier auch kaum Ermittlungen zu verfolgen, die Protagonistin fungiert im Grunde lediglich als Erzählerin. So kommt nur schwer Spannung auf.



„Unschuldslamm“ hat mich ganz gut unterhalten, jedoch nicht restlos begeistert. Ich kann mir durchaus vorstellen, noch weitere Bände der Reihe um Ruth Holländer zu lesen, werde jetzt aber nicht gleich den Buchladen stürmen, um mir diese zu holen. Wer einen unterhaltsamen Krimi für zwischendurch mit viel Gewicht auf dem Privatleben der Protagonistin sucht, ist hier gut bedient. Wer aber ein Buch lesen möchte, dass er vor Spannung kaum mehr aus der Hand legen kann, sollte sich lieber anderweitig umsehen.
237 reviews1 follower
June 30, 2015
Mein erster Gedanke zu diesem Buch war ehrlich “Was zum Henker machen Schöffen?”, denn dieses Amt war mir zuvor eigentlich gar nicht bekannt. Das kann unter anderem damit zusammenhängen, dass ich mich nicht so sehr für die Justiz interessiere, dass ich mich freiwillig auf ein solches Amt bewerben würde, zum anderen aber auch damit, dass ich selbst auch noch nicht in diese Position gelost wurde. Auf jeden Fall aber finde ich diesen Ansatz für einen Krimi richtig gut, da es mal etwas vollkommen anderes ist und von dem Bekannten abweicht.

Allgemein führt dieser Punkt dazu, dass es sich um einen eher ruhigen Krimi handelt, da Ruth weder zu Polizei gehört, noch Detektiv oder anderes ist, man also ihr mit den Informationen hauptsächlich folgen kann, die ihr im Gericht zugetragen werden. Diese reichen Ruth zwar nicht aus und man erfährt noch deutlich mehr, was in mehreren Punkten für Spannung sorgt, da Ruth ihre Informationen sicherlich auf diesem Weg nicht einholen dürfte und man zudem weiter in verschiedenste Denkrichtungen gelenkt wird, welche mit der Anklage wenig zu tun haben. Dazu kommt außerdem, dass Ruth einfach eine sehr sympathische Person und durch ihre Tochter, die fast im gleichen Alter, wie das Opfer und auf der gleichen Schule ist, sehr nah an der Tat dran ist. Ich finde es einfach eine extrem gelungene Kombination aus Kriminalroman, der einfach spannend ist und bei dem man gute Chancen hat, sich Täter und Motiv ermitteln zu können und den familiären und eher ruhigen Informationen rund um Ruth und ihre Familie. Vor allen Dingen gefällt mir ihr Bistro auch einfach klasse.

Insgesamt finde ich auch die Charaktere sehr gut gelungen mit Ruth, die sich als Alleinerziehende geschafft hat ihr Bistro aufzubauen und durch ihre quirlige Art doch auch ein wenig konfus ist manches Mal, aber einfach irre sympathisch ist, ihren Schöffenkollegen, der durch seine altkluge Art durchaus auch mir als Leser mächtig auf die Nerven gegangen ist, aber auch Ruths Familie, ihre Kollegin und vor allem auch das Opfer und die Menschen in ihrer Umgebung haben ausreichend Persönlichkeit, dass man sie sich vorstellen, ihre Art zu handeln erkennen kann und so auch in Richtung des Mordmotivs kommen kann. Dabei muss ich ja ehrlich gesehen, dass ich auch die Beziehung von Mutter und Tochter bei Ruth sehr gut dargestellt finde, vor allem auch die kleinen, typischen Meinungsverschiedenheiten, die durch den Schöffenfall bei Ruth teils noch eine Tiefe bekommen, die ungewöhnlich ist.

Wer einmal einen etwas anderen Krimi lesen möchte und es auch mag, wenn nicht nur der Kriminalfall im Fokus steht, sondern auch etwas mehr das Privatleben der Charaktere, ist mit diesem Buch auf jeden Fall auf der richtigen Spur.
113 reviews1 follower
May 17, 2015
Ruth Holländer kann sich nicht beklagen: Die Scheidung ist durch, der Sohn aus dem Haus, und die 16-jährige Tochter pubertiert fast nicht mehr. Auch Ruths französisches Bistro läuft erfreulich gut. Aber dann kommt ein Bescheid vom Amtsgericht: Zu ihrem Entsetzen wird Ruth zur Schöffin berufen. Sie muss in einem Mordfall beisitzen. Schon bald hegt sie Zweifel an der Schuld des Hauptangeklagten: Hat der junge Mann wirklich seine Schwester getötet?

Ich muss sagen, dieser erste Kriminalroman, den ich aus der Feder von Judith Arendt gelesen habe, hat mir richtig Spaß gemacht. Natürlich ist der Grund, weshalb Ruth zur Schöffin berufen wird, ganz und gar nicht lustig, aber Ruth selbst fand ich einfach wunderbar natürlich und konnte sie die ganze Zeit beim Lesen vor meinem geistigen Auge sehen.

Ich selbst wäre ganz sicher genauso wenig begeistert wie Ruth, als sie die Aufforderung erhält, sich zu Prozessbeginn im Gericht einzufinden. Doch Ruth gelingt es auf nachvollziebare Weise, sich die Arbeit als Schöffin zu erschliessen. Unterstützt wird sie dabei von Herrn Hochtobel, dem zweiten Laienrichter, aber auch die Berufsrichter legen Wert auf Ruths Meinung, wodurch deren Unmut schnell verfliegt. Wenngleich es für sie nicht einfach ist, ihre Arbeit im Bistro mit der als Schöffin unter einen Hut zu bringen. Und auch im privaten Umfeld tut sich so einiges: Ruth wird bald 50, die Eltern haben gesundheitliche Probleme und auch bei der Schwester steht nicht alles zum Besten.

Dies alles verwebt Judith Arendt zu einem interessanten Roman, bei dem doch die Klärung der Schuldfrage im Fokus steht.

In Rückblenden lernt der Leser das Opfer und die Umstände kennen, die letztendlich zu der Tat geführt haben.

Tatsächlich war ich ab etwa der Hälfte des Buches der Lösung schon auf die Spur gekommen. Ruth Holländer braucht dafür verständlicherweise länger, weil ihr nicht alle Fakten bekannt sind, die der Leser kennt.

Schade fand ich, dass am Ende ein bestimmtes Ereignis nicht stattfindet. Andernfalls wäre der Tod der jungen Frau vielleicht nicht vollkommen sinnlos gewesen.
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34 reviews1 follower
January 23, 2015
Ein tolles Buch mit einem leider immer noch aktuellen Thema. Ich möchte nicht wissen, wie viele "Ehrenmorde" tagtäglich allein in Deutschland verübt werden und wo im Zweifel auch der Falsche auf der Anklagebank sitzt.
Und dank Ruth Holländer werde ich mich jetzt mal etwas genauer mit dem Schöffenamt befassen und mich ein wenig informieren.
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