Freie Wahlen werden amtlich als Kernstück der Demokratie geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte.
Weniger amtlich betrachten Politiker wie Wähler diese Veranstaltung ohne solche Ehrerbietung. Demokratische Politiker nehmen Wahlen nüchtern als Bedingung und Gelegenheit, auf Kosten der Konkurrenten an die Macht zu gelangen. Und mündige Bürger haben Wahlen längst als Schwindel durchschaut. Wählen gehen sie selbstbewusst ohne Illusionen, damit etwas zu ‚bewirken‘ oder zu ‚verändern‘.
Sowohl die hohe Meinung über die hehren Grundsätze demokratischer Machtausübung wie auch das abschätzige Urteil über die praktische Betätigung des Volkswillens übergehen allerdings, was das Institut der freien Wahlen tatsächlich leistet: Mit den Wahlkreuzen legitimiert sich immerhin eine Herrschaft, die sich auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Basis – vom ‚Druck der Straße‘ – viel zugute hält und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht. Und auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘ ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein, dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch zurechtkommen müssen.
Hallo Verfassungsschutz! Eigentlich ist das Buch nur eine Sammlung von GSP-Artikeln der letzten 30 Jahre zum Thema Demokratie, aber diese Auswahl ist so genial kuratiert, so unfassbar aktuell, dass man es fast kaum glauben kann. Es haben sich sehr viele Synapsen neu verbunden und die letzten beiden Kapitel sind wirklich phänomenal. Die Sprache ist nun ja, gewöhnungsbedürftig, aber das ist eben Teil des GSPversum. Video dazu folgt!
schöne polemiken, gut zu lesen. was mir fehlt ist das vorstellen einer alternative, wie die demokratie sozialistisch überwunden werden soll etc. ist aber auch nicht thema des buches, insofern folgt hieraus auch keine kritik an den texten selbst.
4,5/5- In GSP Manier wirklich sehr anspruchsvoll zu lesen, aber trotzdem eine sehr empfehlenswerte Lektüre, wenn man es sich zutraut. Die für GSP typische Polemik trifft auch sehr gut den Zeitgeist und das Buch zeigt allgemein sehr wertvoll auf, was „Wahlen“ und „Demokratie“ tatsächlich realpolitisch für die Bürger*innen bedeuten.