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Kinder der Gewalt: Ein Porträt Russlands in fünf Verbrechen (Beck Paperback 6540)

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Woher kommt die ungeheuere Brutalität, mit der die russischen Soldaten in der Ukraine morden, plündern und vergewaltigen? Warum wehren sich so wenige Russen gegen den Krieg? Julian Hans, der langjährige Moskau-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, macht anhand von fünf spektakulären Verbrechen sichtbar, wie sich Gewalt und Erniedrigung in das Leben der Menschen gefressen haben. Wer verstehen will, wie die russische Gesellschaft tickt, findet hier seismographisch-genaue Antworten.

Auch wenn Putin irgendwann nicht mehr im Kreml sitzt – die russische Gesellschaft tritt nicht ab. Menschen, die ihr Leben lang erniedrigt wurden und daher schnell bereit sind, andere zu erniedrigen. Menschen, die nie erfahren haben, dass ihr eigenes Leben geschützt und geachtet wird, und die deshalb schwer Achtung und Mitgefühl für andere entwickeln können. Menschen, die gelernt haben, dass es keine Wahrheit gibt, die nicht morgen in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Diese Buch nähert sich dem Zusammenspiel von Angst, Gewalt und Lüge in Russland am Beispiel von fünf Kriminalfällen – eine brutale Bande terrorisiert eine Kleinstadt, jugendliche Polizistenmörder werden zu Volkshelden, drei Schwestern töten ihren tyrannischen Vater, ein Enkel klagt die Henker seines Urgroßvaters an, ein Folteropfer überwindet den Hass. Dabei zeigt sich auch, welche Kräfte helfen könnten, die über Generationen geprägten Muster der Gewalt zu überwinden.

267 pages, Kindle Edition

Published February 15, 2024

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Julian Hans

3 books1 follower

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Carla.
24 reviews2 followers
June 14, 2024
Spannende Analyse der russischen Gesellschaft, sowohl mit Rückblick auf die letzten Jahre und Entwicklungen unter Stalin und seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als auch die Jahre vor und nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine.
Lässt sich sehr gut lesen, auch ohne viel Hintergrundwissen. Der Fokus auf fünf Verbrechen, die stellvertretend für fünf Thesen/Entwickungen/Phänomene stehen, macht es übersichtlich, gut nachvollziehbar und verständlich zu lesen. Eine wichtige Ergänzung zu den vielen Analysen, die Geschichte von Institutionen, Parteien, Geheimdiensten und Co. behandeln, weil der oft unterbeleuchtete, vielmals als passiv beschriebene Teil der Gesellschaft in den Blick gewonnen wird. Lesenswert!

TW: sexuelle & häusliche Gewalt, Folter, Repression, Trauma u.a.
22 reviews
March 8, 2026
Wer sein Schwert schärfen möchte, liest dieses Buch
Profile Image for monsieur_steini .
241 reviews6 followers
August 5, 2025
Dieses Buch ist keine einfache Kost. Der ehemalige Moskau-Korrespondent der SZ und mittlerweile freischaffende Journalist Julian Hans geht in insgesamt sechs Kapiteln der Frage nach, welche Rolle Gewalt in Russland spielt und wie diese Gewalt gesellschaftliche Strukturen, Autoritäten und staatliche Institutionen beeinflusst und geprägt hat. Die russische Bevölkerung wird aus deutscher Perspektive oft als passiv, duldsam, devot wahrgenommen, man fragt sich, wieso denn nichts passiert, warum es keine Massenproteste gibt, warum dieses Volk gegen die Autokraten und Despoten nicht aufbegehrt. Wer dieses Buch gelesen hat, versteht, warum dem nicht so ist und leider, so viel kann gesagt werden, weil es auf der Hand liegt, erscheint ein Umdenken in der Staatsregierung oder ein Regimewechsel unwahrscheinlich. 

Julian Hans nimmt uns mit in entlegene Winkel Russlands und zeigt anhand von Kriminalfällen, die medial in Russland großes Aufsehen erregt haben, wie die russische Bevölkerung tickt. Im Kapitel "Angst" terrorisiert eine Bande etwa eine ganze Ortschaft und profitiert von Beziehungen in Regierungskreise und zur Polizei, in "Wut" lehnt sich eine Gruppe junger Partisanen gegen die Obrigkeiten auf, in "Vergeltung" wird die Aufarbeitung der Vergangenheit und ehemaliger Kriegsverbrechen thematisiert, die bis zum Ersten Weltkrieg zurückreichen. Es schmerzt wahrlich beim Lesen, dass sich zunehmend eine pessimistische Stimmung breitmacht, dass diese festgefahrenen Machtstrukturen, der propagierte Aufopferungswille im Dienste des Staates, Korruption und Vertuschung dieses Land zu dem gemacht haben, was es heute ist. Julian Hans hat mit Künstler*innen, Forscher*innen und Expert*innen gesprochen und zeichnet ein zugängliches, aufklärendes, wenn auch erschreckendes Bild Russlands.
Profile Image for Marlene Göldner.
29 reviews1 follower
April 12, 2026
Der Deal zwischen Volk und Führung in Russland lautet: der Staat gewährleistet Stabilität und Wohlstand und die Bürger*innen verzichten dafür auf ihre Mitwirkungsrechte.
- Ein absolut großartiges Buch von Julian Hans

Wer dieses Buch gelesen hat, versteht nicht nur wie strukturell tiefgreifend die Gewalt in Russland vorgedrungen ist, sondern auch warum so kaum Widerstand in der Bevölkerung in Bezug auf den Ukraine Krieg aufkeimt.

Was geht in den Köpfen der Menschen in Russland vor, ein solches Regime zu unterstützen? Diese Frage scheint aus westlich eurozentrischer Perspektive völlig valide und geistert mir selbst seit Jahren im Kopf herum. Es ist schwer zu verstehen wie Menschen mit einem Gefühl aufwachsen, in einem Staat zu leben, wo man mit ihnen jederzeit alles machen kann und ihnen niemand hilft. Einem Staat, indem das natürliche Recht der Stärkeren gilt, wo Männer über Frauen bestimmen. Wo niemand offen über die Vergewaltigungen spricht und alle ein Interesse am Schweigen haben. Einem Staat, wo die Eltern den Ruf der Familie nicht zerstören wollen und ihre vergewaltigten Kinder daher zum Schweigen bringen. Wie ist es in einem Staat zu leben, wo die Polizei nicht dem eigenen Schutz dient? Julian Hans, langjähriger Moskau-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, zeichnet durch die Aufarbeitung von fünf Kriminalfällen ein Bild der russischen Gesellschaft. Es ist ein Bild, das zeigt: die einzige Sprache die alle in Russland verstehen sei Gewalt. Nicht nur die alltägliche Gewalt, wozu die systematischen Vergewaltigungen gehören, sondern auch die staatliche Gewalt. Es ist ein Gewalt die nicht hinterfragt wird. Gewalt von Männern gegenüber Frauen, Gewalt in der Familie, Gewalt Ältere gegenüber Jüngeren, die Gewalt des Staates gegen seine Bürger*innen - das alles ist Normalität in Russland. Die Verehrung der Gewalt ist russische Leitkultur. Dies macht Julian Hans anhand der Beispiele deutlich, die in jedem russischen Kaufhaus zu finden sind. Werbung die explizit fragt: „Sind Sie ein brutaler Mann?“ oder Armbänder die nur für „starke Männer“ seien.

Die erschreckenden Umstände zeigt Julian Hans beispielhaft durch den Zapok-Clan auf. Jahrelang gingen die Mafia und die Behörden koordiniert mit Raubzügen gegen Bauern, mit Morden und systematischen Vergewaltigungen vor. Sie terrorisierten die Bewohner von Kuschtschowskaja, eine Region im Süden Russlands. Das Wirtschaftsimperium des Zapok-Clan wird vor Gericht kaum in Verantwortung gezogen und auch die systematische Zusammenarbeit zwischen Polizei und Mafia im Schutzgeldgewerbe wird nicht aufgearbeitet.

Welche Rolle Gewalt in Russland spielt wird natürlich auch beim Ukraine Krieg deutlich. Die Glorifizierung des Todes steht dabei ganz oben. Den mit dem Tod auf dem Schlachtfeld als Soldat(*in), bietet Putin eine sinnvolle Alternative zum nutzlosen Tod als Alkoholiker(*in). Putins Regime glorifiziert und heroisiert den Tod, und lässt ihn als rational gute Wahl erscheinen. Der Tod spielt in Russland eine andere Rolle als wir es kennen und ist vermutlich die Folge der extremen Geringschätzung des eigenen Lebens und damit auch die Geringschätzung des Lebens anderer. Die Verachtung anderer folgt aus der fehlenden Selbstachtung.
Da der Kreml Putin, seit seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten 1999 von Boris Jelzin, als einen Mann verkauft, der keine Politik macht, sondern notwendige Entscheidungen trifft, wird auch die „militärische Operation“ in der Ukraine nicht hinterfragt. Der Kreml verfolgt die Ideologie einer von westlichen Einflüssen bedrohten Identität. So steht auch in der außenpolitischen Strategie der russischen Föderation, im 2014 verabschiedeten Militärdoktrin bei Punkt 22: dass Russland seine Streitkräfte einsetzen darf, um das Land gegen Aggressionen von außen zu schützen. Auch um russische Staatsbürger die sich außerhalb der Lnadesgrenzen befinden zu schützen! So wurden die militärischen Operationen auf der Krim, in Moldau, Georgien oder der Ukraine gerechtfertigt. Notfalls werden die „russischen Staatsbürger“ die Moskau zu schützen vorgibt, erst kurz zuvor geschaffen und in den Krisengebieten werden großzügig russische Pässe verteilt. Nun laufen in Russland viele Straftäter wieder frei rum, da sie alle nach ihren Einsätzen in der Ukraine begnadigt werden. Völlig unabhängig von ihren Taten, werden sie aus den Gefängnissen für dein Einsatz rausgelassen und im Nachhinein mit sämtlichen Privilegien belohnt.

Dem Staat darf man nicht widersprechen. Das Regime braucht eine passive Bevölkerung, wer gegen die vertikale Macht angeht wird verdächtig und muss mit der systematischen Diskreditierung sämtlicher Initiativen rechnen.

Ein super spannendes Buch, was ich jedem empfehlen kann zu lesen. Wer die russische Gesellschaft ein wenig mehr verstehen möchte und daraus eine andere Herangehensweise an den Umgang mit Russland für sich ableiten will, sollte sich mit „Kinder der Gewalt“ von Julian Hans auseinandersetzen!
Profile Image for Anna Müller.
38 reviews
April 2, 2026
Ein unglaublich eindrückliches, ehrliches und brutales Buch! Wer Russland als Land, die Kultur aber auch den Krieg gegen die Ukraine vollumfänglicher verstehen möchte, sollte es lesen.
Mit viel Präzision wird anhand von verschiedenen Gewaltverbrechen erklärt, wie die russische Gesellschaft tickt, wieso sie scheinbar schweigt und dass sie eben doch nicht immer schweigt.
Einzelne Stellen lesen sich gruselig ähnlich wie George Orwells 1984.
Insgesamt liest sich das Buch angenehm, einfach das erste dargestellte Verbrechen zieht sich ein bisschen in die Länge.
Die Ereignisse sind oft immer gut in den historischen Kontext eingebettet, was das Buch noch lehrreicher macht.
Ein bisschen Kenntnisse der russischen Geschichte, vor allem zur Zeit der Sowjetunion und in den Jahren unter Putin sind zu einem guten Verständnis trotzdem empfehlenswert.
Profile Image for Marina .
76 reviews12 followers
January 8, 2025
Eine schmerzhafte Lektüre, aber gut recherchiert und behutsam erzählt. Sehr zu empfehlen, insbesondere denen, die von Sklavenmentalität reden und Russen grundsätzlich als genetischen Müll bezeichnen.
Profile Image for Greta Lenzing.
11 reviews2 followers
June 26, 2024
Ein wichtiges Buch! Julian Hans gelingt es in fünf Verbrechen ein sehr nuanciertes Psychogramm der russischen Gesellschaft zu zeichnen ohne dabei zu psychologisieren oder apologetisch zu sein. Seine Verbindungen der Vergangenheit, der Verbrechen und der tragischen Gegenwart sind intelligent und feinfühlig. Hilft die Gegenwart einzuordnen ohne dabei nur den Präsidenten oder die Eliten anzuschauen. TW: sehr explizite Schilderung von sexualisierter Gewalt, Folter uvm.
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